(Bild: Dieter Stork)
Mit der Fusion-IV-Serie hat Harley Benton in diesem Jahr ein umfangreiches Update seiner Palette auf den Markt gebracht. Es gibt verschiedene Modelle mit HSS-, HH- und HSH-Pickup-Bestückungen sowie Varianten mit Babicz- oder Floyd-Rose-Tremolo und als Hardtail.
Sie sind in verschiedensten Finishes mit Ahorn- bzw. Palisander-Griffbrettern erhältlich. Hier und jetzt steht ein zumindest optisch auf die Heavy-Fraktion zugeschnittenes Modell zum Test bereit: die Fusion-IV MN HT EMG SBK in mattem Schwarz mit Babicz-Hardtail-Brücke und EMG-Custom-Retro-Active-Hot-70-Pickups in HH-Ausführung.
Beim letzten Guitar Summit stand ich am Harley-Benton-Stand und war einmal mehr positiv überrascht, welche Qualitätsanmutung die Hausmarke von Thomann mittlerweile erreicht hat. Teilweise schaute ich doch recht ungläubig auf die Preise und fragte mich: Wie ist das möglich? So viel Gitarre für relativ wenig Geld?
Ich habe die Lieferung der Fusion IV daher mit Spannung erwartet, um ohne Eile und Messehektik Zeit für einen genauen Check zu haben. Schon das „Unboxing“ brachte die erste Überraschung. Die Gitarre kam perfekt eingestellt und gestimmt bei mir an.
Die Saitenlage ist wunderbar, nichts schnarrt, der Hals ist optimal justiert und es muss nichts nachgestellt werden. Das erste „In-die-Hand-nehmen“ und das Fühlen der Halskante sorgen für den nächsten Aha-Effekt. Die Bundenden sind sauber verrundet und das gesamte Gefühl des Halses ist absolut stimmig und wohlig.
Aber der Reihe nach. Schauen wir uns zunächst einmal die Zutaten an.
Austattung
Stichwort Pickups: Mit den serienmäßigen EMG Custom Retro Active Hot 70 ist die Harley Benton hochwertig und flexibel ausgestattet. Allein dieses Set kostet als Stand-Alone-Set rund 189 Euro. Über den Dreiweg-Wahlschalter lässt sich zwischen Steg-, Steg/Hals- und Hals-Position wählen. Eine Splitfunktion ist hier nicht vorhanden.
Auch bei der restlichen Hardware wurde auf Qualität gesetzt: Die Babicz-Z-Serie-FCH-Hardtailbrücke gehört zu den innovativen und hochwertigen Vertretern ihrer Art, und auch die gestaggerten Jinho-JN-07-Locking-Mechaniken machen einen sehr guten Eindruck. Sie laufen geschmeidig, während auch der Graphtech-Sattel aus TUSQ überhaupt keinen Anlass zur Beanstandung gibt.
Hals zum Wohlfühlen
Der Hals der Harley Benton verdient besondere Aufmerksamkeit: Zunächst einmal besteht er aus geröstetem kanadischem Riegelahorn und einem aufgeleimten Griffbrett aus Ahorn und überzeugt optisch mit einem seidenmatten Finish. Mit C-Profil und Compound-Radius von 12″-16″ gehört er zur Kategorie der flachen Hälse und ist in Kombination mit den 24 Medium-Jumbo-Edelstahlbünden ein Modell, das flottes Spiel begünstigt. Die Dot-Griffbretteinlagen und die „Glow-in-the-Dark“-Seitenmarkierungen runden das Erscheinungsbild perfekt ab.
Wie eingangs erwähnt, liegt der Hals äußerst angenehm in der Hand und fühlt sich für mich an wie ein passender Handschuh. Die Halsdicke nimmt hin zu den hohen Lagen leicht zu, die Abrichtung der Bünde und der Gesamteindruck vermittelt eine Wertigkeit deutlich jenseits des aufgerufenen Preises. Überhaupt ist die gesamte Verarbeitungsqualität des Instruments hochwertig und passgenau.
Offensichtlich hat Harley Benton beim Thema Qualitätskontrolle viel richtig gemacht. Schließlich gelingt es auf eindrucksvolle Weise, den sehr guten optischen und technischen Eindruck auch in das Spielgefühl des Instruments zu übertragen. Und das ist es, was beim Spieler ankommt, wenn er das Instrument zur Hand nimmt. Hier gilt: Beide Daumen hoch!
Sound
Bei trockenem Anspielen zeigt sich die Harley Benton bereits sehr resonant mit einem hörbaren Schuss in den unteren Mitten. Die Werkseinstellung ist wie geschrieben makellos und es gibt keinerlei Dead Spots über das gesamte Griffbrett, obwohl die Saitenlage als eher flach bezeichnet werden kann.
(Bild: Dieter Stork)
Jetzt aber Kabel rein und los geht’s: Mit satten Crunch-Settings geht es an meinem Amp los. Straff artikuliert, mit schönen, prägnanten Mitten und tightem Bassfundament. Am Steg-Pickup entpuppt sich die Harley Benton als Riffmonster mit Wucht und bietet einen schönen „Anschlags-Schmatz“. Am Hals-Pickup wird das noch deutlicher, sodass man ihr auch geschmackvolle Blues-Nuancen entlocken kann.
