Toller Allrounder

Sessionessenz: Sandberg Custom Yolanda Charles Signature Bass im Test

Anzeige

(Bild: Dieter Stork)

Während ihrer Karriere als Sessionbassistin, die sie zu Aufnahmen und Tourneen mit Künstlern wie Jimmy Somerville, Aztec Camera, Paul Weller, Dave Stewart, Robbie Williams, Mick Jagger, The Waterboys, Hans Zimmer und Squeeze führte und bei der sie teilweise auch Bandmitglied war, hat sich Yolanda Charles einen umfangreichen Fuhrpark an Instrumenten zugelegt, um alle Anforderungen abdecken zu können. Mittlerweile bei Sandberg angekommen, hat sie nun ein eigenes Signature-Modell.

Anzeige

Yolanda Charles (Bild: Sandberg Guitars)

Das hatte sie auch bei ihrer für mich mitreißenden Performance mit ihrer Band instra_mentals auf dem letztjährigen Guitar Summit dabei, und jetzt habe ich das Vergnügen, mich mit dem Prototypen auseinandersetzen zu dürfen.

LIGHT AS A FEATHER

Sandberg führt ihn in der Custom Series, dafür kommt er allerdings angenehm schlicht um die Ecke. Der Korpus ist aus zwei Teilen europäischer Esche mittig zusammengeleimt. Wer bei diesem Holz an schweres Gerät denkt, kann beruhigt sein: Der Bass bringt gerade mal 3,5 Kilo auf die Waage – sehr kommod! Sicherlich sowohl ein Verdienst der Korpusdicke, die mit knapp 39 mm unter dem üblichen Fender-Maß liegt, als auch des großzügigen Shaping. Vor allem das Shaping auf der Rückseite ist so intensiv, dass die Zarge fast zur Messerkante wird. Gefällt mir ausgezeichnet! Die Lackierung ist transparentes, mattes Brownburst, das die Maserung dezent, aber deutlich sichtbar und fühlbar in Szene setzt. Verglichen mit den Fotos im Netz sieht mein Testbass dunkler und weniger Burst-ig aus, in der Produktion soll das Finish heller werden.

Der fünffach verschraubte Hals ist aus kanadischem Hardrock Maple, was weniger mit musikalischen Präferenzen zu tun hat, sondern vielmehr bedeutet, dass dieser Ahorn in entsprechend herben Umständen langsam gewachsen und damit extra stabil ist. Auf Röstung wurde verzichtet, dafür gibt es zwischen den drei Ahornstreifen noch zwei schmale aus Mahagoni. Das Griffbrett aus Palisander ist mit großen, ovalen Inlays verziert. Weitere Orientierung bieten die lange nachleuchtenden Dots in der Flanke, die aber auch so sehr gut ablesbar sind. Die 24 Bünde sind sauber eingesetzt und per Plek akkurat abgerichtet. Auffällig sind die relativ steilen Bundenden. Sie ermöglichen es, mehr von der Halsbreite für den an der Brücke eingestellten Saitenabstand von 18,5 mm auszunutzen, ohne dass man beim Spielen von der Griffbrettkante mit den äußeren Saiten rutscht.

Die Produktionsmodelle werden mit dem typischen Nullbund kommen, der Prototyp hat „nur“ einen exakt gekerbten Graphitsattel, der die Saiten schön flach über den ersten Bund entlässt, aber wie in allen Lagen natürlich komplett schnarrfrei. An der mit Esche belegten und in Korpusfarbe lackierten Kopfplatte sitzen gekapselte Sandberg-Mechaniken mit dem Logo in Form von vier Punkten. Diese sind auch am Halsansatz strategisch günstig platziert und kennzeichnen den Bass, selbst auf Fotos, die nicht die Kopfplatte mit ablichten. Am Headstock befindet sich auch der Zugang zum Stahlstab. Dessen Abdeckung ist mit zwei Schräubchen so befestigt, dass zum Einstellen nicht nur die unvermeidliche A-Saite für den Inbus aus dem Weg muss, sondern auch die beiden Nachbarsaiten gelöst werden müssen. Das ist etwas umständlich, allerdings gab sich der Hals über die gesamte Testdauer betont stabil, auch beim Runterstimmen um einen Halbton und wieder zurück.

(Bild: Dieter Stork)

Die Brücke besteht aus fünf Monorails, bei denen die Ballends einfach eingehängt werden. Die Saitenreiter selbst haben jeweils fünf Madenschrauben. Eine davon muss gelöst werden, um eine Einstellung in Saitenlage und Oktave zu ermöglichen. Dafür muss die Saite entspannt und der Reiter freihändig verschoben werden. Das ist nicht unbedingt meine Lieblingslösung, aber das macht man ja nicht jeden Tag. Für die Saitenlage sind drei Schräubchen zuständig. Eine weitere löst die Walze, die eine Justierung des Saitenabstands in Maßen zulässt. Beim Testbass wäre ein minimal schmalerer Abstand möglich gewesen. Wenn die Walze fixiert ist und die erste Madenschraube wieder arretiert ist, ist alles absolut schwingungsübertragungsfreundlich fest.

(Bild: Dieter Stork)

Die Pickups für den Bass kommen von Delano und sind in der von Sandberg als VT bezeichneten Konfiguration mit einem J-Pickup am Steg und einem Reverse-P-Pickup vorne angeordnet. Dabei sitzt der Steg-Pickup in der 60s-Position, während der P-Abnehmer insgesamt ein Stückchen näher an den Steg gerückt ist. Das extrem sauber eingebaute und abgeschirmte Regelwerk dazu wird von Glockenklang nach Sandberg-Spezifikationen gebaut. Volume und Balance funktionieren auch passiv, während der aktive Dreiband-EQ von einem 9-Volt-Block im rückseitigen Fach gespeist wird. Dieser kann ohne Werkzeug und Clip schnell getauscht werden. Per Zug am Volume-Poti geht es in den Passivmodus, der auch ganz ohne Batterie im Bass funktioniert; das Treblepoti bietet dann eine passive Tonblende. An den Amp geht es über einen soliden Buchsentopf in der Zarge. Schallerkompatible Gurtpins und ein dreilagiges Schlagbrett in Offset-Tropfenform komplettieren die Ausstattung.

Balance, Performance und Resümee auf Seite 2

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.