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The Art of Bass: Walking Bass Basics – Teil 1

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Nachdem wir uns mit den Soloing Basics etwas in den oberen Etagen des Bass-Hauses aufgehalten haben, gehen wir nun wieder zurück ins Erdgeschoss, denn hier ist schließlich unser eigentlicher Platz. Es mögen etliche von euch mit Jazz nicht viel am Hut haben, ich denke dennoch, dass es nicht schaden kann, auch über das Thema Walking Bass ein wenig Wissen zu erlangen.

(Bild: Emanuel Stanley)

Walking Bass besteht in seiner grundlegenden Form einfach nur aus Viertelnoten. Jazz wird allerdings mit einem sogenannten ternären Swing-Feel gespielt, was nichts anderes als ein triolisches Feeling ist. Kommen Achtelnoten zum Einsatz, wie z. B. bei einem Thema, einem Solo, oder bestimmten Phrasierungen, dann werden die ersten beiden Achtel eines Viertelnotenwertes gebunden gespielt, während die dritte Achtel freisteht. Trotz dieser dadurch entstehenden lang-kurz Dynamik, werden die Achtel im Jazz trotzdem nicht als Triolen, sondern als ganz normale Achtel notiert. Man weiß dann eben nur, dass sie in einem ternären Feeling gespielt werden. In der Rockmusik werden Achtel meist binär, also in gleicher Länge gerade gespielt. Diese beiden unterschiedlichen Spielweisen erzeugen ein sehr unterschiedliches rhythmisches Gefühl.

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Gemeinsam mit dem sogenannten Ride-Becken des Schlagzeugs, das im Gegensatz zum Crash-Becken einen eher filigranen Sound hat, legt der Bassist mit seinem Walking-Bass einen soliden Teppich, auf dem sich die Solisten dann austoben können. Eine Walking-Bass-Linie besteht immer sowohl aus den Skalentönen der entsprechenden Akkorde, als auch aus den chromatischen Zwischen- bzw. Durchgangstönen – also Halbtonschritten – dieser Skala. Um einer Walking-Bass-Linie Struktur zu verleihen, ist es gut, zumindest anfangs die drei folgenden Regeln zu beachten.

  • Regel 1: Spiele auf der 1 jeden Taktes immer den Grundton.
  • Regel 2: Binde immer die Terz der jeweiligen Harmonie mit ein. Dies gibt der Linie Struktur und definiert auch das Tongeschlecht Dur oder Moll.
  • Regel 3: Nähere dich von der 4 des vorigen Taktes immer nur mit den folgenden Tönen auf den jeweiligen nächsten Grundton an: chromatischer Halbtonschritt von unten oder oben, Ganztonschritt von unten oder oben, Quinte von unten oder oben.

Mit diesen drei kleinen Regeln ist es schon recht einfach, eine sinnvolle Walking-Bass-Linie zu kreieren.

(zum Vergrößern klicken!)

Zu Beispiel 1: Die Basslinie läuft über ein ganz einfaches, zwölftaktiges Bluesschema. Der einzige vorkommende Akkord ist der Dominantseptakkord als F7, Bb7 und C7. Die Grundskala für diese Harmonie ist die mixolydische Skala, was im Prinzip die normale Dur-Skala mit der kleinen Septime ist.

Ich beginne mit dem Grundton F. Um den nächsten Grundton Bb auf der folgenden 1 zu erreichen, verlasse ich schon nach dem nächsten Ton G die Skala, um über einen chromatischen Halbtonschritt zuerst zur Terz, und dann zum Bb7 auf der nächsten 1 des zweiten Taktes zu gelangen. Dort springe ich vom Grundton Bb direkt zur Terz und gelange über den nächsten Skalenton Eb und dem nachfolgenden chromatischen Halbtonschritt E wieder zum oktavierten F im dritten Takt. Von hier gelange ich mit den absteigenden Skalentönen über die Quinte wieder zurück zum Grundton F im vierten Takt. Ab da wird die Skala bis zur Terz gespielt, um auf der 4 wieder zum Grundton, und damit zur untenliegenden Quinte von Bb zu gelangen.

In Takt 5 steigt die Skala wieder zur untenliegenden Quinte von Bb ab. In Takt 6 gelange ich über die Terz wieder chromatisch zum nächsten Grundton F. Im darauffolgenden Takt spiele ich meinen Weg über die untenliegende Terz, die Sexte und die Quinte des Akkordes F7 wieder zurück zum Grundton F. In Takt 8 gehe ich über die Terz wieder chromatisch zum Grundton der Dominante C7. Von C7 geht es dann über Grundton, Quinte, Grundton mit einem chromatischem Abstieg zum Bb7. In Takt 10 erfolgt über die Terz wiederum die aufwärtssteigende chromatische Annäherung zum oktavierten F. In gleicher Weise gelange ich im elften Takt wieder zur Dominante C7, und von dort über die Skalentöne zurück zu F7. Es hört sich vielleicht etwas kompliziert an, ist aber im Grunde ganz einfach.

Analysiert die zweite Basslinie in Beispiel 2 mal auf Grundtöne, Terzen und Annäherungstöne, dann wird das System schnell offensichtlich.

Check it out und viel Spaß!


(erschienen in Gitarre & Bass 04/2023)

Produkt: Orianthi – die Queen of Shredding
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