Kolumne

Till & Tone: Das Kind braucht einen Namen!

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Bei Meister Kloppi auf dem Seziertisch (Bild: Hoheneder)

Der Guitar Summit 2025 war wieder mal ein wunderbares Ereignis. Klassentreffen, aber hauptsächlich mit denen, die man auch wirklich gerne wiedersehen möchte. Ein guter Vibe, der drei Tage viele Menschen glücklich macht. Mich auf jeden Fall – das Interesse an meinen Gesprächen mit den Bros. Landreth, Daniel (von DanDrive-Pedals) sowie Helmut Krumminga auf der Rockantenne Stage war groß, sie wurden enthusiastisch aufgenommen und sehr gut besucht. Ich möchte mich auch ausdrücklich bei den vielen Leuten bedanken, die mir ein positives Feedback auf die Kolumne gegeben haben. Viele Handschläge und Selfies – darüber habe ich mich sehr gefreut!

Apropos Feedback: Ich bekomme auf meinen Social Media-Accounts viele Fragen zu meinem Kloppmann Signature-Set. Ob in meiner Strat das Real-62-Tillcaster-Set werkelt? Nein, tut es nicht. Wer jetzt denkt: Ha, erwischt! Der Bananenbieger spielt gar keine Kloppmänner?! Der kassiert nur und spielt was anderes?! Ruhig Blut, hinsetzen und den Schaum vorm Mund abwischen! Natürlich spiele ich Kloppmänner – und ich sage es auch jedem. Weil ich nach unzähligem Ausprobieren anderer Pickup-Marken von ihren Qualitäten absolut überzeugt bin. Und ich bekomme kein Geld dafür, damit das auch mal klar ist. Wer mit anderen Pickups happy ist – wunderbar! Aber hier schreibe ich über meine Erfahrungen. Langer Schwede, kurzer Finne’: Auch in meiner geschätzten Fender Kostüm Shop 55er Hardtail Strat sind Kloppmann Pickups – aber eben kein Tillcaster-Real-62-Set. Und das hat Gründe.

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RON UND DER REVEREND

Ich habe jahrelang viele Strats ausprobiert, aber immer wieder verkauft. Weil ich die Telecaster am Ende immer geiler fand, vor allem den Bridgepickup. Und ich spiele sehr viel Bridgepickup. Das Vibrato fand ich auch uninteressant, ich bin halt der, „der den Hebel nicht zieht.“ Also, warum Strat spielen? Wegen des Halspickups? Nein, den Sound mag ich nicht – ich finde, das passt nicht zu mir. Als ich dann irgendwann meine Dylan-Clapton Tribute-Band „The Slowhand All Stars“ ins Leben rief, war die Tele okay, aber bei Stücken wie z.B. „Lay Down Sally“ fehlte mir der Strat-Vibe, und bei anderen Songs war mir die Tele zu aufdringlich. Da galt die alte Regel: Da, wo die Strat noch höflich anklopft, hat die Tele die Tür bereits eingetreten!

Seelenbrüder (Bild: Hoheneder)

Eines Tages rief Bruder Kloppi mich an: Ich habe hier eine Hardtail Strat im Laden, da steht dein Name drauf! Meine Antwort: „Da bin ich aber gespannt, ob ich neugierig bin!“ brachte ihn zumindest zum Lachen. Das Lachen hörte aber auf, als ich die Gitarre gekauft habe und wie üblich mit dem elektrischen Sound nicht zufrieden war. „Was willst du denn hören?“, fragte der Meister seufzend seine Lieblingsfrage. Ich nannte zwei Namen, die Strat spielen – was man hören kann, aber nicht so aufdringlich strattig klingt, wie üblich: Ron Wood und Billy Gibbons. Beide haben eine 1955er Hardtail Stratocaster. Also probierten wir erstmal ein ST56-Set. Ein tolles Set! Dann ein ST54. Verdammt, das klang auch klasse. Also sagte ich zu Andreas: Ich liebe den Twang vom 56er, aber ich liebe auch die Milde des 54er Sets – gerade für die hohe E & H-Saite. Sir Kloppi murmelte: „Ich mach mir da mal Gedanken“ und entließ mich.

Nach einiger Zeit durfte ich meine Strat abholen. Auf meine Frage „Was denn nun drin ist?“ hieß es: Ein Custom-Set mit einem alten Bumblebee-Kondensator. Ich kam, ich sah und … ich kam. Das Set lieferte, was ich hören wollte: Ein Strat-Sound mit genug Biss, um ein Drahtseil durchzunoggern – aber es kann auch mittig-zartschmelzend wie Zitronensorbet mit einem Schuss Baileys klingen. Aber was noch erstaunlicher war: Den Mittelpickup einer Strat fand ich bis dato immer so aufregend wie eine Schüppe Rindenmulch. Aber mit der Hardtail Strat und dem Custom-Set entdeckte ich plötzlich meine große Liebe zum Mittelpickup!

DAS KIND BRAUCHT EINEN NAMEN!

Jahrelang war ich sehr zufrieden mit diesem Custom-Set. Als ich dann letztes Jahr bei Jörg Sander die Gelegenheit hatte, eine Vintage 54er & 55er Stratocaster zu spielen und meiner 55er Custom Shop klanglich gegenüberzustellen, stellte ich fest, dass diese beiden Exemplare elektrisch noch viel – ich kann es echt nicht anders beschreiben – milder klangen als meine. Das klang klasse, aber auch nicht sooooo viel besser als meine Gitarre. Vintage heißt ja auch nicht automatisch „besser“! Über Jörgs Hendrix-Marshall oder seinen Silverface-Twin klang das extrem schlüssig – aber ich spiele keinen Marshall oder Silverface Amp, ich bin eher Tweed-Mann. Die mittenlastige Tweed-Nase braucht für meinen Geschmack auch nicht unbedingt zusätzliche Milde oder Weichheit.

