Workshop

Amp Station: Wir gucken in die Röhre

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(Bild: Udo Pipper)

Teil 1

Da wir uns hier viel mit Röhrenverstärkern beschäftigen, möchte ich einmal ganz ausführlich beschreiben, wie man mit diesen mysteriösen Glaskolben umgehen sollte. Beinahe täglich bekomme ich Anfragen dazu. Und vielleicht gelingt es mir schließlich, dem einen oder anderen Gitarristen dabei auf die Sprünge zu helfen.

Die Fehlermeldungen sind immer wieder die gleichen: „Mein Amp macht so komische Geräusche etwa eine halbe Stunde, nachdem ich ihn eingeschaltet habe.“ Oder: „Ich habe mal hinten hineingeschaut. Da leuchtet eine Röhre nicht so hell wie die anderen. Die werde ich wohl mal austauschen.“ Letzte Woche klagte der Besitzer eines Fender Deluxe Reverb Reissues: „Ich bin von diesem Fender-Amp sehr enttäuscht, denn immer wieder brennt die Sicherung durch.“

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Oder die Kunden folgen einer eigentlich nachvollziehbaren Logik: „Der Verstärker ist erst zwei Monate alt, daher können die Röhren ja an meinem Problem nicht schuld sein.“ Und dann gibt es da die Physiker, die sich mit Thermodynamik auskennen: „Mein Verstärker wird richtig heiß, also habe ich ihn vorsichtshalber ausgeschaltet. Da kann etwas nicht stimmen.“ Zum Schluss gibt es da die markenbewussten Kenner, die aber nicht wirklich über die Herkunft ihrer Röhren Bescheid wissen: „Ich habe extra die Röhren von Mesa Boogie gekauft.“

In all diesen Beurteilungen steckt ein bisschen Wahrheit, aber auch jede Menge unbegründeter Sorgen und nicht weniger glatte Irrtümer. Betrachten wir das mal aus der Perspektive der Liebhaber, müssen wir feststellen, dass Röhrenverstärker einfach eben wegen dieser wunderbaren Glaskolben eine äußerst empfindliche Technik darstellen. Es verhält sich ein bisschen so wie bei Lampenherstellern. Niemand würde auf die Idee kommen, den Hersteller einer Schreibtischlampe für die Lebensdauer der Glühbirne verantwortlich zu machen. Und genau so sollten wir es mit unseren Röhrenverstärkern halten.

Röhren-Amps liefern nun mal diese wunderbar musikalischen Klangfarben, die uns auch nach Ausflügen in moderne Verstärkungs-Systeme immer wieder zu dieser im Grunde veralteten Technik zurückführen. Daher spielen Derek Trucks, Joe Bonamassa, David Gilmour, Mark Knopfler, Eric Clapton, Jeff Beck und zahlreiche andere Gitarrenhelden eben nach wie vor Röhrenverstärker. Schon oft wurden sie totgesagt, aber immer wieder gelang ihnen eine wundersame Auferstehung.

Rückseite eines Marshall-Amps (Bild: Udo Pipper)

Es scheint, als gäbe es Röhrenverstärker mindestens so lange wie E-Gitarren aus Holz mit Magnetspulen-Tonabnehmern. Und diese bestehen nun einmal aus der Hardware, also dem Chassis, den Trafos und den elektronischen Bauteilen sowie den verschiedenen Röhren, die so ähnlich funktionieren wie die Software oder das Betriebssystem eines Computers. Die meisten Röhren-Amps funktionieren nicht nur mit einem ganz bestimmten Röhren-Typ, sondern mit vielen unterschiedlichen. Und diese gibt es von ganz verschiedenen Herstellern.

Es kann also nicht schaden, wenn man die „Software“ seines Verstärkers etwas näher kennenlernt. So entdeckt man schneller und zuverlässiger Defekte und erfährt, wann der Verstärker wirklich Service benötigt oder wann „nur eine Röhre spinnt …“

Da ich täglich Röhrenverstärker repariere, kann ich schon statistisch beurteilen, dass die meisten Fehler aus Röhrendefekten herzuleiten sind. Daher gehört für jeden Gitarristen ein Ersatzröhren-Set ebenso zwingend zur Grundausstattung wie der Verbandskasten, das Warndreieck oder der Ersatzreifen für einen Kfz-Besitzer.

Wenn ihr einen Röhrenverstärker ersteht, erkundigt euch zuerst über die Röhrenbestückung (das kann man meist aus der Bedienungsanleitung entnehmen) und besorgt ein komplettes Set Ersatzröhren. In den meisten Fällen wird euer Amp mit diesem Ersatz-Set ohnehin besser klingen als mit den vom Hersteller eingesteckten Röhren. An dieser Stelle sparen die meisten Hersteller unnötig, denn schließlich sind es die Röhren, die für guten Klang, aber auch für Zuverlässigkeit sorgen. Letzteres ist allerdings reine Glücksache.

