Workshop

Julia’s Bass Lab: Let’s talk about SLAP

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Slap-Technik Larry-Graham-Style

Ich weiß, dass der Slap-Sound nicht mehr so populär ist, wie er einmal war, die 80er-Jahre sind vorbei, und es wurde schon viel über Slap gesprochen. Trotzdem muss ich mich an dieser Stelle als Slap-Liebhaberin outen. Ich habe mich auf die Suche gemacht, welche Künstler in den letzten Jahren Songs mit Slap-Bass veröffentlicht haben und die verschiedenen Slap-Techniken einiger Basslegenden genauer unter die Lupe genommen.

Beim Slapping verlieren wir im Vergleich zum Fingerpicking Low End, dafür bekommen wir einen höhenreichen, metallischen Sound mit mehr Attack. Obwohl die Technik bei verschiedenen Bassist:innen auf den ersten Blick sehr ähnlich erscheinen mag, gibt es wirklich große Unterschiede. Ich möchte mit dem sogenannten „Godfather of Slap“ beginnen, Mr. Larry Graham.

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LARRY GRAHAM

Larry Graham war der erste Bassist, der mit dieser neuen Spieltechnik im Radio zu hören war. Er entwickelte sie aus der Not heraus und nannte sie selbst „The Super Chopper Bass Thumbing and Plucking Slap Style“. Die Position seiner rechten Hand am Bass variiert stark, mal ist sie näher am Griffbrett, mal etwa zwischen Halsund Steg-Pickup.

Bei Larry Grahams Thumb-Technik wird die gewünschte Saite angeschlagen und der Daumen bis zur nächsthöheren Saite durchgezogen. Sein Daumen ist beim Slapping leicht überstreckt, aber immer parallel zur Saite. Das Gegenteil dieser Technik wäre das Zurückbouncen des Daumens in seine Ausgangsposition, wie bei einem Gummiball.

Larry Graham spielte den „Pop“ zu Beginn seiner Slap-Ära noch mit Daumen und Zeigefinger. Auch seine Technik hat sich im Laufe der Jahre verändert. Gut zu hören ist diese technische Entwicklung in den beiden Songs ‚Thank you (Falettinme Be Mice Elf Agin)‘ von Sly & The Family Stone (1970) und ‚Pow‘ von Graham Central Station, der 1978 veröffentlicht wurde.

LOUIS JOHNSON

Louis Johnson, auch bekannt als „Thunder Thumb“, führte seine Slap-Technik mit einer sehr großen Drehbewegung der rechten Hand aus. Durch die große Bewegung hatte er einen relativ weiten Weg zurück zur Saite, kompensierte dies jedoch indem er seinen Unterarm und sein Handgelenk sehr locker ließ und so trotzdem eine hohe Geschwindigkeit erreichte. Die Position der rechten Hand befand sich vorwiegend am Griffbrettende und sein Slap-Sound ist unweigerlich mit dem Music Man Stingray verbunden.

Einzigartig an seiner Technik war auch der fast ständige Einsatz des Daumens der linken Hand auf dem Griffbrett. Er legte den Daumen um den Hals auf die E-Saite (Wrapped Thumb Over Neck) und hatte so zusätzlich die Möglichkeit, die Saite zu dämpfen oder einen Basston zu spielen. Auf diese Weise entstanden die Oktaven in Michael Jacksons Song ‚Get On The Floor‘ (1979).

MARK KING

Slap-Technik à la Mark King

Die Grundidee von Mark King war es, das Schlagzeugspiel auf den Bass zu übertragen. Das Ergebnis ist eine sehr kompakte, ökonomische und perkussive Slap-Technik. Im Gegensatz zu Larry Graham und Louis Johnson sind die Finger der rechten Hand vollständig geschlossen. Der Daumen zeigt nach oben und wird beim Anschlag nicht durchgedrückt, sondern kehrt wie ein Gummiball sofort in die Ausgangsposition zurück. In Kombination mit einer kleinen Amplitude ermöglicht diese Technik eine unglaublich hohe Geschwindigkeit.

