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Workshop

Repair Talk: Das Locking-Vibrato – Teil 3

Unter dem Oberbegriff „Locking Vibrato besser kennenlernen“ wurde im letzten Repair Talk der Klemmsattel montiert und dabei auch recht umfangreich durchleuchtet. Damit ist der Bereich der Kopfplatte zunächst einmal abgewickelt und die aktuelle Ausgabe richtet den Fokus auf das andere Ende der Saite: das Vibratosystem.

Auch bei diesem Bauteil will ich mit einer Mischung aus Montage und Detailtipps dazu beitragen, die recht komplexe Funktionsweise eines Double-Locking-Systems besser zu verstehen.

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IN DEN ANFÄNGEN LIEF VIEL FALSCH

Blickt man zurück in die 1980er-Jahre, war der Gitarrenmarkt mit all seinen Nischen noch komplett anders aufgestellt als heute. Ohne zu weit auszuholen und knackig auf den Punkt gebracht, gab es eine Ära in der ein Floyd mehr oder weniger zum Wunschbesteck eines vielseitigen Gitarristen gehörte. Da das Angebot an Gitarren gering und darüber hinaus deren Verfügbarkeit wesentlich eingeschränkter war, wurde mangels Angebot die eine oder andere „Workhorse-Gitarre“ mit dieser hippen Hardware-Variante aufgerüstet. Das war ein Zeitgeist unter dem viele 70er-Strats „geopfert“ wurden.

Getrieben durch den Durst nach Innovation wurden aber auch viele Montagefehler durchgewunken (auch mangels Information/Wissen), so dass nicht jedes Tuning die erwartete Offenbarung in Richtung sorgenfreier, tonaler Modulationsmöglichkeit ablieferte. Viele dieser schlechten Umbauten mache ich unter anderem für die weit verbreitete Aversion gegenüber Double-Locking-Systemen verantwortlich. Einmal Spaßkiller – immer Spaßkiller. Damit dieser Effekt nicht weiter anhält, folgen ein paar Montage- oder Tuningtipps um dem interessierten Gitarren-Tuner einen Umbau oder die Optimierung leichter zu machen – also Fehlerquellen zu umschiffen.

ANDERS GELAGERT

Gegenüber einem normalen Vintage-Style-Vibratosystem haben Locking-Systeme eine größere Aufbauhöhe (Abb. 1/links).

Abb.1: Ob gerade oder gekippt: Das Locking-System hat einen höheren Aufbau.

Zusätzlich werden sie in der Regel parallel (also nicht gekippt) zur Korpusebene montiert, damit der Modulationsweg möglichst groß ist. Gekippt eingestellte Double-Locking-Systeme (Abb. 1/rechts) findet man daher eher selten.

Durch diese beiden Vorgaben steht ein Locking-System höher über dem Korpus als ein Vintage-System. Damit dies nicht zu einer unspielbar hohen Saitenlage führt, kann man gemäß Abb. 2 den Hals anwinkeln und so den Saitenverlauf an den höheren Aufbau anpassen.

Abb.2: Halswinkel und Aufbauhöhe stehen in direktem Zusammenhang.

Das funktioniert auch – aber mit Einschränkung. Gerade in der Anfangsphase der Floyd-Welle wurden häufig die speziellen Holzschrauben (Abb. 3/links) zur Vibrato-Montage benutzt.

Abb.3: Gebräuchliche Bolzenvarianten zur Floyd-Montage.

Kompensiert man aber die größere Aufbauhöhe und stellt zudem noch etwas Spiel für tonale Modulation nach oben ein, muss diese Schraube mit ihren nur ca. 7 mm Durchmesser recht weit über dem Korpus stehen.

Floyd Rose FRBMMSIBP – Original Bridge Mounting Studs and Inserts – Black

Was vielleicht bei der euphorischen Einweihung noch tadellos funktioniert, aber häufig unter der Kraft des Saitenzuges nachgibt. Die Bolzen wandern nach vorne (Abb. 4), was unter Umständen die Intonation mangels ausreichendem Einstellweg am System aus dem Ruder laufen lässt.

Abb.4: Neigt sich häufig dem Druck: Dünnere Bolzenvariante.

Zudem verbreitet ein sich neigender Bolzen ggf. in Verbindung mit einem Holzeinriss nicht gerade einen vertrauenswürdigen und verlässlichen Eindruck.

Abb.5: Mehr Durchmesser für mehr „Grip“: Die Ausführung mit Einschlaghülsen.

