Produkt: Fender Stratocaster
Fender Stratocaster
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Workshop

Repair Talk: Custom-Projekt Traumgitarre – Teil 8

Da der Grafitlack aus dem letzten Repair Talk nun trocken ist und somit die Projektgitarre wieder ohne Verschmiergefahr angefasst werden kann, geht es in dieser Ausgabe mit dem Aufbau des Instrumentes weiter. Im nächsten Schritt wird das Schlagbrett bestückt…

Die Montage der Bauteile Pickups und Schalter ist so transparent, dass sie nicht weiter beleuchtet werden muss. Bei den Potentiometern hingegen gibt es die ein oder andere Stolperfalle, die bei der Montage umschifft werden sollte.

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Abb. 1: Kann stören: Kleiner Zapfen am Potigehäuse (Bild: M. "Doc" Schneider)

Wichtig ist, und oft vergessen wird, der Durchmesser der Potiachse. In den häufigsten Fällen kommen Potis und Bohrungen mit ca. 10 mm Durchmesser zum Einsatz (kompatibel mit hochwertigen Potis wie zum Beispiel: CTS, CrazyParts, Emerson, etc.). In Ausnahmefällen verwenden Hersteller jedoch Bauteile mit 8 mm Achsendurchmesser bei einer entsprechenden Bohrung. Ein genaues Nachmessen und Überprüfen der Bauteilmaße im frühen Stadium der Projektplanung hilft, Fehlbestellungen zu vermeiden.

Unnütze Zapfen

Betrachtet man handelsübliche Potis, haben diese häufig seitlich einen kleinen Zapfen (Abb. 1/links). Dieser Zapfen ist für Montagesituationen vorgesehen, in denen er durch entsprechende Vertiefungen (Bohrungen) im Objekt (zum Beispiel Schlagbrett) ein Verdrehen des Potis verhindert. Bei handelsüblicher Gitarrenhardware ist diese Bohrung jedoch nur sehr selten zu finden, sodass der Zapfen eher stört als hilft und daher mit einer entsprechenden Kneifzange entfernt werden kann. Dann stört er nicht mehr und die Potiachse kann in ihrer gesamten Länge zur Montage und zum Erzielen der gewünschten Aufbauhöhe genutzt werden (Abb. 1/rechts).

Abb. 2: Optimal geklemmt: Montiertes Poti (Bild: M. "Doc" Schneider)

Dieser Einstellbereich wird umso wichtiger, je mehr der einzelne Tuner Wert darauf legt, dass Potiknöpfe in einer korrekten Höhe über dem Instrument laufen – also nicht wie von Stelzen getragen weit über dem Instrument stehen, aber auch nicht schleifen oder schieflaufen. Wie die Abb. 2 zeigt, kann idealerweise ein Poti mittels zweier Muttern am Schlagbrett fixiert werden und ist somit in der Höhe einstellbar. Die korrekte Aufbauhöhe richtet sich nach dem Potiknopf. Dieser wird auf die Riffelachse aufgesteckt (Abb. 3). Wie tief die Achse im Knopf verschwindet, ist nicht genormt, entscheidet aber darüber, wie hoch der Potiknopf über dem Schlagbrett/Instrument steht.

Abb. 3: So sitzt der Potiknopf auf einer Riffelachse (Bild: M. "Doc" Schneider)

Für mich ist dieser Parameter ein Punkt, der zwischen „lieblos zusammengeschraubt“ und „eines Custom-Objekts würdig“ unterscheidet. Wenn man schon nächtelang im Internet jagt und weltweit hochwertige Bauteile zusammensucht, dann sollte man – auch wenn es im Detail mühselig sein kann – das Etwas mehr an Zeit investieren und die Bauteile mit der nötigen Sorgfalt zusammensetzen.

Bei den Potiknöpfen kann dies bedeuten, dass sie durchaus das ein oder andere Mal montiert und wieder demontiert werden müssen, bis mittels Einstellen der Aufbauhöhe an den beiden Muttern die passende Höhe gefunden wird. Stehen die Knöpfe zu hoch, muss die untere Mutter (potiseitig) etwas höher gesetzt werden, sodass die Achse nicht so weit aus dem Schlagbrett ragt. Sitzt der Knopf zu tief (schleift), verfährt man umgekehrt. Ist das bequeme Klemmen mit zwei Muttern nicht möglich, kann die Einstellung auf der Potiseite (Schlagbrett innen) auch mit Zahn- oder Unterlegscheiben erfolgen.

Abb. 4: Schleifen nicht, sitzen gut und laufen: Montierte Potiknöpfe (Bild: M. "Doc" Schneider)

Die Fummelei und der Zeitaufwand lohnen sich aber, wenn dann die Knöpfe sauber über dem Instrument laufen (gepflegte Vintage-Instrumente geben hier eine gute Sollvorgabe) und dem Projekt eine wertige Optik verleihen (Abb. 4).

Glatt trifft Riffel

Tuner lassen sich nur selten durch konventionelle Vorgaben limitieren, so auch bei den Potiknöpfen. Neben den bis hierhin beschriebenen Potis mit Riffelachse gibt es auch Potis mit glatter Achse (Abb. 5).

Abb. 5: Glattachse mit passendem Potiknopf (Bild: M. "Doc" Schneider)

Potiknöpfe für Riffelachse (Abb. 3) finden hier keinen Halt und somit gibt es für diese Potigattung Knöpfe mit einer seitlichen Fixierschraube. Potiknopf aufstecken, Schraube handfest anziehen – fertig. Die Knopfhöhe kann bequem eingestellt werden und die Knöpfe laufen in der Regel schön gerade und ohne zu eiern.

