Parts Lounge: KI-KO.? Die Zukunft der Popmusik, Teil 3
von Udo Pipper,
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(Bild: Pipper)
Es scheint offensichtlich, dass die fetten Jahre in der Musikindustrie endgültig vorbei sind. Wer bekommt das letzte Stück vom Kuchen auf dem Teller und wer darf die Krümel vom Festmahl verspeisen?
Auf der anderen Seite gibt es offenbar immer mehr Profis oder Hobbyisten, die weiterhin eifrig Musik produzieren. Man fragt sich unweigerlich, ob es nicht bald mehr Angebote als potenzielle Zuhörer gibt.
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Die momentanen Gewinnchancen gleichen denen an der Lottoannahmestelle.
In puncto KI-Musik stellt sich dabei vor allem die Frage nach den Urheberrechten für die erstellten Produkte. Nachweislich füttern und trainieren die großen KI-Plattformen ihre Systeme bisher ungefragt mit dem unerschöpflich großen Fundus bereits existierender Songs.
Und da die Handhabung dieser Systeme so unglaublich komplex ist, sind die Ursprünge der Ergebnisse meist nur schwer aufzuspüren. Denn die KI bedient sich praktisch überall, wo es passt, nur ein bisschen, sodass es sehr schwer wird, die Urheberschaft nachzuweisen.
Um den Stand der Dinge etwas näher zu beleuchten, habe ich meinen alten Freund und Weggefährten Götz von Sydow, der gerade von der letzten GEMA Aufsichtsratssitzung zurück ist, danach befragt. Er ist ein erfolgreicher Komponist und Produzent, Manager der Band PUR und sitzt selbst im Aufsichtsrat der GEMA.
Götz von Sydow vom GEMA Aufsichtsrat (Bild: Florian Moshammer)
Hallo Götz, was unternimmt die GEMA momentan, um ihre Künstler vor Urheberrechtsverletzungen zu schützen?
Im Wesentlichen geht es da zunächst um zwei Dinge. Einmal um den Nachweis, dass sich die KI-Systeme tatsächlich bei existierenden Songs bedienen. Das wurde in mehreren Studien geprüft und bestätigt. Etwa, indem man Songs gepromptet hat, die dann fast identisch mit aktuellen Hits waren.
Wo soll es auch sonst herkommen? Dafür müssen die Betreiber dieser Plattformen eigentlich bezahlen.
Dann geht es darum, wie dann der kommerzielle Nutzen der KI-Songs vergütet wird. Meist stecken dahinter ja unzählige Urheber. Die GEMA denkt daher an eine Vergütungspauschale, in beiden Fällen.
Warum kann man diese Systeme nicht einfach unterbinden, in dem man sie verbietet?
Entsprechende Klagen laufen da bereits, aber das wird noch ein langer, langer Kampf. Ist die Büchse der Pandora erst einmal geöffnet, werden solche Verfahren unglaublich schwer.
Aber wie sieht es dann aus, wenn man die KI nur als Mixing- und Mastering-Tool nutzt und Musik und Text von einem selbst stammen?
Hier wird es noch komplizierter. Denn dann müsste noch einmal bis ins Detail geklärt werden, ab wann etwa auch Leistungsschutzrechte greifen. Du schreibst einen Song und einen Text und spielst ihn als Demo, beispielsweise mit der Akustikgitarre, auf dein Handy ein. Und die KI macht dann daraus einen komplett arrangierten Song, der fertig gemixt und gemastert ist.
Woher kommen dann die E-Gitarren, die Keyboards oder die Chorsänger? Welche Künstler oder Stimmen wurden dafür verwendet? Man sieht schnell, dass es unglaublich komplex wäre, solche Nachweise zu erbringen.
Man kann mittlerweile die eigene Stimme dafür nutzen, aber man kann auch bestimmte Künstler dafür einsetzen. Es gibt bereits entsprechende Libraries. Die Nachweispflicht bei einem eventuellen Rechtsstreit liegt ja immer beim Urheber selbst. Da gäbe es dann eine Menge zu tun.
Ist das Business seitens der Urheber dann nicht schon am Ende?
