Q&A of today:

Kondensatoren per Trouble-Shooting auf Funktion prüfen?

Q: Wie kann man per Trouble-Shooting die Kondensatoren eines Amps (z. B. 5E3) auf Funktion überprüfen? Überall liest man, von sogenannten Cap-Jobs etc. – wie aber genau überprüft werden kann, ob ein Elko, Koppelkondensator etc. defekt ist, ist nirgends genau beschrieben. Würde mich über eine Antwort sehr freuen.

Robert Wendt (G&B-Leser)

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5E3-Board mit Vintage-Bauteilen
(Bild: Udo Pipper)

A: Du hast hier ein komplizierteres Thema angesprochen, das einer etwas ausführlicheren Antwort bedarf und die auch zu kontroversen Diskussionen führen kann. Prinzipiell gibt es keine Pi-mal-Daumen- Regel, wann Kondensatoren (hier insbesondere Elektrolytkondensatoren) des Austauschs bedürfen, sondern man tauscht eigentlich nur dann, wenn notwendig. Notwendig bedeutet hier, dass der Amp entweder exzessiv brummt (meist sind dann Elektrolytkondensatoren im Netzteil betroffen), rhythmisch knackende/knallende Geräusche von sich gibt (meist Kathoden-Elko) oder Potentiometer beim Betätigen laut krachen und dieses Krachen nicht auf ein defektes Poti zurückzuführen ist. Oft werden Kondensatoren präventiv getauscht, ohne zu überprüfen, ob sie wirklich defekt sind, oder wenn sie wirklich extrem alt und vom Typ Papierhülse mit Gummischeibe sind.

Kondensatoren Überprüfen ist eine etwas diffizile Angelegenheit, da man neben einem vernünftigen Voltmeter auch spezielles Equipment (LCR- bzw. ESR-Messgerät) benötigt, dessen Anschaffung sich eigentlich nur für den Profi lohnt. Diese Arbeiten an einem offenem Amp sollten aber eigentlich nur von einer Elektrofachkraft durchgeführt werden. Grund dafür ist die Tatsache, dass in so einem Amp auch nach Ausschalten und Trennen vom Netz noch potentiell tödliche Spannungen präsent sein können, deren Auswirkungen sich der Laie nicht bewusst ist.

Vor allen Eingriffen in den Amp gilt generell, dass der Amp vom Netz getrennt sein muss und das am besten einige Zeit (mehrere Stunden), um sicher zu gehen, dass eventuell vorhandene Restladungen sich abgebaut haben. Beim Chassis-Ausbau darauf achten, nicht in das Chassis zu fassen, es sicher abzulegen, um daran arbeiten zu können (ggf. die Röhren vorher entfernen!) und eine Testmessung an den dicken Elkos des Netzteils ( Plus – Chassis-Masse) durchführen, ob die auch wirklich leer sind. Ist das alles gewährleistet, geht s so weiter:

  1. Sichtkontrolle der Elkos: Zeigen sich kristalline Ablagerungen am Ende des Elkos in der Nähe des Sicherheitsventils, Blasen an den Endkappen oder ist der Elko unnatürlich aufgebläht, kann davon ausgegangen werden, dass der Elko defekt ist. Dann ist ein Ersatz notwendig. Bei dieser Überprüfung sich aber nicht durch evtl. verwendetes Silikon oder Heißkleber verwirren lassen! Dieses Material wird oft verwendet, um die Brummer auf der Platine zu sichern.
  2. Sichtkontrolle der Folienkondensatoren: auf Schmor- und Brandspuren/- blasen überprüfen bzw. auf gebrochene Gehäuse und Zuleitungen. Dabei nicht mit den Fingern im Amp rumfummeln, sondern am besten mit einem dicken Holzstäbchen oder Buntstift! Denn wenn so ein Kondensator dabei zerbröselt, hat man ruckzuck den Finger am Draht… Für den Laien ist ab hier Schluss, denn jede weitere Aktion bedingt, dass der Amp offen am Netz betrieben wird, und das sollte man dem ausgebildeten Fachmann überlassen!
  3. Spannungsmessung: Dazu benötigt man am besten ein sog. Voltage Chart des Verstärkers oder einen Schaltplan mit Spannungsangaben. Damit kann man die Spannungen an den Knotenpunkten des Netzteils nach jedem Elko messen und mit den Sollwerten vergleichen. Findet man hier Werte, die drastisch abweichen, kann man davon ausgehen, dass der betreffende Elko defekt sein kann. Bei Koppelkondensatoren an beiden Seiten messen, die Werte sollten sich deutlich unterscheiden, sonst kann man von einem sog. „leckenden“ Kondensator ausgehen der zu ersetzen ist.
  4. Kapazitätsmessung: Dazu benötigt man ein LCR-Meter und muss den Kondensator mindestens auf einer Seite aus der Schaltung lösen, um verlässliche Messergebnisse zu erhalten. Dann mit der Messfrequenz 1 kHz den Kondensator messen. Liegt der Wert außerhalb des am Kondensator angegebenen Nennwerts +/- Toleranz, ist der Kondensator reif für einen Tausch. Ebenfalls, wenn der Anzeigewert der Güte (Q) einen Grund zur Sorge (niedriger Wert) anzeigt.

Zusammenfassend kann man sagen, dass heutzutage die meisten Elektrolyt-Kondensatoren eine Lebenserwartung von mindestens 20 bis 30 Jahren haben. Die einzige Ausnahme, die ich bisher hatte, sind die in den modernen Fender Amps verbauten Illinois-Elkos, die oft schon nach wenigen Jahren defekt sind. Hier lohnt sich oft ein präventiver Austausch aller Elkos in einem Schwung durch qualitativ hochwertige Ware von F&T oder ähnlichem. Bei modernen Folienkondensatoren (Mallory, Vishay/Roederstein, Orange Drops, Sozo, etc) kann man von einer Lebenserwartung ausgehen, die meist die des Amp-Besitzers übertrifft. Defekte an diesen sind meist mechanischer Art oder Beschädigungen durch (Löt-)Arbeiten in der Umgebung.

Slick Steve


Aus Gitarre & Bass 11/2016

Kommentare zu diesem Artikel

  1. ja, so isses, kontroverse Diskussionen sollte es da eigentlich nicht geben. Zur Messung (nach dem Ablöten eines pins): Wenn kein RCL-Meter vorhanden ist, sondern nur ein (hochohmiges) Voltmeter, kann man auch verfolgen, wie schnell sich der C nach dem Aufladen entlädt. Erfordert aber auch Fachkenntnisse, deshalb hier kein detalliertes Kochrezept.
    Ergänzend: Wieviel Gleichstrom verbraucht der C bei Nennspannung? Je mehr Strom, desto schlechter; zum Vergleich neuen Elko messen, großzügige Ladezeit zugestehen.
    Manfred Zollner, http://www.gitec-forum.de

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  2. Wie groß oder wie hoch Einfluss auf den Klang der Hochspannungkondwnsatoren ?

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  3. Wie groß oder wie hoch Einfluss auf den Klang der Hochspannungkondensatoren ?

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