Matthew Bellamy

Matthew Bellamy ist Sänger, Gitarrist und Mastermind der britischen Rockband Muse. Wir haben uns ausführlich mit dem speziellen Sound von Matthew Bellamy auseinandergesetzt.

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Das Equipment von Matthew Bellamy

Matt Bellamys Gitarren können schweben, klingen oft aber auch sehr schneidend und haben geradezu klassischen SG-Charakter. Der ist beliebt, auch bei „neueren“ Gitarristen: Die letzten Billy-Corgan-Sounds bei den Smashing-Pumpkins fallen da ein.

Eines von Matthew Bellamys Hauptinstrumenten ist dann natürlich auch eine 1960er Gibson SG. Aber in diesem Zusammenhang auffälliger ist eine Spezialanfertigung für den Muse-Gitarristen, die vom britischen Hersteller Manson kommt, der seit Jahren erfolgreich Kontakte zu den Größen der Insel-Rock-Szene knüpft: Led Zeppelin, Stereophonics, Oasis, The Lightning Seeds, Jethro Tull, Ash, Richard Ashcroft, The Levellers und Hank Marvin gehören zu den Kunden.

„The Laser Manson Mattocaster“ heißt Matthew Bellamys Solidbody-E-Gitarre, deren Optik an einen kaputten Spiegel erinnert. Mahagony-Korpus, Schraubhals – nichts Besonderes. Aber dann: Das Instrument ist mit verschiedenen, kleinen Laserkanonen bestückt, die über optische Linsen bis zu 70 Lichtstrahlen erzeugen können. Deren Intensität ist vom Ausgangspegel des Instruments abhängig. Je stärker man in die Saiten haut, um so intensiver strahlen die Laser.

Und das ist noch nicht alles: Die Gitarre ist mit zwei konventionellen Pickups bestückt (Marke Rio Grande, einmal ein P90-Typ, am Steg sitzt ein Humbucker), und außerdem mit einem zusätzlichen Roland-GK-2A-Synth-Pickup. Mit Hilfe der in den Steg integrierten Piezo-Abnehmer ist auch noch ein quasi akustischer Ton möglich.

Dazu kommen eine ausgeklügelte Schaltung und integrierte (Marken-)Effekte wie ein Fuzz Factory, ein MXR-Phaser und ein Kill-Switch. Bellamy spielt Verstärker von Diezel über SoldanoCabinets, zu seinen externen Effekten gehören ein Echoplex-Bandecho und ein Line6-EchoPro-Modeler. Bassist Chris Wolstenholme setzt Instrumente von Pedulla und Zon ein, außerdem einen Fender Jazz Bass.

Verstärkt wird mit einem Marshall-DBS-Amp über 2×15″- Boxen des selben Herstellers. Und auch der Bass braucht bei Muse diverse Effekte: Big-Muff-Verzerrer, Boss Octaver, Akai Deep Impact, Line6 Synth Pedal, DigiTech Synth Wah … Selbst Drummer Dominic Howard verzichtet nicht auf Fußpedale, allerdings absolut analoge Modelle: eins steht vor der 22″-Bass-Drum seines Tama-Star-Classic-Sets, eins vor der Hi-Hat.

Matthew Bellamy über das 3. Muse-Album

„Nö“. So kurz und einfach kann die Antwort auf die durchaus schweißtreibende Frage nach der Wichtigkeit des angeblich so schwierigen, wichtigen und richtungsweisenden dritten Albums sein, das ebenso angeblich darüber entscheidet, ob einer Band nun eine lange Karriere beschieden ist oder nicht.

Im Falle von Matthew Bellamy, Bassist Chris Wolstenholme und Drummer Dominic Howard bereitete diese Frage kein Kopfzerbrechen. ,Absolution‘, das Album, dessen Titel die britische Trend-Gazette NME bereits verbrieft als ,The Small Print‘ vermeldete, bescherte der Band keine Grundsatzdiskussionen über kommerzielle Gedanken, Standortbestimmungen und ähnliche Befindlichkeiten. „Natürlich ist das dritte Album irgendwie wichtig. Aber wir haben uns nicht zu viele Gedanken gemacht und darüber gegrübelt, was wir wohl machen werden“, meint der wie immer spindeldürre Frontmann, der erstaunlich fit und fröhlich wirkt.

