Mr. Bass-Driver

Stu Hamm im Interview

Er rockte nicht nur als Sideman von Joe Satriani oder Steve Vai die Bühnen, auch als Solokünstler ist der US-amerikanische Bassist ein ernstzunehmender Meister seines Instruments. Seit über 30 Jahren ist der in San Francisco lebende Stu Hamm als Musiker und Lehrer erfolgreich.

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(Bild: Warwick, Archiv)

Hamm, Jahrgang 1960, studierte am Berklee College of Music in Boston und veröffentlichte anschließend selbst zwei anerkannte Lehrvideos: Slap, Pop & Tap For The Bass (1987) und Deeper Inside the Bass (1988). In Boston hatte er auch Steve Vai, und über diesen Joe Satriani kennengelernt – der Beginn einer langjährigen Geschäftsverbindung: 1984 spielte Hamm auf dem ersten Vai-Solo-Album ,Flex-Able‘, seit 1988 war er immer wieder als Liveund/ oder Studio-Bassist von Joe Satriani aktiv. Zuletzt erschien 2015 Hamms sechstes Solo-Album ‚Book Of Lies‘. Hier sieben Fragen an den Groove-Spezialisten:

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Stu, in deiner Musik kombinierst du viele sehr unterschiedliche Genres. Bist du mit verschiedenen Musikrichtungen aufgewachsen?

Ja, das stimmt! Mein Vater war Komponist und meine Mutter Opernsängerin. So bin ich mit viel klassischer Musik aufgewachsen, habe aber auch durch meinen sechs Jahre älteren Bruder einen Einblick in die Rock-&-Roll-Szene bekommen. In meiner Kindheit spielte ich auch klassisches Piano – und das alles und noch vieles mehr gewährte mir einen Blick in die große Welt der Musik.

Was genau hat dich dann zum Bass- Spiel gebracht?

Ich lernte eine ganze Reihe verschiedener Instrumente bevor ich zum Bass kam, da war ich 13, das war ca. 1973. Es kam dann aber schnell dazu, dass ich Kontrabass in einer Jazz-Big-Band spielte. Das war der Zeitpunkt, an dem für mich klar war, dass der Bass das Instrument ist, mit dem ich am meisten Spaß habe und mit dem ich mich auf eine unerklärliche Weise wohl fühle.

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(Bild: Warwick, Archiv)

Besitzt du deinen ersten Bass und deinen ersten Verstärker noch?

Nein, mein erster Bass war aus einem Pfandhaus. Aber mein erster richtiger E-Bass war ein Fender, den ich, als ich nach L.A. ging, selbst in einem Pfandhaus versetzt habe, weil ich Geld brauchte. Leider hatte ich am Ende der Frist nicht genug Geld zusammen um ihn zurückzukaufen. Ich hatte ihn also verloren. Tja, und mein erster Verstärker steht glaube ich noch bei meiner ersten Frau – der ist jetzt wohl auch für immer weg.

Bei den Bass Camps 2014 und 2015 konnte ich mich davon überzeugen, dass du ein großartiger Lehrer bist. Wie genau kamst du auf die Idee zu unterrichten?

Mein Vater war ein Musikwissenschaftler, mein Bruder ist ein Professor und meine Mutter war Musiklehrerin und unterrichtete auch mich während meiner Junior- High-School-Zeit. Ich bin also damit aufgewachsen, dass Unterrichten eine ganz normale Sache ist. Es macht mir bis heute Spaß und erinnert mich an meine Kindheit.

Hast du selbst auch immer noch das Bedürfnis, etwas Neues zu lernen?

Als ich noch recht jung war, habe ich ein Interview mit Robert Fred Moore gelesen in dem er sagte, dass wenn man das Gefühl habe ausgelernt zu haben, man sich etwas Neues suchen solle, in das man seine Zeit investiert. Sollte ich also irgendwann mal dieses Gefühl haben, werde ich mir etwas Neues beibringen. Zum Beispiel einen Truck zu fahren. Aber im Grunde finde ich es auch schön, wenn man bei einer Sache, die man liebt bleibt, und niemals diesen Drang zu etwas Neuem verspürt.

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Magst du es, wenn mehrere Bassisten in einer Band zusammenspielen?

Hier beim Bass Camp ist es so, dass der größte Vorteil im Zusammenspiel mit anderen Bassisten für mich darin bestand, dass ich viel Neues gelernt habe! Rhonda Smith, spielt zum Beispiel mit einer Drei-Finger-Technik, das ist einfach unglaublich! Ich spiele jetzt seit 42 Jahren Bass und habe hier tatsächlich das Gefühl, besser zu werden! Ich bin wieder so motiviert! Ich habe das erste mal nach Jahren wieder Kontrabass gespielt. Ich kann mir hier ein paar Dinge rauspicken die ich dann in meine eigene Technik einbaue. Zu deiner Frage: Ich habe einige Songs für Bands geschrieben, die mehrere Bassisten hatten und war selbst in einer Band mit Jeff Berlin und Billy Sheehan. Das waren dann direkt drei Power-Bassisten in einer Band. Wir hatten aber höchstens zwei Songs pro Gig, in denen wir gleichzeitig spielten. Der Grund, weshalb ich mich mit Jeff und Billy zusammengetan habe ist, dass wir drei von Grund auf verschiedene Spielarten praktizieren. Ansonsten würde ich sagen, dass man auf einer Bühne meistens nicht mehr als einen Bassisten braucht.

Bei wem würdest du eine Ausnahme machen, sagen wir mal für einen Drei- Bassisten-Jam-Urlaub?

Dabei ginge es mir dann wirklich eher um die Persönlichkeiten als um die Musik, die diese Menschen erschaffen haben. Dabei wäre auf jeden Fall Rhonda Smith, denn sie ist einfach wunderschön, großartig und ihr Bass-Spiel ist fantastisch! Dann würde ich noch Chuck Rainey mitnehmen, denn er ist so eine witzige Person! Wir wären eine Drei-Kopf-Entertainment- Truppe mit Tiefgang!

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(Bild: Warwick, Archiv)

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