Produkt: 30 Jahre Gitarre & Bass – Mark Knopfler
30 Jahre Gitarre & Bass – Mark Knopfler
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Voll die Röhre

Test: Mooer Tube Engine

(Bild: Dieter Stork)

Das Thema Pedalboard hat sich weit entwickelt. Weil es seit einiger Zeit auch spezielle Preamps dafür gibt, kann man sie als in sich geschlossenes Sound-System aufbauen. Dem dann zum Befeuern von Lautsprechern nur noch eines fehlt: die Endstufe. Bitteschön, die hier könnte den Job machen. Ist nicht digital, ist nicht Class-D. Ist analog und Vollröhre.

Es hat seinen guten Grund, warum gerade Mooer so eine Endstufe herausgebracht hat. Der chinesische Hersteller hat eine Produktserie auf den Weg gebracht, die laut Manual genau so etwas wie die Tube Engine braucht: die Micro Preamps.

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Total kompakte zweikanalige Modeling-Vorverstärker, die sich im Sound an analogen Boutique-Amps und Klassikern orientieren. Wir haben gerade erst wieder in einem Test von ihnen berichtet. Die Serie umfasst inzwischen bereits 18 Modelle. Und es werden stetig mehr.

Bewährtes

Mooer macht bei der Endstufe keine Experimente. Keine Besonderheiten, das technische Design stützt sich auf eine altbekannte Schaltung. Zwei EL84 im Class-AB-Betrieb mit Kathodenbias, woran denkt man bei der Spezifizierung sofort?

Marshall 2061, na klar. Von daher käme die Tube Engine mit drei Röhren aus, denn es braucht ja nur noch eine Doppeltriode als Phasentreiber, fertig. Oder nicht?

Nein, um die zwei Volt Eingangsspannung, als Richtwert, wären dann für Vollaussteuerung gefordert. Was weit über dem 0dB-Standard liegt. Man muss also im Eingang so einer Endstufe für zusätzliche Verstärkung sorgen, weswegen Mooer eine zweite Doppeltriode vorgesehen hat.

Hi/Low-Anpassungschalter im Eingang (Bild: Dieter Stork)

Und damit sie wirklich universell funktioniert, ist ein Schalter vorhanden, mit dem man die Eingangsimpedanz ändern kann: HI/1 Mohm, Low/220 kOhm. Ideal.

Gerätetypisch beschränken sich die Bedienungsmöglichkeiten auf ein Minimum. Vorne Master als Lautstärkeregler, ein Presence-Poti, die Schalter Power und Standby, hinten drei Speaker Outs (2x 8 Ohm, 1x 16 Ohm).

Vor dem Hören kommt die Begutachtung der Substanz. Die Elektronik ist in einem schlicht konstruierten, dabei aber hochstabilen Stahlblechgehäuse mit vergitterten Lüftungsschlitzen untergebracht.

Unten sind große Gummifüße befestigt, an der Seite ein Tragegriff. Optional kann das kleine Paket in einem 19“-Rack/-Case montiert werden. Die dafür benötigten Montagebleche trägt die Tube Engine am Körper. Wie praktisch, die sind mit je drei Schrauben an den Seitenwänden des Gehäuses angeschraubt.

Mit der Verarbeitung im Inneren kann man hochzufrieden sein. Solide Platinen, hochwertige Steckkontakte und Bauteile (u. a. Koppelkondensatoren von Wima, Typ MKS4), die Röhrenfassungen mechanisch stabilisiert durch ein Stützblech, ein Metallkasten zur Abschirmung der Input-Sektion, mehr kann man wirklich nicht verlangen in dieser Preisklasse.

Laut? schön laut?

Wenn sich die Elektronen vom Tonabnehmer aus auf die Reise zum Lautsprecher begeben, passieren sie viele erlebnisreiche Stationen. Da werden sie von Distortion-Pedalen fast rechteckig gemacht, von Modulationseffekten auf Achterbahnen geschickt, am Ende von glorreichem Hall eingenebelt, verstärkt, ausgedünnt, durch kleine oder große Kondensatoren geschickt, die zuweilen nicht zimperlich mit Ihnen umgehen, nein, auch wenn man möchte, dass sie Ihren Charakter bewahren, sie sind nicht mehr dieselben, wenn sie an der Endstufe ankommen.

Ob im positiven oder negativen Sinne entscheidet sich mit der Qualität des verwendeten Equipments. Tja, und selbst an der letzten Station der Signalbearbeitung hat die noch erhebliche Relevanz, wie mancher schon erlebt haben wird. Die Endstufe ist keine neutrale Institution, was/welche man verwendet, ist nicht beliebig.