Wir sind zwar alle dankbar, dass es in Tschechien, in Russland und China noch Fabriken gibt, die alle möglichen Röhrentypen herstellen, über die Zuverlässigkeit einer einzelnen Röhre kann man jedoch kaum Voraussagen machen. Schließlich wollen wir alle die Röhren so preiswert wie möglich kaufen. Und kaum jemandem ist bewusst, dass die kleinen Glaskolben meist immer noch von Hand gefertigt werden müssen. Ich habe selbst Röhrenwerke besichtigt und stets über den immensen Aufwand gestaunt. Ich kann bis heute kaum glauben, dass man eine 6L6 zu einem Preis von € 20 verkaufen kann. BWL-Studenten werden augenblicklich ausrechnen können, wie viel dann für die Herstellung selbst übrig bleibt.

Bei JJ beispielsweise wurde ich Zeuge des enormen Ausschusses, der schon während der Produktion entsteht. Beinahe jede zweite Röhre hält dem abschließenden Funktionstest nicht stand und wandert auf nimmer Wiedersehen in die Mülltonne. Im Werk sitzen Glasbläser und formen die Kolben mit Bunsenbrenner und Pinzette von Hand, gleich nebenan bestücken Frauen mit ruhiger Hand Anodenbleche, Gitter und Pins in die Kolben hinein.

Im letzten Arbeitsschritt werden die Röhren unter Vakuum gesetzt und schließlich verschlossen. Das entspricht etwa dem Moment, in dem man einen vorher aufgeblasenen Luftballon mit einem Knoten verschließen möchte, ohne dass dabei auch nur ein Kubikzentimeter Luft entweicht. Nur darf hier eben keine Luft mehr herein. Dieser Prozess allein ist so schwierig, dass er oft misslingt und doch wieder etwas Luft in den Kolben gerät, was die Röhre sofort unbrauchbar macht. Es entsteht ein Totalschaden.

Schließlich kommt es noch darauf an, wie die mechanische Stabilität der Röhre beschaffen ist. Sitzen Bleche und Gitter auch wirklich fest? Wenn nicht, wird bei jedem Gitarrenton ein Schnarrgeräusch oder ein Krachen hörbar. Außerdem ist die thermische Stabilität von größter Bedeutung. Natürlich werden die Röhren sehr heiß (sie sind schließlich an eine Röhrenheizung angeschlossen). Dabei dehnen sich die Bauteile zwangsläufig aus. Daher fangen manche Röhren erst nach längerer Erhitzung an, unschöne Geräusche zu produzieren.

Vertriebe und Hersteller wie der Tube Amp Doctor aus Worms bieten daher oft bereits selektierte Röhren an. Dabei werden die Röhren einem Dauertest unterzogen, bei dem sie unter Spannung gesetzt und erhitzt werden. Dabei werden Messdaten genommen und überprüft sowie ein Klopftest (von Hand mit dem Gummi-Hammer) durchgeführt, um sicherzugehen, dass die Röhre nicht mikrofonisch ist.

Vorstufenröhren (Bild: Udo Pipper)

Mikrofonie ist eines der gängigsten Probleme bei Vorstufenröhren. Die Röhre rauscht, pfeift oder reagiert auf leichtes Klopfen (beispielsweise mit dem Fingernagel oder einem Essstäbchen) mit einem krachenden Geräusch. Natürlich muss die Röhre vor diesen Tests richtig erwärmt werden. Solche Tests kosten natürlich Zeit und Geld, was sich im Verkaufspreis der „selected“ Röhren niederschlägt. Aber immerhin erhöhen diese Tests die Wahrscheinlichkeit auf einer größeren Zuverlässigkeit der Röhren.

Kurzum: Röhren sind Verschleißteile. Ihre Lebensdauer kann davon abhängen wie stark sie belastet werden (etwa durch lautes Spielen oder durch starke mechanische Belastung in einem schwingenden Combo-Verstärker). Das filigrane Konstrukt in ihrem Inneren ist anfällig für Fehlfunktionen. Man kann ihre Lebensdauer einfach nicht zuverlässig voraussagen.

Wenn ich zu Hause eine Glühbirne austausche, hält diese entweder fünf Jahre, einige Monate oder manchmal leider nur eine Woche. Man kann das vorher kaum wissen. So kann auch kein Röhrenvertrieb der Welt eine Garantie auf die Lebensdauer einer Röhre geben.

Mit diesem Bewusstsein sollte man die Röhren seines Verstärkers betrachten. Denn im Falle einer Fehlfunktion ist meist nicht der Verstärker kaputt, sondern nur eine Röhre. Genauso selbstverständlich behalten wir die Ruhe, wenn die Stehlampe irgendwann nicht mehr leuchtet. Dann ist eben nur mal wieder die Birne kaputt. Kaum jemand hat wohl erlebt, dass die Stehlampe selbst kaputt ging.

Profi-Musiker sind daher mit ganzen Röhrensammlungen unterwegs. Denn schließlich gibt es die Glaskolben nicht an jeder Tankstelle. Zudem gilt es, die klanglichen Vorzüge der jeweiligen Lieblingsröhre zu nutzen. Daher muss man sich eben rechtzeitig mit Ersatzröhren eindecken. Ich kenne tatsächlich aktive Gitarristen, die seit 40 Jahren Musik machen und bei mir anrufen und fragen, wo man eine neue Röhre kaufen kann. Na, bei Thomann, bei TAD, bei Tubetown, bei BTB oder anderen. Solche Kenntnisse sollte man als Röhren-Amp- Besitzer schon haben.

