Produkt: Gitarre & Bass 6/2019 Digital
Gitarre & Bass 6/2019 Digital
Neoclassical Bluesrock: Yngwie Malmsteen+++Strat, Style, Strings, Sound: Jimmie Vaughan+++Glam-Metal 2019: Steel Panther+++Auf langer Abschieds-Tour: Rickey Medlocke & Lynyrd Skynyrd
G&B Basics

Pflege und Reinigung von Akustik-Gitarren

Akustik-Gitarren sind nicht nur unsere Lieblinge, sie sind auch Gebrauchsgegenstände. Sie werden angefasst, müssen manchmal harte Transportwege und längeren Aufenthalt in zweifelhaften Locations überstehen. Also muss man sich auch um ihre Reinigung und Pflege kümmern.

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Bevor man sich überhaupt an die Gitarre begibt, um sie wieder auf Vordermann zu bringen, sollte man kurz über die eigene Hygiene nachdenken. Es ist sicher eine gute Idee, vor jedem Spielen darauf zu achten, dass die Hände sauber und trocken sind. Auch sollte die Kleidung da, wo sie Kontakt zum Instrument hat, sauber und fettfrei sein. Spitze und harte (metallische) Acessoires wie Gürtelschnallen, Knöpfe oder Schmuckgegenstände wie z. B. Arm- und Uhrenbänder am besten vom Instrument fernhalten!

Saitenpflege

Damit die Saiten möglichst lange halten und einen frischen Ton erzeugen, sollte man sie nach jedem Spielen saubermachen. Im einfachsten Fall reicht ein trockenes, fusselfreies Baumwolltuch, mit dem man jede Saite einzeln rundherum umfasst und entlanggleitet.

Hartnäckige Patina entfernt man mit Saitenreiniger, entweder aus dem Musikalienfachhandel oder einfach mit Isopropanol aus der Apotheke. Grundsätzlich gilt: Bei der Verwendung von Reinigungsflüssigkeiten und Chemikalien vorsichtig sein und nur dort anwenden, wo sie auch vorgesehen sind. Ein Stöffchen, das die Saiten porentief reinigt, könnte für ein empfindliches Holz-Finish schon gefährlich sein.

Der Lebensdauer der Saiten zuträglich ist übrigens auch ein sorgfältiger Check des gesamten Saitenweges, von den Mechaniken über die Sattelkerben, die Bundstäbchen (möglichst blank poliert) bis zum Steg. Scharfe Kanten und starke Abknickungen sind zu vermeiden. Das gilt übrigens für unbeschichtete wie für beschichtete Saiten. Im Handel gibt es auch Produkte, die die Saiten gefühlt glatter und „smoother“ werden lassen – „Fast Fret“ oder ähnlich sind da die fantasievollen Namensgebungen. Das darf man gern ausprobieren, sollte sich aber nicht zuviel davon versprechen.

Griffbrett-Wellness

Eine saubere Gitarre, die insgesamt gut in Schuss ist, klingt natürlich nicht besser als ein ungepflegtes Instrument. Doch die meisten Gitarristen dürften sich mit einer ordentlich gepflegten Klampfe wohler fühlen. Zur Wellness für die Gitarre, die auch anderweitig positive Effekte hat, gehört das Polieren der Bundoberflächen – genau da, wo der Kontakt von Bundstäbchen und Saiten stattfindet.

Dazu gibt es Sets im Handel, die aus einem feinen Politurmaterial bestehen, manchmal als Gummiblock mit 1000er Körnung oder als eine Art Schleiffolie mit bis zu 8000er Körnung. Damit nur das Metall der Frets und nicht das zwischenliegende Holz damit bearbeitet wird, klebt man das Griffbrett ab oder benutzt einen Fretboard Guard, ein flaches Metallstück mit einem Schlitz für das Bundstäbchen, das das Holz des Griffbretts schützend abdeckt und beim Polieren einfach mit der freien Hand festgehalten wird.