Minimalistisch, Endstufe halt, aber sehr sinnvoll (Bild: Dieter Stork)

Anders als bei P.A.- und Studio-Endstufen, die möglichst linear arbeiten sollen, erwartet man von einer Gitarrenendstufe, dass sie „Sound“ macht. Ein Indiz für die gewünschte nonlineare Natur ist der Presence-Regler, der in der Regel in der Lage ist massiv auf das Höhenspektrum des Signals Einfluss zu nehmen.

Gewünscht ist grundsätzlich ein voluminöses Klangbild, frisch in den Höhen, luftig, unaufdringlich, sowie Transparenz im gesamten Spektrum. Und ein gesundes Bass-Fundament, eher kräftiger als dezent.

Um z. B. aufzufangen, was kompakte Speaker-Cabs allein von sich aus nicht leisten können. Oder damit dem vorgebeugt ist, dass die vorangegangene Signalkette eventuell eher mager als fett im Ton endet. Gerade Modeling-Geräte haben ja oft recht enge Grenzen was die Bassreserven angeht (was auf die Micro Preamps von Mooer erfreulicherweise definitiv nicht zutrifft).

Den genannten Anforderungen wird die Tube Engine ziemlich kultiviert gerecht. Das Klangbild der Endstufe ist sehr kraftvoll und in den etwas kühlen Höhen weder überzeichnet noch hart. Sie reagiert stramm und dynamisch auf die Spielweise (Gitarre direkt einpluggen im High-Modus) und erzeugt ein erfreulich plastisches Hörerlebnis.

Die Eingangsstufe ist indes betont übersteuerungsfest ausgelegt. Es braucht hohe Pegel um die Tube Engine in die Sättigung zu bewegen; sie hat viel Headroom.

Zwingt man die Wiedergabe trotzdem in die Sättigung, tut sie das grobkörnig-kernig, ziemlich harmonisch und sensibel. Klanglich ist die kleine Endstufe also ganz schön groß. Nur in Sachen effektiver Power darf man nicht zu viel erwarten.

Mit 18 Watt kann man keine großen Bäume ausreißen. Richtig laut wird es da nicht, erst recht wenn man zufällig ein 1×12-Cab o. ä. mit defensiver Schalldruckleistung in Gebrauch hat.

Noch ein Hinweis in Sachen allgemeiner Kompatibilität. Grundsätzlich produziert die Tube Engine ein Klangbild, das den universellen Einsatz der Endstufe in vielen Gerätekonstellationen praktikabel macht. Dennoch können Situationen eintreten, in denen die Klangergebnisse nicht zufriedenstellen.

Dies gilt insbesondere, wenn man die Tube Engine – bzw. ganz allgemein E-Gitarrenendstufen – über den FX-Send mit dem Vorstufensignal von (Röhren-) Amps beschickt. Manche Hersteller bevorzugen im Preamp einen schlanken Ton, der erst in der Poweramp-Sektion des Topteils zu voller Fülle aufgeblasen wird.

In solchen Fällen kann das Sound-Ergebnis mager wirken. Daran ist dann aber nicht die Tube Engine schuld, sondern schlicht die ungünstige Konstellation. Abhilfe kann in solchen Fällen ein Graphic-EQ schaffen.

Alternativen

Ein mit der Tube Engine vergleichbares Produkt ist derzeit nicht auf dem Markt. Erst wenn man erheblich mehr Geld investiert, kommen überhaupt andere Röhrenendstufen in Sicht (die aber meist stereo ausgelegt sind).

Rein funktional ist lediglich die Halbleiterendstufe Mainline von Rocktron (mono max. 300 Watt an 8 Ohm) eine mögliche Alternative. Die kostet allerdings € 300 mehr. Schwups, damit ist sie eigentlich gleich wieder raus aus dem Rennen, oder?!

Resümee

Die Tube Engine dürfte für viele Gitarristen die ersehnte Lösung sein. Gepflegte Röhrenverstärkung in einem gleichermaßen kompakten wie leichtgewichtigen Format, eine ideale Ergänzung zum Pedalboard.

Grundsätzlich ist die Tube Engine allerdings universell einsetzbar – bis dahin, dass man mit der Gitarre direkt hineingehen kann. Die Qualität der Signalbearbeitung bewegt sich auf einem höheren Niveau als der Preis suggeriert.

Substanz und Verarbeitung punkten ebenfalls voll im Plus. Schönen Dank übrigens für die deutschsprachige Bedienungsanleitung.

Es bleibt ein Fazit ohne Zweifel und Einschränkungen: Die Tube Engine ist jeden Cent ihres Preises wert.

PLUS

  • Klangqualität
  • Dynamik, Ansprache
  • Hi/Low-Umschaltung/Input
  • sehr geringe Nebengeräusche
  • hochwertige Verarbeitung, Qualität d. Bauteile

(erschienen in Gitarre&Bass 11/2018)

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