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Test: Fame URM-1000

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(Bild: Dieter Stork)

Vollgepackt mit Effekten, Features und Funktionen sowie einem leistungsstarken Akku schickt der Music Store den URM-1000 Ultimate Response Modeler seiner Hausmarke Fame ins Rennen. Soviel vorweg: Der Preis überrascht.

Nachdem der Kölner Musikaliengroßhändler die ursprünglichen 80 Werkspresets noch einmal überarbeitet hatte, erhielt der kompakte Alleskönner die Freigabe für einen ausgiebigen Test. Vorab sollen ein paar Zahlen zumindest einige der vielfältigen Möglichkeiten des Floorboards unterstreichen: Elf beliebig in der Reihenfolge konfigurierbare FX-Module mit insgesamt über 320 Effekten, 120 Verstärkermodelle (85x E-Gitarre, 5x A-Gitarre, 30x Bass) auf Basis der „Audio Neural Net”-Modeling-Technologie, 100 Cabinet-IRs (65x E-Gitarre, 10x A-Gitarre, 25x Bass), 150-Sekunden-Looper und 128 Drum-Patterns.

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ÜBERBLICK

Das stabile Alugehäuse steht sicher auf zwei Gummistreifen und besitzt eine sehr übersichtlich gestaltete Bedienfläche. Sämtliche Anschlüsse und Power- sowie Ground-Lift-Schalter nehmen die Stirnseite ein. Ein hochauflösendes 3,5″-LC-Farbdisplay gewährt quasi einen Röntgenblick ins Innere. Als Touchscreen wäre es definitiv zu klein.

Vier solide Fußtaster gestatten nicht nur die Preset-Wahl (Rechts/Links oder direkt per Preset-Liste), sondern aktivieren auch den Tuner, kontrollieren den Looper und die Drums. Je nach Konfiguration der Control-Taster können sie auch den Gesamtausgangspegel schrittweise heben oder senken und vieles mehr. Leuchtende Ringe um die Fußtaster, deren Farben simultan zu relevanten Feldern im Display und für jedes Preset frei gestaltet werden können, signalisieren den jeweiligen Status.

Der Hauptregler ist das „Para”-Endlosrasterpoti mit Enter-Funktion. Damit werden Menüseiten und Parameter angewählt. Die drei Rasterpotis unterhalb des Displays gewähren direkten Zugriff auf die jeweils am unteren Displayrand angezeigten Parameter. Von den vier Potis oberhalb der Modultaster kontrolliert das linke das Master-Volume (nicht speicherbar). Die drei anderen Potis (Knob 1, 2 und 3) lassen sich für diverse Parameter konfigurieren.

Unterhalb des Para-Reglers hat man die Taster Home, Drum, Save und Global angeordnet, rechts vom Display die Taster der Effektmodule Wah, FX, Gate, DS (Distortion), Amp, Cab, EQ, Mod, Dly und Rev sowie Looper und Control/Volume. Mit Ausnahme von „Home” leuchten die Bezeichnungen der aktivierten Taster weiß. Die grauen Beschriftungen der inaktiven schwarzen Taster sind mangels Kontrast leider nur schwer zu erkennen.

Angesichts der zahlreichen Farbgebungsmöglichkeiten wäre es sicherlich praktischer, wenn die Taster dauerhaft weiß und im Aktivmodus z.B. rot leuchten würden. Das aus Aluguss bestehende Expression-Pedal dient zur Wah-, Volume- und Parametersteuerung, lässt sich komfortabel „fußhaben” und kalibrieren. Nicht ganz zufrieden stellt mich die Kalibrierung der integrierten Schaltfunktion, mit der sich in Zehenposition z.B. von Volume- auf Wah-Betrieb umschalten lässt, was simultan im Display angezeigt wird.

Um die Schaltfunktion auszuführen, ist daher extremer Druck aufs Pedal erforderlich. Nach entsprechender Konfiguration der Control-A/B-Fußtaster kann jedoch auch durch kurzes Drücken und Halten des Tasters umgeschaltet werden.

