Die kleine 1000er!

Test: LTD by ESP EC-400 QM STBSB

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(Bild: Dieter Stork)

Mit der Wiedereinführung der EC-400 schließt ESP die preisliche Lücke zwischen den aktuellen LTD-Modellen EC-256 und EC-1000.

Bei einem im Vergleich zum Flaggschiff rund 700 Euro günstigeren Street Price musste der Hersteller natürlich einige kostensparende Modifikationen hinsichtlich Hardware und Pickups hinbekommen, ohne der Gitarre grundlegende Qualitäten zu nehmen. Ist ihm das gelungen?

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ABGESPECKT?

Jein. Im Gegensatz zu einer LTD EC-1000T (T = Traditional), die ja hinsichtlich der Korpusdicke einen Full Size Body besitzt, der am Scheitelpunkt der durchgehend gewölbten Decke knapp 1 cm mehr auf den Rippen hat, kommt unsere Protagonistin quasi im Standardformat mit 48 mm dicker Decke.

Das bookmatched halbierte Quilted-Maple-Furnier der Ahorndecke verläuft in einer sanften Hohlkehle zum eingefassten Rand, während auf der Rückseite Ergofräsungen im Cutaway und Belly-Bereich den Spiel- bzw. Tragekomfort erhöhen. Hier trifft man auch auf drei Oberkante bündig eingelassene Kunststoffdeckel, die die Kammern der Elektrik, des Pickup-Schalters und der 9-Volt-Batterie verschließen.

Letztere, mittels Budget-Clip angeschlossen und per Stahlklammer zuverlässig fixiert, speist die aktiven EMG-Pickups. Ein ovales Zargenblech trägt die stramm packende Klinkenbuchse, deren Schaltkontakt die Elektronik aktiviert.

Der dreifach längs gesperrte Mahagonihals geht fließend in den Korpus über und garantiert damit quasi barrierefreien Zugang zu den höchsten Griffbrettgefilden. Zu verdanken ist dies dem Set-Thru-Konstruktionsprinzip, einem Mittelding zwischen Set Neck und Neck-Thru, bei dem der Halsfuß bis mittig unter die beiden Pickups reicht und damit sowohl Stabilität als auch Schwingungsübertragung fördert.

Das wie die Kopfplatte eingefasste Palisandergriffbrett, dessen Lagen großflächige Perloid-Flags und schwarze Sidedots markieren, bietet 22 rundum perfekt bearbeiteten Extra-Jumbo-Bünden Platz. Den sensiblen Übergang zur Kopfplatte verstärkt ein rückseitiger Kragen, während vorne ein selbstschmierender Kunststoffsattel eingelassen wurde, dessen Kerben hinsichtlich der Saitenlage noch Luft nach unten aufweisen.

Hinter selbigem erreichen die Saiten smooth und präzise arbeitende LTD Locking Tuner, dazwischen deckt ein Kunststoffplättchen den Zugang zur Halsjustierschraube ab. Korpusseitig werden die Saiten von einer Nashville-formatigen (etwas längere Justierbereiche) Tune-o-matic-Bridge geführt und von einem Stoptail gehalten. Möglichkeiten zur Arretierung gibt es bei beiden nicht.

Set Thru Neck mit ergonomischem Halsübergang (Bild: Dieter Stork)

Aktive EMG 85 bzw. 81 Humbucker wandeln die Saitenschwingungen. Verwaltet werden sie mittels eines soliden Toggle Switches, eines Master-Tone- und zweier Volume-Potis. Bis auf die Abrichtung der Sattelkerben wurde unsere EC-400 QM STBSB vorbildlich verarbeitet, lackiert und poliert.

SHE’S GOT THE BLUES & MORE

Völlig ausgewogen hängt die Gitarre am Gurt und verhält sich nicht anders, wenn sie auf dem Oberschenkel ruht. Das dünne U-Profil liegt angenehm in der Hand und die vorbildlich bearbeiteten Bünde bieten den Saiten definierte Auflagepunkte und die verrundeten Bundkanten allerhöchsten Spielkomfort, vor allem bei schnellen Lagenwechseln.

Der durch die rückseitigen Shapings erleichterte Mahagoni-Body beschert der Gitarre ein komfortables Gesamtgewicht von gerade mal 3,5 kg. Dank seines ergonomisch fließenden Halsfußes gestattet der Set-Thru-Hals nicht nur stressfreies Bespielen der höchsten Lagen, sondern fördert auch die Schwingungseigenschaften und das Sustain. Wirklich beeindruckend, wie langsam und kontinuierlich jeder Ton ausklingt.

Als weniger gelungen empfinde ich dagegen die enge Anordnung der drei Regler, zumal die großen Speed-Knöpfe den Platzmangel noch verschärfen.

Top bearbeitete Bünde (Bild: Dieter Stork)

Unplugged liefert die EC-400 ein kraftvolles, ausgewogenes, drahtiges, luftig, spritziges Klangbild, auch wenn sie sich im Obertonbereich etwas ziert. So lassen sich ihr z.B. über dem dritten Bund keine Flageoletts entlocken. Nicht weniger großen Anteil am Spielkomfort haben auch die sehr direkte, spontane Ansprache und lebendige Tonentfaltung. In dieser Gitarre steckt Leben, welches eine ausdrucksstarke, facettenreiche und dynamische Spielweise aufs Beste unterstützt.