Die alternative Bolzenvariante (Gewindeschraube mit Einschlaghülse – Abb. 3/rechts) bietet mit ihren ca. 10 mm Durchmesser schon etwas mehr „Grip“ (Abb. 5), bietet aber zum Beispiel bei sehr weichen Hölzern und/oder extrem hohem Aufbau auch keine auf Dauer garantierbare Montageoption.

TIEFER LEGEN FÜR DIE STATIK

Statisch sicherer ist es, den entgegengesetzten Weg zu gehen und das Vibrato im Korpus zu versenken. Handelsüblich als „Recess“ (Deutsch: Unterfräsung) bezeichnet, nimmt eine passgenaue und auf das jeweilige System zugeschnittene Fräsung dieses auf.

Abb.6: Recess-Varianten für unterschiedliche Hub-Ansprüche.

Da gibt es die „Ohne Grenzen“-Variante à la Ibanez (Abb. 6/links) mit tiefer Unterfräsung für einen fast bis zum Saitenriss möglichen Modulationsweg, oder die seichtere Variante à la Sambora-Strat (Abb. 6/rechts) bei der lediglich genug Holz entfernt wird, um die Aufbauhöhe zu kompensieren und dem System ein leichtes Schwingen um den Nullpunkt herum zu ermöglichen.

Abb.7: Eine typische Unterfräsung hier mal aufgeschnitten.

Die Abb. 7 zeigt exemplarisch einen solchen Recess im Schnitt. Im Grunde genommen besteht er aus drei Fräsungen: Die etwas seichtere Fräsung für das Plateau auf dem die Bolzen stehen (somit bleibt genug Holz, um den Bolzen einen sicheren Stand zu geben). Es folgt die größtenteils durchgehende Fräsung für den Block und seitlich (nicht durchgehend) für die Aufhängung des Vibratohebels. Anschließend das tiefere Plateau, welches beim Heraufziehen des Vibratosystems die Feinstimmer aufnimmt.

Da alle Maße abhängig vom Vibrato und dessen Einsatz sind (nicht jeder Nutzer benötigt die „Range“ einer Ibanez-Fräsung) möchte ich hier auf konkrete Maße verzichten. Das muss von Fall zu Fall geklärt und gemessen/errechnet werden. Wer Spaß hat, auch mal ein Locking-System zu unterfräsen, findet in zahlreichen Online-Shops entsprechende Schablonen zum Kauf. Kritisch hinterfragt werden müssen aber die Ecken der Fräsungen – gerade im vorderen Bereich der Vibrato-Grundplatte. Der normale Kopierfräser, der an der Schablone geführt wird, fräst in den meisten Fällen mit ca. 12,7 mm Radius. Das ergibt mehr eine Rundung und keine Ecke. Wählt man die Fräsung recht passgenau, kann der Fall eintreten, dass die Kante der Grundplatte an den „runden Ecken“ schabt – insbesondere, wenn noch Lackarbeiten anstehen.

Je kleiner der Fräserradius desto geringer ist die Gefahr der Berührung. Es gibt mittlerweile Kopierfräser mit nur 10 mm Durchmesser, mit denen man ggf. die runde 12,7-mm-Fräsung nacharbeiten kann.

Als bekennender Old-Schooler gehe ich einen anderen Weg. Ich habe ein eigenes Schablonenset hergestellt (Abb. 8), welches so ausgelegt ist, dass die Fräse am montierten Kopierring der Oberfräse geführt wird.

Abb.8: Doc’s Oldschool-Schablonenset …

Dadurch kann ich (nach dem Berechnen der Maße – die Schablone hat nicht 1:1 die Maße der Fräsung) auch kleinere Fräser nehmen (zum Beispiel 6 oder 8 mm) und somit eine saubere Unterfräsung in einem Guss herstellen. Diese Methode klingt kompliziert – ist sie auch. Mehr etwas für den Holzbearbeitungsmaschinen-Enthusiasten, der mit diesem Denkanstoß etwas anzufangen weiß. Ich habe sie aber trotzdem hier mal erwähnt, da sich das Resultat durchaus sehen lassen kann (Abb. 9).

Abb.9: … mit recht brauchbaren Ergebnissen.

BLOCK MIT PROBLEMEN

Versenken (zumindest was die Vibratomontage angeht) hat also Vorteile, bringt aber auch die eine oder andere Stolperfalle mit sich. Wird die Grundplatte in den Korpus eingelassen, kommt natürlich auch der Block tiefer.

Abb.10: Zu beachten: Blocklänge bei tiefer gelegten Vibratosystemen.

