Der Herr Stratmann

Jimi Hendrix & seine Fender Stratocaster

Kein anderer Musiker verkörpert den Rock-Gitarristen so prototypisch wie Jimi Hendrix. Und selbst über vier Jahrzehnte nach seinem Tod wirkt er immer noch inspirierend auf alle Menschen, für die eine Sechssaitige nichts mit Lagerfeuer-Romantik zu tun haben muss. Jimi Hendrix hat die E-Gitarre neu erfunden – und in seinem speziellen Fall war das die Fender Stratocaster. Sorry, Leo …

Jimi Hendrix
FOTO: Archiv Polydor W. Heilemann

Johnny Allen Hendrix wurde am 27. November 1942 im Nordwesten der USA geboren, in Seattle, Washington. Die Eltern Al und Lucille waren Afroamerikaner und stammten beide aus eher ärmlichen Verhältnissen. Seine ersten drei Lebensjahre wuchs ihr Sohn meist bei Verwandten und Freunden der Familie auf. Ende 1946 ließ sein Vater den Namen ändern: aus Johnny Allen wurde James Marshall Hendrix, sein Rufname wurde Jimmy. Ende der 50er Jahre, Jimmy war ungefähr 15, interessierte er sich verstärkt für Musik. Es begann mit diversen selbst gebauten „Instrumenten“, dann kam eine Ukulele ins Spiel, anschließend eine billige akustische Gitarre. Aufgrund der Fortschritte, die er darauf machte, schenkte ihm Al Hendrix ein Jahr später eine E-Gitarre, auf der Jimmy, zunächst ohne Verstärker, die Rock & Roll-Songs, die er im Radio hörte, nachzuspielen versuchte. Mit Erfolg & Talent.

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Es folgen einige Cover-Bands, in denen Hendrix teils auch als Bassist engagiert ist und eine Menge Gigs in der Gegend um Seattle spielt. Seinen Lebensunterhalt verdiente er, wie sein Vater, damals als Gärtner.

Jimi Hendrix auf der Bühne
FOTO: Archiv Polydor W. Heilemann

1961 verpflichtete sich Jimmy freiwillig für drei Jahre als Soldat der US-Army, musste seine Karriere als Fallschirmspringer aber wegen einer Verletzung beenden und kehrte im Juli 1962 ins zivil(isiert)e Leben zurück – und wollte nichts anderes als Berufsmusiker sein. Es funktionierte! Zahlreiche eigene Bands & Projekte, u. a. mit Bassist Billy Cox, den er beim Militär kennen gelernt hatte, entstanden und scheiterten. In diversen Backing-Band-Jobs begleitete Hendrix in diesen Jahren u. a. Stars wie die Marvelettes, Curtis Mayfield, Jackie Wilson, B.B. King, The Supremes, Slim Harpo, Hank Ballard und Little Richard. Damals erwachte auch sein Interesse für den Blues.

Es folgen Aufnahmen und Gigs mit der Band von Lonnie Youngblood, Hendrix zog nach New York City, schloss sich den soul- & funkorientierten Isley Brothers an, spielte mit dem Gitarristen Steve Cropper (Booker T. & the MGs), begleitete den legendären Sänger Sam Cooke bei einigen seiner letzten Auftritte, trat in Shows der Ike & Tina Turner Revue sowie beim Soul-Duo Sam & Dave in Erscheinung und wurde Lead-Gitarrist bei Curtis Knight & The Squires – Jimmy Hendrix war ein viel beschäftigter und vor allem vielseitiger Musiker, der bereits damals sein Handwerk gelernt hatte. Die Zeit war also gekommen, wieder einen Schritt in Richtung Selbständigkeit zu gehen: Hendrix gab sich ein Pseudonym und trat mit Band als „Jimmy James & The Blue Flames“ in verschiedenen New Yorker Clubs auf.