Trotz ihrer Leistungsstärke rücken die EMG-Humbucker dem Verstärker nicht mit Brachialgewalt zu Leibe, sondern zeigen hohe Klangkultur. Unverzerrt tönt der 85er in der Halsposition warm, voluminös, rund und dennoch sehr transparent und liefert in den Bässen und Mitten einen druckvollen, definierten, bluesigen Les-Paul-Ton, bleibt aber in den oberen Mitten und Höhen glockenklar und lebendig.

Mit wechselnder Anschlagsintensität lässt sich der Klang von butterweich singend bis genussvoll schmatzend variieren.

Viel Platz im E-Fach (Bild: Dieter Stork)

Ähnlich ausgewogen und transparent präsentiert sich auch der 81er Steg-Humbucker, wenn auch deutlich drahtiger und mittiger. Klar, er ist quasi auf Vollgas gebürstet, und da braucht es im Clean-Betrieb keine glasklaren, übermäßig bissigen Höhen. Er liefert knackige Bässe, perkussive Mitten und kompakte, eher sanfte, aber klare Höhen und bezieht das Obertonspektrum ebenso ins Klangbild ein wie der Kollege.

Die Paarung beider Humbucker gibt sich glockig und klar, lässt trotz Klangfülle einen Hauch von Tele erkennen und eignet sich wunderbar für cleane und crunchy Rhythmusarbeit, luftige Arpeggien oder auch Distortion-Melodiespiel mit eigenständigem Ton.

Zerr-Sounds zählen bekanntermaßen zur Paradedisziplin der EMG 85 und 81. Es wundert also nicht, dass sie von vielen Metallern geschätzt werden. Dennoch bewahren sie auch bei High-Gain-Sounds stets die Contenance, zeigen hohes Durchsetzungsvermögen, vernachlässigbare Dynamikeinbußen und kaum eingeschränkte Transparenz.

Zudem erweisen sie sich als extrem nebengeräuscharm und immun gegen Einstreuungen. Beide Pickups bringen transparente, definierbare Akkorde und singende Sololinien ans Ohr, deren Klang sich vorbildlich mittels nuanciertem, ausdrucksstarkem und dynamischem Spiel formen lässt. Während der Hals-PU fette, warme Leadsounds aus den Lautsprechern drückt, glänzt der Steg-Humbucker mit durchsetzungsstarkem, aggressivem High-Gain-Brett. Beide Pickups unterstützen das Sustain der Gitarre par excellence und lassen einzelne Töne leicht in ihre Harmonics kippen.

Locking Tuners und stabilisierender Halskragen (Bild: Dieter Stork)

Abgesehen vom eingeschränkten Platzangebot der Reglerknöpfe sind die leichtgängigen Potis komfortabel handzuhaben. Alle drei zeigen gleichförmige Regelcharakteristik und erlauben nuancierte, präzise Settings. Dank der Aktivschaltung sind beim Herunterregeln der Volume-Potis keinerlei Höhenverluste festzustellen.

RESÜMEE

(Bild: Dieter Stork)

Mit der LTD EC-400 QM bietet ESP sein klassisches Single-Cutaway-Modell mit hochwertigen Komponenten, aktiven EMG-Humbuckern und ansprechendem, ergonomischem Design zum attraktiven Preis an.

Die top verarbeitete Gitarre aus indonesischer Produktion überzeugt mit besten Resonanzeigenschaften und stabilem Sustain und empfiehlt sich für ein breites Spektrum an Musikgenres, von Blues bis Metal. Abgesehen von den recht eng nebeneinander angeordneten Reglern, lassen Spielkomfort und Bespielbarkeit keine Wünsche offen. Daumen hoch also!

Plus

  • Cleane bis High-Gain-Sounds
  • Dynamik und Sustain
  • Qualität Hölzer und Hardware
  • EMG 85/81 Pickups
  • Optik und Design
  • Spielkomfort
  • Verarbeitung
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • Enge Anordnung der Regler
  • Sattelabrichtung nicht ganz optimal

Übersicht

Fabrikat LTD by ESP
Modell EC-400 QM See Thru Black Sunburst
Typ Solidbody-E-Gitarre
Herkunftsland Indonesien
Mechaniken LTD Locking, gekapselt, 16:1
Hals Mahagoni, verleimt (Set-Thru), dreifach gesperrt
Sattel Kunststoff, schwarz
Griffbrett Palisander, eingefasst, Perloid Flag Inlays, Sidedots
Radius 13,75″
Halsform U, dünn
Halsbreite Sattel 42,05 mm; XII. 53,35 mm
Halsdicke I. 19,29 mm; V. 19,52 mm; XII. 21,32mm
Bünde 22, Extra Jumbo (2,70 x 1,48 mm)
Mensur 628 mm
Korpus Mahagoni, gewölbte Ahorndecke mit Quilted-Maple-Furnier, eingefasst; Oberflächen: Decke: See Thru Black Sunburst; Korpus/Hals: Black, alles hochglanzpoliert
Schlagbrett
Tonabnehmer 2x Humbucker: EMG 81 (Steg, Keramik), EMG 85 (Hals, Alnico 5), aktiv
Bedienfeld 2x Volume, Master-Tone, Dreiweg-Pickup-Schalter (Toggle)
Stromversorgung 1x 9-Volt-Batterie
Steg TOM mit Stoptail
Hardware schwarz
Saitenlage E-1st 1,55 mm; E-6th 1,75 mm
Gewicht 3,53 kg
Lefthand-Option nein
Internet www.espguitars.com
Zubehör Justierschlüssel
Preis (UVP/Street) € 999 / ca. € 949

(erschienen in Gitarre & Bass 08/2026)

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