Workshop

Julia’s Bass Lab: Melodisch Moll

Anzeige

(Bild: Evannovostro/Shutterstock)

Wenn dir die Kirchentonleitern inzwischen vertraut sind, stellt sich früher oder später die Frage: Wie geht es weiter und welche klanglichen Möglichkeiten lassen sich noch entdecken? Eine mögliche Antwort lautet: Melodisch Moll. Diese Skala ist aus dem modernen Jazz- und Fusion-Kontext kaum wegzudenken. Vielleicht bist du dabei schon auf Bassisten wie Hadrien Feraud, Janek Gwizdala oder Matt Garrison gestoßen.

Anzeige

WAS IST MELODISCH MOLL EIGENTLICH?

Viele von uns haben Melodisch Moll vermutlich zuerst im Kontext der klassischen Musiklehre kennengelernt. Dort zeigt sie sich in einer besonderen Form: Aufwärts wird sie mit erhöhter sechster und siebter Stufe gespielt, abwärts hingegen erscheint wieder die natürliche Molltonleiter.

Der Grund dafür ist ebenso pragmatisch wie musikalisch schlüssig: In absteigenden Linien verliert der Leitton seine Zugkraft, also kann man auf seine Erhöhung bei absteigender Linie verzichten und zur ursprünglichen Skala zurückkehren. Ein Hörbeispiel dafür wäre zum Beispiel: Bourrée in E minor von Johann Sebastian Bach (BWV 996).

Im Jazz wird Melodisch Moll, sowohl aufwärts als auch abwärts identisch gespielt – jeweils mit erhöhter sechster und siebter Stufe.

Die melodische Molltonleiter verdankt ihren Namen ihrer funktionalen Weiterentwicklung. Durch die zusätzliche Erhöhung der sechsten Stufe – im Gegensatz zu Harmonisch Moll, wo nur die siebte Stufe erhöht wird – sollte vor allem die melodische Linienführung verbessert werden. Diese Variante entstand also gewissermaßen im Dienst einer singbaren, fließenden Melodie. Daher die Bezeichnung „Melodisch Moll“.

Betrachtet man die Skala genauer, stellt man fest, dass sie nur einen Halbtonschritt enthält – zwischen der zweiten und dritten Stufe. Alle anderen Intervalle sind Ganztöne. Das sorgt für den offenen Charakter dieser Skala. Wir erinnern uns: Bei den Kirchentonleitern haben wir zwei Halbtonschritte.

DIE SIEBEN MODI VON MELODISCH MOLL

Wie bei den Kirchentonleitern bleibt auch hier das Tonmaterial stets identisch, sodass wir jeden Ton der Skala als Startpunkt wählen können. Dadurch verschieben sich die Halb- und Ganztonschritte, sodass sieben Modi der Melodisch-Moll-Tonleiter entstehen.

Zur besseren Übersicht werden sie oft mit MM1 bis MM7 bezeichnet:

Beispiel 1: MM1 − C-Melodisch-Moll, (melodic minor)

Beispiel 2: MM2 − D-Dorisch (b9), (phrygian (♮6))

Beispiel 3: MM3 − Eb-Lydisch (#5), (lydian Augmented)

Beispiel 4: MM4 − F-Mixolydisch (#11), (lydian (b7)),
(F-Lydian Dominant)

Beispiel 5: MM5 − G-Mixolydisch (b13), (mixolydian (b13))

Beispiel 6: MM6 − Lokrisch (♮9), locrian (♮2)), A-Aeolian b5,

Beispiel 7: MM7 − Alteriert (altered/superlocrian)

Man erkennt, dass sich die Namen an den Kirchentonleitern orientieren. Für die einzelnen Modi von MM1 bis MM7 existieren zudem alternative englische Begriffe, die ich in Klammern ergänzt habe.

DREIKLÄNGE & VIERKLÄNGE

Werden aus dem Tonmaterial der Melodisch-Moll-Tonleiter Drei- und Vierklänge gebildet, ergeben sich auf jeder Stufe die entsprechenden Akkordstrukturen:

Beispiel 8: Dreiklänge

Beispiel 9: Vierklänge

Beispiel 10: Arpeggio C-Melodisch Moll

Beispiel 11: Arpeggio E-Melodisch Moll

ANWENDUNG IN DER IMPROVISATION

Für die nächsten drei Übungen habe ich dir Playbacks vorbereitet, damit du die Skalen ganz in Ruhe ausprobieren kannst.

Konzentriere dich zunächst am besten auf die Melodisch-Moll-Tonleiter in Grundstellung sowie auf die alterierte Skala.

Der Melodisch-Moll-Modus vereint die Moll- mit der Dur-Tonleiter, und die alterierte Skala enthält maximale Spannung: b9, #9, b5, b13 − Das ist quasi das komplette Tension-Paket für Dominantakkorde.

Beispiel 12: Improvisation 1 − Versuche die Melodisch Moll Tonleiter in eine II-V-I-Kadenz einzubauen.

Beispiel 13: Improvisation 2 − Versuche die alterierte Skala in eine II-V-I-Kadenz einzubauen.

Beispiel 14: Improvisation 3 − Eine ausgeschriebene Linie über eine II-V-I-Kadenz.

Ich hoffe du hast Lust bekommen diese neuen Farben in dein Spiel einzubauen. Viel Spaß beim Ausprobieren!

(erschienen in Gitarre & Bass 04/2026)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.