Jimi Hendrix mir Freunden
FOTO: Archiv Polydor W. Heilemann

In den drei Monaten ihrer Existenz erregte diese Truppe einiges Aufsehen in der Künstlerszene von Greenwich Village. Musiker wie Jeff Baxter, Al Kooper und der Gitarrist und Harmonikaspieler John Hammond jr. stiegen für kurze Zeit ein, britische Popstars, die in den USA auf Tour waren, darunter die Beatles, die Rolling Stones und die Animals, wurden auf den Insidertipp Jimmy James aufmerksam und suchten das „Cafe Wha?“ und das „Cafe Au GoGo“ auf, um den jungen Ausnahmegitarristen mal unter die musikerpolizeiliche Lupe zu nehmen.

Mit den Blue Flames spielte Hendrix neben Rock & RollStandards und bekannten Blues-Nummern auch mehrere Titel von Bob Dylan, bei denen er erstmals als Sänger zu hören war. Eigene Texte schrieb Jimmy zwar schon seit 1965, allerdings hielt er sich mit seinen selbst geschriebenen Songs noch immer zurück; das Band-Repertoire dieser Zeit bestand aus Songs wie ,Hey Joe‘, ,Like A Rolling Stone‘, ,Wild Thing‘ und ,Shotgun‘. Doch weiterhin verstand sich Hendrix in erster Linie als Gitarrist, und als solcher avancierte er nach und nach zum Underground-Geheimtipp des New Yorker Sommers ‘66.

Anfang September des Jahres, nach einer US-Tour, kehrte der Animals-Bassist Chas Chandler, der Jimmy schon im Juli live gesehen hatte, nach New York zurück. Er überredete Hendrix, seine Band zu verlassen und mit ihm nach England zu kommen, um dort eine neue Gruppe zusammenzustellen. Chandler kannte den britischen Markt lange genug und sah, ähnlich wie Animals-Manager Michael Jeffery, gute Chancen, Hendrix’ bluesorientierte Musik kommerziell zu nutzen. Hendrix und Chandler einigten sich, die nötigen Papiere wurden besorgt, und die Reise ins Ungewisse konnte beginnen …

Hiermit beginnt dann der offizielle Teil einer ganz großen, relativ kurzen und nicht gerade glücklich verlaufenden Rock-Karriere: Am 24. September 1966 traf man in London ein. Sofort änderte Chandler die Schreibweise von Hendrix’ Vornamen; seiner Meinung nach besaß „Jimi“ einen größeren Wiedererkennungswert als „Jimmy“, und Wiedererkennungswert war nun einmal unverzichtbarer Bestandteil eines Star-Images. Mancher Veranstalter der ersten Hendrix-Gigs hatte damit jedoch seine Schwierigkeiten und kündigte den kommenden Star auf Plakaten als „Jimmi Hendrix“, „Jimmy Hendric’s Experience“ oder „Jimi Hendricks“ an.

Jimi Hendrix lachend auf der Bühne mit Strat
FOTO: Archiv Polydor W. Heilemann

Seine Band wurde quasi zusammen gecastet: Schon in Hendrix’ ersten Londoner Tagen kam es zu Jams mit dem Organisten Zoot Money und einem Gitarristen namens Andrew Somers, der Ende der 70er Jahre als Andy Summers bei The Police Erfolg haben sollte. Nach einigen Auditions mit verschiedenen Musikern kristallisiert sich bereits im folgenden Monat die Triobesetzung der „Jimi Hendrix Experience“ heraus: mit dem hier erstmals Bass spielenden Gitarristen Noel Redding, dem jazzbeeinflussten und durch seine Arbeit mit Georgie Fame bekannt gewordenen Schlagzeuger Mitch Mitchell und natürlich mit Hendrix selber als Gitarrist und Sänger. Am 6. Oktober 1966 finden die ersten Experience-Proben statt, eine Woche später spielt die Band im Vorprogramm des französischen Rock & Roll-Stars Johnny Halliday einige Gigs in Frankreich.