Das kleine Ersatzröhrenlager ist schon aus dem Grund wichtig, um per Ausschlussverfahren feststellen zu können, ob eine Röhre am eventuellen Defekt schuld ist. Man steckt einfach der Reihe nach (angefangen an der Vorstufe) neue Röhren ein und überprüft, ob der Defekt verschwindet oder bleibt. Nutzt der Austausch der Röhren nichts, hat der Verstärker ein anderes Problem. Nach diesem Test rufen jedoch 90 Prozent der Musiker nicht mehr an. Offenbar hatte diese Methode Erfolg.

Man sollte auch weniger Ehrfurcht vor den Glaskolben haben. Man kann beim Röhrentausch nicht viele Fehler machen. Zunächst gilt: Immer den Verstärker ausschalten und das Netzkabel ziehen!

Dann tauscht man die verdächtige Röhre und kann das Netzkabel wieder einstecken und den Verstärker einschalten. Die Röhren sollte man vorsichtig mit einer leicht kreisenden Bewegung herausnehmen. Sind sie noch heiß, dann hilft ein Gartenhandschuh oder ein Staubtuch als Schutz. Besondere Vorsicht sollte man bei Gleichrichter- und Endstufenröhren walten lassen, denn diese Röhren besitzen stets einen Führungsstift auf der Unterseite in der Mitte mit einer Nut, die nur eine einzige Einsteckposition zulässt.

Endstufenröhre mit intaktem Führungs-PIN
Bei dieser Röhre ist der PIN gebrochen.

 

Zieht man die Röhre unsachgemäß oder mit zu viel Gewalt heraus, kann dieser Stift abbrechen. Fehlt dieser Stift, kann man die Röhre in jeder beliebigen Position einsetzen, und das ist dann wirklich gefährlich, denn man kann dabei die Röhre und sogar den Netz- oder Ausgangsübertrager beschädigen. Daher sollte man immer darauf achten, dass dieser Führungsstift unbeschädigt bleibt.

Der PIN im Endstufen-Sockel (Bild: Udo Pipper)

Oft brechen diese Stifte beim Transport eines Amps nach einem Auftritt oder beim Versand vom Händler zum Endverbraucher. Dann liegt der abgebrochene Führungsstift irgendwo im Chassis oder fällt beim Röhrentausch unbemerkt heraus. Übersieht man das, steckt man die Röhre eventuell in einer falschen Position wieder ein. Dann bekommt der PIN für die Röhrenheizung vielleicht die 450 Volt Anodenspannung und die mit Masse verbundene Kathode vielleicht die 6,3 Volt Heizspannung. Autsch! Das wäre fatal. Hier liegt jedoch die einzige Falltüre beim Röhrenwechsel. Geht man hier vorsichtig vor, gibt es eigentlich keine Gefahren. Im nächsten Teil werden wir den Röhrenwechsel bei unterschiedlichen Verstärker-Modellen im Detail betrachten.

Teil 2

Nachdem wir uns ausführlich mit dem gesamten Problemfeld „Röhrentausch“ beschäftigt haben, kommen wir jetzt zu den Eigenschaften der unterschiedlichen Röhrentypen. Wie ich bereits beschrieben habe, verhalten sich Röhren seitens ihrer Zuverlässigkeit ähnlich unberechenbar wie Glühbirnen. Sie halten entweder ewig oder eben nur wenige Stunden und alle möglichen Zeitspannen dazwischen. Sie sind die häufigste Ursache für Defekte bei einem Röhrenverstärker. Daher kann man solche Schäden leicht selbst beheben.

Einen Röhrentausch sollte man aber nicht nur bei einem Defekt in Erwägung ziehen, sondern auch zur Formung der gewünschten Klangergebnisse. Jede Röhre liefert spezifische Klangfarben, je nach Typ oder Hersteller. Vintage-Röhren klingen anders als Röhren aus aktueller Produktion. Auch das spielt eine große Rolle. Viele Musiker vertrauen auf Mischbestückungen.

So besteht etwa Neil Young bei seinem Lieblings-Tweed-Deluxe-Amp auf eine alte RCA 12AY7 in der Vorstufe, während er für die Endstufe 6L6 GC aus chinesicher Produktion (vermutlich „big bottle“ 6L6 GC von TAD) einsetzt. Der Szene-Held aus Nashville J.D. Simo steckt in seinen Marshall Plexi ebenfalls eine RCA „blackplate“ 12AX7, weil er ihren warmen Klangcharakter liebt. Andere Musiker stehen auf alte Sylvanias, General Electric, Mullard, Valvo, Tungsram oder Philips Miniwatt. Je nach Geschmack. Kenner wissen genau, welchen Sound sie von einer Röhre erwarten.

Wo man neue Röhren kaufen kann, habe ich bereits erwähnt. Bei Vintage-Röhren bleiben nur zwei Quellen. Entweder man kauft beim Vintage-Händler seines Vertrauens oder auf eBay. Bei eBay geht man das Risiko ein, dass die Röhren nicht so funktionstüchtig und klanglich überragend sind, wie in der Beschreibung angegeben. Meist wird da etwas übertrieben. Schon öfter habe ich Röhren über dieses Portal gekauft, die nach der Ankunft überhaupt nicht oder nur mangelhaft liefen. Schuld daran ist dann natürlich immer der Transportweg, für den der Verkäufer keine Garantie übernimmt.

