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Fender Paramount PM-1/PM-2/PM-3 Deluxe im Test

Es ist ja nun mal wie es ist – so sehr Fender auch bei E-Gitarre, Bass und Amps Geschichte geschrieben hat, so wenig gehörte man jemals zum Inner Circle der begehrten Acoustic-Hersteller. Mit der Paramount-Serie präsentiert der amerikanische Hersteller die drei wichtigsten Korpus-Formate in vollmassiver Bauweise und jeweils in Standard- oder Deluxe-Ausführung, mit Pickup, Koffer und Zubehör. Interessant! Da will jemand beim Thema Acoustics offensichtlich ein Zeichen setzen.

 

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Fender Paramount - alle Modelle (PM-1/PM-2/PM-3 Deluxe )
(Bild: Dieter Stork)

Konstruktion

Wir haben hier die jeweiligen Deluxe-Modelle zum Test – Parlor, Triple-0, Dreadnought – die jeweils mit Natural- oder Sunburst-Finish zu haben sind. Ein Hauptunterschied zwischen Standard und Deluxe ist übrigens das Korpusholz – hier Mahagoni, dort Palisander – was, wie ich finde, eigentlich erst mal wertfrei betrachtet werden sollte. Ob einem der stringente klare Klang von Palisander, oder der wärmere Sound von Mahagoni besser gefällt, ist schließlich reine Geschmackssache. Anyway, das Test-Trio ist jedenfalls mit Boden und Zargen aus massivem ostindischem Palisander ausgestattet, als Deckenholz kam massive Sitka-Fichte zum Einsatz.

Die Modelle zitieren verschiedene Epochen der eigenen Geschichte – das Checkerboard Purfling (Decken- und Schalllochumrandung) und die Kingman-Style-Schlagbretter verweisen z. B. klar auf die Sixties. Was die Decken noch zu bieten haben sind schöne schnörkellose Stege aus Ebony (70s-Style) mit Saitenpins aus gleichem Holz und kompensierten Stegeinlagen aus Knochen. Der Hals aus Mahagoni ist bei Dreadnought und Triple-0 am 14., bei der Parlor am 12. Bund angesetzt. Der Stellstab ist im Schallloch per beiliegendem Inbusschlüssel justierbar, was aber hier einstweilen nicht nötig ist, denn die drei Paramounts kommen mit sehr guter Werkseinstellung aus den Koffern. Die eingefassten Ebenholzgriffbretter sind mit 20 (Parlor 19) sauber eingesetzten Medium-Bünden und grazilen AbaloneInlays namens „Concert Tone“ versehen.

Das Ganze führt uns zum tadellos gefeilten Knochensattel und somit zum sehr ansprechend gestylten 1970er-Headstock mit schwarzer Oberfläche, altem Late- 40s-Fender-Schriftzug und offenen Pre-War-Mechaniken mit schwarzen Butterbean-Stimmwirbeln. Neben all den Verweisen auf zurückliegende Dekaden gibt es aber auch Neuzeitliches zu entdecken: Z. B. das Pickup-System – exklusiv von Fishman für diese Serie entwickelt und gesondert auf jedes Modell abgestimmt – da bin ich auf den Praxisteil gespannt. Schick aussehen tut es jedenfalls: das Display für den Tuner und die drei Regler für Volume, Bass und Treble sind einzeln in die Zarge gesetzt – man hat es also nicht mit so einem eher unansehnlichen Plastik-Cockpit zu tun, wie das meist der Fall ist.

Insgesamt gesehen, muss man an dieser Stelle schon mal herausstellen, was für ein attraktives Gesamtpaket aus tadellos gefertigter Gitarre und schickem passgenauem Koffer inkl. Humidifier diese Paramount-Modelle darstellen.

