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Till & Tone: Fender Deluxe im Vintage-Shootout!

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1957er Tweed Deluxe, 1961er Brownface Deluxe und 1964er Blackface Deluxe

Der Fender Deluxe Amp ist eine Legende. Egal, ob Tweed, Brown- oder Blackface, ob mit Hall oder ohne – diese Amps sind weltberühmt. Blues, Country, Soul, Rock, Punk, Fusion oder Jazz – der Fender Deluxe ist auf zig ikonischen Aufnahmen zu hören. Players? Neil Young, Billy Gibbons, John Lennon, Larry Carlton, Steve Lukather oder Erna Schabulski, wahrscheinlich haben sich so ziemlich alle Gitarristen – berühmt oder nicht berühmt – mal in ihrem Gitarrenleben in einen Fender Deluxe mit Gleichrichterröhre und zwei 6V6 Powertubes eingestöpselt, es ist nur die Frage: In welchen?

War es ein Tweed Deluxe, ein Brown Deluxe, ein Blackface Deluxe oder ein Blackface Deluxe Reverb? Am populärsten sind definitiv der Tweed Deluxe mit dem 5e3-Schaltkreis und der Blackface Deluxe Reverb (AB763). Der Brown Deluxe (6g3) ist seltener zu finden, aber diejenigen, die auf den Sound dieses Modells stehen, lieben ihren Brownie über alles und rümpfen über die Legionen Tweed & Blackface-Lemminge leicht die Nase … frei nach dem Motto „was alle toll finden, ist mir zu ordinär!“ – man suhlt sich ein bisschen in der Nische und gefällt sich im „anders sein“. Natürlich behauptet der Hardcore-Tweed-Liebhaber, dass nur ein Tweed Deluxe gut genug ist. Worauf der Blackface-Kenner sagt: Jaja, Tweed und Brown – das waren nette Fehlversuche von Leo Fender, bis er endlich mit dem Blackface Deluxe alles richtig gemacht hat. Und die unterscheiden sich auch noch mal, denn die meisten meinen dann die Blackface-Deluxe-Reverb-Modelle und nicht den einfachen Deluxe mit Tremolo, aber ohne Reverb. Diese waren für Puristen aber oft die besseren Blackface Deluxe, weil sie a) weniger Gain haben und b) Reverb sucks!

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1957er Tweed Deluxe

EXPERTENSPRECH!

Die Gitarren-Magazine, Soundexperten und Musiker erzählen natürlich auch seit Jahren, wie wahnsinnig unterschiedlich diese Amps doch klingen. Gerne wortgewaltig und kreativ: Da ist das beim Tweed Deluxe gern zitierte „flubby, farty low end“, aber auch die „ferocious fuzz goodness“. Sein brauner Bruder ist im Bass „tighter“, nicht so „loose“ und hat mehr „glorious, creamy driven tones“, die schon sehr „marshallesque“ sind. Der schwatte Kumpel aus der Blackface-Ära hat eine „glassy clarity“ with „more headroom, great sparkle and sweetness“! Noch mehr Phrasendrescherei (jetzt kommt das wichtigste Blackface-Attribut): Er ist „mid scooped“! Herrlich, oder? Natürlich habe auch ich schon diese abgelutschten Weisheiten so oder ähnlich bedeutungsschwanger von mir gegeben, schließlich habe ich schon alle drei der genannten Deluxe-Modelle gespielt. Außerdem besitze ich einen Blackface Deluxe ohne Reverb von 1964 im Originalzustand. Da wird man sich doch mal für einen kompetenten Fender-Deluxe-Experten halten dürfen, nech!?

1964er Blackface Deluxe

SHOOTOUT DELUXE!

Aber bei aller Selbstergriffenheit und der eitlen Selbstüberschätzung „kenn´ ich, weiß ich, hab´ ich alles schon gehört“ keimte in mir die Frage auf: Könnte ich diese drei Amps wirklich so einfach unterscheiden? Davorsitzen, sehen, spielen und hören – kein Problem, wahrscheinlich. Aber blind? Einfach nur hören, spielen, zwischen den Amps hin und her switchen … was ist dann, Herr Experte Hoheneder? Ohne optische Endscheidungshilfe bzw. Bestätigung?

