Workshop

Gute Reise: Wie man eine Gitarre verschickt − Teil 1

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Die Älteren unter uns werden sich noch an eine Zeit erinnern, in der Gitarren beim Verkauf persönlich übergeben wurden – sowohl im Laden als auch privat. Das war einfach. Doch diese Zeiten sind lange vorbei – wer heute kauft, kauft in der Regel online. Doch auch nach rund 25 Jahren eBay hat sich immer noch nicht herumgesprochen, wie man ein Saiteninstrument richtig auf die Reise schickt – noch immer erhalte ich Gitarren in haarsträubenden Verpackungen. Lasst uns das ändern!

Seit rund 15 Jahren betreibe ich, neben so einigen anderen Tätigkeiten, einen gewerblich angemeldeten Handel mit Gitarren (und Bässen, Mandolinen, Effektgeräten usw.). Ich könnte abendfüllende Schauergeschichten darüber erzählen, mit welcher „Verpackung“ das eine oder andere Stück bei mir angeliefert wurde. In dem erwähnten Zeitraum habe ich jedoch auch gelernt, wie man eine Gitarre verpackt, sodass sie heil ankommt. Und zwar, das gebe ich gerne zu, auf die harte Tour. Damit euch derart bittere Erfahrungen erspart bleiben, gibt es hier einen kleinen Workshop.

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VORÜBERLEGUNGEN

Wer sich nach langem Zögern dazu entschlossen hat, ein Schätzchen aus seiner Sammlung zu verkaufen, sollte mit Plan vorgehen. Neben dem Preis stellt sich beim Verkauf einer Gitarre die Gretchenfrage aller Gretchenfragen: Wie hältst du es mit dem Versand?

Verschicken ist lästig, keine Frage. Aber ich beobachte viele Gitarren auf den einschlägigen Plattformen über Monate, manchmal sogar über Jahre hinweg, und die Verkäufer bieten partout keinen Versand an. „Nur Abholung“ heißt es da. Das funktioniert eventuell in einer Großstadt wie Berlin oder Hamburg ganz gut und geht schnell. Wer aber auf dem Land wohnt, muss viel Geduld mitbringen, wenn er die Gitarre nicht versenden will.

Wenn man sich für einen Versand entscheidet, muss einem eines klar sein: Egal, wie gut man die Gitarre verpackt, das Risiko eines Versandschadens besteht immer. Deshalb sollte man immer versichert versenden, auch wenn eine Schadensmeldung durch den Empfänger erforderlich ist und die Aussicht auf Ersatz gering ist. Leider weiß man nie, welchen Bedingungen das Paket auf seiner Reise ausgesetzt sein wird. Je weiter das Ziel entfernt ist, desto größer ist die Gefahr, dass die Gitarre beschädigt ankommt. Deshalb gilt es, das Risiko eines Schadens durch eine clevere Verpackung möglichst zu minimieren.


KOFFER ODER NICHT KOFFER

Wer einen Koffer für seine Gitarre hat, ist klar im Vorteil, denn dieser schützt das Instrument erheblich besser als die beste Umverpackung. Wer also ein besonders wertvolles Teil verschicken möchte, für das er keinen Koffer hat, sollte noch einmal innehalten und überlegen, ob sich die Anschaffung eines solchen für den Versand nicht doch empfiehlt. Bei dem hohen Preis relativieren sich die € 70 bis € 120, die man für einen neuen Koffer investieren muss, und das Angebot wird für Käufer attraktiver.

Bei meinen Angeboten werde ich sehr oft gefragt, ob ein Koffer inklusive ist. Bei Gitarren mit einem Verkaufswert unter € 500 (und erst recht bei solchen unter € 300) muss ich diese Frage zumeist verneinen. Auf diesem niedrigen Preislevel solltest du die Anschaffung eines Koffers wohlüberlegt angehen, denn der ist in Relation zum Verkaufspreis dann eben doch recht teuer. Selbst auf dem Gebrauchtmarkt muss man noch etwa € 50 zahlen, nur selten findet man ein Schnäppchen für unter € 40.

Übrigens ist wenig gefährlicher als ein Koffer, der nicht so wirklich gut passt – dazu später mehr, wenn wir über das Verpacken einer Gitarre mit Koffer sprechen.

Leider sind Kunden in der Regel nicht bereit, einen höheren Preis für ein Angebot inklusive Koffer zu bezahlen. Die meisten ignorieren den Koffer nämlich und zahlen für die abgeschrammte „Hertiecaster“ nicht € 50 mehr, nur weil sie in Hartschale kommt. Übrigens ist es mittlerweile selbst bei hochpreisigen neuen Gitarren nicht mehr üblich, dass ein Koffer im Angebot inkludiert ist – man denke an die PRS (USA!) CE-Modelle, die im Gigbag kommen.