Jedenfalls ist das die Standard-Antwort bei einer Nachfrage. Aber auch wenn die Glaskolben noch ordentlich laufen, heißt das noch lange nicht, dass sie ihre volle Leistung bieten. Röhren altern langsam. Besonders bei Endstufenröhren ist hier Vorsicht geboten. Hinter den klangvollen Namen und Typenbezeichnungen verbergen sich oft ausgelutschte und leistungsschwache Röhren, die den neuen Besitzer in Puncto, Klang, Dynamik und Leistung meist enttäuschen. Daher Hände weg von „gebrauchten“ Röhren.

Es ist sicherer, sogenannte NOS-Röhren bei einem Händler zu kaufen. Dabei handelt es sich um alte Röhren, die noch unbenutzt und original verpackt sind (New Old Stock). Meist sind diese Röhren jedoch sehr teuer. Eine Mullard, Telefunken oder RCA Vorstufenröhre kostet nicht selten um € 100. Ein NOS Pärchen RCA Blackplate 6L6-Röhren kostet da schon mal bis zu € 600. Wenn diese Röhren jedoch tatsächlich frisch und neu sind, werden sie vermutlich einige Jahrzehnte fit bleiben.

Denn eines ist sicher: Die Röhren aus früheren Produktionsdekaden funktionierten zuverlässiger als die aus aktueller Fertigung. Offenbar wurde damals genauer gearbeitet. Die goldenen Jahre sind die Fünfziger, Sechziger und Siebziger. Wer kann, kauft sich Röhren aus diesen Jahrzehnten. Entscheiden kann man solche Kaufüberlegungen nur, wenn man die Gelegenheit hat, sich solche Röhren einmal im Vergleich mit neuen Röhren anzuhören. Für den einen ergeben sich hierbei enorme Klangunterschiede, dem anderen ist der Unterschied völlig schnuppe. Hauptsache die Röhren laufen ruhig und sauber.

Man könnte Klangvorzüge mit den Unterschieden zwischen neuen und alten Gitarren vergleichen. Grundsätzlich gibt es bei alten Röhren ein paar Vorzüge, die sich für manche Spieler wirklich auszahlen. Alte Röhren haben in der Regel etwas weniger Verstärkung (Gain). Vergleicht man etwa eine chinesische 12AX7 mit einer General Electric oder Sylvania 12AX7 aus den Sechzigern, fällt dieser Unterschied deutlich auf. Die geringere Verstärkung schafft einen sauberen, warmen, musikalischen Ton, während die chinesische Röhre mehr Druck, Power und Dynamik erzeugt. Dafür klingt sie etwas harscher und mittiger. Ein Musiker mit guten Ohren wird diese Klangunterschiede bemerken und danach seine Lieblingsröhre auswählen.

Neue JJ 12AY7
Alte RCA 12AX7

 

Da aktuelle Verstärker meist mit Vorstufenröhren aus ein und derselben „Familie“ bestückt sind, kann man seinem Lieblings-Sound auch mit Hilfe der unterschiedlichen Gain-Strukturen näherkommen. Alle Vorstufenröhren der „Zwölfer-Familie“ kann man untereinander austauschen (12AX7, 12AT7, 12AU7, 12AY7 oder 5751). Jeder Röhrentyp hat eine maximale Verstärkung. Von der höchsten bis zur niedrigsten Verstärkung wären das:

• 12AX7 Verstärkungsfaktor 100

• 5751 Verstärkungsfaktor 70

• 12AT7 Verstärkungsfaktor 60

• 12AY7 Verstärkungsfaktor 44

• 12AU7 Verstärkungsfaktor 20

Diese Angaben sind natürlich Mittelwerte und können je nach Hersteller noch leicht variieren. All diese Röhren sind untereinander austauschbar. Man könnte also in einen Fender-Amp, der zu früh zerrt ohne Weiteres eine 5751, eine 12AT7 oder eine 12AY7 in die Vorstufe stecken, um einen cleaneren Ton zu bekommen. Keine Angst! Der Verstärker kann dabei keinen Schaden nehmen.

Man könnte auch in die Treiberstufe anstatt der üblichen 12AT7 eine 12AX7 wählen, um mehr Mitten, Druck und Punch aus seinem Fender-Amp zu holen. Viele Fender-Fans stecken auch in die Position der Hall-Treiber-Röhre (das ist von hinten gesehen die dritte Röhre von rechts) anstatt der 12AT7 eine 12AU7. Damit wird der Hall zahmer und der Hall-Kanal insgesamt deutlich klarer. Man verliert natürlich auch etwas Lautstärke. An dieser Stelle kann man beim Röhrentausch durchaus kreativ werden. Es setzt natürlich voraus, dass man sich einen guten Vorrat an verschiedenen Vorstufenröhren zulegt.

Meine persönlichen Favoriten sind alte Vorstufenröhren von RCA oder Mullard. Die RCAs klingen sehr warm und rund und liefern in meinen Tweed-Amps den besten Ton. Die Mullards bevorzuge ich in Marshalls oder Vox-Amps. Sie haben oft sehr wenig Gain und klingen daher sehr sauber und ein wenig „HiFi“. Aber das ist als Kontrast zu dem rauen Charakter mancher Brit-Amps genau richtig.