1001 MÖGLICHKEITEN

Trotz des umfangreichen Angebots an Effekten, Features, Kontroll- und Verwaltungsmöglichkeiten lässt sich das Fame URM-1000 dank der übersichtlichen Gestaltung bzw. Anordnung von Display und Bedienelementen einfach und intuitiv bedienen. Die ersten 30 der aktuell 80 hierzulande erstellten Presets enthalten gelungene Soundbeispiele populärer Bands und Gitarristen. Hier tauchen unter anderem Namen wie Purple Sky, Megalicca, Little Jimi, Shine Floyd, Number Of Eddie, Clean Larry, ABCD, Luke, Mark Of Swing, Blink, ZZ Tush, U Delay 2 auf.

Sie decken klanglich die komplette Range von Country über Jazz und Blues bis hin zu Hardrock und Metal inklusive entsprechender Effekte ab. Die Presets 31–60 überraschen mit diversen detailgetreuen und dynamisch reagierenden Modellen von Vintage-Klassikern wie Fender, Marshall und Mesa/Boogie verschiedener Baujahre, AC30, Laney, Matamp, Orange und Morgan, sowie mit modernen High-Gain- und Boutique-Boliden von Bogner, Friedman, EVH, Soldano, TwoRock, Suhr, Engl und Peavey.

Einige Varianten hat man mit gemäßigter Verzerrung und die meisten mit dezenten Comp-, Reverb und Delay-Effekten gewürzt, schließlich stehen hier die sehr authentisch anmutenden Röhrensounds der Protagonisten im Vordergrund. Die Slots 61–80 komplettieren die Musicstore-Presets und legen mit diversen Bass- und Amp-Modellen den Fokus auf die Tieftonabteilung. Alle weiteren Speicher sind mit „User Preset” (81–160) betitelt.

(Bild: Dieter Stork)

EINSCHALTEN

Ein kleiner Hebelschalter auf der Rückseite nimmt das Modeling-Floorboard in Betrieb. Tatsächlich hat der interne Akku, dessen Zustand im Display angezeigt wird, fast den kompletten Test mit Spannung versorgt. Die Specs-Angabe von bis zu 10 Stunden Dauerbetrieb sind also keineswegs übertrieben. Die Hauptseite gibt Auskunft über Preset-Nummer und -Name, Fußtaster- und Pedalkonfiguration, aktuelle CPU-Auslastung, BPM der Drum Section, Akkuzustand bzw. Ladefortschritt und die über die dedizierten Regler direkt editierbaren Parameter Preset Volume, BPM und Panorama.

Ja, das Board kann Mono und Stereo! Nach einem Druck auf einen der Modultaster erscheint die gesamte Effektkette, deren inaktive Module ausgegraut sind. Jedes Modul lässt sich innerhalb der Kette beliebig positionieren. Die zuverlässig und direkt agierenden Fußtaster können wahlweise für Preset-Wechsel, Tap-Tempo-Eingabe sowie diverse Control- und Volume-Funktionen konfiguriert werden.

Tuner, Preset List, Drums und Looper werden durch simultanes Betätigen zweier benachbarter Fußtaster aktiviert. Um eine Fehlbedienung zu vermeiden, empfiehlt es sich, beide Taster präzise gleichzeitig zu treffen. Die klare und logische Menüstruktur erleichtert die Arbeit immens, da auch tiefere Untermenüs wie z.B. Drums, Looper und Global EQ schnell gefunden sind. Bei Bedarf gelangt man per Home-Button direkt wieder auf die Hauptseite.

EFFEKTE & IRS

Von klassischen Overdrives und Fuzz-Vertretern bis zu modernen High-Gain-Zerrern hält das DS-Modul 40 Typen bereit, die zum Teil auch als Booster eingesetzt werden können. Auch das riesige Angebot aus den Sparten Wah, Compressor, Modulation, Delay, Reverb, EQ und Filter kann sich nicht nur sehen, sondern dank der hohen Effektqualität und Rauscharmut vor allem auch hören lassen.