LOS GEHT’S

Nun haben wir die Gitarre verkauft und können zur Tat schreiten. Ein Gigbag ist immer jeder anderen Form des „Eintütens“ der Gitarre vorzuziehen. Halbwegs brauchbare Gigbags mit rudimentärer Polsterung gibt es schon ab ca. € 20. Aber selbst das kann im Verhältnis zu einer für € 100 verkauften Gitarre schon viel sein.

Auch im Gigbag sollten die Saiten gelockert werden, allerdings nicht so stark, dass lose Teile wie die Brücke abfallen oder sich die Saiten verzwirbeln könnten. Es sollte aber auch kein Zug mehr auf dem Hals sein, da dieser bei Erschütterungen während des Versands oft unheilvoll wirkt (selbst im Koffer!), vor allem bei neueren Modellen aus chinesischer Produktion mit Mahagoni-Hals und angewinkelter Kopfplatte.

Wer kein Gigbag hat, sollte die Gitarre auf jeden Fall in Plastikfolie – gerne auch in der Variante mit kleinen Luftpolstern – einschlagen. Ohne eine derartige Hülle können Verpackungsmaterialien wie zerknüllte Magazinseiten oder Kartonstücke die Oberfläche zerkratzen. Die viel genutzten Styropor-Kügelchen sind aber das Werk des Satans, denn sie fallen sehr gerne in die Soundlöcher von Akustik- und, besonders tückisch, Thinline-Gitarren. Deshalb: Folie drüber!

Schön in eine Lage Folie einschlagen (Bild: Christopher Kellner)

Eine Lage reicht völlig. Ich habe schon Gitarren erhalten, deren Umverpackung ägyptische Mumifizierer vor Neid erblassen lassen würde. Das Auspacken war frustrierend und das ungeduldige Zerschneiden der Folie birgt die Gefahr, die Gitarre zu beschädigen. Besser ist es, mehr Füllmaterial in den Karton zu packen, als das Instrument darin einzuhüllen. Wichtig: Klebeband darf niemals mit der Oberfläche einer Gitarre in Berührung kommen. Beim Auspacken habe ich schon so manches Stück mit schön gealtertem Vintage-Finish unfreiwillig „entlackt“. Lose Teile, zum Beispiel abgeschraubte Vibrato-Arme, sollten in einem separaten Tütchen mit Klebeband gut sichtbar an der Umhüllung der Gitarre befestigt werden, denn wenn sie im Karton herumfliegen, werden sie leicht übersehen und landen mit dem restlichen Material im Müll. Am besten teilt man dem Kunden mit, wo sich diese Teile befinden, dann bekommt man keine bösen E-Mails.


KARTON

Nun wollen wir über den Karton sprechen. Eine Gitarre ohne Karton zu verschicken, ist indiskutabel – doch auch das habe ich bereits erlebt. Idealerweise hat man zwei Kartons: einen kleineren, trapezförmigen Gitarrenkarton, in dem Gitarren ohne Koffer ab Werk ausgeliefert werden, und einen größeren, rechteckigen Karton mit ungefähren Maßen von 120 x 60 cm, wobei die Tiefe variabel ist. Denn für eine E-Gitarre benötigt man in der Regel nur eine Tiefe von ca. 10–20 cm, während eine Akustikgitarre oder Archtop mehr Platz erfordert.

Ideal: zwei Kartons (Bild: Christopher Kellner)

Gitarren mit deutlich angewinkelter Kopfplatte sollten ebenfalls mehr Raum bekommen als eine flache Planke wie eine Telecaster. Hat man einen trapezförmigen Gitarrenkarton, den man in den größeren reinstecken kann, verringert sich das Risiko eines Versandschadens erheblich.

Gitarre in den Innenkarton packen (Bild: Christopher Kellner)

Wichtig ist, dass die Gitarre im Innenkarton nicht hin- und herfallen kann, denn das ist die häufigste Ursache für Schäden. Deshalb gilt: Großzügig mit Füllmaterial polstern – besonders gut an neuralgischen Stellen wie dem Hals-Korpus-Übergang und angewinkelten Kopfplatten!

Neuralgische Stellen schützen: die Hals-Korpus-Verbindung (Bild: Christopher Kellner)

Dies gilt insbesondere, wenn kein spezieller Gitarren-Innenkarton verfügbar ist, sondern nur ein großer Außenkarton. Dieser sollte für die Gitarre angemessene Maße haben. Ist er zu groß, wird viel Füllmaterial benötigt.