Müssen neue Röhren aus aktueller Produktion her, mag ich JJ oder chinesische Vorstufen-Röhren von TAD. Beide liefern einen extrem sauberen und ausgeglichenen Sound. Sie haben zwar wenig Charakter, aber manchmal ist diese „Neutralität“ auch gewünscht, denn wer möchte schon nach einem Röhrenwechsel ein völlig anders klingenden Verstärker. Anders gesagt: Wenn ich fünf alte RCA-Röhren teste, erhalte ich fünf völlig unterschiedliche Klangergebnisse. Es kristallisiert sich immer eine weit überlegene Lieblingsröhre heraus. Und wehe, wenn diese mal kaputt geht. Bei fünf gleichen JJ-Röhren mache ich dagegen nur geringe Unterschiede aus, weshalb es eigentlich egal ist, welche davon im Amp bleibt. Die Röhren sind klanglich relativ konstant. Vielleicht hat manch ein Techniker oder Musiker andere Erfahrungen gemacht. Aber so erlebe ich es eben immer wieder. Daher schwanke ich auch selbst in meinen Vorlieben zwischen „alt“ und „neu“.

Ich kenne einen Harp-Spieler, für den ich einen bis zum Abwinken getunten und ausgereizten Tweed Deluxe präpariert habe. Gerade auf die Röhrenauswahl habe ich extremes Augenmerk gelegt. Dieser Amp ist genau abgestimmt auf sein Mikrofon, seine Harps und seinen Stil. Letztes Jahr kam er vorbei und wollte, dass ich ihm den gleichen Amp noch einmal baue. Gesagt getan, doch beim Röhrensatz bin ich gescheitert. In seinem Lieblings-Amp laufen zwei 12AX7, eine alte RCA und eine wirklich sehr dunkel und saftig klingende Philips-Röhre, in der Endstufe zwei recht dunkel tönende RCA Blackplate 6L6 und als Gleichrichter eine extrem „weiche“ RCA 5U4GB. Mir war es leider nicht möglich, den gleichen Röhrensatz noch einmal zusammenzustellen.

Daher klingt der zweite Amp für ihn nicht so perfekt wie das Vorbild. Hier liegt ein Grund, warum es praktisch unmöglich ist, zwei exakt gleich klingende Röhren-Amps zu bauen. Hat man die Auswahl zwischen baugleichen Modellen, findet man schnell einen Lieblings-Amp. Nicht selten liegt das an der meist zufällig harmonischen Balance des Röhrensatzes. Möchte man diese Balance auf einen anderen Amp übertragen, gelingt das meist nur teilweise.

Auch Röhren gleicher Bauart sind in bestimmten klanglichen Bereichen einzigartig. So wie der Reifensatz bei einem Formel-1-Wagen. Alle sind gleich und doch verschieden. Allein deshalb lohnt sich der ausgiebige Röhrentest auch selbst bei einem nagelneuen Verstärker. Es ist erstaunlich, wie viel mehr man aus seinem Amp noch herausholen kann, wenn man planvoll vorgeht und bewusst dabei zuhört. Vor allem macht solch ein Test auch unheimlich viel Spaß. Vielleicht lädt man sogar Freunde dazu ein und hört zusammen …

Die als gut befundenen Röhren kennzeichne ich mit rotem Nagellack am Glasnippel, der übrigens nach dem verschließen der Röhre mit dem Bunsenbrenner entsteht. So kann ich mir merken, welche Röhren für meinen Geschmack herausragten.

RCA 12AX7 mit Nagellack-Markierung (Bild: Udo Pipper)

Zum Schluss möchte ich noch darauf hinweisen, dass nicht alle Verstärker optimale Bedingungen für den Röhrentausch liefern. Einige Amps aus amerikanischer Produkt, darunter zahlreiche Fender-Amps, haben eine zu hohe Heizspannung. Der Soll-Wert liegt hier bei exakt 6,3 Volt. Eine Vorstufenröhre funktioniert immer noch gut innerhalb einer Toleranz von etwa 6 bis 6,8 Volt. Außerhalb davon, das heißt bei wesentlich höherer oder niedriger Spannung, klingt der Verstärker schrecklich. Das liegt daran, dass manche Export-Trafos immer noch für 220 Volt ausgelegt sind, unser Netz aber schon ungefähr 235 bis 237 Volt ausgibt.

Fast korrekte Heizspannung (Bild: Udo Pipper)

Dadurch liegt vor allem bei Fender Reissues aus den Neunzigern (z. B. Tweed Bassman, Brown Vibroverb, Tonemaster, Vibroking usw.) die Heizspannung oft viel zu hoch. Die Folge ist ein recht harscher, kalter Sound, der immer irgendwie unsauber und zirpig klingt. Kürzlich hatte ich einen aktuellen Deluxe Reverb Reissue mit 7,2 Volt Heizspannung in der Werkstatt, danach einen 1991er Vibroverb Reissue mit sogar 7,7 Volt an jeder Röhre.

