„Für mich ist es eher wichtig clean zu spielen und eine Art Taschenlampe in der Dunkelheit zu sein, die dafür sorgt, dass der Weg nach Hause führt.“

Bonamassas Bäs(s)ter: Calvin Turner im Interview

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Die Position des Bassisten ist in der Band von Bluesrock-Superstar Joe Bonamassa eine besonders sensible. Einerseits muss der jeweilige Kandidat den vielschichtigen Songs des Maestros ein solides Fundament bereiten, andererseits darf er ihm klanglich nicht in die Quere kommen. Kein leichtes Unterfangen also für den aktuellen Bonamassa-Bassisten Calvin Turner, zumal er die Nachfolge des großartigen, leider im März 2023 verstorbenen Michael Rhodes angetreten und dementsprechend große Schuhe auszufüllen hat. Doch Turner schlägt sich souverän, wie man Abend für Abend hören und sehen kann.

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Dabei kommen dem Amerikaner nicht nur seine zahllosen Engagements als Studio- und Session-Musiker unter anderem für Larry Carlton, Michael McDonald, Amy Grant, Gloria Gaynor, Kenny Loggins oder Jimmy Hall und seine Mitgliedschaft in den Showbands der US-Fernsehtalkmaster Jay Leno, David Letterman und Conan O’Brien zugute, sondern auch sein großes musiktheoretisches Wissen: Sämtliche Bläser- und Streicherarrangements der aktuellen Bonamassa-Songs stammen von ihm! Wir haben uns mit Turner verabredet und ihn zu seinen derzeitigen Aufgaben befragt.

INTERVIEW

Calvin, könntest du als erstes erzählen, wie du zu Joe Bonamassa gekommen bist?

Ich kenne die Bonamassa-Mitglieder Josh Smith (Git., Anm. d. Verf.) und Lemar Carter (Schlagzeug) seit mehr als 15 Jahren, Josh sogar schon seit 20 Jahren. Wir haben häufig gemeinsam gespielt, zuletzt bei Raphael Saadiq. Josh ist mit Bonamassa befreundet und empfahl mich für den Posten, als Joe einen neuen Bassisten suchte. Michael Rhodes musste sich aus gesundheitlichen Gründen verabschieden und ist, wie bekannt, mittlerweile leider verstorben. Lemar kam Mitte 2022 als Nachfolger von Anton Fig, er stieß also etwa zur gleichen Zeit dazu.

Gab es für dich eine Audition?

Nein. Im Grunde war es Mundpropaganda und eine Art Vertrautheit, denn ich kannte Joe bereits aus anderen Projekten. Irgendwie hatten wir alle schon vorher miteinander zu tun.

Du bekamst also einfach eine Liste mit Songs, die du lernen musstest?

Sie haben mir die Setliste der aktuellen Show geschickt, ich ging online und hörte mir die neuesten Versionen der Stücke an, die ich finden konnte. Josh ist ja schon länger in der Band, und auch Lemar hatte den Gig bereits einige Male gemacht, insofern fungierten sie beide quasi als mein Sicherheitsnetz. Ich habe mir die Songs also so gut es ging draufgeschafft, mir dazu einige Notizen gemacht, ein paar Notationen und solche Dinge, und bin einfach direkt zur Probe und anschließend auf Tour gegangen.

Sind Bonamassa-Songs aus der Sicht eines Bassisten schwierig zu lernen?

Es gibt zumindest ein paar Nummern, die wirklich knifflig zu spielen sind.

Zum Beispiel?

Etwa ‚Evil Mama’, außerdem spielen wir unter anderem die ZZ-Top-Covernummer ‚Just Got Paid’ und einen weiteren Song namens ‚Hope You Realize It’ mit sehr schnellen, komplett durchgehenden 16tel-Noten. Das ist schon recht tricky, zumal wir mitunter ausgerechnet diese Songs am Anfang des Sets spielen, wodurch ich sechs, sieben Minuten lang nonstop 16tel-Noten spielen muss. Deshalb habe ich immer einen Bass in der Garderobe, mit dem ich mich aufwärmen kann. Aber ehrlich gesagt geht es in dieser Band weniger um besondere technische Anforderungen, sondern vor allem um das richtige Feeling. Wir alle können auf diesem hohen Niveau spielen, in solchen Jobs ist das handwerklich notwendige Rüstzeug absolute Grundvoraussetzung.

Bonamassa erwartet also vor allem musikalisches Einfühlungsvermögen?

Joe ist ein besonders tiefgründiger Musiker, daher muss man bereit sein, ihm jederzeit zu folgen, wohin auch immer er sich bewegt. Joe lebt komplett im Hier und Jetzt, man sollte also stets mit Überraschungen rechnen und sich darauf einlassen können. Da man ständig auf der Hut sein muss, macht es diesen Gig zu einer besonderen Herausforderung. Dies gilt allerdings auch für das Zusammenspiel mit unserem Keyboarder Reese Wynans, ein ständiger und tiefgründiger musikalischer Quell, der oft überraschende Dinge tut.

Was er vom Touren mit Joe gelernt hat, auf Seite 2

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