Abb. 6: Kritisch: Wie und wo die Fixierschraube klemmt (Bild: M. "Doc" Schneider)

Eine ganz klare, selbsterklärende Situation. Kniffeliger wird es, wenn der Tuner entscheidet, Potiknöpfe mit seitlicher Fixierschraube auf Potis mit Riffelachse zu verwenden. Hier ist es ratsam, die Fixierschraube so zu setzen, dass sie in den Schlitz klemmt (Abb. 6/rechts). Klemmt die Schraube einseitig einen Schenkel einer geteilten Riffelachse, kann dieser Schenkel verbogen werden (Abb. 7/links).

Abb. 7: Sollbruchstelle: Verbogener Zapfen einer geteilten Riffelachse (Bild: M. "Doc" Schneider)

Natürlich lässt sich der Knopf auch auf diese Art irgendwie befestigen. Er wird aber eiern, also unrund laufen, ist nur schwer in der Höhe einstellbar und das Ergebnis kommt schnell aus Richtung Bastelecke. Da oftmals aber die Skala des Potis oder die Position der Fixierschraube als Stellungshilfe (wie ist das Poti aufgedreht?) genutzt wird, ist der Idealfall (Schraube meets Schlitz) nicht immer zu erreichen, da das Poti im E-Fach nicht immer entsprechend gedreht werden kann. Da hat die geteilte Riffelachse ihre Grenzen.

Holz gegen Glücksspiel

Um Bastelecke und Glücksspiel weitestgehend zu vermeiden, bereite ich im beschriebenen Poti/Knopf-Mix die geteilte Potiachse vor. Der Handel bietet sogenannte Adapterhülsen an. Z.B. die Brass Pot Sleeves von Allparts EP 0220-008 (Abb. 8/links).

Abb. 8: Beugen dem Bruch vor: Verstärkende Gegenmaßnahmen (Bild: M. "Doc" Schneider)

Diese werden auf die Riffelachse gestülpt, um den Durchmesser der Riffelachse an den der Glattachse anzugleichen. Aus der Erfahrung heraus verleihen sie aber der geteilten Achse keine oder kaum zusätzliche Statik. Der Begriff „Adapterhülse“ ist hier etwas irreführend und nicht gänzlich zutreffend, da die Hülse die Riffelachse nicht in allen Aspekten in eine Glattachse verwandelt. Um dies zu erreichen, reduziere ich einen Holzdübel leicht konisch auf ca. 1,5 mm und schiebe diesen „Keil“ ohne viel Kraft in den Schlitz (Abb. 8/Mitte). Man merkt förmlich, wenn der Keil greift und die beiden Schenkel kraftschlüssig miteinander verbindet. Erst die Kombination aus Keil plus ggf. Adapterhülse verwandelt die geteilte Riffelachse quasi in eine Glattachse, die es mit der Klemmschraube in allen Positionen aufnimmt (Abb. 8/rechts).

Knopf mit Finetuning

Abb. 9: Die Tücke liegt im Detail: Hier die Achsenform (Bild: M. "Doc" Schneider)

Aber auch bei an sich passenden Knopf-/Potikombinationen kann es für den anspruchsvollen Tuner zu unvorhergesehenen Zwischenstopps kommen. Die Abb. 9 zeigt die unterschiedliche Achsenform handelsüblicher Potis. Unterschiedlich hohe Stufen können dem gewünschten Montageresultat im Wege stehen, da der Wunschknopf die Achse ggf. anders aufnimmt als in der Projektplanung vorgesehen (vgl. Abb. 3).

Abb. 10: Vergrößern der Knopfbohrung (Bild: M. "Doc" Schneider)

Falls notwendig, kann dann die Bohrung im Knopf den Vorgaben der Achse angepasst werden. Dazu spanne ich einen entsprechenden Bohrer in einen Schraubstock und drehe den Knopf von Hand auf den Bohrer. Auf diese Art kann die Bohrung vorsichtig und ggf. in Stufen vergrößert und angepasst werden (Abb. 10).

Abb. 11: Hilft bei einem losen Knopf: Klebestreifen auf der Riffelachse (Bild: M. "Doc" Schneider)

Bei einem gegensätzlich gearteten Szenario (Bohrung zu groß/Knopf hält nicht) können kleine Streifen aus Klebeband die Lösung bringen (Abb. 11). Mit einem scharfen Skalpell passend zugeschnitten, können Lagen aus Krepp- oder auch Textilklebeband über die Achse gelegt werden und sorgen so für den gewünschten Halt, da sie die Achse etwas auffüttern. Das ist wieder so ein Fummeljob aber in der entsprechenden Situation ein verlässlicher und reversibler Problemlöser. Dieser kann ggf. auch in der oben beschriebenen Problematik Riffelachse/Potiknopf mit Fixierschraube die Funktion der Adapterhülsen übernehmen.

Abb. 12: Weniger Pflicht, mehr Kür: Auch der Skalenverlauf stimmt (Bild: M. "Doc" Schneider)

Anschließend überprüfe ich noch, ob die eventuell vorhandenen Beschriftungen bzw. Skalen gemäß der Potistellung (10 = volles Rohr) gleichmäßig verlaufen (Abb. 12). Das klingt vielleicht ein bisschen kleinkariert im Anspruch aber so ein schlüssiges Resultat macht (mir) am meisten Spaß. Und so wird es dann auch projektabschließend im nächsten Repair Talk final weitergehen.

(erschienen Gitarre & Bass 10/2019)

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