Überraschendes Urteil aus Düsseldorf stärkt den Schutz des Stratocaster-Body-Designs
Fender gewinnt in Deutschland Rechtsstreit um die Stratocaster-Form
von Redaktion,
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(Bild: Fender Musical Instruments Corporation)
Fender hat vor dem Landgericht Düsseldorf ein Urteil erstritten, das die Korpusform der Stratocaster als urheberrechtlich geschütztes Werk der angewandten Kunst einordnet. Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil Fender in den USA 2009 mit dem Versuch scheiterte, die Strat-, Tele- und Precision-Bass-Umrisse markenrechtlich schützen zu lassen. Wie weit die Wirkung des jetzigen Urteils reicht, bleibt eine der spannenden Fragen für die Branche.
Das Urteil
Fender hat in Deutschland einen juristisch wichtigen Etappensieg erzielt. Das Landgericht Düsseldorf hat entschieden, dass das Stratocaster-Korpusdesignnach deutschem und europäischem Urheberrecht geschützt ist. Nach Darstellung des Unternehmens schafft das Urteil durchsetzbare Rechte gegen Gitarren, die diese Body-Form verwenden und in Deutschland oder in andere EU-Länder verkauft oder vertrieben werden – unabhängig davon, wo sie hergestellt wurden.
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(Bild: Fender Musical Instruments Corporation)
Der konkrete Fall
Auslöser des Verfahrens waren E-Gitarren der chinesischen Firma Yiwu Philharmonic Musical Instruments Co., die über AliExpress auch für den Versand nach Deutschland angeboten wurden. Das Gericht kam laut Fender zu dem Schluss, dass diese Instrumente das Stratocaster-Design unrechtmäßig reproduzierten. Entscheidend ist dabei die rechtliche Einordnung: Die Form wurde nicht nur als funktionales Produktdesign betrachtet, sondern als urheberrechtlich geschütztes Werk der angewandten Kunst.
Bild: Fender Musical Instruments Corporation
Bild: Fender Musical Instruments Corporation
Bild: Fender Musical Instruments Corporation
Was das rechtlich bedeutet
Für den Markt ist außerdem relevant, dass schon das Anbieten solcher Instrumente für Deutschland oder andere EU-Länder eine Haftung begründen könne. Yiwu Philharmonic Musical Instruments Co. wurde laut Pressemitteilung untersagt, Gitarren mit Stratocaster-Korpusform in Deutschland und der EU herzustellen, anzubieten oder zu vertreiben. Bei künftigen Verstößen könnten Ordnungsgelder von bis zu 250.000 Euro pro Verstoß oder ersatzweise Ordnungshaft von bis zu sechs Monaten drohen.
Der Blick in die USA
Bemerkenswert ist das Urteil auch mit Blick auf die US-Vorgeschichte. Fender war 2009 vor dem Trademark Trial and Appeal Board (TTAB) des US-Patent- und Markenamts mit dem Versuch gescheitert, die zweidimensionalen Body-Outlines von Stratocaster, Telecaster und Precision Bass als Marke registrieren zu lassen. Das TTAB hielt die Formen für generisch und sah hilfsweise auch keine ausreichende acquired distinctiveness. Wichtig für die Einordnung: Das TTAB entscheidet darüber, ob eine Marke registriert werden kann – nicht darüber, ob ein Zeichen allgemein benutzt werden darf.
(Bild: Fender Musical Instruments Corporation)
Ein anderer juristischer Ansatz
Gerade deshalb wirkt das Düsseldorfer Urteil wie ein interessanter Kontrapunkt: In den USA scheiterte Fender mit einem markenrechtlichen Ansatz, in Deutschland hat das Unternehmen nun auf urheberrechtlicher Grundlage Erfolg. Ob daraus ein Signal für weitere Verfahren entsteht, ist offen. Klar ist aber schon jetzt, dass die Entscheidung über den konkreten Einzelfall hinaus aufmerksam verfolgt werden dürfte.
Was das für den Markt bedeutet
Fender betont in der Pressemitteilung, dass es nicht darum gehe, Innovation oder fairen Wettbewerb auszubremsen, sondern gegen klare Rechtsverletzungen vorzugehen. Für Gitarristinnen und Gitarristen ist der praktische Kern der Meldung zunächst ein anderer: Die markante Strat-Silhouette ist in Deutschland rechtlich stärker abgesichert als zuvor.
(Bild: Fender Musical Instruments Corporation)
Offene Fragen für die Branche
Spannend wird nun die Frage, wie breit dieses Urteil künftig ausgelegt wird. Was bedeutet die Entscheidung für Hersteller, die seit Jahren auf vertraute S-Style-Formen setzen? Und wie werden deutsche Gitarrenbauer reagieren, wenn ein klassischer Body-Umriss plötzlich nicht mehr nur Designgeschichte, sondern auch ein urheberrechtlich verminter Bereich ist?
Erinnern wir uns doch einfach mal rückblickend auf die damalige so genannte „Pre-Lawsuit-Era“ deren Bedeutung ich hier wohl nicht mehr erklären muß!?!
