Produkt: Gitarre & Bass 11/2019
Gitarre & Bass 11/2019
INTERVIEWS: ZZ Top, Tito & Tarantula, Brittany Howard, Kris Barras Band, Alter Bridge +++ Das war der GUITAR SUMMIT 2019! +++ TEST: Revv D20 Head, Eventide Rose Delay, Ibanez Polyphia Signature-Gitarren, Seth Baccus Nautilus Standard, Rabenberger Hornbass, Warwick RockBass Alien Deluxe Hybrid Thinline, Marshall Studio Vintage SV20C & Classic SC20C
Workshop

Parts Lounge: Alnico Speaker – Teil 3

Weber 12A125S (Bild: Udo Pipper)

In dieser Ausgabe möchte ich die Übersicht beliebter Alnico-Lautsprecher mit einer Beschreibung der letzten drei Speaker-Modelle vorerst abschließen. Mit Ausnahme des Fane-Speakers widmen wir uns hier vor allem amerikanischen Lautsprechern.

Wie bereits erwähnt, liefern die Modelle „Made in USA“ meist eine stark abweichende Abstimmung gegenüber europäischen, und hier vor allem englischen Probanden wie etwa von Celestion.

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Durch die Jahrzehnte währende Zusammenarbeit mit Marshall setzen wir teils unbewusst den typischen Celestion-Sound mit seinen prominenten und fetten Mitten stets mit dem Marshall-Sound gleich. Oft gehen diese Eigenschaften jedoch vor allem vom Lautsprecher aus. Daher finden sich auch nur selten Marshall-Fans, die auf diese Kombination mit den rockigen Celestions verzichten möchten. Ganz andere Vorlieben entwickeln Gitarristen, die sich mehr an amerikanischen Swing-, Rockabilly-, Rock’nRoll- oder Fusion-Sounds orientieren.

Der sprichwörtliche „Barking-Sound“ der Celestions passt hier meist nicht ins Bild. Hier sind cleanere und gemäßigtere Klänge gefragt, die teils sauberer oder „süßer“ als ein rauer Celestion rüberkommen. Zu wahrem Legendenstatus schafften es hier vor allem die alten Jensen-Alnico-Modelle aus den Fünfzigern. Wer je einen alten Tweed Bassman oder einen perfekt erhaltenen Fender Tweed Deluxe gehört hat, weiß, wovon ich spreche. Diese Lautsprecher klingen zwar auch nicht im audiophilen Sinne linear, besitzen ihre typischen Betonungen aber in ganz anderen Registern.

Wie in Teil 1 schon beschrieben, lassen sich solch betagte Lautsprecher leider nur noch selten finden, und wenn, dann meist in einem Zustand, der den Ansprüchen zumindest für Bühne und Studio kaum gerecht wird. Umso interessanter ist die Suche nach möglichst authentischen Repliken, wo es vor allem die Modelle von Jensen (Made in Italy) und Weber VST zu großer Beliebtheit brachten. Jeweils ein Modell dieser beiden Hersteller soll uns in Grundzügen die typischen Klangeigenschaften dieser Hersteller veranschaulichen.

Weber 12A125s

Dieser Lautsprecher steht deshalb ganz vorne, weil er vom Hersteller als exakte Kopie des berühmten Jensen P12Q gepriesen wird. Das Original hatten wir ja bereits getestet und dabei festgestellt, dass dieser Lautsprecher eine wichtige Voraussetzung für zahlreiche klassische Sounds war. Ob nun die weltberühmten Soli auf ‚Hotel California‘ von den Eagles, Neil Youngs fette Crunch-Riffs, Larry Carltons kreative Solo-Arbeit bei Steely Dan, Mike Campbells glockige Rickenbaker bei Tom Petty & Heartbreakers oder sogar Kenny Burrells Blues-Licks auf ‚Chitlins Con Carne‘.