Mit den glatten Bundoberflächen spielt es sich spürbar angenehmer, die Haltbarkeit der Saiten wird verlängert und – besonders wichtig – es gibt keine kratzenden Nebengeräusche und „Bremswirkungen“ bei intensivem Fingervibrato.

Zur Pflege des Griffbretts gehört das Reinigen, also das Entfernen von Schmutz, Talg und Fett, den manchmal deutlich sichtbaren „Handhabungsmarkierungen“ bei häufigem Spiel. Eine einfach zu merkende und zu befolgende Prozedur ist die Empfehlung, bei jedem kompletten Saitenwechsel alle Saiten zu entfernen und das Griffbrett je nach Verschmutzungsgrad trocken oder mit einem Reiniger (oft Lemon Oil oder ähnliches) zu säubern.

Ein- oder zweimal im Jahr kann man das Griffbrett auch explizit einölen, das muss man aber nicht übertreiben. Die hier meist verwendeten tropischen Harthölzer Palisander (Rosewood) und Ebenholz (Ebony) sind dicht und harzreich und müssen nicht ständig aufgefrischt werden. Übrigens kann man ab und an auch den meist nicht lackierten Steg dezent einölen.

Lackpflege

Man tut gut daran zu wissen, mit welcher Sorte Lack die eigene Gitarre endbehandelt ist. Finishes, die besonders empfindlich sind, sind Schellack und Nitrocellulose-Lack. Im Idealfall kann man hier auf Pflegemittel verzichten und das Instrument einfach mit geeigneten weichen Gitarrenputztüchern abwischen. Auf keinen Fall Küchenkrepp benutzen, hier kann eine spürbare Schmirgelwirkung auftreten.

Bei Schellack sollte man auf Polituren verzichten, für schmierige Verschmutzungen gibt da die Möglichkeit, ein nebelfeuchtes Tuch zu benutzen oder einen Hauch von Zitrusöl. Ich persönlich würde mich lieber an jemanden wenden, der mit der Anwendung des Schellacks vertraut ist und mir dort Tipps abzuholen oder gar hartnäckige Verschmutzungen dort entfernen zu lassen.

Hart im Nehmen und weitgehend unproblematisch sind moderne Polymer-Lacke, allerdings sollte man bei Mattlackierungen Pflegemittel mit abrasiven Zusätzen vermeiden – bei allzu intensiven Pflege- und Wischversuchen begänne der Mattlack dann speckig zu glänzen.

Im Handel gibt es viele Polish-Produkte für Gitarren, die sich in Zusammensetzung und Wirkung deutlich unterscheiden können. Daher gilt bei einem neuen und noch ungetesteten Produkt: Beim Kauf schon Unverträglichkeiten abfragen und zunächst an einer unauffälligen Stelle ausprobieren.

Manche Polituren erzeugen einen minimalen Abrieb, der Lack glänzt zwar wie neu, ist aber um einen klitzekleine Schicht dünner geworden. Andere Mittel hinterlassen einen hauchdünnen Schutz- oder Wachsfilm auf dem Lack (z. B. Carnauba-Wachs). So empfiehlt es sich, die Gitarre zwar regelmäßig mit Lemon-Oil zu reinigen, aber nur ab und an zu polieren. Übrigens sollte man auch darauf achten, dass die Poliertücher absolut sauber sind, sonst können durch harte Schmutzteilchen beim Reinigen Kratzer entstehen.

Nimmt man alle hier beschriebenen Pflege- und Reinigungstipps vor, hat man sich schnell ein kleines Arsenal von Mittelchen und Helfern zusammengekauft. Im Handel gibt es dazu eine Vielzahl von Produkten. Firmen, die sich diesem Thema intensiv widmen sind etwa Dunlop, Planet Waves, GHS oder RockCare. Man kann auch gleich ein von diesen Anbietern zusammengestelltes Set kaufen, das es als „Guitar Care Kit“ oder als „Maintainance Set“ zu erwerben gibt.


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Gitarre & Bass das Akustikgitarren ABC

Produkt: Gitarre & Bass 12/2019
Gitarre & Bass 12/2019
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