Die Test-Crew

Etwas kleinlaut angesichts einer möglichen Blamage, aber hochgradig interessiert an diesem Soundexperiment, rief ich ein paar genauso verstrahlte Guitar-Aficionados an: Steffen Brückner, der allseits bekannte „Gitarrenonkel“ aus Köln, war sofort Feuer und Flamme. Steffen ist ein toller Gitarrist (Mrs. Greenbird), Liebhaber sowie Händler von Vintage Gear und hatte die perfekten Brüder für meinen 64er Deluxe: Er brachte zum Shootout seine Vintage Deluxe Amps mit! Zwei Tweeds, ein Player von 1956, ein sehr cleaner von 1957, sowie einen tollen 61er Brown Deluxe, ebenfalls in gutem Zustand. Herrlich!

1961er Brownface Deluxe

Den Proberaum mit Platz und ohne Lautstärkebegrenzung stellte Steffens Buddy, Mr. Oll Spencer, den viele von seiner famosen Combo Oll Spencer’s Melting Pot oder der Torburg Blues Session in Köln kennen. Mit drei alten Deluxe, diversen anderen Amps und einem randvollen Phrasenschwein standen wir also an einem trüben Winterabend in Köln in einem kalten Proberaum und installierten begeistert den Versuchsaufbau.

ALLE GUTEN DINGE SIND DREI!

Fein nebeneinander aufgereiht wurden die Verstärker mit einem Amp-Switcher so verkabelt, dass man jeden Amp mit seinem eigenen Speaker hören konnte, aber auch über den Speaker der beiden anderen Probanden! Denn Tweed und Brown Deluxe hatten einen Jensen, der Blackface aber einen Oxford Speaker, mit dem später auch die brauen Deluxe versehen wurden. Und: der ´56 Tweed Deluxe Player wurde wegen seines Tone Tubby-Speakers als viertes Cabinet auserwählt, damit man die Amps auch alle mal über die gleiche Box plus Speaker checken konnte. Der Einfachheit halber wurde als einzige Gitarre meine Fender ´55 Custom Shop Hardtail Stratocaster mit Kloppmann-Pickups und Vintage-Bumblebee-Kondensator benutzt.

Dann ging es los, ich musste anfangen. Mit Augen und Ohren offen. Was soll ich sagen? Da war, trotz aller Unterschiede eine Art audiophiler Stallgeruch. Oder wie Herr Spencer es nannte, eine gemeinsame Fender-DNA! Und ja, egal ob Steffen, Oll oder ich gespielt haben: Die Phrasen zur jeweilen Amp-Ära wurden allesamt wieder aus dem Phrasenschwein rausgeholt und bestätigt. Aber Erstaunen machte sich ebenfalls breit. Tweed, Brown- & Blackface über das gleiche Cabinet mit dem Tone Tubby-Speaker brachte die Erkenntnis: Der sehr warme und mittig klingende Lautsprecher machte die Brüder noch ähnlicher! Da die unterschiedlichen Größen und Bezugstoffe des Verstärkergehäuses nun auch nicht mehr von Belang waren, mussten wir schon genauer hinhören, als wir gedacht hatten. Das wurde auch mit mehr Gain deutlich: Schnell waren wir von clean auf dirty gewechselt. Macht ja auch mehr Bock – ja nee, is klar!

Wir hatten Spaß und waren uns trotz aller neugewordenen Erkenntnisse einig, dass wir das mit dem Blindtest schon schaukeln würden.

EIN BLINDER GITARRIST FINDET AUCH MAL EINEN DELUXE!

Voller Selbstvertrauen ging es dann nach einer Stunde zur Sache: Umdrehen, nicht hingucken und spielen. Ich fing wieder an, Steffen schaltete. Und schon nach wenigen Minuten schwante mir, dass das vielleicht doch eine Scheißidee war. Durch den lautlosen Switchvorgang war der Herr Brückner in der Lage, zwischen zwei Riffs stiekum umzuschalten. Er ließ mich ein bisschen spielen und fragte dann spitzbübisch: „Na, Chef, was für ‘ne Kiste hören wir denn gerade?“

Ich versuchte Zeit zu gewinnen: „Ja, wie? Ach, gilt es schon?“ Dann spielte ich noch mal kurz und sagte fest: „Brown Deluxe, ganz klar!“ Leichtes Gekicher, der Schiedsrichter: „Leider falsch! Neeee, den haste vor deiner Frage gespielt, danach habe ich auf Blackface umgeschaltet!“ Langer Schwede, kurzer Finn´: Ich habe ab und an auch mal einen Treffer gelandet. Bei Steffen und Oll war es ähnlich, Glanz, Irrtum und Verwirrung wechselten sich ab. Am Schluss des Blindtests, als wieder nur die gleiche Box mit dem Tele-Tubby-Speaker benutzt wurde und mit ordentlich Dreck gespielt wurde – da stieg die Fehlerquote, im Crunch-Gewitter verwischten die Sound-Unterschiede zu stark. Ohne optische Hilfe (oder akustische Hilfe durch Kabelumstecken) waren unsere arg traktierten Ohren überfordert.