Insider wissen um diese damalige Situation,bei der Fender Anfang bis Mitte der 1970er-Jahre nur noch neue „schrottige“ Fender Strats und Tele E.-Gitarren für vergleichsweise recht hohe Preise und in absolut mieser Qualität auf dem Weltmarkt auslieferte. Die Asiaten (vornehmlich Japan) kopierte in dieser besagten Zeitspanne u.a. etliche Stratocaster-und Telecaster Gitarren des Fender U.S.A. Unternehmens fast 1:1 mit deren bereits rechtlich geschützten Kopfplattendesigns und auch die Bodies,allerdings versehen mit ihren eigenen Labels (Greco,Tokai,Ibanez,Cimar,Burny,Aria,El Maya etc.) und in absoluter Top Qualität und zu weitaus günstigeren Preisen. Diese Story kennen wir nun hinlänglich. Man einigte sich dann darin,daß die asiatischen Kopien laut Gerichtsurteil sofort vom Markt verschwinden mußte,eine bis dato unbekannte Summe an die Fender Music Corporation entrichtet wurde,und zukünftig die Japaner weiterhin Strats und Teles mit dem Originalen Fender-Markenlogo und dem winzigen Zusatzvermerk „Made in Japan“ auf der Halsrückseite für den globalen Markt fertigten. Kurios,aber letztendlich sehr effektiv. Nur so konnte die Fa. Fender überhaupt überleben! Heute wird zu bezahlbaren Preisen und bester Qualität in Asien wieder fleißig weiter kopiert. Fakt: einerseits ist eine eingetragene,weltweit eingetragene Marke laut internationaler Rechtssprechung gesetzlich streng geschützt,-was ja allgemein wohl auch völlig verständlich scheint,-andererseits interessiert es die heutige potenzielle Käuferschaar nicht im Geringsten,ob die Strat-Copy mit optisch Fender-typischem Headstockdesign und aufgedrucktem eigenem Phantasie-Logo auf der Frontseite aus Asien stammt,oder aus U.S.A./Mexico (Ensenada). Dies möchte Fender unbedingt unterbinden,-ist ja klar,-das leuchtet ein. Unter dem Strich wird aber schlußendlich entschieden,ob es den Kunden preislich und qualitativ gefällt,-oder eben nicht! Der Käufer entscheidet hier de facto,ob eine bestimmte Marke in Zukunft weiterbesteht,oder am Ende gnadenlos in der Versenkung verschwinden wird!
Vielen Dank an die G&B-Redaktion für den aktuellen Beitrag zu eben diesem Thema!
Erinnern wir uns doch einfach mal rückblickend auf die damalige so genannte „Pre-Lawsuit-Era“ deren Bedeutung ich hier wohl nicht mehr erklären muß!?!
Insider wissen um diese damalige Situation,bei der Fender Anfang bis Mitte der 1970er-Jahre nur noch neue „schrottige“ Fender Strats und Tele E.-Gitarren für vergleichsweise recht hohe Preise und in absolut mieser Qualität auf dem Weltmarkt auslieferte. Die Asiaten (vornehmlich Japan) kopierte in dieser besagten Zeitspanne u.a. etliche Stratocaster-und Telecaster Gitarren des Fender U.S.A. Unternehmens fast 1:1 mit deren bereits rechtlich geschützten Kopfplattendesigns und auch die Bodies,allerdings versehen mit ihren eigenen Labels (Greco,Tokai,Ibanez,Cimar,Burny,Aria,El Maya etc.) und in absoluter Top Qualität und zu weitaus günstigeren Preisen. Diese Story kennen wir nun hinlänglich. Man einigte sich dann darin,daß die asiatischen Kopien laut Gerichtsurteil sofort vom Markt verschwinden mußte,eine bis dato unbekannte Summe an die Fender Music Corporation entrichtet wurde,und zukünftig die Japaner weiterhin Strats und Teles mit dem Originalen Fender-Markenlogo und dem winzigen Zusatzvermerk „Made in Japan“ auf der Halsrückseite für den globalen Markt fertigten. Kurios,aber letztendlich sehr effektiv. Nur so konnte die Fa. Fender überhaupt überleben! Heute wird zu bezahlbaren Preisen und bester Qualität in Asien wieder fleißig weiter kopiert. Fakt: einerseits ist eine eingetragene,weltweit eingetragene Marke laut internationaler Rechtssprechung gesetzlich streng geschützt,-was ja allgemein wohl auch völlig verständlich scheint,-andererseits interessiert es die heutige potenzielle Käuferschaar nicht im Geringsten,ob die Strat-Copy mit optisch Fender-typischem Headstockdesign und aufgedrucktem eigenem Phantasie-Logo auf der Frontseite aus Asien stammt,oder aus U.S.A./Mexico (Ensenada). Dies möchte Fender unbedingt unterbinden,-ist ja klar,-das leuchtet ein. Unter dem Strich wird aber schlußendlich entschieden,ob es den Kunden preislich und qualitativ gefällt,-oder eben nicht! Der Käufer entscheidet hier de facto,ob eine bestimmte Marke in Zukunft weiterbesteht,oder am Ende gnadenlos in der Versenkung verschwinden wird!
Vielen Dank an die G&B-Redaktion für den aktuellen Beitrag zu eben diesem Thema!