Es wäre natürlich ein Trugschluss zu glauben, Muse seien gänzlich unbedarft an ihr 3. Werk gegangen. Nach der letzten Tour gönnte man sich nur eine sehr kurze Auszeit, um sofort in einem frisch angemieteten Proberaum im Osten Londons wieder loszulegen, was zunächst mit einer ausführlichen Vorproduktion in Sir George Martins „Air“-Studios endete. „Während dieser Phase haben wir uns ganz bewusst treiben lassen“, erklärt Matthew Bellamy.

„Wir haben unsere Instrumente geschnappt und mit Riffs und Sounds experimentiert. Ganz locker und unbekümmert wie damals, bevor wir unseren Plattenvertrag bekamen.“ Großartiges Videomaterial aus dieser Studiosession gibt’s übrigens auf der Website der Band unter www.muse-official.com. Es ist einiges passiert, seit das Trio aus dem Provinznest Teignmouth in der südenglischen Grafschaft Devon an jenem Musikwettbewerb in Manchester teilnahm und zur „Best Unsigned Band“ gekürt wurde.

Der Rest ist bereits verbriefte Rock-Geschichte: Zwei EPs, ein Platten-Deal bei Madonnas Label Maverick, mit ,Showbiz“ ein gefeiertes Debüt und zahlreiche Komplimente der Musikpresse für eine Band, die sich „zwischen den Melodien Oasis’ und der Nachdenklichkeit Radioheads platziert“. 2001, mit dem zweiten Werk ,Origin Of Symmetry‘, zeigten sich Muse deutlich rockiger als beim Debüt, gestanden „eine Schwäche für härtere Musik“ und outeten sich als Fans von Deftones, Primus und Nirvana. Zu dem Zeitpunkt war die Band bereits zwei Jahre mehr oder weniger ununterbrochen auf Tour, (u. a. mit den Foo Fighters und den Red Hot Chili Peppers) und muss bei Festivals nicht mehr vormittags spielen.

Das extensive Touren macht sich durch eine enge Fan-Bindung bezahlt. Was nicht zuletzt daran liegt, dass die seit der Schulzeit befreundeten Musiker in Bands wie Rocket Baby Dolls, Gothic Plague und Fixed Penalty solide ihr Handwerk gelernt haben.

Weitere Argumente: Musik statt Image. Songwriting statt Saufen. Kommunikation statt Skandale.

„Wir haben uns den Arsch abgespielt, mit dem Resultat, dass die Hallen bis heute immer größer geworden sind. Und unsere Fan-Gemeinde war schon immer größer, als die Berichterstattung der Medien über uns“, findet Bellamy. Die gleichen Medien vor allem, die dem neuen Album eine sakrale Ausrichtung antexten, was der Frontmann lachend verneint: „Was ich damit meine, ist: Der Prozess Musik zu machen, ist ein Versuch, jenen Sachen im Leben, die man nicht hundertprozentig versteht, letztlich einen Sinn zu geben. Musik ist eine gewisse Konstante. Musik hat immer versucht, einen Sinn zu finden. Musik ist ein Aufbruch zu neuen Ufern. Deshalb ist sie für mich eine Befreiung, eine Absolution.“ Schön gesagt. So kann nur jemand denken, dessen Kunst von Herzen kommt.

Nun steht ,Absolution‘ in den Regalen, ein Album für das die Band in Los Angeles und Irland aufgenommen hat – dort im nagelneuen Grouse Lodge Studio, das einem restaurierten Bauernhaus implantiert wurde. Umgeben von idyllischer Landschaft und einem Swimming Pool, den Drummer Dom sofort Zweckentfremdete.

„Dort haben wir das Schlagzeug reingestellt und für Songs wie ,Time Is Running Out‘ und ,Appocalypse Please‘ aufgenommen, weil das im Pool so schön hallt. Natürlich nur, wenn kein Wasser drin ist.“

Für die Gitarren- und Bass-Parts galt eher „business as usual“. In diesem Bereich hat sich die Band nicht sonderlich weiterentwickelt. Spannender dagegen ist die Frage, wie Muse mit anderen Klangquellen, der Produktion und den Arrangements umgegangen sind. So beschäftigte sich die Band zum Beispiel intensiv mit ausgefeilten Klavier-Parts, oder bei Stücken wie ,Blackout‘ und ,Butterflies And Hurricanes‘ sogar mit großer Orchestrierung.