Wieder in London, geht die neue Hendrix-Band am 23. Oktober 1966 zum ersten Mal ins Studio und nimmt den Song ,Hey Joe‘, die A-Seite ihrer Debüt-Single, auf; gut eine Woche später, am 2. November 1966, entsteht die B-Seite ,Stone Free‘. Zwischen den beiden Studioterminen finden die ersten offiziellen Londoner Club-Konzerte der Gruppe statt, die den Gitarristen Hendrix und seine Band binnen kurzem auch hier, ähnlich wie einige Monate zuvor in New York, zum Star der Musikerszene machen.

Gerade die ganz frühen Live-Aufnahmen, die noch vor der ersten Single ,Hey Joe/Stone Free‘ (12/66) entstanden, zeigen, welche Faszination von diesem Musiker ausgegangen sein muss. Hendrix war als Sänger & Gitarrist der komplette Alleinunterhalter, spielte Harmonien, Riffs, durchsetzte das Ganze mit Basslinien und gab dann beim Solo noch mal richtig Druck auf die Drähte. So hatte Mitte der 60er Jahre wohl kein anderer Gitarrist sein Instrument bearbeitet. Kein Wunder also, dass Hendrix die gesamte britische Musiker-Szene verunsicherte, und zu seinen Fans machte: Auch Eric Clapton, Keith Richards, Jeff Beck, Jimmy Page u. a. konnten eben noch dazulernen.

Am 13. Dezember erlebte die Experience ihre Fernsehpremiere: In der Sendung „Ready, Steady, Go“ spielten Jimi & Band den Titel ,Hey Joe‘. Drei Tage später erschien die erste Single in England, die am 4. Februar 1967 auf Platz 4 der englischen Charts stand – ein bemerkenswerter Erfolg, der nicht zuletzt auf Chas Chandlers hartnäckiges Bemühen um ständige Medienpräsenz der Band zurückzuführen war. Hendrix selbst war von der Platte allerdings nicht sonderlich begeistert und bezeichnete ,Hey Joe‘ als „really a cowboy song.“ Sein frühes Fazit: „That isn’t us.“

Jimi Hendrix live
FOTO: Archiv Polydor W. Heilemann

Trotzdem oder gerade deshalb: Hier begann der ganz große Erfolg. Drei Jahre mit unzähligen Gigs, vielen Studio-Sessions, einigen gut verkauften Singles und (je nach Zählweise) fünf hervorragenden Alben, die Musikgeschichte geschrieben haben. Diese Geschichte kann man in jedem Musiklexikon nachlesen und sie wurde in hunderten von Artikeln und etlichen Biografien immer wieder erzählt. Das Ende ist (zumindest bei den seriösen Biografen) immer gleich: Am 18. September 1970, stirbt Jimi Hendrix an den Folgen einer Schlafmittelvergiftung im St. Mary Abbot’s Hospital in London. Das offizielle Kommuniqué vom 28. September nennt als Todesursache „Ersticken an Erbrochenem aufgrund der Einnahme von Schlaftabletten in Kombination mit Alkohol“. Die Dosis des eingenommenen Schlafmittels schließt eine Suizidabsicht aus, so dass entgegen verschiedenen Vermutungen von einem Unfall (beim fahrlässigen Umgang mit Betäubungsmitteln) auszugehen ist.

Das Instrument

Mit einem bestimmten Gitarrenmodell der Rock-Musik wird der Name Jimi Hendrix wohl für alle Zeiten in Verbindung gebracht werden: mit der Fender Stratocaster. Die anhaltende Popularität der Strat ist nicht zuletzt auch sein Verdienst. Hendrix bemerkte dazu einmal: „Die Stratocaster ist die beste Allround-Gitarre für die Sachen, die wir machen. Man kann mit ihr die ganz scharfen Höhen und diesen tiefen Bass-Sound hinkriegen. Ich hab’s mit der Telecaster probiert, und sie hat nur zwei Sounds: einen guten und einen schlechten – und ein sehr schmales Klangspektrum.“