Der Jensen P12Q schien hier eine Art König der amerikanischen Gitarren-Soli zu sein. Mit der äußerst geringen Leistung geriet der Sound schnell in die typisch „schmatzige“ Kompression, die Bluesund Fusion-Musiker so sehr lieben. Er tönt etwas klarer als ein Celestion-Alnico und besitzt ein deutlich höher angesetztes Mittenspektrum. Man könnte auch sagen, er klingt etwas nasal und eng. Aber genau das passt in einem Tweed-Kombo mit dünnen und daher mitschwingenden Holzwänden, um die Gitarre im Studio-Mix deutlicher vom Bass zu trennen.

Daher haben es diese Lautsprecher beim Hobby-Gitarristen hierzulande, der meist allein zu Hause spielt, schwer. Erst recht wenn das Overdrive-Pedal zusätzlich hohe Mitten hinzufügt. Mit einem Tubescreamer etwa lässt sich ein P12Q nur schwer veredeln.

Der Weber 12A125 ist eine Hommage an diesen Lautsprecher. Und man kann bereits von ersten Ton an bescheinigen, dass dieses Vorhaben durchaus gelungen ist. Im direkten Vergleich mit einem Celestion Alnico Blue ist der Lautsprecher deutlich leiser und zarter. Auch sucht man sofort den Bassregler, um das zunächst fehlende Fundament wieder auszugleichen. Während einige Gitarristen mit diesem Lautsprecher endlich die gesuchte Klarheit und Kompaktheit zu finden scheinen, wenden sich andere enttäuscht ab und klagen über den vermeintlich fehlenden Headroom und die vom Celestion gewohnten tiefen Mitten.

Natürlich polarisieren solche Eigenschaften. Das klassische Rockriff ist auch wirklich nicht seine Stärke, auch wenn Billy Gibbons uns auf den frühen ZZ-Top-Werken mit diesem Lautsprecher genau das Gegenteil gelehrt hat. Man muss mit den Eigenschaften umgehen können. Aber für Jazz, Fusion und Blues zeigt er durch seine Kompaktheit beinahe unbegrenzte Möglichkeiten. Eine Art Anti-Loudness-Ton, der erst so richtig zur Geltung kommen mag, wenn man die Gitarre in ein Playback einbetten muss: schlanke Bässe, eher gedeckelte Höhen und sehr früher Crunch, der sich dafür aber umso feinfühliger präsentiert.

Der größere Bruder 12A150 mit bis zu 50 Watt Leistung bietet etwas mehr in Puncto Bass- und Hochtonwiedergabe, klingt so aber auch nicht mehr wirklich wie ein alter Jensen.

Wer es also wirklich „vintage“ mag, sollte diesen Lautsprecher unbedingt probieren. Wir haben übrigens die sogenannte S-Variante dieses Laustprechers getestet. Es handelt sich dabei um eine etwas spätere Version des P12Q mit etwas crisperen Höhen. Meiner Meinung nach ist die S-Version die beste Version dieses Speakers. Der Preis liegt übrigens bei etwa € 227.

Jensen P12/100 Blackbird Jet

Jensen P12/100 Blackbird Jet (Bild: Udo Pipper)

Mit einer Leistung von 100 Watt ist der Jensen Blackbird Jet der stärkste Alnico-Lautsprecher im Testfeld. Das Modell ist eigentlich angelehnt an den alten Jensen P12N, der in den Fünfzigern mit 50 Watt ebenfalls der stärkste Lautsprecher dieses Herstellers war. Für moderne Ansprüche wollte man den Lautsprecher aber auch in einer kräftigeren Version herstellen. Mit 98dB ist er nicht ganz so laut wie ein Celestion Alnico, aber dennoch vor allem in Puncto Kraft und Headroom überzeugend.

Man hört ihm den geringeren Wirkungsgrad kaum an. Der Ton ist überraschend klar und laut, ganz so, wie man es eigentlich von einem leistungsstarken Speaker erwartet. Die hohe „Mittennase“ des Webers oder des alten Jensen P12Q-Originals lässt er vollkommen vermissen.

Stattdessen klingt er vermeintlich linearer in sämtlichen für eine E-Gitarre relevanten Registern. Die Bässe sind knackig und scharf umrissen, der Hochton ebenso klar und offen wie bei den Konkurrenten von Celestion, nur hier sogar mit noch mehr Atem und Glanz.

