Produkt: Fender Stratocaster
Fender Stratocaster
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Workshop

Parts Lounge: Spring-Theorie Teil 2

In der letzten Ausgabe habe ich die klanglichen Auswirkungen der Tremolo-Federn bei Stratocasters erläutert. Es lohnt sich auf jeden Fall zu experimentieren, ob man drei, vier oder sogar fünf Federn in sein Tremolo einsetzen möchte. Entscheidend ist hierbei natürlich, wie leicht das Tremolo ansprechen soll…

Bei drei weichen Federn gelingt das logischerweise viel einfacher als bei fünf harten. Ähnlich verhält es sich mit der Auswirkung auf den Klang. Weiche Federn erzeugen einen weicheren Klang und härtere eben auch mehr Härte, Dynamik und Stabilität, etwa in den Bass-Saiten.

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Interessant ist hierbei vor allem, dass sich die Anordnung der Federn meist schlüssig in die Wirkung auf bestimmte Frequenzspektren übersetzen lässt. Die von hinten gesehen oberste Feder wirkt klanglich mehr auf den Bassbereich, die mittlere auf die Mitten und die untere auf die Höhen. Daher kann es absolut Sinn machen, Mischsätze zu verwenden. Letzteres kommt in praktisch allen Strats, die ich besitze oder tune zur Anwendung. Nur selten liefert ein Satz mit drei, vier oder fünf Federn die besten Ergebnisse in allen Spektren. Voraussetzung für die eigenen Versuche ist natürlich Geduld und Ausdauer. Es kann dauern bis man durch Hörproben die passenden Federn ermittelt hat.

Floyd Rose FRTSNBKP – Noiseless Tremolo Springs – Black (Bild: W-Music Distribution)

Ganz entscheidend für den Primärton einer Stratocaster ist wie bei allen E-Gitarren die Reiter-Konstruktion sowie der darunter befestigte Tremolo-Block. In den Internet-Foren hat man sich auf kalt gerollten Stahl als bevorzugtes Material geeinigt. Diese Vorliebe deckt sich mit der Vorgabe aus Vintage-Instrumenten, die allesamt mit diesem Blockmaterial ausgestattet wurden. Ansprache und Kontur kommen mit solchen Blöcken am besten zutage. Und bei einem schwebend eingestellten Tremolo kann man von diesen Eigenschaften eigentlich nie genug bekommen.

Anfangs gab es geeignete Austausch-Blöcke nur vom Hersteller Callaham. Klangliebhaber statteten daher ihre Tremolos mit solchen Blöcken aus, die außerdem den Vorteil boten, dass der mittgelieferte Tremolo-Arm praktisch ohne Spiel im Gewinde saß, ganz im Gegensatz zu dem meist wackligen Fender-Konstrukten. Im Fender Custom Shop wurde man hellhörig und lieferte die Stratocaster bald ebenfalls mit Stahlblock und bei den sogenannten Pure-Vintage-Versionen sogar mit den exakt gleichen kalt gerollten Materialien.

Ein kleines Detail schien man bei Fender allerdings lange übersehen zu haben: Die länglichen Durchführungen im Saitenreiter waren seit der Einführung der Reissue-Serien aus irgendeinem Grund verkürzt worden. Das führte dazu, dass die Saite direkt hinter dem Loch in der Bodenplatte genau an dieser Stelle auf der Kante des Reiters geknickt wurde, was einen zusätzlichen Reibungsverlust verursachte.

Zu kurze Saitendurchführung im Reiter sorgen für einen „Knick“
Bei langer Durchführung im Vintage-Tremolo berührt die Saite den Reiter nur im Scheitelpunkt

Die Saite wurde also nicht nur auf dem Scheitelpunkt des Reiters „geknickt“, sondern bereits kurz vorher am vorderen Ende der Durchführung. Das führte zu einem Druckverlust auf dem Reiter und daher zu einem unschärferen Ton. Bei den Pure-Vintage-Tremolos scheint dieses Problem nun behoben, ebenso bei Callaham oder bei hochwertigen Repliken wie denen von Crazyparts.

Ähnlich sensibel reagiert die Gitarre auf die insgesamt zwölf Madenschrauben, die paarweise in jedem Reiter verschraubt sind. Auch hier ergeben sich Klangunterschiede je nach Material. Die Schrauben der Pure-Vintage-Modelle oder der Callaham-Repliken tönen etwas dynamischer und schärfer als bei einem gewöhnlichen Fender-Tremolo. Auch hier lohnt das Experiment.