Im Extremfall (Abb. 10) taucht er auf der Korpusrückseite auf. Das muss geändert und an die projektgegebenen Parameter angepasst werden. Die meisten Floyd-Tunings habe ich in den frühen 1990er-Jahren durchgeführt. Die Materialbeschaffung war etwas umständlicher als heutzutage. So wurde vieles passend gemacht, was unpassend war. Das Standard-Floyd mit seinem 42-mm-Block war für viele Situationen einfach zu lang. Glücklicherweise konnte der aus Messing gefertigte Block leicht auf das passende Maß gekürzt werden. Unter Umständen war es notwendig, die Löcher für die Federbefestigung nachzubohren. Man erreichte aber das Ziel.

Floyd Rose FROFTB32P – Original Fat Brass Block, 32 mm

Das geht heute in der transparenten Zeit der Online-Information eleganter und müheloser, indem man einfach einen passenden Block (sofern der Hersteller einen anbietet) in der notwendigen Länge bestellt (Abb. 11).

Abb.11: Unterschiedliche Blocklängen für unterschiedliche Einbausituationen.

Bietet der Hersteller kein entsprechendes Replacement an, müssen dann halt eben doch passende Handwerkzeuge zum Einsatz kommen.

Abb.12: Häufig störend und schabend im Weg: Kante in der Federkammer.

Wer nun glaubt, mit der passenden Blocklänge alles im Griff zu haben, könnte irrtümlich den Tag vor dem Abend loben. In die auf Abb. 12 dargestellte Falle bin ich auch schon des Öfteren hineingelaufen. Im Glauben an die abschüssige Zielgerade übersieht man schnell die eine oder andere störende Kante. Auch wenn das Foto überzogen wirkt, neigt sich der Block auch in der Realität ungewöhnlich steil, so dass recht schnell die Feder an der Kante schabt (Abb. 12/Pfeil).

Es mag experimentelle Musikformen geben, in denen dieser Effekt das erfolgsbringende Novum ist – in der Regel stört das Geschabe aber. Die Massenproduktion löst das Problem, indem sie den Grund der Federkammer schrägfräst, so dass er sich zum Block hin verjüngt. Alternativ dazu wird ggf. eine zweite Stufe gefräst, die der Feder mehr Platz lässt. Der Kleinserien-Gitarrentuner wird feststellen, dass die Standardfederkammer eines handelsüblichen Replacement-Korpuses an besagter Kante häufig etwas abgeschrägt werden muss (Raspel/Feile), um der Feder eine reibungslose Funktion zu ermöglichen.

Bevor so ein Projekt in die Endmontage geht, empfiehlt es sich, den Vibratoeinsatz (Hub) unter einer brauchbaren Voreinstellung (Saitenlage etc.) zu testen, um alles Störende auszumerzen. Je früher man so etwas erkennt, desto weniger muss dann in der Nacharbeit/Korrektur doppelt gemacht werden.

Das gilt auch für ein zusätzliches verstecktes Blockproblem, welches nicht immer auf Anhieb zu erkennen ist. Es geht um die Blockorientierung nach einem Austausch (also wo ist vorne und wo ist hinten). Der symmetrische Block kann in beide Richtungen angebracht werden. Da die Löcher zur Aufnahme der Federn jedoch in einem Winkel verlaufen, ist nur eine „Blickrichtung“ die richtige. Die Abb. 13 verdeutlicht dies.

Abb.13: Beim Block entscheidet auch die „Blickrichtung“.

Bei falscher Orientierung laufen die Federn zu steil zur Vorderkante des Vibratos – das funktioniert so nicht. Um auch hier die „gefürchtete“ Nacharbeit zu vermeiden, empfiehlt es sich, nach einem Blocktausch vorausschauend die Sachlage zu überprüfen und ggf. die „Blickrichtung“ zu ändern. Nach dem Blick unter und ums System folgt konsequenterweise die Investigation in das Innere. Da wird im nächsten Repair Talk so einiges erklärend zerlegt.

(erschienen in Gitarre & Bass 09/2020)

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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Interessante Story über die unterschiedlichsten Tremolosysteme.
    Das bekannte „Floyd Rose“ wurde, und wird bis heute unter Insidern häufig auch als „Freud‘ los“ Tremsystem bezeichnet.
    Das „Bigsby“ war ja damals die so genannte Urform eines Tremolo,bzw.Vibratosystems,das ja auch nicht so beliebt ist.
    Aber,ist ein „Floyd Rose“ richtig sauber eingestellt,dann ist es auch brauchbar.

    Die alten „Kahler Spyder“ etc. Tremolos mit sinniger Feststellschraube kommen heute wieder langsam in Mode.
    Tolle Fotostory! Eine richtige Wissenschaft!

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