Die hohe Heizspannung verkürzt auch die Lebensdauer der Röhren. Da beide Amps bereits auf 240 Volt Netzspannung eingestellt waren, musste ich die Netztrafos tauschen, damit die Verstärker überhaupt gemäß ihrer Schaltung und Abstimmung funktionierten. Die Export-Trafos aus USA sind also oft nicht optimal abgestimmt. Daher sollte man seinen Amp grundsätzlich von einem kompetenten Techniker durchmessen lassen. Bei 7,7 Volt Heizspannung findet man kaum eine Röhre, die perfekt klingt, geschweige denn für lange Zeit fehlerfrei arbeitet.

Teil 3

Wie im letzten Teil angekündigt, betrachten wir abschließend noch einmal die typischen Röhren-Defekte. Dabei gilt es ein paar gängige Irrtümer aufzudecken. Richtig ist, dass die meisten Defekte an Röhrenverstärkern von den empfindlichen Glaskolben herrühren. Es handelt sich hier eben um Verschleißteile, ähnlich wie Autoreifen oder Zündkerzen. Sie müssen von Zeit zu Zeit ausgetauscht werden. Die meisten Verstärker klingen auch ohne Defekt mit frischen Röhren am besten.

Die Röhren beginnen, sobald der Verstärker eingeschaltet ist, zu leuchten. Das liegt an dem Heizfaden, der jede Röhre auf Betriebstemperatur bringt. Je nach Röhren-Typ ist dieses Leuchten stärker oder weniger auffällig. Die Lichtstärke des Heizfadens hat nichts mit der Funktion der Röhre zu tun. Wenn also jemandem auffällt, dass „die eine Röhre heller leuchtet als die andere“, hat er noch keinen Defekt entdeckt. Manche Röhren leuchten einfach heller als andere.

Es gibt dabei nur eine Ausnahme: Beginnen bei Endstufenröhren die (Anoden-)Bleche rot bis orange zu glühen, bekommt die Röhre zu viel Strom und steht kurz vor einem Defekt. Man erkennt es daran, das nicht nur der sehr dünne Heizfaden glüht, sondern im Grunde die gesamte metallene Innenkonstruktion der Röhre. In diesem Fall sollte man den Verstärker sofort ausschalten und zu einem Techniker bringen. Ein zu hoher Ruhestrom ist ein Röhrenkiller erster Güte.

Überhaupt nicht beunruhigend ist dagegen das leicht bläuliche Licht in manchen Endstufenröhren. Hier leuchten Elektronen oder sogenannte Restgase im Inneren der Röhre. Letztere leuchten leicht rosa. Anders verhält es sich mit einer milchig weißen Beschichtung am Glas der Röhre. Das bedeutet, dass die Röhre Sauerstoff gezogen hat. Sie ist defekt und muss ausgetauscht werden.

Normal ist auch das kurze, helle Aufleuchten mancher Vorstufenröhren beim Einschalten des Verstärkers. Vor allem osteuropäische Röhren sind hiervon betroffen. Aber auch alte Valvo- oder Mullard-Röhren zeigen diesen Lichtblitz relativ häufig. Das ergibt jedoch keinen Hinweis auf einen Defekt. Also kein Grund zur Beunruhigung!

Oft haben Röhren thermische Probleme, was bedeutet, dass sie erst nach einer gewissen Aufwärmphase Probleme machen. Bei Vorstufenröhren kann sich das durch ein starkes Rauschen, Brummen, Knacken, Fruzzeln oder Krachen bemerkbar machen. Bei Endstufenröhren hört man meist ein dumpfes Geräusch, das man auch wahrnimmt, wenn man mit einem Gummihammer ganz leicht gegen die Röhren schlägt. Betroffen sind meist Combo-Verstärker, da hier durch die Lautsprechervibrationen die Röhren mechanisch stärker beansprucht werden als in Topteilen.

Dämpfung unter einem Topteil schont Röhren (Bild: Udo Pipper)

Auf alten Fotos von Paul Kossoff oder den Allman Brothers sieht man aus diesem Grund oft Schaumstoffunterlagen unter den Marshall-Tops. Diese dämpfen die Topteile und damit die Endstufenröhren gegen zu starke Vibrationen aus der Box. Dieses Röhrenwummern erwischt irgendwann jede gebrauchte Endstufenröhren. Das ist zwar noch kein Totalausfall, nervt aber gewaltig. Hier hilft nur ein Austausch oder die Entkopplung vom Speaker (Topteil einfach neben die Box stellen). Mein RCA Blackplate 6L6-Lieblings-Set wummert bei manchen Tönen in meinem umgebauten Tweed Deluxe. Ich nehme das in Kauf, weil die Röhren so gut klingen. Übrigens machen das die meisten Vintage-Röhren, die ich gebraucht gekauft habe. Das macht wirklich keinen Spaß.

Oft werde ich auch nach der Hitzeentwicklung der Röhren gefragt. Röhren werden grundsätzlich sehr, sehr heiß. So heiß, dass man sich ordentlich die Finger daran verbrennen kann. Also Vorsicht! Vor allem in kopfüber montierten Combos wie zum Beispiel einem Fender Twin-Reverb, steigt diese Hitze nach oben in das Verstärker-Chassis, wodurch sich nach einer Weile auch alle Bauteile und Trafos extrem erhitzen. Auch hier kann man sich die Finger verbrennen. Aber das ist normal und eben ein typisches Merkmal von Röhrenverstärkern. Vor allem Verstärker mit Kathoden-Bias werden aufgrund des hohen Ruhestroms besonders heiß (z. B. Fender Tweed Deluxe oder Vox AC30).