Unterschiede ergeben sich auch aus der Anordnung der Tremolo-Federn in Richtung Haltekralle. Da diese mit fünf Haken ausgestattet ist, kann man bei der Verwendung von drei Federn diese parallel oder V-förmig anordnen.

Drei Federn in V-Form
Drei Federn parallel mit Carl-Verheyen-Setup

Bei der V-Anordnung wird die Zugkraft der Federn in praktisch einen Punkt auf der Kralle konzentriert. Hier gibt es unterschiedliche Beurteilungen. Während die parallele Anordnung einen Hauch offener und weicher klingt, schwören andere Musiker auf die etwas knackigeren Klangergebnisse bei der V-Anordnung. Das gilt wohlgemerkt ausschließlich bei schwebenden Tremolo-Einstellungen.

Furore machte ein Youtube-Video von Carl Verheyen, auf dem er demonstrierte, wie er die Federkralle seiner Stratocaster justiert, um einen möglichst gleichmäßigen Federzug zu erzeugen. Da die Bass-Saiten durch das stärkere Material der Saiten auch stärker an den Federn „ziehen“, müsse man die Kralle auf der Bass-Seite entsprechend zurückschrauben, um den Saitenzug in diesem Bereich zu entspannen. Je nach Saitenstärke könne man so nach einigen Versuchen in kurzer Zeit den idealen Balance-Punkt ermitteln.

Diese Einstellung bietet außerdem den Vorzug, dass sich Mehrklänge beim Tremolo-Betrieb weniger störend gegeneinander verstimmen als mit „falsch“ eingestellter Kralle. Das Verheyen-Prinzip gehört seitdem fest zu meinem Setup-Repertoire, denn es funktioniert tatsächlich sehr gut. Der gleichmäßige Zug auf den Federn hilft der Stratocaster auch in puncto Ansprache und Dynamik auf die Sprünge.

Schauen wir uns die Kralle selbst noch genauer an. Hierbei handelt es sich um ein Blech mit fünf zu Haken geformten Aussparungen. Ähnlich wie bei den Federn oder dem Tremolo-Block scheinen auch hier Masse und Material eine Rolle für das Klangergebnis zu spielen. Kaum zu glauben wie unterschiedlich diese Bleche ausfallen können. Ein Blick in meine Wühlkiste, in der sich Reste von zahlreichen Stratocaster-Tunings angesammelt haben, präsentiert hauchdünne und bereits leicht verbogene Bleche sowie Exemplare, die recht schwer und massiv anmuten. Physikalisch gesehen scheint es ganz klar, dass diese Unterschiede auch Auswirkungen auf den Klang haben können.

Halteschrauben für Kralle mit glattem Endstück
Halteschrauben für Kralle mit durchgehendem Gewinde

Noch wesentlicher ergab sich bei meinen Versuchen die Auswirkung der beiden Halteschrauben. Bei vielen Tremolo-Krallen kommen hier die gleichen Schrauben zum Einsatz wie die Halteschrauben für den Hals. Nachteilig kann sich hier auswirken, dass das Schraubgewinde meist bis zum Schraubkopf reicht. In den Windungen kann sich die Kralle vor allem bei zu kleinen Löchern dann verkanten. Das sollte nicht sein. Die Kralle sollte ohne Federzug locker und mit reichlich Spiel an den beiden Schrauben hängen. Der Kontakt zu den Schraubenenden sollte nur durch den Federzug selbst zustande kommen.

Daher tausche ich diese Schrauben meist durch Exemplare mit glattem Endstück aus. Selbst bei Fender-Werksgitarren findet man nicht selten schlecht gesetzte Schraublöcher, die die beiden Halteschrauben unter Zug zusammendrücken oder aufspreizen, wodurch sich die Kralle noch eher verkantet, vor allem wenn durch ein durchgehendes Gewinde dafür die Möglichkeit geboten ist. Bei Pre-CBS-Vintage-Instrumenten findet man daher kaum Schrauben mit einem solchen durchgehenden Gewinde. Vielleicht hat man sich damals bei Fender ja mit diesem Problem bereits auseinandergesetzt.

Insgesamt können die Experimente mit dem Tremolo-System ähnliche Fortschritte liefern wie der Austausch der Pickups. Und meist sind solche Maßnahmen viel preiswerter als der handgewickelte Wunder-Pickup.

(erschienen in Gitarre & Bass 06/2020)

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