Da neben Verstärkern auch Lautsprecherboxen maßgeblich am Gitarren- bzw. Basssound beteiligt sind, stehen 100 Impulse Responses zur Verfügung. Als eines der vielen Highlights können sogar Drittanbieter-IRs mit einer Größe von bis zu 3 GB importiert und das URM-1000 per USB-Port als Audiointerface inklusive Re-Amping zur späteren Klangbearbeitung genutzt werden. Als Manko empfinde ich die zahlreichen sehr kryptischen und wenig eindeutigen Effekt- und IR-Bezeichnungen. Diese sind allerdings dem begrenzten Platzangebot des Displays geschuldet.

Auch das mehrsprachige, downloadpflichtige Manual kann diesbezüglich nicht weiterhelfen, sodass man sich auf sein Gehör, seinen Geschmack und/oder den Praxiswert des Sounds verlassen muss. Da die Presets offenbar speziell fürs Recording auf Breitbandlautsprecher und Kopfhörer abgestimmt wurden, ist der Global EQ ein gleichermaßen einfaches wie effizientes Tool zur Anpassung an die Raumakustik oder Gitarrenverstärker.

(Bild: Dieter Stork)

DRUMS & LOOPER

Die Drum Section bietet 128 verschiedene Patterns von einfachen Pop- und Rock-Beats bis zu komplexeren Jazz- und Funk-Grooves, alles in hervorragender Qualität. Lautstärke, Tempo und Looper-Sync können direkt variiert bzw. aktiviert werden. Mit einer Speicherkapazität von 150 Sekunden ist der Looper zwar alles andere als rekordverdächtig, für Riffs und Songideen dürfte das allerdings völlig ausreichen, zumal mit den Drums synchronisiert werden kann.

Wie der Looper lässt sich auch die Drum-Machine per Fuß bedienen. Da aufgezeichnete Loops stets direkt – auch nach dem Ausschalten des URM – gespeichert werden, besteht bislang ausschließlich über eine Windows-Software die Möglichkeit, Loops aktiv zu löschen. Leider steht zum Zeitpunkt dieses Tests noch kein Mac-Editor zur Verfügung. Via Bluetooth-Audio können übrigens auch Backing-Tracks abgespielt werden.

RESÜMEE

Das Fame URM-1000 kommt mit erstaunlich authentischen Amp-Modellen daher. Diese punkten mit hoher Soundqualität und überzeugen sowohl über Kopfhörer und Full-Range-Monitore als auch über Gitarrenverstärker dank Global-EQ. Abgesehen von der Toe-Schaltfunktion arbeitet das Expression-Pedal gleichmäßig und präzise und empfiehlt sich nicht nur für Wah- und Volume-Swell-Effekte.

Das luxuriös bestückte Anschlussfeld bietet Stereo-Klinken- und symmetrische XLR-Ausgänge, letztere sogar mit Ground-Lift. Außerdem verfügt es über einen zweiten Expression-Pedal-Anschluss, einen Instrumenteneingang, einen 5-pol-MIDI-In-Anschluss, einen Smartphone-In/Out-Anschluss, einen Phones-Out-Anschluss und eine USB-C-Buchse mit einer (winzigen) Lade-Status-LED. Die versprochenen zehn Stunden Dauerbetrieb hat der Akku problemlos gemeistert. Selbstverständlich kann der Fame-Modeler auch während des Ladevorgangs betrieben werden.

Unterm Strich präsentiert sich das URM-1000 als ausgereifter Multieffektprozessor mit gehobener Ausstattung und intuitivem Bedienkonzept. Vor allem aber überzeugt es mit exzellenten Neural-Modeling-Sounds – und das zu einem schwer zu schlagenden Preis.

Plus

● Amp-, Cab-, Effekt- und Drum-Sounds
● Dynamik & Nebengeräuscharmut
● Ausstattung & Kontrollmöglichkeiten
● Übersichtliche Anordnung der Bedienelemente
● Freie Farbgestaltung von Display und Fußtasterbeleuchtung
● einfache, intuitive Bedienung
● Verarbeitung
● Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

● Teilweise kryptische Parameterbezeichnungen
● Beschriftungen der inaktiven Taster schlecht zu erkennen

(erschienen in Gitarre & Bass 04/2026)

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