Erst wenn der Verstärker so heiß wird, dass dieser „elektrische Geruch“ im Raum liegt, sollte man sofort ausschalten. Welchen Geruch ich meine, weiß wohl jeder. Es riecht verschmort oder verbrannt. Wenn es sogar raucht, dann ist das ein sicheres Zeichen für einen Defekt. Ich habe es einmal erlebt, dass ein alter Fender Bandmaster regelrecht Feuer fing und hohe Flammen aus der Rückseite schlugen. Schuld daran war ein als Lautsprecherkabel zweckentfremdetes Instrumentenkabel, das nach einer Weile durchschmorte und einen Kurzschluss in der Endstufe verursachte. Also niemals ein Instrumentenkabel als Speaker-Kabel verwenden! Hier fließen hohe Ströme, für die solche Kabel nicht ausgelegt sind. Die Endstufenröhren nehmen mit Sicherheit Schaden.

Wird der Verstärker einfach nur heiß, ohne dass dieser verschmorte Geruch entsteht, ist das völlig normal. Erhitzte Röhren sind meist besonders empfindlich für mechanische Schäden. Nach einem Gig sollte man den Verstärker also erst abkühlen lassen, bevor man ihn im Flightcase in die Kälte oder gar über ein holpriges Kopfsteinpflaster schiebt. Das Gleiche gilt natürlich auch für den Hobbyisten, der gerne seine Nachmittage mit Röhrenvergleichstests verbringt.

Die Röhren lieben es nicht, in heißem Zustand ein- und ausgesteckt zu werden. Dabei kann das Innenleben leider Schaden nehmen. Und schon hat man sich seine Lieblingsröhre versaut. Mir ist das schon ziemlich oft passiert, da ich, wie sich die meisten Leser vielleicht vorstellen können, unheimlich viel Zeit damit verbringe, Röhren zu stecken und miteinander zu vergleichen. Dahinter steckt immer ein kleines Risiko.

Als praktizierender Musiker braucht man kein Röhrenprüfgerät, um sich über den Zustand seiner Röhren zu informieren. Es genügen ein wenig Erfahrung und ab und zu ein prüfender Blick in die Rückseite des Verstärkers. Ein Bias-Messgerät kann jedoch nicht schaden. Vor allem, wenn man die Endstufenröhren regelmäßig selbst austauscht. Meist muss der Ruhestrom (Bias) korrigiert werden. Nur so klingen die neuen Röhren dann auch optimal.

Bias-Poti (Bild: Udo Pipper)

Ich verwende dazu einen Bias-Master von TAD, der bei mir schon über zwanzig Jahre treue Dienste verrichtet. Um den Ruhestrom perfekt einstellen zu können, sollte der Verstärker über ein so Bias-Poti verfügen. Leider findet man diese Potis jedoch nur bei hochwertigen, älteren Verstärkern (z. B. Fender Twin Reverb). Da für den Ruhestrom beider Endstufenseiten (bei zwei oder vier Endröhren) nur ein einziges Poti zur Verfügung steht, muss man wohl oder übel gematchte Röhren kaufen. Das sind Röhren, die die exakt gleichen Verstärkungseigenschaften besitzen und daher den genau gleichen Ruhestrom aufweisen.

Man muss dabei aber nicht päpstlicher als der Papst vorgehen. Unterschiede von bis zu fünf Milli-Ampere sind unproblematisch. Ich finde sogar, dass zu genau gematchte Röhrenpaare einen recht langweiligen Sound erzeugen. Ein leichtes Missmatching erzeugt etwas mehr Schmutz und Charakter im Ton. Wird der Unterschied jedoch zu groß, kostet das Leistung und Dynamik. Der Verstärker klingt dann flach und träge. Daher vermeide ich Unterschiede, die oberhalb von etwa acht Milli-Ampere liegen.

Kathoden-Bias-Widerstand im Vox AC30 (Bild: Udo Pipper)

Verstärker mit Kathoden-Bias wie der Vox AC30 oder ein Fender Tweed Deluxe brauchen keine Bias-Einstellung. Hier geschieht das automatisch über einen Kathodenwiderstand. Das heißt allerdings nicht, dass der Ruhestrom bei verschiedenen Endstufenpaaren jeweils gleich ist. Auch hier zeigen sich Unterschiede beim Arbeitspunkt der Röhren. Sie sind in der Regel jedoch unbedenklich. Nur bei Fixed-Bias-Verstärkern mit einstellbarer negativer Gitterspannung kann der Verstärker im Extremfall zu „kalt“ oder zu „heiß“ laufen.

Der Ruhestrom kann also zu niedrig oder zu hoch sein. Beides sorgt für schlechten Klang und für einen sehr großen Röhrenverschleiß. Es gibt im Internet ein paar sehr empfehlenswerte Seiten, wo man seine Grundkenntnisse über Röhren etwas vertiefen kann. Sehr einfach und verständlich sind die Röhreninformationen bei www.tubetown.de oder bei www.jogis-roehrenbude.de. Hier gibt es auch Tipps zur Verwirklichung bestimmter Klangvorstellungen.