Bell-Tone (oder Glockenklang) vom Feinsten! Die hohen Mitten tönen nicht so kehlig oder rockend wie beim Celestion Blue, sondern stets ausgewogen und dichter. Sogar mit ganz leisen Passagen kommt der Speaker bestens klar. Erstaunlicherweise verliert er seine Eigenschaften auch nicht bei Zimmerlautstärke. Es gibt also nicht die ideale Lautstärke, ab der dieser Lautsprecher sozusagen „aufmacht“.

Hölzerne, vokale Blues-Sounds sind nicht seine Stärke, dafür übertrumpft er scheinbar alle Mitbewerber spielend in Sachen Kontur und Klarheit. Er zeigt sich auch überraschend geduldig bezüglich der gewählten Amp-Paarung. So klingt er an einem Fender Princeton genau so schlüssig wie an meinem Marshall JTM45. Weit aufgedreht liefert er mit dem Marshall sogar ein sehr, sehr gutes Rockriff, dass mit dem Blackbird eher noch punchiger ausfällt als mit einem Celestion, der im Vergleich weniger dicht, körniger und daher wesentlich rauer klingt. In einem Tweed Deluxe war dieser Speaker außerdem eine perfekte Wahl zur Verstärkung einer Akustik-Gitarre oder Pedal-Steel. Referenz-tauglich und eine überzeugende Weiterentwicklung gegenüber dem alten Vorbild!

Fane Ascension A90

Fane Ascension A90 (Bild: Udo Pipper)

Der britische Lautsprecherhersteller Fane stand eigentlich zu Unrecht stets in der zweiten Reihe hinter Celestion. Diese Speaker hatten dennoch auch bei berühmten Gitarren-Stars einen legendären Ruf. Pete Townshend oder David Gilmour gehören hierbei zu den wichtigsten Protagonisten.

In jüngster Zeit kommt die Marke wieder mit einigen neuen Kreationen auf den Markt, darunter auch die Ascension Alnico-Serie. Dieser Lautsprecher hat 90 Watt und ist damit ebenfalls ein echtes Kraftpaket, und mit einem Wirkungsgrad von 100dB etwa auf gleicher Höhe wie die Celestions. Die britische Herkunft wird auch beim Test sofort deutlich. Klanglich liegt er ganz in der Nähe der Mitbewerber von der Insel.

Er löst jedoch etwas feiner auf, klingt ein wenig dichter und klarer als etwa der Celestion Alnico Cream. Vor allem gefallen mir die etwas schlankeren Bässe und der äußerst sanfte Hochton, der niemals vorlaut oder unangenehm wird. Er zerrt oder „cruncht“ etwas früher als sein Konkurrent, klingt dabei aber nicht ganz so punchig, körnig oder rockig.

Obwohl er Distortion-Sounds in genau dem richtigen Frequenzspektrum liefert, liegen seine Stärken eher in angezerrten oder klaren Rock’n’Roll-Riffs. Ein idealer Lautsprecher für harte Punk-Riffs oder fetzigen Rock mit blitzblanker Kontur. Hier ist er den Kollegen von Celestion sogar überlegen. Er zeigt sich auch geduldiger gegenüber der Kombination mit unterschiedlichen Amp-Qualitäten.

Während die Celestion Alnicos gegenüber der Elektronik schon recht anspruchsvoll agieren, klingt der Fane auch mit preiswerteren oder Transistor-Amps immer noch hervorragend. Ein Allround-Talent mit erkennbar britischem Flair und dabei für zahlreiche Stilrichtungen absolut passend. Man kann damit praktisch kaum schlecht klingen. Bei geringeren Lautstärken wird er allerdings ein wenig dunkel und stumpf. Er braucht schon etwas Leistung bis er seine Stärken voll entfalten kann.

Mit einem Preis von etwa € 250 liegt er im oberen Preisfeld. Dafür bietet er allerdings Vielseitigkeit und eine absolut wertige Verarbeitung.

(erschienen Gitarre & Bass 10/2019)

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