(Bild: DIETER_STORK)
Parlor-Gitarren wurden einst für die zierlichen Damen der besseren Gesellschaft erdacht – heute sind sie nach wie vor beliebt, weil handlich und bequem.
Und natürlich hat auch ein Hersteller wie Paul Reed Smith so eine Gitarre in seinem gut durchdachten Portfolio – und zwar in den Farben Black Dog Hair (!) und Fire Red Burst. Letztere Variante schlummert in dem sehr guten Gigbag, der zum Lieferumfang gehört.
WENIGER …
Der kleine Korpus der P-20E ist vollständig aus Mahagoni gefertigt. Boden und Zargen sind laminiert und matt versiegelt, die Decke ist aus massivem Holz und hochglänzend lackiert, was die Maserung und die dunkelrote Färbung sehr schön zur Geltung bringt. Zusätzliche Eleganz bekommt die Gitarre durch das elfenbeinfarbene Binding an den Korpuskanten und die Herringbone-Einfassung der Decke und des Schalllochs. Zusammen mit dem mattschwarzen Schlagbrett sieht das schon sehr edel aus.
(Bild: DIETER_STORK)
Die Decke wurde von innen mit einer besonderen Beleistung verstärkt, die eine Mischung aus X-Bracing und Fan-Bracing (Fächer-Beleistung) darstellt. Gute Projektion und hohe Stabilität sollen so beide zu ihrem Recht kommen. Im Ebenholzsteg sind die Saiten mit Kunststoff-Pins fixiert und liegen auf einer kompensierten Stegeinlage aus Knochen. Der andere Auflagepunkt – der Sattel – ist ebenfalls aus diesem Material.
Der Hals ist – wie der Korpus – aus Mahagoni, am 14. Bund angesetzt und matt versiegelt. Der Hersteller bezeichnet sein Profil als „Wide Fat“, was ich aber für leicht übertrieben halte. Die Griffbrettbreite am Sattel liegt bei eher durchschnittlichen 42,9 mm, das C-Profil des Halses kommt am 1. Bund auf 22 mm … sprengt auch nicht den Rahmen.
(Bild: Dieter Stork)
Ein wahres Schmuckstück ist das eingefasste Ebenholzgriffbrett mit 20 perfekt polierten Bünden und den PRS-Trademark-Bird-Inlays. Wem diese als Orientierung in den Lagen zu verspielt sind, bekommt Unterstützung von den kleinen Dots in der Griffbrettkante. Auch die Kopfplatte ist ganz und gar „PRS“: die Silhouette, der Namensschriftzug – keine Verwechselungsgefahr!
Bei den Mechaniken im Kluson-Stil gefallen mir die Stimmwirbel ausgesprochen gut. Großflächig aber sehr flach, geben sie ein gutes Griffgefühl für sicheres Stimmen. Der Zugang zum Halsstellstab ist auch hier an der Kopfplatte unter dem schwarzen Trussrod-Cover.
Ein Pickup-System ist auch an Bord. Es ist ein „PRS-Voiced“ Fishman Presys VT. Wir haben also einen Piezo-Tonabnehmer unter der Stegeinlage und eine am Schalllochrand versteckte Regeleinheit mit Volume- und Tone-Rädchen. Unten auf der Zarge – getrennt vom Gurtpin – ist der Klinke-Output und das Batteriefach für den 9V-Block.
… IST MEHR
Ist eine Parlor-Gitarre automatisch besonders bequem zu spielen, weil sie so klein ist? Gar nicht leicht zu beantworten. Natürlich ist sie kompakt und handlich – auf dem Sofa oder stehend gespielt, macht das eine gute Figur. Die Auflage für den rechten Arm kann aber bei einer großen Gitarre durchaus komfortabler sein, das muss jeder individuell für sich herausfinden.
Das Spielgefühl für die linke Hand ist bei der P-20E jedenfalls sehr gediegen, trotz der kürzeren 630 mm Mensur. Die Bundenden sind tadellos verrundet, da geht es wie geschmiert durch die Lagen.
Klanglich hat man bei einer Mahagoni-Gitarre bestimmte Erwartungen, und die erfüllt die PRS auch. Der Sound-Charakter ist eher mild, nicht so angriffslustig wie bei einem Fichte/Palisander-Modell. Die Bässe sind natürlich nicht allzu voluminös, aber knackig und gut präsent. Die Mitten schieben sich nicht übermäßig in den Vordergrund und die Höhen haben viel Helligkeit und Sparkle ohne zu klirren.
(Bild: Dieter Stork)
Ein schönes rundes ausgewogenes Klangbild, das sich auch bei Lautstärke und Sustain nicht lumpen lässt. Die ganz große Detail- und Charaktertiefe ist vielleicht nicht gegeben, aber in ihrem Preissegment unter € 500 steht die PRS sehr gut da. Am Verstärker transportiert der Fishman Pickup die Sounds der P-20 sehr kraftvoll.
Die Basssaiten haben einen Tick mehr Lautstärke als der Diskant. Dadurch wirkt die Parlor über Anlage größer als sie ist. Die PRS empfiehlt sich hier nachdrücklich als Bühnen-Instrument!
RESÜMEE
Als Erstes möchte man das wirklich gelungene Design hervorheben. Einfach eine richtig schöne Gitarre. Perfekte Bundierung, plus gute Werkseinstellung, plus tolles Neck-Shape, ergeben sofortige Spielfreude – sowohl unverstärkt, als auch über Anlage.
Zusammen mit dem schönen Gigbag ist das hier ein tolles Gesamtpaket für viele Einsatzzwecke. Die P-20E ist somit für Einsteiger genau so geeignet wie für professionellen Bühneneinsatz.
Plus
- elegantes Design
- gute Hardware
- Verarbeitung, Werkseinstellung
- schöner Parlor-Sound
- kraftvoller E-Sound
Übersicht
| Fabrikat |
PRS |
| Modell |
P-20E |
| Typ |
Parlor-Steelstring |
| Herkunftsland |
China |
| Mechaniken |
geschlossen, vernickelt, mit Wing-Buttons |
| Hals |
Mahagoni |
| Sattel |
Knochen |
| Griffbrett |
Ebenholz |
| Radius |
12″ |
| Halsform |
C-Profil |
| Halsbreite |
Sattel 42,9 mm; XII. 53,2 mm |
| Halsdicke |
I. 22,2 mm; V. 23,8 mm; X. 25,2 mm |
| Bünde |
20 |
| Mensur |
628 mm |
| Korpus |
Mahagoni |
| Decke |
Mahagoni, massiv |
| Oberflächen |
Satin, Decke Highgloss |
| Steg |
Ebenholz |
| Stegeinlage |
Knochen, kompensiert |
| Elektronik |
PRS-Voiced Fishman Presys VT Pickup System |
| Saitenbefestigung |
Steg-Pins |
| Saitenabstand Steg |
E-1st – E-6th 55,5 mm |
| Gewicht |
1,8 kg |
| Lefthand-Option |
nein |
| Internet |
eu.prsguitars.com |
| Zubehör |
guter Gigbag, Manual, Inbusschlüssel, Stegeinlage, Saitenpin |
| Preis (Street) |
ca. € 450 |
(erschienen in Gitarre & Bass 09/2026)