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Americana: Ellington goes Cash

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Ich hoffe, du hast mit ‚Summertime‘ den ersten Jazz-Standard gut verdaut, denn hier kommt schon die zweite Nummer: Duke Ellingtons Klassiker ‚Take The A-Train‘.

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KOMPOSITION

Obwohl ‚Take The A-Train‘ als Signature-Stück des Duke Ellington Orchestra gilt, wurde es gar nicht vom Bandleader selbst, sondern von dessen Arrangeur Billy Strayhorn komponiert. Als Inspiration diente die Wegbeschreibung, die Ellington dem jungen Musiker vor dem ersten Treffen in seinem Haus gab. Als Entstehungsjahr gilt 1939 und die erste Aufnahme des Titels durch die Ellington-Band entstand 1941.

Der Song ist in einer AABA-Form aufgebaut und enthält fast nur diatonische Akkorde aus der Tonart C-Dur. Lediglich die Zwischendominanten D7 (zum G7) und C7 (zum F) sprengen den diatonischen Rahmen ein wenig. Der B-Teil beginnt auf der Subdominante F, enthält aber ansonsten dieselben Akkorde wie der A-Teil. Harmonische Spannung wird durch den Ton G# (die #11) über den D7-Akkord erzeugt.

DIE BEGLEITUNG

Um den Song nicht zu jazzig klingen zu lassen und ihn mit anderen Americana-Einflüssen zu kombinieren, habe ich die Begleitung mit einem Wechselbass-Pattern à la Johnny Cash gespielt. Wie das funktioniert, siehst du in Beispiel 1. Aus Platzgründen habe ich nur bis zum Anfang des B-Teils notiert, aber das Ergänzen der restlichen Akkorde wirst du schon schaffen. Um das Pattern etwas abwechslungsreicher zu gestalten, kannst du natürlich auch andere Voicings der Akkorde verwenden oder statt der Quinte mal die Terz in das Wechselbass-Pattern einbauen, wie ich es beim G7 gemacht habe.

DAS THEMA

In meinem Arrangement des Themas benutze ich verschiedene Konzepte. Den Anfang des ersten A-Teils harmonisiere ich mit Dreiklängen. Über den D7 findest du in der Melodie ein E (die None) und ein G# (die #11 oder b5), die beide nicht im Dreiklang enthalten sind. Um sie in den Akkord zu integrieren, ersetze ich den Akkordton, der am nächsten dranliegt, mit dem Melodieton (E statt D, G# statt A). Simpel, aber wirkungsvoll.

Dann folgt die Melodie in Singlenotes, und ein kurzes Fill über den G7 leitet in den zweiten A-Teil. Jetzt liegt die Melodie eine Oktave tiefer und statt Akkorden doppele ich die Melodietöne mit Leersaiten, was schön gitarristisch klingt. Im B-Teil spiele ich die Melodie auf den Basssaiten nahe am Steg, ein Konzept, das mich immer an Duane Eddy erinnert. Außerdem füge ich ein Fill am Ende jedes viertaktigen Patterns ein, was dank der vielen langen Töne in der Melodie hervorragend funktioniert.

Der letzte A-Teil bleibt im tiefen Register und spielt die Melodie als Singlenotes. Das lang klingende A über den Dm7 habe ich mit einem typischen Rockabilly-Trick versehen. Der Ton A wird abwechselnd gegriffen auf der tiefen E-Saite und auf der leeren A-Saite gespielt und mit dem G# chromatisch angenähert. Die so entstehenden Triolen schaffen etwas mehr rhythmische Spannung als die ursprüngliche ganze Note.

Am Ende des A-Teils steht ein erweiterter G7-Akkord, der mit der b13 etwas dramatischer klingt als der schlichte Vierklang. Ich wünsche viel Spaß beim Einüben des A-Train-Themas. Beim nächsten Mal beschäftigen wir uns mit der Improvisation über diesen Jazz-Klassiker.

Anregungen und Kritik könnt ihr wie immer unter martin@the-incredible-mr-smith.com loswerden.

 

(Die Noten können durch Anklicken vergrößert werden!)

(erschienen in Gitarre & Bass 05/2023)

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