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Guitar Basics: Modes – Lokrisch

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(Bild: KRIACHKO OLEKSII/Shutterstock)

Adam Neely, populärer New Yorker YouTuber und ein exzellenter Bassist, Komponist und Arrangeur, versteht es, in seinen unzähligen Videos auch komplexe musikalische Inhalte anschaulich und verständlich zu vermitteln. „Making the LOCRIAN scale sound GOOD?“, schon die Frage im Titel eines seiner Videos zeigt das Problem von Lokrisch, dem siebten und letzten Mode der Durtonleiter. Er klingt so sperrig, dass er in Popsongs sehr selten verwendet wird. Klären wir zunächst aber, was Lokrisch überhaupt ist.

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Beispiel 1 zeigt die C-Durtonleiter über zwei Oktaven in der VII. Lage. Spielen wir diese ab dem siebten Ton B (= deutsches H), erhalten wir B-Lokrisch. Betrachten wir die Intervallstruktur in Beispiel 2, sehen wir, dass der fünfte Ton F im Abstand einer verminderten Quinte (b5) zum Grundton B erklingt. Die b5 ist der charakteristische Ton von Lokrisch, der den Mode von allen anderen Modes der Durtonleiter unterscheidet. Bilden wir vom Grundton B einen Dreiklang, zeigt uns die Formel „1–b3–b5“ einen verminderten Dreiklang an (B°). Verminderte Dreiklänge klingen instabil und drängen nach Auflösung.

In Beispiel 3 sind die Stufendreiklänge von B-Lokrisch abgebildet. Beispiel 4 zeigt die leitereigenen Vierklänge. Um den Sound von B-Lokrisch zu verinnerlichen, spielen wir den Mode über dem durchklingenden Grundton auf der Leersaite H (Beispiel 5). Beispiel 6 zeigt die diatonischen Terzen von B-Lokrisch in der VII. Lage. Die Kürzel „b3“ (kl. Terz) und „3“ (gr. Terz) zeigen die Intervallqualität an. Die Beispiele 3, 4, 5 und 6 kann man über einen durchklingenden Basston spielen (auf YouTube nach „Bass Drone in B“ suchen).

Beispiel 7 zeigt B-Lokrisch in Terzschichtung gespielt. Über dem Basis-Vierklang Bm7b5 klingt eigentlich nur die 11 als Erweiterung brauchbar. Eine Erweiterung mit der b13 (G) erzeugt den Sound von G9.

In Beispiel 8 spielen wir die leitereigenen Dreiklänge in einer Zick-Zack-Struktur mit konstant wechselnder melodischer Richtung, erst aufwärts/ abwärts, dann abwärts/aufwärts. Statt der notierten Achteltriolen kann man auch in geraden Achteln oder Sechzehnteln spielen und erzeugt so bei gleichem Fingersatz spannend klingende Varianten.

Dies funktioniert auch mit den leitereigenen Vierklängen aus Beispiel 9. Allerdings können wir hier die notierten geraden Achtel durch Achteltriolen, Sechzehntel oder auch jede andere Subdivision ersetzen. Weitere Variationsmöglichkeiten ergeben sich, wenn man die Reihenfolge der Akkordtöne der Vierklänge ändert wie in Beispiel 10. Statt 1, 3, 5, 7 spielen wir 3, 7, 1, 5, und schon erkennt man die zugrundeliegenden Vierklänge kaum mehr.

Wie oben schon angedeutet, sind lokrische Songs Mangelware. Als Beispiele taugen ‚Army Of Me‘ von Björk und das Bass-Riff von ‚Juice Box‘, einem Song der Strokes, die beide in Lokrisch gehalten sind. Allerdings gibt es so gut wie keinen Song, der ausschließlich aus lokrischem Tonmaterial besteht.

Wegen seines charakteristischen „b5“-Tritonus-Intervalls, das im Mittelalter als klingendes Synonym für den Satan selbst verboten war, schrieben viele Metal-Bands Riffs mit integrierter „b5“, um besonders böse zu klingen. Das Basis-Riff von Metallicas ‚Sad But True‘ (Beispiel 11), im Original im D-Tuning gespielt, besteht aus dem Tonmaterial von E-Lokrisch. Der Powerchord E5 enthält zwar mit B die eigentlich leiterfremde reine Quinte. Die hört man aber auch schon beim als Singlenote gespielten E als Oberton. Man kann also den Powerchord als klanglich massiv verbreiterten Einzelton sehen.

Wer selbst ein lokrisches Riff schreiben will, kann alle Töne des Modes auch als Powerchords spielen, ohne dadurch den lokrischen Sound zu verwässern. Das ikonische Riff im epochalen Judas-Priest-Song ‚Painkiller‘ (Beispiel 12) ist lupenreines Lokrisch und enthält mit der b9 (F), b3 (G) und b5 (Bb) alle den Sound des Modes prägenden Töne.

(erschienen in Gitarre & Bass 11/2023)

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