Die Strat war bereits Jimis Hauptinstrument, als er von Chas Chandler in New York entdeckt wurde – und sie blieb es. Aber auch in den Jahren vorher hat Hendrix einige Fender-Gitarren besessen – allerdings erst nachdem er durch die damals fast jedem E-Gitarristen bekannte Hölle der billigsten Kaufhaus-Gitarren gegangen war. Anfang 1964, nach seinem Einstieg bei den Isley Brothers, schien sich Jimis finanzielle Situation etwas gebessert zu haben, denn er erwarb seine erste Fender Duo-Sonic, die immerhin knapp $100,- kostete (eine Strat war damals erst ab $289,- zu haben). Die Duo-Sonic war eine Art von Low-Price-Version der Stratocaster, mit, wie schon der Name erahnen lässt, zwei Tonabnehmern bestückt.

Sie wurde sein Hauptinstrument, und auch auf späteren Fotos, die Hendrix mit Curtis Knight & The Squires zeigen, spielt er diese Gitarre. Während seines kurzen Engagements bei Little Richard griff Jimi außerdem gelegentlich auf eine Fender Jazzmaster (Stückpreis: $220,–) zurück, die ein Vibratosystem besaß. Erst um Mitte 1966 tauschte er die Duo-Sonic gegen seine erste Fender Stratocaster ein; das hierfür nötige Kleingeld lieh er sich von einer Freundin. Hendrix spielte, obwohl er Linkshänder war, fast ausschließlich die normalen Rechtshändermodelle der Strat und anderer Gitarrentypen. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass Jimi auf Filmmitschnitten einer Autogrammstunde mit der rechten Hand schreibt. Ob man ihn dazu (wie in den 60er Jahren noch üblich) in der Schule gezwungen hat, lässt sich heute kaum noch klären.

Jimi Hendrix live
FOTO: Archiv Polydor W. Heilemann

Gitarren-Sonderanfertigungen für Linkshänder waren damals jedenfalls ohnehin nur schwer erhältlich, und in seiner von chronischer Geldnot gekennzeichneten Anfangszeit wären sie für ihn wohl auch viel zu teuer gewesen. Hinzu kommt, dass von den diversen Billigfabrikaten, die er zu Beginn seiner Laufbahn verwendete, überhaupt keine Linkshändermodelle hergestellt wurden. Eine vom Herstellerwerk gefertigte Linkshänder-Strat besaß Jimi Hendrix erst um 1969, und sonderlich oft hat er dieses Instrument, zumindest öffentlich, auch nicht gespielt. So hatte Hendrix kaum eine andere Wahl, als die ihm zur Verfügung stehenden Instrumente nach folgendem Muster umzubauen: Steg und Sattel wurden neu montiert, und zwar exakt seitenverkehrt; anschließend wurden die Saiten in umgekehrter Reihenfolge aufgezogen, und schon war das Left-Hand- „Sondermodell“ fertig. Aufgrund dieser Veränderungen beziehungsweise der veränderten Art, das Instrument zu halten, lagen nun Lautstärke- und Tonregler sowie Tonabnehmerwahlschalter und Ausgangsbuchse der Stratocaster oberhalb der Saiten; das Gleiche gilt für den Vibratohebel.

Über die klanglichen Unterschiede zwischen einer „normal“ gespielten Stratocaster und einem nach Art des Linkshänders Hendrix verwendeten Rechtshändermodell ist viel spekuliert worden. Z.B. befanden sich bei den Pickups mit „staggered polepieces“, also die für eine ausgewogene Balance der Lautstärke aller Saiten unterschiedlich hoch angebrachten Polstücke der Tonabnehmer, durch Hendrix Handhabung nun unter den „falschen“ Saiten … Allerdings dürfte inzwischen klar sein, dass auch im Fall dieses Musikers 90er % des Sounds und der Ideen aus Kopf & Händen kamen.