Bekannt geworden ist Mark King mit seinen Status Headless- und Graphithals-Bässen nicht als Solokünstler, sondern als Sänger und Bassist der Popband Level 42. Beeindruckend ist neben der Geschwindigkeit auch seine Kondition. Ein Beispiel dafür ist der Song ‚Heathrow‘ von Level 42 mit einer Gesamtlänge von 4:43 und einem durchgehenden Slap aus Thumb und Lefthand Slap. Ein wirklich anspruchsvolles Konditionstraining für die rechte und linke Hand.

FLEA

Fleas Slap-Technik

Wir kommen nun zu einer Slap-Technik, die etwas aus der Reihe tanzt. Der Daumen der rechten Hand zeigt nicht nach oben oder parallel zur Saite, sondern eher nach unten (Richtung Boden). Ein Bassist, der häufig mit dieser Technik in Verbindung gebracht wird, ist Flea. Durch seinen Erfolg mit den Red Hot Chili Peppers hat er wohl mehr Menschen als jeder andere den Slap-Sound näher gebracht.

Bei der Thumb-Bewegung ist seine Hand geöffnet, die Finger sind fast ausgestreckt und der Daumen zeigt nach unten. Wenn Flea einen Pop spielt, zieht er die Finger zusammen und benutzt den Mittelfinger für den Popsound – nicht den Zeigefinger, wie es viele tun. Da der Daumen nach unten zeigt, ist die Double-Thumb-Technik natürlich nicht möglich.

AKTUELL

Wie sieht es mit der Verwendung von Slapsounds in der aktuellen Popmusik aus? Und vor allem, wie wird der Slapbass kompositorisch in die Songs integriert? Zugegeben, die Auswahl ist überschaubar, aber es gibt in den letzten Jahren einige Veröffentlichungen mit Slapbass, die sehr viele Menschen erreicht haben.

Beginnen möchte ich mit der 25-jährigen amerikanischen Singer-Songwriterin Blu DeTiger. Sie ist Sängerin und Bassistin und war gerade im Vorprogramm von Charlie Puth auf Tour. In ihren Liveshows und auch auf ihren Social Media Kanälen ist der Slapsound sehr oft zu hören, wie zum Beispiel in dem Song ‚Crash Course‘. Die Fans lieben ihn! Wenn man ihre Basslinien analysiert, sind diese meist genauso eingängig wie die Gesangshooks.

Auf dem Album ‚Harry’s House‘ von Harry Styles fällt vor allem der Song ‚Daydreaming‘ auf. Bei genauerem Hinhören wird klar, dass es sich um ein Sample des Songs ‚Ain’t We Funkin’ Now‘ von The Brothers Johnson aus den 80er-Jahren handelt. Am Bass natürlich der legendäre Louis Johnson. So durfte der Slap-Bass auch in den dazugeschriebenen Songteilen nicht fehlen.

Auch auf dem Red-Hot-Chili-Peppers-Album ‚Return of the Dream Canteen‘ aus dem Jahr 2022 enttäuscht Flea nicht. Gleich der erste Song ‚Tippa My Tongue‘ beginnt mit einem sehr eingängigen SlapRiff, das ein wichtiger Bestandteil der Komposition ist.

Der Song ‚About Damn Time‘ von Lizzo ging über TikTok viral und gewann 2023 auch einen Grammy. Der Bass erinnert an die DiscoÄra, enthält einige Slap-Licks und wurde von Ricky Reed programmiert. Und zu guter Letzt sind auch die erfolgreichen YouTuber Charles Berthold und Davie504 für eine gewisse Verbreitung des Slapbasses verantwortlich.

Es gibt so viele verschiedene Slap-Techniken, mein Appell wäre: Viel experimentieren und eigene Licks und Techniken entwickeln. Ich bin sehr gespannt, wie sich der Slapsound und die Slaptechnik in den nächsten Jahrzehnten in der Musik verändern werden. Zum Schluss gibt es noch vier Slap-Riffs, die viel leichter zu spielen sind als sie klingen. Soundfiles zu diesem Workshop findet ihr unten, checkt außerdem auch meine Slap-Bass-Spotify-Playlist. Viel Spaß damit!!

 

(Die Noten können durch Anklicken vergrößert werden!)

(erschienen in Gitarre & Bass 08/2023)

Produkt: Orianthi – die Queen of Shredding
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