RICHTIG KLASSE!

Irgendwann hörten wir auf zu spielen und zogen unser wichtigstes Fazit: Der Speaker und der jeweilige Tonestack der Amps machten den größten Unterschied beim Sound. Wie ähnlich der Brown- & Blackface Deluxe aufgedreht über den Oxford- und Tone-Tubby-Speaker geklungen haben, das war schon erstaunlich. Ich habe in einer anderen Kolumne schon mal geschrieben: Bevor ihr einen neuen Amp kauft, checkt mal lieber einen neuen Speaker aus – ihr werdet überrascht sein, wie sehr sich der Sound des Verstärkers dadurch verändert. Am EQ des Amps sollte man auf jeden Fall auch drehen, um Veränderungen zu bekommen. Der Blackface konnte, je flatter der EQ eingestellt wurde, nahe an die etwas prominenteren Mitten seiner Brüder angeglichen werden.

Mit meinem Tweedy-5e8a-Pedal von DanDrive wurden die Ergebnisse noch ähnlicher.

Auch interessant: Mit meinem Tweedy-5e8a-Pedal von DanDrive konnte man den Blackface so nah an den Tweed Deluxe bringen, dass sie im Raum und auf dem Handy-Video kaum voneinander zu unterscheiden sind.

Handy-Video im zweiten Slide des Instagram-Posts:

 

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Wir haben dann noch ein paar andere Amps miteinander verglichen: Einen Pipper Tweed Deluxe, einen Oahu Jester JU-28 und einen ´59 Fender Tweed Vibrolux. Das waren auch tolle Amps, ohne Frage! Aber welcher von den drei alten Deluxe Amps war denn nun der beste? Tweed, Brown oder Black? Keine Ahnung, die klangen alle fantastisch, jeder auf seine Art. Der Liebling des Abends war am Ende kein Deluxe, sondern der ’59 Tweed Vibrolux – den hätten alle am liebsten mit nach Hause genommen. Ich habe meinen Blackface Deluxe nach dem Shootout an die Sonne gehängt, ich habe neue Gelüste! Fazit: Trotz Irrungen und Vibrolux-GAS – es war richtig klasse!


(erschienen in Gitarre & Bass 04/2024)

Produkt: Gitarre & Bass 2/2023 Digital
Gitarre & Bass 2/2023 Digital
Im Test: J&D DX-100 +++ Jimmy Wallace Guitars MT +++ Solar Guitars AB1.4JN +++ Fender Acoustasonic Player Jazzmaster +++ Vintage Historic Series +++ Tech 21 SansAmp Character Plus Series +++ Baroni AFK150 +++ Paul Belgrado NaNo B4 Shortscale +++ Harley Benton MV4-PJ Gotoh BM +++ British Pedal Company Dumble Overdrive Special +++ JHS Packrat

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Interessanter Bericht! Würde mich sehr freuen,demnächst dann auch einen ausführlichen Test der ebenfalls sehr beliebten alten und neuen Fender Hot Rod 40 Watt Combo Valve Amps in Gitarre & Bass zu lesen! Ich besitze selbst eines der neuesten Exemplare,und bin damit sehr zufrieden! Besonders der integrierte Hall ist super.

    Im voraus vielen Dank!

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  2. Danke, dass ihr euch das angetan habt – und es auch noch öffentlich zugebt 😉

    Ich komme mir jetzt jedenfalls etwas weniger verrückt vor.

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  3. “…unser wichtigstes Fazit: Der Speaker und der jeweilige Tonestack der Amps machten den größten Unterschied beim Sound.”

    So ist es, auch wenn man mit so einer Bemerkung heutzutage kein Prophet mehr wird. Und der Rest ist einfach nur Freude und Spaß dabei zu haben.

    Netter, mit einem herzhaft selbstkritischen Augenzwinkern geschriebener Artikel! 🙂

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