Natürlich färbten der Singlecoil-Sound der Strat, die drei (mit Zwischenstellungen bis zu fünf) Quasi-Preset-Sounds dieses Instruments und das Vibrato-System seine Musik extrem, genau wie seine Praxis, Verstärkern Höchstleistungen und maximale Verzerrung abzugewinnen und daraus resultierende Rückkopplungen auf die Gitarre bewusst einzusetzen und zu kontrollieren. Aber: Jimi Hendrix’ Instrumente waren Medium, um seine Musik ans Klingen zu bringen. In den Jahren 1967 und ‘68 bevorzugte er Stratocaster-Gitarren mit Rosewood-Fingerboard (Palisander-Griffbrett); ihre Hälse waren etwas dünner als die der später benutzten Gitarren, die meist Maple-Necks besaßen, deren Hals und Griffbrett also aus Ahornholz gefertigt waren. Fast all diese Instrumente stammten aus den Baujahren 1964 bis 1968, waren also relativ neu und sozusagen von der Stange gekauft.

Techniker Roger Mayer, der für die SoundEinstellung und Instandhaltung des Experience-Equipments verantwortlich war, erklärt, dass die meisten Strats bis auf die umgekehrte Besaitung sowie die entsprechend neu installierten Sättel und Bridges nicht verändert wurden. Großer Wert wurde darauf gelegt, dass die E-Gitarren mechanisch gut funktionierten, was heißt, dass sie sauber justiert waren, damit beim Spielen kein Saitenschnarren oder ähnliche unerwünschte Geräusche zu hören waren. Außerdem wurden die saitenführenden Teile mit höchster Präzision eingestellt, um eine optimale Bundreinheit zu gewährleisten.

Der Halsansatz der Gitarren wurde von überschüssigen Farbresten gesäubert, um eine gute Hals-Korpus-Verbindung und somit ein optimales Sustain zu erzielen. Aufgeraute Bundstäbchen und Griffbrettpartien wurden glatt poliert; dies geschah jedoch relativ selten, da die Instrumente meist nicht so lange in Gebrauch blieben, dass solche Verschleißerscheinungen hätten auftreten können. Ehe ein solcher Fall eintreten konnte, wurden sie meist ohnehin wegen anderer Defekte ausgemustert, da Hendrix seine Strats während des Spielens oft in extremer Weise beanspruchte: Da mussten der Vibratohebel und die Hals-Korpusverbindung einiges aushalten. Defekte oder zerstörte Gitarren wurden zerlegt, die noch verwendbaren Einzelteile wurden zur Reparatur anderer Gitarren benutzt oder in völlig neuer Kombination zusammen gebaut.

Am Vibratosystem der Stratocaster wurden hingegen Veränderungen vorgenommen: Bei einigen Gitarren wurden zwei der fünf Stahlfedern des Systems entfernt, um eine noch extremere Verstimmung der Saiten zu ermöglichen. Sicher ist jedoch, dass diese Modifikation nicht, wie oft behauptet wird, an sämtlichen von Hendrix’ gespielten Strats vorgenommen wurde. Aufgrund der Tatsache, dass die rückseitige Abdeckung der Gitarre immer entfernt wurde, um einen schnelleren Saitenwechsel zu ermöglichen, sind auf den meisten Fotos in dieser Ansicht alle fünf Federn zu erkennen. Die Vibratohebel einiger Gitarren bog sich Hendrix so zurecht, dass sie nicht nur die ihnen zugedachte Funktion erfüllten, sondern er selber auch in der Lage war, mit dem Hebel die Saiten zu berühren. Durch den Kontakt einer schwingenden Saite mit dem Metallhebel oder der aufgesetzten Hartplastikkappe konnten auf diese Weise spezielle Klangeffekte erzeugt werden. Der Hebel durfte sich also nicht in allzu großem Abstand von den Saiten befinden.

In den vier erfolgreichen Jahre seiner Karriere besaß Hendrix eine unüberschaubare Anzahl von Strats, die sich im wesentlichen nur durch die Art ihrer Lackierung oder Bemalung voneinander unterschieden; der Grund für den häufigen Wechsel liegt darin, dass die meisten dieser Instrumente irgendwann defekt waren oder gestohlen oder von Hendrix selbst an andere Musiker verschenkt wurden.

