(Bild: Dieter Stork)
Die M-Serie von Guild hat eine lange Geschichte, die mit diesen zwei kalifornischen Schönheiten fortgeschrieben wird.
Bereits 1957 tauchte solch eine kleine Concert-Steelstring im Katalog des Herstellers auf, der damals noch in New York ansässig war. Das ursprüngliche M-Modell war komplett aus Mahagoni gefertigt. Auch im neuen Werk in Hoboken, New Jersey war die M-20 das erste Modell, das hergestellt wurde.
1971 war die kleine Guild auf dem Cover von Nick Drakes „Bryter Layter”-Album abgebildet und bekam dadurch mächtig Rückenwind. Unsere beiden Test-Modelle kommen aus der aktuellen Produktionsstätte in Oxnard, Ventura County, Kalifornien, USA, Erde.
UNTERSCHIEDE
Beide Gitarren kommen in sehr tauglichen passgenauen Formkoffern mit eingebautem Humidifier (!) inkl. etlicher Case-Candies wie z.B. Putztuch, Plektrum, Gurtpin, Stellschlüssel und Zertifikat. Feine Sache. Die Modelle haben sehr viele Gemeinsamkeiten, aber auch ein paar signifikante Unterschiede, sodass man letztendlich die Wahl zwischen zwei Gitarren mit ganz individuellen Charakteren hat.
Wichtiger Fakt: Beide Modelle sind ausschließlich aus massiven Hölzern gefertigt. Die Decken sind jeweils aus Sitka-Fichte (Sitka: Ort in Alaska, wo diese Fichtenart beheimatet ist). Bei Zargen und Boden der 40er handelt es sich um Afrikanisches Mahagoni (einteilig), bei der 50er wurde Indischer Palisander (zweiteilig) verwendet.
Diese unterschiedlichen Hölzer sorgen dann auch optisch und klanglich für den Charakter der jeweiligen Gitarre. Die Korpusränder sind mit weißem Binding eingefasst, die Schalllochumrandung ist eher schlicht und die Tortoise-Pickguards machen sich sowohl auf der hellen Natural-Decke der M-40 als auch auf dem Antique-Burst-Top der M-50 richtig gut. Im Palisandersteg ruht eine kompensierte Stegeinlage aus Knochen, direkt dahinter sind die Saiten mithilfe schlichter weißer Kunststoff-Pins fixiert.
Der Mahagonihals ist mit einem breiten flachen Halsfuß am 14. Bund angesetzt. Die Griffbretter aus Palisander sind mit jeweils 20 perfekt polierten Bünden und Dot-Inlays in den üblichen Lagen bestückt. Auch auf der Sichtkante des Fretboards finden sich nochmal kleine Orientierungspunkte.
Über den sauber gefeilten Knochensattel laufen die Saiten zur Kopfplatte mit den stilechten Guild Deluxe Open Gear Tunern, die Oldschool-Charme perfekt mit moderner Präzision verbinden. Natürlich darf hier oben auch nicht das sauber eingelegte klassische Firmen-Logo fehlen.
Die beiden Guild-Modelle sind vollständig mit einem Matt-Finish versiegelt, welches makellos ausgeführt wurde und eine wertig-edle Gesamtnote erzeugt. Optional gibt es die Beiden auch mit dem L.R.Baggs Element VTC Pickup-System – mit Piezo-Tonabnehmer unter der Stegeinlage, Volume- und Tone-Rädchen im Schalllochrand und Klinke-Out/Gurtpin-Kombi. Gesamteindruck bis hierher: Mehr als erfreulich!
(Bild: Dieter Stork)
GEMEINSAMKEITEN
Es ist eine weitverbreitete Ansicht, dass eine kleine Gitarre bequemer zu spielen ist, als eine große. Kann man das so pauschal sagen? Naja, wenn wir über „stehend spielen” mit der Gitarre am Gurt sprechen, stimme ich sofort zu. Die zierlichen Guilds mit ihren Zargentiefen von 8 – 10 cm und der kurzen Mensur von 629 mm holen da Bestnoten. Alles kompakt am Spieler. Hat man das Instrument auf dem Schoß, machen große Modelle wieder Boden gut, denn der rechte Arm ruht dann entspannter auf der hinteren Zarge.
Wie auch immer, die Vorteile kleiner Gitarren sind offensichtlich und werden von den M-Modellen bestens bedient. Der Spielkomfort wird ansonsten natürlich maßgeblich vom Hals bestimmt. Der satinierte Mahagonihals der M-Modelle liegt mit seinem satten C-Profil gut in der Hand. Die Bundenden sind wunderbar verrundet und poliert – da kratzt gar nichts – und die Saitenlage ist werksseitig genau nach meinem Geschmack eingestellt: nicht zu flach, damit es bei kräftigem Strumming nicht gleich schnarrt, und man bei Bottleneck-Einsatz nicht gleich auf den Bünden aufsetzt.
Wer das anders mag, kann mit dem beiliegenden Inbusschlüssel den Halsstab nachjustieren. Der Zugang ist unter der schwarzen Kunststoffplatte (Trussrod Cover) auf der Kopfplatte. Und klanglich? … erhofft man sich von vollmassiven Steelstrings satte Klangbilder. Und die bekommt man auch! Die M-40 mit ihrem Mahagonikorpus verströmt die typische trockene Wärme dieses Holzes. Die Akkorde kommen im positivsten Sinne ausgewogen zutage.
Die Bässe klingen holzig und abgehangen, nicht zu fett aber kraftvoll. Deutliche Mitten und klare stets angenehme Höhen komplettieren das Bild. Das Ganze wird getragen von einem fabelhaften Sustain, und die Spielweise des Players wird von der ausgeprägten Dynamik klar, deutlich und sehr ehrlich übersetzt.
Diese Fähigkeiten machen die Gitarre dann im Grunde auch zu einem erstklassigen Allrounder, der mit zartem Fingerstyle genauso gut klarkommt wie mit ruppigem Strumming. Die M-50 – das Palisandermodell – kann all diese positiven Eigenschaften auch auf sich vereinen, der klangliche Grundcharakter ist aber ein anderer. Es ist mehr Licht im Klangbild, mehr Attack, schärfere Konturen bei Bässen und Höhen … man könnte etwas flapsig sagen: die M-50 hat mehr Twang!
Eine Wertung dieser Unterschiede verbietet sich eigentlich – das ist alles reine Geschmackssache. Der persönliche Einsatzzweck kann eine Rolle spielen. Für rein akustische Songbegleitung liefert die M-40 womöglich den wohligeren Background. Muss man sich in einer Band durchsetzen, kommt man mit der „klaren Kante” der M-50 sicher besser durch den Mix.
RESÜMEE
Zwei tolle kleine Gitarren mit viel Qualität und Klangvolumen. Makellose Konstruktion, geschmackvolles Design … zwei Charaktere, die beide auf ihre Weise überzeugen. Angesichts der aufgerufenen Preise kriegt sicher der eine oder andere Schluckbeschwerden. Muss man denn über € 3000 für eine gute Acoustic ausgeben? Nein, muss man nicht zwingend, aber eine in den USA handgefertigte vollmassive Gitarre kostet im Jahre 2026 so viel. Wie sagt man in Köln: „Et iss wie et iss.”
Plus
● Design
● massive Hölzer
● akkurate Verarbeitung
● hoher Spielkomfort
● charakterstarke Klangbilder mit viel Sustain und Dynamik

(erschienen in Gitarre & Bass 01/2026)