Fender Paramount (4)
(Bild: Dieter Stork)

Praxis

Die PM-2 Parlor liegt genau so bequem auf dem Schoß, wie sie am Gurt hängt. Zwei Gurtpins – der hintere separiert vom Klinke-Out – sind installiert. Der kleine Korpus und der kurze Hals bringen alles dicht zueinander. Das Halsprofil ist recht kräftig und wird mit „C“ angegeben. Es hat aber viel Material auf den Flanken, füllt gut die Spielhand, fühlt sich eher wie „D“ an (Profil, nicht Körbchen :-). Zusammen mit der gediegenen Griffbrettbreite von 45 mm am Sattel ergeben sich hier sehr erwachsene angenehme Spielbedingungen. Solistische Ausflüge in die höchsten Lagen kann die Parlor natürlich nicht so gut unterstützen, aber die gute Saitenlage und die polierten Bünde garantieren Spielspaß. Klanglich kommt die PM-2 modelltypisch mit einem offensiven, nicht so bassigen Grundklang daher, der die Mitten und die klaren Höhen in den Mittelpunkt stellt. Das Fishman-System überzeugt mit ehrlicher, authentischer und ausgewogener Übertragung ins Elektrische. Die Regler haben guten Grip und erlauben eher dezente, sehr praxistaugliche Anpassungen des Sounds. Der Tuner ist hervorragend ablesbar und mutet das Signal beim Stimmen.

Die PM-3 Triple-0 stellt die goldene Mitte zwischen Handlichkeit und Klangvolumen dar – nicht zufällig ist dieses Korpusformat aus alter Martin-Tradition generell wieder und noch immer sehr beliebt. Die PM-3 hat die geringste Zargentiefe dieses Trios und hat als einzige ein Cutaway. Das macht sie zur idealen Bühnen/Band-Gitarre, die schlank am Spieler hängt und Solisten den Weg frei macht bis zum höchsten Bund. Klanglich bietet sie schon eine Schüppe mehr Volumen als die Parlor, über Amp lässt sich das natürlich anpassen, bzw. relativiert sich das ein Stück weit.

Die PM-1 Dreadnought, das Schlachtschiff-Format im Programm, präsentiert sich im schönen Sunburst-Gewand, hat (etwas überraschend) das schmalste Griffbrett des Trios und erweist sich als ausgewogen klingende Vertreterin ihrer Spezies, die auf übertriebenes Bassböller-Gehabe verzichtet. Die drei Modelle liefern schönes Sustain, wie man das von vollmassiven Steelstrings erwarten darf. Der Dynamik-Spielraum ist bei der Parlor etwas eingeschränkt, die beiden größeren Geschwister haben da die Nase vorn. Das Klangbild einer frisch ausgepackten, vollmassiven Acoustic zu beurteilen ist immer etwas schwierig, weil solche Instrumente mehr oder weniger viel Entwicklungspotential haben. Die drei Paramount Fenders klingen etwas zirpelig und harsch in den Höhen – das kann und wird sich aber nach einer Einspielphase deutlich ändern, da bin ich sicher. Das grundsätzliche Klangvermögen ist kerngesund und wird vom neuen Fishman-System auch bestens an PA oder Amp übermittelt.

Integriertes Stimmsystem
(Bild: Dieter Stork)

Resümee

Sie sehen toll aus, die verwendeten Materialien sind vom Feinsten, die Verarbeitung entspricht gehobenem chinesischem Standard – Fender meint es ernst mit dieser Paramount Serie. Die modelltypischen Grundsounds sind klasse, mit Entwicklungsspielraum durch gründliches Einspielen – über das Fishman-System sind sofort und unkompliziert erstklassige Klänge abrufbar. Die PMs kommen gut eingestellt in einem passgenauen Koffer mit Humidifier – ein Vorspiel-Termin sollte den Paramounts dringend eingeräumt werden! Schnitt.

 

Plus

  • Design, Hölzer, Hardware
  • Verarbeitung, Werkseinstellung
  • Bespielbarkeit, Handling
  • individuell auf jedes Modell abgestimmtes Pickup-System

 

Fender Paramount (2)

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