Workshop

Slide Guitar: Arpeggios

Slide-Guitar

Neben Tonleitern sind Arpeggios das wichtigste Element, um über Akkordfolgen zu improvisieren. Was für die Standard-Gitarre funktioniert, macht auch mit dem Slide am Finger Sinn und deswegen ist es mal wieder Zeit für ein etwas theoretisches Thema im Slide-Workshop.

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Arpeggio – was ist das?

Als Arpeggio bezeichnet man das Zerlegen eines Akkordes in seine Einzeltöne. Statt zusammen spielt man die Töne nacheinander und erhält so eine melodische Figur anstelle eines gleichzeitig erklingenden Mehrklangs. Soliert man über einen bestimmten Akkord, eignen sich diese Töne als Zieltöne, die länger stehen bleiben. Da sie im von der Rhythmusgitarre oder dem Keyboard gespielten Akkord enthalten sind, passen sie harmonisch perfekt und erzeugen, im Gegensatz zu Akkorderweiterungen, keine harmonische Spannung. Als Studienmaterial dienen zuerst der A-Dur- und A-Moll-Dreiklang.

Sie enthalten folgende Töne:

A-Dur: A C# E

A-Moll: A C E

Durch die Positionen

Slide-Guitar-Arpeggios-1

Während man beim Spielen ohne Slide versucht, alle Töne des Arpeggios in einer Position durch die verschiedenen Oktaven zu jagen, macht es beim Slidespiel mehr Sinn, die Akkordtöne in verschiedenen Positionen anzuordnen. In Beispiel 1 siehst du ein A-Dur-Arpeggio, das sich über das ganze Griffbrett erstreckt. Wenn du vor ein paar Folgen gut aufgebaut hast, wirst du ein paar der Akkord-Shapes wiedererkennen, die ich in der Standardstimmung gerne benutze.

Takt 1 basiert auf dem offenen A-Dur-Griff, Takt 2 auf der A-Dur-Barré-Position am 5. Bund und Takt 3 gruppiert sich um das Shape eines offenen D-Dur-Griffes. Versuche, das Pattern erst mal komplett zu lernen und sauber zu intonieren. Dann kannst du es in die verschiedenen Griffbilder unterteilen und in deine Improvisation einbauen. Beispiel 2 zeigt dasselbe Pattern für einen A-Moll-Dreiklang, mit dem du ähnlich verfahren solltest.

Ein-Saiten-Arpeggio

Technisch gesehen ist es beim Slidespiel einfacher auf einer Saite zu bleiben. Man kann die Töne besser binden und es entstehen keine Nebengeräusche durch beim Saitenwechsel weiterklingende Leersaiten. Deswegen findest du in Beispiel 3a und 3b die A-Dur- und A-Moll-Arpeggios auf einer Saite. In 3a verwende ich die A-Saite, beginne das Arpeggio also mit dem Grundton. In 3b beginnt das Arpeggio mit der Quinte und wandert dadurch auf die hohe E-Saite.

Vom Shape her funktionieren diese Arpeggios auf allen sechs Saiten, und du kannst mit diesen zwei Patterns schon eine Menge Akkorde abdecken. Nach Saiten geordnet ergeben sich folgende Arpeggios:

Hohe E-Saite: E/A/Em/Am

H-Saite: H/E/Hm/Em

G-Saite: G/C/Gm/Cm

D-Saite: D/G/Dm/Gm

A-Saite: A/D/Am/Dm

Tiefe E-Saite: E/A/Em/Am (wie hohe E-Saite, aber zwei Oktaven tiefer)

Slide-Guitar-Arpeggios-2

All diese Arpeggios zu notieren, sprengt den Umfang dieses Workshops. Deswegen solltest du das Pattern von der A-Saite auf alle anderen Saiten übertragen. Als kleine Hilfe siehst du in Beispiel 4a und 4b, wie das für E und Em funktioniert. Ich würde empfehlen, alle Arpeggios mit einem Grundton/Akkord im Hintergrund zu üben – vom Looper, einem Playalong oder einem befreundeten Gitarristen. So kannst du einerseits deine Intonation kontrollieren und hörst andererseits, welchen Sound die verschiedenen Akkordtöne über den Akkord produzieren.

Pimp das Arpeggio

Slide-Guitar-Arpeggios-3

In Beispiel 5 und 6 bastele ich aus den Tönen des Arpeggios und der dazwischen gespielten Leersaite ein kleines Lick in E. Mit der gleichen Phrasierung und Rhythmik funktioniert es auf E- und H-Saite. Diesen Leersaiten-Trick gab es auch schon mal in der Folge zur E-Stimmung. In der Standard-Stimmung lässt sich so etwas vom Sound der Open-Tunings reproduzieren, nur eben jetzt in verschiedenen Tonarten! Versuche das Lick auch auf das Moll-Arpeggio zu übertragen.

Als Abschluss dieser Folge wende ich die Ein-Saiten-Arpeggios auf eine I-IV-V-Verbindung in E an. Das Ergebnis siehst du in Beispiel 7, das aus den theoretischen Arpeggio-Shapes eine nach den Südstaaten klingende Melodie bastelt. Damit sich Arpeggios nicht zu etüdenhaft anhören, empfiehlt es sich, die Reihenfolge der Töne zu ändern, sprich nicht immer vom tiefsten zum höchsten Ton zu spielen, sondern Melodien aus den Akkordzerlegungen zu bilden.

Jazz-Musiker spielen auf diese Weise über komplexe Akkordfolgen ganz ohne Tonleitern, aber auch im Rock kann man mit dieser Technik schöne Sounds abseits der Pentatonik erzeugen. Ich wünsche viel Spaß beim Ausprobieren. In der nächsten Folge kombiniere ich die vorgestellten Arpeggios dann in einem kompletten Solo. Anregungen, Wünsche und Kritik kannst du wie immer unter martin@the-incredible-mr-smith.com loswerden. [2669]

Aus Gitarre & Bass 07/2017

 

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