Hendrix selbst hatte im Grunde ein völlig unbekümmertes, fast anspruchloses Verhältnis zu seinen Instrumenten; er konnte, wenn es sein musste, mit jeder Gitarre zurechtkommen – was wohl nicht zuletzt darauf zurückzuführen ist, dass er in seinen frühen Jahren überwiegend auf Instrumenten der untersten Preisklasse spielen musste, die ja in der Regel nicht gerade leichter zu handhaben sind. In dieser Zeit entwickelte er auch seinen Stil und seinen Sound, machte erste Feedback-Experimente und Ähnliches; so war seine Spielweise auch in späteren Jahren nie davon abhängig, dass ihm HiTech-Instrumente zur Verfügung standen.

Jimi Hendrix mit Kopfhörern
FOTO: Archiv Polydor W. Heilemann

Zudem war die handelsübliche Standard-Strat zu seiner Zeit bereits ein ziemlich perfektes Instrument, das den Bedürfnissen der meisten Gitarristen mehr als gerecht wurde. Allerdings hatte Hendrix auch keine Probleme, wenn er auf andere Gitarrentypen wie etwa eine Gibson Les Paul oder, für Sessions, auf eine halbakustische Gretsch zurückgreifen musste, die ja beide von der Strat wesentlich abweichende Griffbretter und Hälse besitzen. Fest steht jedoch, dass die Stratocaster für Jimi Hendrix in jedem Fall die erste Wahl war – diese Gitarre hat seine Musik zum Klingen gebracht.

 

Jimi Hendrix Recordings

Are You Experienced? (1967)

Axis: Bold As Love (1967/68)

Smash Hits (1968)

Electric Ladyland (1968)

Band Of Gypsys (1970)

 

Jimi Hendrix in G&B

Test: Dunlop Jimi Hendrix WahWah (07/88)

Jimi Hendrix Revisited (02/91)

Workshop! Die orchestrale Gitarre 1-3 (02- 04/91)

Workshop! Jimi Hendrix Special (12/96)

Workshop! Jimi Hendrix & Steve Vai: Red House (07/97)

Noel Redding, Bassist der JH-Experience (11/97)

Test: Fender Jimi Hendrix Stratocaster (12/97)

Billy Cox, Bassist von The Band Of Gypsys (12/98)

JH Special! Der Gitarrist im Studio

JH Special! Amps & Effekte

JH Special! Gitarren & Modifikationen

 

Jimi Hendrix Literatur

  • Menn, Don: Jimi’s favorite guitar technique (in: Guitar Player, Sept. 1975). Der erste und grundlegende Artikel über Hendrix’ Gitarrentechnik. Knapp gefasst und sehr informativ.
  • Milkowski, Bill: Jimi Hendrix – The Jazz Connection (in: Down Beat, Okt. 1982). Eine interessante Auseinandersetzung mit Hendrix’ Musik, die sich dadurch auszeichnet, dass der Autor über den Tellerrand der Rock-Musik hinausblickt.
  • Murray, Charles Shaar: Crosstown Traffic – Jimi Hendrix and Post-War Pop (London 1989, Faber and Faber Ltd.). Die aktuellste und zweifellos detaillierteste Untersuchung des Phänomens Hendrix im musikhistorischen Kontext.
  • Shapiro, Harry & Glebbeek, Caesar: Jimi Hendrix – Electric Gypsy (London 1990, William Heinemann Ltd.); dt. Ausgabe mit gleichem Titel (Köln 1993, VGS-Verlag). Das Standardwerk in Sachen Hendrix. Die überaus detaillierte Auflistung biographischer und musikalischer Fakten und Daten im 200- seitigen Anhang machen das Werk eher zu einer Veröffentlichung für Hendrix-Experten und -Sammler.
  • Trampert, Lothar: Elektrisch! Jimi Hendrix – Der Musiker hinter dem Mythos (Augsburg 1991/94, Sonnentanz Verlag). Das Standardwerk wenn es um den Gitarristen, Komponisten & Sound-Schöpfer Hendrix geht: Biografie, Musik, Interpretationen, Instrumente & Experimente werden hier ausgiebig behandelt.

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