„Es gibt einige Nummern, bei denen haben wir Dinge gemacht, die wir noch nie vorher ausprobiert haben. Nimm ,Endlessly‘ mit seinen Drum-Loops und den ganzen Electronics. Wir haben Rhythmus-Tracks aufgenommen, vom Fingerschnippen und Händeklatschen bis hin zu Geräuschen, für die wir mit Löffeln auf Metallbleche geschlagen haben. Was Sounds und Instrumentierung betrifft, haben wir uns definitiv weiterentwickelt.“ Auch die Kontraste zwischen Gefühl und Härte, Melodie und Krach sind wesentlich stärker ausgereizt.

„Die Wechsel zwischen den Szenen sind sehr ausgeprägt und deutlich. Es gibt einige Songs, die sind schon im typischen Muse-Stil, den wir uns in der Vergangenheit erarbeitet haben. Andere sind absolutes Neuland, das wir bisher noch nie betreten haben.“

Da Musik immer auch eine Reflexion ist, besitzt die Frage des zuletzt Gehörten eine gewisse Relevanz. Während manche Musiker sich zur Inspiration ganz bewusst mit bestimmten Stilen auseinandersetzen, bevorzugen andere die Stille als innere Reinigung vor dem kreativen Prozess. Muse bewegen sich zwischen beiden Extremen.

Neben Phasen absoluter Konzentration hörte man kollektiv Musik. Soll heißen, man gab die jeweiligen eigenen Favoriten an die anderen Band-Mitglieder weiter. Diesmal rotierte eine Playlist mit Alben von den Flaming Lips, Queen, System Of A Down, Sergej Prokofjew und Rachmaninow. Wie alle neuen Wege bergen diese auch neue Risiken und Unwägbarkeiten.

So verriet die Band in einem frühen Stadium der Produktion gegenüber der britischen Musikpresse, die Arbeit mit dem Orchester würde sie in den Wahnsinn treiben. Was Bellamy im Nachhinein bestätigt: „Oh ja! Bei den ersten beiden Songs lief die Orchestrierung fantastisch. Beim dritten klang es dann zum ersten Mal irgendwie … (kurze Pause) … nicht richtig. Und bei der vierten Nummer dachten wir: Moment mal, irgendwie geht das gar nicht! Wir haben dann sehr, sehr lange beraten und festgestellt, dass wir sehr unterschiedliche Ansätze bei der Produktion verwenden müssen, damit am Ende nicht alles nach einem Rock-meets-Klassik-Album klingt“, meint Matthew Bellamy lachend.

Nach John Leckie (The Stones Roses, The Verve) saß bei diesem Album mit Rich Costey (The Mars Volta, B.B. King, Cornershop, Audioslave, Aphex Twin) ein interessanter und ungemein vielseitig ausgerichteter Produzent hinterm Pult. Gemeinsam erreichte man ein Ergebnis, mit dem alle Beteiligten ziemlich zufrieden sind. Immerhin sind Muse eine streng demokratische Arbeitsgemeinschaft, der zudem der Ruf vorauseilt, nicht gerade entscheidungsfreudig zu sein.

Deswegen hat die Band (im nachhinein richtig entschieden) bereits in London auf eine sehr ausführlich Vorproduktion gesetzt. „Das hat sehr geholfen später im Studio durch die vielen anstehenden Entscheidungen bei der Orchestrierung nicht völlig durchzudrehen. So oder so hatten wir da schon ein Menge Diskussionen!“

Bleibt festzustellen, dass eine Band, selbst mit den limitierten Mitteln eines Trios, sich treu bleiben und dennoch neu erfinden kann. Zweitens zeigt sich mal wieder, wie wichtig eine gute Vorbereitung ist. Und drittens ist die intensive Arbeit an Produktion und Arrangements nicht minder wichtig, als die Arbeit am bereits bestehenden Profil.

Muse können am Ende mit einem äußerst vielschichtigen Album überzeugen. Bleibt nur die Frage, zu welchen Gelegenheiten man sich diese ,Absolution‘ geben sollte. „Das ist schwer, denn es gibt eine Menge unterschiedlicher Stimmungen“, findet Bellamy.

„Zu ,Stockholm Syndrom‘ könnte ich mir vorstellen, sehr schnell Auto zu fahren. Zu ,Blackout‘ liegt man am besten am Strand und starrt aufs Meer. Zu ,Endlessely‘ könnte man nachts durchs Mondlicht tanzen. Und ,Butterflies und Hurricanes‘ sollte man am besten unmittelbar vor einem Hundertmeterlauf hören.  Hey: dies ist unsere Inspirationshyme für alle Sportler unter euch!“

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