Zudem fällt das doch kräftige Sustain auf, das wohl auf die fest aufliegende Hardtail-Konstruktion und die von hinten durch den Korpus aufgezogenen Saiten zurückzuführen ist. Bei mehr Gain am Amp bleibt der Sound differenziert und es entsteht der Eindruck, dass wir uns der tonalen Bestimmung dieser Version der Fusion IV nähern. Es drückt fett, und der Mittenfokus im Sound passt perfekt für jede Art von hartem Rock oder Heavy Metal. Der Sound passt zur Optik.
Die beiden EMG Custom Retro Active Hot 70 passen perfekt zu dieser Ausführung. Diese beiden Kollegen mit Keramik-Magneten am Steg und Alnico-5-Magneten am Hals liefern einen hohen Output und sind sehr gut aufeinander abgestimmt. Sie haben ordentlich Dampf, lassen aber auch gemäßigte Anwendungen im Zerrbereich zu, bei denen die Spiel-Dynamik gut übertragen wird.
Dabei liefern sie einen Sound, der eher passiv anmutet. Von dem sterilen HiFi-Feeling der Ur-EMGs ist hier nichts zu spüren. Das Höhenbild erweist sich im Test als angenehm und zu keiner Zeit schrill. Damit trumpft die Harley Benton genau in dem Spektrum auf, das sich im Rockbereich Gehör verschafft.
Im Clean-Bereich macht die Gitarre einen soliden Eindruck. Wer eine Vielzahl nuancierter Klänge möchte, sollte sich die anders ausgestatteten Schwester-Modelle aus der Fusion-IV-Serie ansehen, die aufgrund anderer Pickup-Konfigurationen bzw. -bestückungen sicher etwas mehr bieten können.
Kurzum: Wer primär im Rock-, Hardrock- oder Metalbereich unterwegs ist, wird mit den Sounds dieser Harley Benton Fusion IV mit ihrem druckvollen Klangbild und ihrer exzellenten Bespielbarkeit voll auf seine Kosten kommen.
Resümee
Mit der breit gefächerten neuen Fusion-IV-Serie bietet Harley Benton ein Update der Modellpalette, das schon bei der Ankündigung für Neugier gesorgt hat. Preislich wird der sogenannte „Einsteigerbereich“ anvisiert. Doch ganz ehrlich: Die vorliegende Fusion-IV MN HT EMG SBK ist nicht nur für Einsteiger ein wirklich tolles Instrument. Sie ist prädestiniert für alle Arten von Rock oder Metal und fühlt sich in diesem Genre pudelwohl.
Dass Harley Benton so viel Qualität zum Preis von 499 Euro auf den Markt bringen kann, ist für mich nur durch Skalierungseffekte, eine robuste Einkaufsmacht und eine funktionierende Qualitätskontrolle im gesamten Prozess erklärbar.
(Bild: Dieter Stork)
Denn die Gitarre ist auf Top-Niveau verarbeitet, fühlt sich an wie ein Premium-Instrument, liefert überzeugende, standesgemäße Rocksounds und macht zu guter Letzt auch noch richtig Spaß, weil sie sich in der Hand wertig und wohlig anfühlt – nicht nur für Einsteiger, sondern sicher auch für einen „Working Rock-Musician“.
Das Preis- /Leistungsverhältnis kann nur als außerordentlich attraktiv bezeichnet werden.
Plus
- Verarbeitung
- Bespielbarkeit und Handling
- Ausstattung
- Rock- und Metal-Sounds
- attraktiver Preis
Übersicht
|
|
| Fabrikat |
Harley Benton |
| Modell |
Fusion-IV MN HT EMG SBK |
| Typ |
Solidbody-E-Gitarre |
| Herkunftsland |
China |
| Mechaniken |
gestaffelte Jinho JN-07 Locking-Mechaniken |
| Hals |
Geschraubter Hals aus geröstetem kanadischen Riegelahorn, Double Action Trussrod |
| Sattel |
Graphtech TUSQ XL Sattel |
| Griffbrett |
Kanadischer Ahorn |
| Radius |
Compound 12″-16″ |
| Halsform |
C |
| Halsbreite |
42,0 mm; XII. 50,3 mm |
| Halsdicke |
I. 21 mm, V. 22 mm, XII. 23 mm |
| Bünde |
24 Blacksmith Edelstahl 2.7 medium Jumbobünde |
| Mensur |
25,50 / 648 mm |
| Korpus |
Nyatoh (Nato) |
| Oberflächen |
Matt schwarz |
| Tonabnehmer |
2 EMG Custom Retro Active Hot 70 Humbucker |
| Bedienfeld |
1 Volume- und 1 Tonregler, 3-Weg-Pickup-Schalter |
| Steg |
Babicz Z-Serie FCH Steg (Hardtail) |
| Hardware |
Schwarz hochglanz |
| Saitenlage |
E-1st 1,1mm E-6th: 1,4 mm (am 12. Bund) |
| Gewicht |
3,05 kg |
| Lefthand |
erhältlich |
| Internet |
harleybenton.com |
| Lieferumfang |
– |
| Preis (Street) |
ca. € 499 |
(erschienen in Gitarre & Bass 09/2026)