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Americana: The Jayhawks

(Bild: Vivian Johnson)

Weiter geht’s mit dem Thema Alternative Country, diesmal in Form einer meiner Lieblingsbands, nämlich The Jayhawks. Persönlich habe ich die Band erst Anfang der 2000er wirklich entdeckt. Das Album ,Rainy Day Music‘ mit seinen akustischen Gitarren, mehrstimmigen Gesängen und coolen angecrunchten Gitarren ist bis heute eine meiner Lieblingsplatten und ein perfekter Soundtrack zum Aufstehen und zum Autofahren. Die Jayhawks verbinden für mich perfekt ein Gefühl von Weite, Sehnsucht und der Reise in unbekannte Gefilde.

Melancholie ohne Kitsch, und immer, wenn es zu schön zu werden droht, sägt ein fuzziges Gitarrensolo dazwischen. Im Laufe der Jahre habe ich mir den kompletten Back-Katalog der Band erschlossen, der oft den Soundtrack zu den langen Fahrten auf Tournee bildete. Und wenn die Stimmung in der eigenen Band mal schlecht war, gab es wenigstens die Jayhawks als musikalischen Freund aus der Auto-Stereo-Anlage.

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BAND HISTORY

Gegründet wurden The Jayhawks 1984 in den Twin Cities Minneapolis/ Saint Paul von Mark Olson. 1985 stieß Gary Louris als zweiter Gitarrist und Sänger dazu und wurde schnell zum eigentlichen Kopf der Band. Während das Debüt noch sehr akustisch gehalten war, traten auf dem dritten Album ,Hollywood Town Hall‘ die elektrischen Gitarren mehr in den Vordergrund. Zusammen mit einem Deal bei Def Jam führte das zum Hit ,Waiting For The Sun‘ und ausgiebigen Touren in den USA und Europa.

Nach dem eher folkigen Nachfolger ,Tomorrow The Green Grass‘ verließ Olson die Band, und Louris wurde endgültig das bestimmende Element der Band. Seitdem pendeln die Jayhawks zwischen ihren Alt-Country-Roots und Einflüssen aus Pop, Rock, Folk und Psychedelic und klingen dadurch immer anders, ohne den typischen Charakter zu verlieren. In einem Interview, das ich 2016 mit Gary führte, meinte er dazu: „Wir versuchen immer, unseren Stil etwas auszudehnen, ohne unser Publikum komplett zu verwirren.“ Dem ist eigentlich nichts hinzufügen, vielleicht wird mir die Band auch deswegen nie langweilig.

SAVE IT FOR A RAINY DAY

Zum Nachspielen gibt es die wichtigsten Parts des Songs ,Save It For A Rainy Day‘. Er befindet sich auf dem erwähnten siebten Album ‚Rainy Day Music‘ von 2003.

(zum Vergrößern klicken!)

In Beispiel 1 siehst du das Intro, das über einen gleichbleibenden Basston (b bzw. h) die Akkorde B, F# und E mit Quint und Sextintervallen implementiert. Auf meiner Aufnahme habe ich es eine Oktave höher gedoppelt, um einen 12-String-Effekt zu erzielen.

Beispiel 2 zeigt die Akkorde des Songs, die alle aus der Tonart B-Dur (deutsch H-Dur) stammen – lediglich am Ende der Bridge wird der C#m in einen Dur-Akkord umgewandelt. Das Anschlagspattern ist ein typisches Countrypattern, das zwischen Basston und den höheren Saiten abwechselt.

Wie man aus den eher gewöhnlichen Chords einen tollen Song macht, siehst du in Beispiel 3. Ich habe die Gesangsmelodie auf die Gitarre übertragen. Die Töne stammen zwar auch nur aus der B-Dur-Tonleiter und -Pentatonik, aber mithilfe kleiner Motive, cleveren Offbeats und leichten Phrasierungsänderungen lässt Louris das Material wesentlich raffinierter klingen als es letztendlich ist. Ich habe die Melodie bewusst simpel gehalten, aber gegen eine Variation mit mehr Bends, Chords oder Double Stops ist natürlich nichts einzuwenden! Lass deiner Kreativität freien Lauf!

Im Beispiel 4 gibt es noch das kurze Gitarrensolo, in dem die wichtigsten Country-Bausteine vorkommen: Dur-Pentatonik, Sexten, Double Stops und ein Steel-Guitar-Lick am Ende. Geschmackvoll und ganze ohne Flash-Faktor passt es perfekt zu dem entspannten Song.

GEAR

Gary Louris spielt in der Regel eine alte Gibson SG von 1967 über einen Bad-Cat- oder Fender-Deluxe-Amp. Sein Lieblings-Pedal ist ein altes Univox Super Fuzz für den Leadsound, der einen bewussten Kontrast zum oft sehr harmonischen Songwriting darstellt. Darauf angesprochen meinte er 2016: „Von zu vielen Süßigkeiten bekommst du Löcher in den Zähnen.“ Genau diese Einstellung macht mir die Band bis heute sehr sympathisch und lässt sie deutlich spannender klingen als die mainstreamigen Country-Arbeiter aus Nashville. Viel Spaß mit den Jayhawks!

Feedback, Kritik und Wünsche kannst du wie immer unter martin@the-incredible-mr-smith.com los werden.


(erschienen in Gitarre & Bass 10/2021)

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