Allerdings habe ich neulich meine Vox-Liebe wiederentdeckt. Der hat zwar auch viel Mitten, ist aber im Bassbereich wesentlich schlanker als ein Tweed … Und dann diese glockigen Höhen … verdammt! Brauche ich doch etwas mehr „Milde Sorte“ (weil das Leben ist schon hart genug … wer den Slogan noch kennt, ist alt, Raucher oder Extrabreit-Fan) für meine Strat? Also bin ich im Oktober zu Andreas gefahren, um noch mal alles in Frage zu stellen und zu überprüfen. Denn aufgrund der vielen Nachfragen wollte ich ein neues Tillcaster Signature-Set lancieren. Ich war es leid, immer nur zu murmeln: „Ich weiß nicht, was da genau drin ist, da hat mir Andreas irgendwas zusammengemixt, ist nen Custom-Set.“ Nein, das Kind sollte einen anständigen Namen sowie eine exakte Zuordnung in der Kloppmann Electrics-Produktreihe bekommen.

Kam wie immer auch zum Einsatz (Bild: Hoheneder)

LETZTES TÜFTELN BEIM MEISTER!

So wurde es gemacht. Kaum lag meine Sunburst namens „Bob“ auf Meister Kloppis Seziertisch, wurde ausgebaut, gemessen und analysiert. Schließlich wusste Andreas nach fünf Jahren selbst nicht mehr so richtig, was er mir da zusammengebraut hatte. Nach einer Stunde stand fest: Mein Set bestand aus dem Spulenaufbau des ST54 mit kurzem G-Saitenmagnet, aber mit Alnico 5-Magneten. Die Wicklung entsprach einem ST60-Set, aber mit dem Draht (Formvar) des ST54. Aha. Was ein Durcheinander, aber mir gefällt’s. Aber zu unserer Überraschung hatte der Bridgepickup keine Baseplate – meine Ur-Modifikation für mehr Wumms beim Strat-Bridgepickup. Der Startschuss für die Tillcaster-Pickups.

Das war mir nicht aufgefallen, weil ich zu 99 % den Mittelpickup benutzt habe. Die Baseplate war schnell montiert. Keule – ich hatte ganz vergessen, wie wirkungsvoll diese Modifikation klingt. Jetzt mussten wir nur noch den Kondensator finden, der den alten Bumblebee ersetzt … denn der hatte in den Jahren leider zu viel von seiner Wirkungskraft eingebüßt. Wir haben 5 verschiedene probiert. Das bedeutet bei einer Strat: Fünfmal Saiten runter, Pickguard abschrauben, Kondensator einlöten, Pickguard wieder einsetzen, Saiten wieder aufziehen – was ein Gefriemel. Aber mit Happy Ending. Irgendwann hatten wir einen absoluten Favoriten: Einen 47NF-Folienkondensator. Wie der klingt? Hammer! Das ganze Gebinde, also Pickups und Kondensator, klingt klasse.

MEIN NEUES SIGNATURE-SET: ST55 TILLCASTER

Jawollski! So heißt mein neues Signature-Set: ST55 Tillcaster! Es macht das, was ich hören möchte von meiner Strat: Schneller Attack, a bisserl Twang. Höhen, die echte Höhen sind, aber nie nerven. Ein Bridge-Pickup, der mehr Wumms und etwas mehr Gain hat, aber weder matscht, noch Pustebäckchen hat. Und wenn ich das Tone-Poti zudrehe, dann bekommt der subtile, mildere Touch der Pickups einen zusätzlichen Zartschmelz. Oder, wie der Wizard of Kloppmann sagt: „Es ist ein waschechtes Tillcaster-Set und definitiv kein authentisches Vintage-Set! Till hat einen superben Mix aus meinen verschiedenen Sets bekommen, das wir jetzt kompromisslos auf seine Soundvorlieben getuned haben!“ Und das Beste: Andreas gefällt es auch richtig gut. Yes, Kloppi ist berühmt für den authentischen Vintage-Sound seiner diversen Sets.

Ich habe neulich lange mit Mick Taylor vom sehr beliebten YouTube-Format „That Pedal Show“ gesprochen (mehr von dem Gespräch demnächst hier). Ich hatte Mick vor anderthalb Jahren ein reguläres Kloppmann-ST60-Set für eine seiner Strats empfohlen. Mit Erfolg. Auf meine Nachfrage, ob er nach der Zeit ein Fazit ziehen könne, meinte er: „Yeah, sure. The Kloppmann ST60 is the closest to my original 1961 Fender Stratocaster.“ Na bitte! Auch ich liebe Vintage-Sounds. Aber meine Signature-Sets sollen so klingen, wie ICH möchte, dass sie klingen sollen. 100 % Till. Das neue ST55-Tillcaster-Set ist Till-Sound pur. Ich bin ein glücklicher Mensch. Ich wünsche allen Lesern, dass auch sie ihren Sound finden. Mit wem und womit auch immer. Ich wünsche allen frohe Feiertage, ein gutes neues Jahr und vor allem: Gesundheit! ●


(erschienen in Gitarre & Bass 12/2025)

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