Es ist schließlich bekannt, dass auch Röhren mit gleicher Typenbezeichnung klanglich große Unterschiede aufweisen können. Insofern ist „6L6“ ein recht vager Begriff, denn es sagt noch nichts über die spezifischen Klangeigenschaften einer Röhre aus. Gerade die 6L6-Familie bietet enorme Unterschiede. Dazu gehören alle möglichen europäischen und amerikanischen 6L6-Typen, die 5881-Röhren, die 7581A-Militär-Versionen und sogar die KT66.

All diese Röhren klingen sehr unterschiedlich, haben unterschiedliche Ansprüche seitens der Ruheströme und Anodenspannungen und sogar seitens der Beschaltungen am Röhrensockel selbst. Man sollte daher über diese Röhren so viel wissen wie man über sein Auto, sein Fahrrad oder seine Kaffee-Maschine weiß. Wer einen Röhrenverstärker spielt, kommt um diese Grundkenntnisse einfach nicht herum. Ansonsten herrscht schon bei dem einfachsten Problem mit den Gaskolben Hilflosigkeit. Und das muss wirklich nicht sein.

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Perfekt für den Sonntag morgen!

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  2. Eine gute und gut zu lesende Zusammenfassung.
    Ich habe selber über drei Jahrzehnte zwei Schuhkartons verschiedenster Vor- und Endstufenröhren angesammelt und kann den (für den einen vernachlässigbaren, für den anderen entscheidenden) Klangunterschied bestätigen – meine Marshalls sind durch RCA Blackplate Vorstufenröhren zur soundlichen Perfektion gereift – für meinen Geschmack: eher weich und dunkel, recht früh anzerrend, dabei enorm dynamisch auf den Anschlag reagierend. Sie bringen die Marshalls, wenn es so sagen möchte, etwas in die Fender-Richtung und ermöglichen immens befriedigende Cleansounds.
    Wobei V1, der ersten Verstärkungsstufe, mehr Gewicht zukommt als jeder anderen Röhre im Amp. Das Experimentieren mit dieser einen Verstärkungsstufe kostet nicht gleich ein Vermögen und bringt gute Ergebnisse.

    Auf diesen Kommentar antworten
  3. Hallo, schnell noch ein paar Worte der Präzisierung über die hier verwendeten Nomenklatur … die hier publizierten Werte der Verstärkung sind keine real messbare Betriebsverstärkung dieser Größe zB 12AX7 = 100, sondern lediglich die theoretische Leerlaufverstärkung und wird aus den Kennlinienfeldern ermittelt. Natürlich dienen diese auch, um Röhren miteinander zu vergleichen. Im realen Betrieb aber hat nun die 12AX7 lediglich eine messbare Betriebsverstärkung (etwas Schaltungsabhängig) von Faktor 55 … 60. Die 12AU7 am anderen Ende der Skala gelegen von etwa 11 …12. Die Betriebsverstärkung tritt also in der Schaltung messbar auf, die hier publizierte Leerlaufverstärkung hingegen nicht! Man kann diese aber – so viel als Hinweis, zu Testzwecken schaltungstechnisch erzwingen.

    Grüße
    Bernd

    Auf diesen Kommentar antworten
  4. Sehr geehrter Herr Pipper, es ist bestimmt nicht einfach, ein technisch anspruchsvolles Thema für den interessierten Anwender (=Musiker) aufzubereiten.
    Allerdings sollte man dann auch sachliche Fehler vermeiden:
    “Hier leuchten Elektronen” ????!!!!
    Auch in einem umfangreichen Artikel bleiben leider immer noch einige Aspekte unberücksichtigt wie zum Beispiel die Auswahl der Doppeltrioden(ausgemessen auf gleichen Verstärkungsfaktor) für die Phasenumkehrstufe (!!!); toll finde ich den Hinweis auf eine zu hohe Heizspannung der Röhren, da manche US-Trafo-Hersteller wohl immer noch von 220V Nennspannung in Europa ausgehen. Bevor ich allerdings den kostspielen Netztrafo wechsle, würde ich es mit Lastwiderständen parallel zur Heizwicklung versuchen oder ( falls genügend Platz ist) zusätzlich einen passenden kleinen Heiztrafo einbauen.
    “Die hohe Heizspannung verkürzt auch die Lebensdauer der Röhren. Da beide Amps bereits auf 240 Volt Netzspannung eingestellt waren, musste ich die Netztrafos tauschen, damit die Verstärker überhaupt gemäß ihrer Schaltung und Abstimmung funktionierten. “

    Auf diesen Kommentar antworten
  5. *Klugscheisseralarm*
    … meine Röhren haben einen pin, einen Stift halt. Deine geilen Röhren, welche zum Einschalten einen PIN verlangen, möchte ich gerne kaufen! Wie gibt man den ein?

    Danke für den schönen Artikel! Ich lese die immer super gern.

    Lieber Manfred, nur noch eine kurze Frage, gabs eigentlich irgendwann auch mal einen Gitarrenverstärker mit parallel push pull und Splitspannungsversorgung? Ist Dir sowas bekannt?

    Liebe Grüsse vom Bodensee
    Martin

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  6. “… sowie den verschiedenen Röhren, die so ähnlich funktionieren wie die Software oder das Betriebssystem eines Computers.”

    Das ist eine sehr gewagte Behauptung, welche so ähnlich funktioniert, wie das Betriebssystem eines Computers.

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