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And Now?!

Interview: Klaus „Major“ Heuser Band

Klaus Heuser und Matthias Krauss (Bild: Franz Holtmann)

Der Major ist wieder da. Mit den Jungs seiner bestens eingespielten Band bringt er nun schon seit einiger Zeit das aktuelle Album ‚And Now?!‘ auf die Bühne.

Wir trafen uns mit Klaus und seinem Keyboarder und Produktionspartner Matthias Krauss im Timelock Studio bei Köln und wollten wissen, ob es Neues in der technischen Umsetzung gibt oder was sich sonst noch verändert hat.

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Interview

‚And Now?!‘ ist schon euer viertes Studio-Album, aber diesmal war Matthias mehr in die Produktion involviert, richtig?

Matthias: In die Produktion war ich ja schon immer involviert, aber diesmal haben wir zum ersten Mal alles komplett hier bei mir im Timelock-Studio gemacht.

Hat das etwas verändert, Klaus?

Klaus: Ja, auf jeden Fall! Matthias spielt ja selbst in der Band und weiß dadurch, wie wir klingen können und wollen. Und wenn der Tontechniker Teil der Band ist, hat das natürlich auch Einfluss auf die Musik.

Matthias: Wir haben die Arbeitsweise verändert und mit etwas mehr Zeit produziert. Vorher sind wir immer als Band ins Studio gegangen, haben einen Monat zusammen aufgenommen und dann wurde gemischt. Diesmal haben wir uns die Bälle eher zugespielt. Klaus hat sich eine viel längere Demo-Phase genommen, um die Songs besser vorzubereiten, dann haben wir sie geprobt und aufgenommen. Anschließend haben Klaus und ich dann Dateien ausgetauscht und jeweils noch Keyboards bzw. Gitarren dazugespielt.

Der Major mit seiner Clapton-Strat (Bild: Franz Holtmann)

Hat die Rhythmusgruppe gemeinsam live eingespielt?

Matthias: Ja, natürlich. Wir haben vorher fertige Demos gemacht. Und das ist eigentlich der größte Unterschied zu den Produktionen davor, wo erst gegen Ende die Texte alle fertig wurden und wir die Songs nur zu Melodien eingespielt haben. So konnten wir diesmal direkt schauen, ob wir noch etwas verändern müssen, wie Tonart oder einzelne Parts.

Hat dich in der Entwicklung vom Songwriting hin zur fertigen Produktion etwas überrascht?

Klaus: Nein, gar nicht! Wenn ich etwas schreibe, dann höre ich das schon so, wie das dann mit der ganzen Band klingt. Ich finde sogar, dass diese Platte am ehesten so klingt, wie ich mir das vorgestellt habe. Matthias weiß immer, was ich meine, selbst wenn ich es selber noch gar nicht weiß. (lacht) Wir haben ein ähnliches musikalisches Verständnis und er hatte Ideen, wie er es umsetzen kann und die Platte am Ende auch gemischt.

Matthias: Das ist ja das Gute an der Konstellation: Uns gibt es jetzt schon seit fünf Jahren und 400 Konzerten, man kennt sich. Dadurch, dass ich nicht nur Keyboarder sondern auch Produzent bin, muss ich immer gucken, was dem Song hilft. Das ergänzt sich ganz harmonisch.

Sänger Thomas Heinen mit 1951er-Tele (in 58er Tremolux)
Thomas Heinens Effekt-Board

Wie ist das mit der Akzeptanz in Zeiten von Social Media?

Klaus: Ein Phänomen der sozialen Medien ist ja so eine Art Besitzanspruch: Man wird als Künstler in Besitz genommen und dann soll sich auch nichts mehr ändern. Man will aber doch nicht immer dasselbe von sich selber hören. Das will ich von anderen Bands ja auch nicht. Da haben uns Leute auch böse Sachen zur Platte geschrieben. Aber ich käme nie auf die Idee, Paul McCartney zu seiner neuen Platte eine E-Mail zu schreiben, wie: „Sach mal, hast du sie noch alle? Wie kannst du das denn machen, da ist doch viel zu viel Hall drauf!“ Heute äußern sich die Leute direkt im Internet, früher hat man die Platte erst noch mal gehört und manchmal hat sie dir dann sogar gefallen. Und wenn nicht, na gut: Feierabend. Ist doch nur ein Angebot.

Zur Gitarre: Habt ihr jetzt auch im Studio Fractal Audio benutzt?

Klaus: Soll ich das jetzt wirklich sagen? Da krieg ich doch wieder so viel Schimpfe von den Puristen. Aber ja, auch und sogar nur. (lacht)

Das Fractal Audio AX8 erleichtert die Arbeit (Bild: Franz Holtmann)

Weil es so einfach ist?

Klaus: Ich habe die Gitarren fast alle zu Hause eingespielt und das ist ein unfassbarer Luxus. Wenn du sonst im Studio bist, sitzen da fünf Leute um dich herum und dann heißt es: Spiel mal ein Solo. Dann spiele ich eigentlich nie so, wie ich mir das vorstelle. Zu Hause konnte ich das so lange machen, bis es mir gefiel.

Hast du denn einen A/B-Vergleich angestrengt, was den Sound angeht?

