Gelungene Mischung aus Innovation und Funktionalität
Kopflos, sieben Saiten, Multiscale: Hils HZ7 im Test
von Florian von der Ohe, Artikel aus dem Archiv
(Bild: Dieter Stork)
Nach den eher „klassischen“ Headless-6-Saitern legt Hils (Hex Instruments Labs) mit der HZ7 nach: sieben Saiten, Multiscale/Fanned Frets, aktives Pickup-Set – also ziemlich klar in Richtung moderne Performance. Headless- und Multiscale-Konzepte sind längst etabliert, aber in der 800-Euro-Liga bleibt die Frage spannend: Was ist hier wirklich durchdacht, was nur Optik – und wie gut ist das Paket am Ende?
Klar, diese Gitarrenart ist längst nichts Neues mehr. Es gibt teure Boutique-Hersteller, Firmen wie .strandberg* oder Ormsby im mittleren Preissegment und seit kurzem eben auch die deutlich günstigeren Hersteller aus Asien. Zu diesen zählt auch Hils und deren hier getestete HZ7. Mit knapp 800 Euro ist sie allerdings auch nicht mehr ganz billig. Mal schauen, was dran ist.
FORM FOLLOWS FAST IMMER FUNCTION
Hils liefert die Gitarre sicher verpackt und in einem brauchbaren, minimal gebrandeten Gigbag. Damit wird man lange klarkommen, dennoch spiegelt es den vergleichsweise günstigen Preis der Gitarre wider. Wenn man das Gigbag jedoch öffnet, geht es los: Die HZ7 setzt mit ihrer Farbe „Honey Yellow“ ein starkes optisches Statement.
Auf dem Guitar Summit habe ich allerdings die grüne Version gesehen … es geht immer noch extremer… 😉 Die Formgebung wirkt in natura deutlich stimmiger und harmonischer als auf Fotos. Ich fand immer, dass der mittlere Korpusteil durch die asymmetrische Form etwas schmal wirkt, was in echt aber gar kein Thema ist. Insgesamt ist die HZ7 ein echter Hingucker mit einer modernen, coolen und gut ausgeführten Lackierung.
Was als Zweites ins Auge sticht, ist die clevere Ergonomie: Die Gitarre steht dank zweier „Füße“ aufrecht und stabil. Das ist nicht nur praktisch für die Bühne oder das Studio, sondern zeigt auch, dass beim Gitarrenbau immer noch Raum für Optimierungen ist und hier bis ins letzte Detail nachgedacht wurde.
Die Verarbeitung ist dabei wirklich gut. Ich würde sie nicht als „Top-Niveau“ im Sinne einer handgefertigten Boutique-Gitarre bezeichnen, aber sie übertrifft definitiv die Erwartungen, die man in dieser Preisklasse haben kann. Besonders die Bünde sind hervorragend verarbeitet – nichts steht über, nichts kratzt. Das ist besonders wichtig, da es sich um Edelstahlbünde handelt. Ein tolles Feature für diesen Preis, da sie nahezu ewig halten werden – nur das Nachbearbeiten könnte eben schwerer fallen.
(Bild: Dieter Stork)
Der Hals selbst ist ziemlich flach, Hils nennt das Profil „Slim C“. Die Halsrückseite ist nahezu eben und das Profil rundet sich erst zu den Rändern hin deutlich ab. Das macht ihn äußerst komfortabel für schnelle Läufe und Riffs und er fühlt sich ähnlich wie viele moderne Siebensaiter an. Die Gitarre verfügt über Fanned Frets (Multiscale, 25,5 bis 27 Zoll), was bei Siebensaitern noch sinnvoller ist als bei „normalen“ Gitarren. Dieses Konzept trägt spürbar dazu bei, die tiefen Saiten präziser und mit mehr Attack abzubilden, ohne dass schnelle Soli auf den hohen Saiten schwieriger werden.
Auch die proprietäre Bridge ist durchdacht: Sie erlaubt es, die Saitenhöhe anzupassen, ohne die Saitenspannung ändern zu müssen (ja, ich schaue euch an, alte .strandberg*-Modelle).
(Bild: Dieter Stork)
Da sich unter den Tunern nochmals etwas Holz befindet, kommt man nicht ganz so frei an sie heran wie bei anderen Herstellern, und das Stimmen erfordert etwas Fingerspitzengefühl. Glücklicherweise erwies sich die Hils im Test als ziemlich stimmstabil, sodass dies nur ein kleiner Kritikpunkt ist. Besagter Holzteil eignet sich nämlich ganz wunderbar, um die HZ7 in klassischer Spielposition auf dem Oberschenkel zu positionieren. Apropos Stabilität: Ein cooles Detail ist die breitere „Kopfplatte“, die es erlaubt, die Gitarre in einem normalen Wandhalter aufzuhängen – eine simple, aber geniale Lösung.
Praxis, Sounds und Resümee auf Seite 2 …
Das könnte dich auch interessieren