Das ist schwer zu beantworten. Auf jeden Fall kann man sagen, dass es unendlich schwer geworden ist, mit Eigenkompositionen Geld zu verdienen. Auf Spotify etwa erhält man nur 0,0003 Cent und maximal 0,0012 Cent für einen Stream. Bei einer Million Streams wären das gerade mal 300 bis 1.200 Euro.
Ein großer Anteil der GEMA-Ausschüttungen stammt jedoch immer noch aus den Songkatalogen der 80er und 90er, die weiterhin in den Radiosendern und natürlich auf Spotify sehr präsent sind. Als Neuling hat man es schwer, da reinzukommen. Da bleiben dann nur die sozialen Netzwerke, um bekannter zu werden. Oder es geht dann nur noch die Live-Bühne, um Geld zu verdienen.
KI entwickelt sich gerade exponentiell. Das heißt, wir stehen buchstäblich an der Schwelle zu einer Musiküberflutung durch diese Technik, die bald so perfektioniert sein wird, dass keiner mehr einen Fake vom Original unterscheiden kann. Wo, glaubst Du, stehen wir in etwa fünf Jahren?
Leider muss ich da sagen, dass ich befürchte, dass sich solche Systeme weiter durchsetzen werden, unabhängig davon, wie sich die Urheberfragen lösen lassen. Es ist einfach eine reine Kostenrechnung. Musik mit KI zu produzieren, kostet so wenig, dass die großen Labels – es gibt da eigentlich nur noch drei − keine Lust mehr haben werden, in Produktionen zu investieren.
Gleichzeitig wird mit einer Gegenbewegung zu rechnen sein, in der die Zuhörer ganz transparent noch echte Künstler erleben können, ihre Geschichten kennen, ihren Werdegang und ihr persönliches Anliegen beim Musizieren. Das wird allerdings in bestimmten Nischen geschehen. Es bleibt abzuwarten, ob sich auf Dauer echte Gefühle faken lassen.
Da aber vieles im Kommerz bereits auf die reine Funktionalität ausgelegt ist, wird das dort vermutlich auch wirklich funktionieren. Stimmungs- und Party-Musik sind solche Genres, die davon bereits stark betroffen sind.
Wie stellt sich dieser Prozess eigentlich für dich selbst als Musiker und Produzent dar?
Da ist es genauso, wie es zukünftig in allen Bereichen des Lebens sein wird. Ist das Foto noch echt, die Filmkulisse, der Gitarrensound oder irgendein Sänger? Spielt der Gitarrist auf Youtube da wirklich so toll oder mimt er eine KI-Produktion?
Mimen da bald komplette Bands, die eigentlich nur noch im Video gut aussehen sollen? Wir werden anfangs sicher alles hinterfragen, aber dann vermutlich keine Unterschiede mehr ausmachen können. Leider …
Lieber Götz, vielen Dank für das Gespräch.
Abschließend zu dieser kleinen Serie über KI bedrückt mich vor allem die Befürchtung, dass wir bald alle unser Gehirn in den Müll werfen und uns nicht mehr anstrengen, selbst kreativ tätig zu werden.
Politiker lassen sich bereits von der KI Reden schreiben, auf Dating-Portalen wird mit KI-Texten gechatet, weil sie „so schön gefällig sind“, Schüler schreiben ihre Hausarbeiten damit, Musiker generieren Marshall-Sounds jetzt aus der Cloud, Filmkulissen werden frei erfunden und kreiert, der Kühlschrank gibt Auskunft über seinen Inhalt, das Navi im Auto findet jeden Ort auf der Welt ohne Landkarte, die Taxis in New York fahren ohne Fahrer und ein KI-Scanner verriet neulich beim Hautarzt, ob der neue Leberfleck bösartig oder unbedenklich ist.
Wir werden gepolt auf Interaktion mit Maschinen und Rechnern, die Bedeutung von allem und die manchmal langen und mühseligen Wege dorthin werden abgeschafft. Jeder kann jetzt alles produzieren, ohne sich irgendwelche Eigenschaften oder Fähigkeiten angeeignet zu haben. Mal sehen, wo das hinführt.
Bis zum Jahr 2030 sollen und werden solche Systeme seitens ihrer Fähigkeiten explodieren. Wirklich ein Schelm, wer Böses dabei denkt …