Klaus: Bei mir stehen ja auch Verstärker, aber dieses ganze Tralala mit Mikrofonen, Vorstufen etc. … also, ich hätte den Unterschied nicht gehört. Man hat ja auch gewisse Hörgewohnheiten und denkt, das eine ist richtig und das andere falsch. Bis heute hat mich aber keiner angesprochen: Oh, du hast das ja alles mit dem Fractal Audio gespielt. Das hat bis jetzt noch kein Mensch gemerkt. Selbst wenn die Gitarre anders klingen würde, heißt das noch lange nicht, dass sie schlecht klingt. Gitarrenaufnahmen sind ja immer so eine Sache: Du musst nur mal ans Mikrofon kommen, den Sound von vorher kriegst du dann nicht mehr hin. Bei Fractal Audio kannst du drehen wie du willst und alles mögliche probieren. Ich war voll zufrieden, vor allen Dingen ist die Entlastung unfassbar groß.

Weil du Sounds ohne Umbauten schnell wechseln kannst.

Klaus: Du kannst jeden Verstärker ausprobieren, programmieren und dann vergleichen, aber auch jederzeit zurück zu dem, was du vorher hattest. Das ist ja analog gar nicht möglich. Als wir früher im Renaissance Studio aufgenommen haben, hatten wir vier, fünf Boxen und vier Mikrofone, haben umgestellt und gesucht – eine Stunde ist da nichts. Am Fractal kann man ja auch Sachen programmieren, von denen ich nicht mal weiß, was es ist. Ich fummel einfach so lange herum, bis mir das Ergebnis gefällt. Da ich gerne alleine arbeite, kam mir das sehr entgegen, das war für mich wie ein Weihnachtsgeschenk.

Sascha Delbrouck mit Cort 5-Saiter
Sascha Delbroucks Orange Terror Bass
Sascha Delbroucks Bass-Tools

Das Fractal Audio System benutzt du auch auf der Bühne, oder?

Klaus: Ja, ich habe mir das kleine AX8-Floorboard gekauft und gehe damit direkt ins Pult. Was du draußen hörst ist das, was da rauskommt. Für zu Hause habe ich mir das große Rack-Teil dann auch noch gekauft.

Matthias: Auf der Bühne haben wir natürlich auch Boxen stehen.

Klaus: Ich habe meinen Fender Twin Amp auf der Bühne, den ich mit dem Fractal-Signal füttere. Das ist aber nur für den Bühnen-Sound. Ich hatte mal zwei Matrix-Boxen dabei, aber da haben mich die anderen nicht mehr gehört, weil die hinten geschlossen sind. Mit dem hinten offenen Twin funktioniert das super.

Fender Twin-Amp nur für den Bühnen-Sound (Bild: Franz Holtmann)

Du kannst den Sound also für dich regeln und pegeln und der Mischer draußen hat ein davon unabhängiges Signal mit dem er arbeiten kann.

Klaus: Ein großer weiterer Vorteil! Ich habe bei BAP ja nie mit Fußpedalen gespielt, das habe ich erst mit dieser Band angefangen, denn die Amp-Zerre-Lautstärken kannst du im Club keinem antun.

Jetzt ist das mit den Pedalen für dich auch schon wieder vorbei, denn in der Fractal-Maschine ist ja alles drin.

Klaus: Ich hab zu Hause sogar mal probiert, da noch etwas vorzuschalten, aber dann sagte ich mir: „Was soll denn der Quatsch? Klingt wieder anders, aber nicht unbedingt besser.“

Matthias: Das Tolle ist, dass du dir für jeden Song eine entsprechende Szene anlegen kannst, wo du verschiedene Sounds und Effekte drauflegst. Das ist supereasy – du musst dir das nur einmal einrichten.

Klaus: Es macht so vieles einfacher, was den Live-Betrieb angeht. Wenn ich mir auf der Bühne zu leise bin, dann mache ich eben einfach lauter. Wenn ich ein Gilmour-Feeling will, mache ich mir eine Delay-Wolke drauf. Der Mischer hat aber das trockene Signal und kann das unabhängig davon dem Saal anpassen.

Ist die neue Platte jetzt die bevorzugte Quelle für das Bühnenprogramm?

Matthias: Wir spielen jedenfalls alle Songs der Platte, aber selbstverständlich auch andere.

Klaus: Was ja auffällig gegen den Trend ist. Heutzutage spielt man ja normalerweise alle möglichen alten Hits.

Matthias: Wir haben mal aus Spaß gesagt, wir machen eine BAP Cover-Band, dann kriegen wir mehr Leute.

… könnte passieren.

Klaus: Das passiert! Ich habe ja nichts gegen die alten BAP-Stücke, aber solange der Wolfgang noch auf Tour ist, und er hat nun mal die Stimme, nein. Nur wenn die Stücke nirgendwo mehr gespielt werden, könnte ich mich fragen, ob wir nicht auch mal ein Stück von früher spielen sollten. Aber nein: Wenn du das einmal anfängst, dann ist das das Ende dieser Band hier.

 

(erschienen in Gitarre & Bass 04/2019)

Produkt: Gitarre & Bass 5/2019
Gitarre & Bass 5/2019
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