Eigentlich zu großer Außenkarton (Bild: Christopher Kellner)

Ist er zu klein, liegt das Instrument innen gegen die „Wände“ an und kann leicht von außen beschädigt werden. Weder sollte die Spitze der Kopfplatte gegen das „Dach“ des Kartons stoßen, noch sollte der untere Gurtpin ungepolstert den Boden berühren. Ich habe schon oft Gitarren erhalten, bei denen der Gurtpin schon halb im Korpus „versenkt“ war. Dieser Schaden entsteht, wenn der Karton beim Versand unsanft auf den Boden aufgesetzt wird und es keine Polsterung zwischen Gurtpin und Kartonboden gibt.

Gurtpin schützen (Bild: Christopher Kellner)

Wenn die Kopfplatte oben gegen das Ende des Kartons stößt, ist das eine häufige Ursache für Halsbrüche. Der Lieferant muss den Karton nur andersherum hart aufsetzen und schon ist es geschehen. Deshalb sollte zwischen Kopfplatte und „Dach“ sowie zwischen Gurtpin und Boden eine Lücke vorhanden sein, die mit weichem Material ausgestopft wird.

Kopfplatte schützen (Bild: Christopher Kellner)

Um die Kopfplatte zu schützen, empfiehlt sich ein kleinerer Umkarton, den man auf einer Seite aufschneidet, zum Beispiel ein Schuhkarton. Doch auch in dieser kleineren Innenverpackung darf die Kopfplatte nicht hin und her wackeln, sondern sollte weich in Füllmaterial eingebettet ruhen.

Schutz des Kopfes mittels kleinerem Karton (Bild: Christopher Kellner)
(Bild: Christopher Kellner)

Auch die Mitte des Kartons birgt Risiken, da sie der instabilste Teil ist und gerne eingedrückt wird, wenn sich an dieser Stelle zu wenig Füllmaterial befindet. Die Folge ist ein Bruch der Hals-Korpus-Verbindung der Gitarre. In der Mitte sollte sich deshalb ebenfalls sehr viel Füllmaterial befinden, sodass der Karton an dieser Stelle nicht eingedrückt werden kann. Kleinere Kartons links und rechts des Halses können stabilisierend wirken.

Kartons schützen Hals-Korpus-Übergang (Bild: Christopher Kellner)

Als Füllmaterial eignet sich vieles, zu bedenken ist jedoch das Gewicht. Ich habe schon Gitarren in Holz-„Gerüsten“ verpackt erhalten. Ein derartiges Paket wird nicht nur sehr schwer, sondern birgt auch das Risiko, dass das gut gemeinte Verpackungsmaterial die Gitarre auf der Reise beschädigt. Ich persönlich vermeide auch Styropor, da es im Karton stark bröselt. Sehr oft musste ich nach dem Auspacken erst einmal mühsam eine Styropor-Explosion in der Wohnung (und an mir selbst) beseitigen, bevor ich mich der gelieferten Gitarre widmen konnte. Wer einigermaßen umweltfreundlich bleiben will, sollte kein neues Füllmaterial kaufen. Einfach einen Stapel gelesener Zeitungen, Werbekataloge und leere Kartons aus der Papiertonne rekrutieren – fertig.

Am wichtigsten bleibt: Die Gitarre darf im Karton nirgendwo anliegen und muss so verpackt sein, dass sie nicht hin- und herfallen kann. Im Zweifel schüttelt man den Karton nach dem Verpacken noch einmal sachte und achtet darauf, ob sich die Gitarre im Inneren bewegt. Ist das der Fall, muss der Karton erneut geöffnet und mit mehr Füllmaterial versehen werden.

Aber wo kriegt man so einen Karton eigentlich her? Man kann natürlich einen kaufen, allerdings gibt es die in der Regel nicht einzeln und wenn, dann sind sie mit € 10 bis € 12 vergleichsweise teuer. Wer ein Musikfachgeschäft in seiner Stadt hat, kann dort eventuell einen Karton bekommen. Wer ohnehin eine Neuanschaffung plant, kann auch auf den bald eintreffenden Neukarton warten.

So lieber nicht: zusammengeklebte Kartonteile (Bild: Christopher Kellner)

Von mit Klebeband konstruierten Eigenkreationen aus mehreren kleinen Kartons und Pappeteilen rate ich ab, vor allem, wenn die Reise länger ist oder gar nach Übersee geht. Diese Konstrukte sind nämlich in der Regel sehr instabil und eignen sich nur, wenn die Gitarre zusätzlich in einem Koffer geschützt ist. Wie das genau funktioniert, schauen wir uns im zweiten Teil unseres Workshops an. Bis zum nächsten Mal! ●


(erschienen in Gitarre & Bass 01/2026)

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