Produkt: Gitarre & Bass 7/2019
Gitarre & Bass 7/2019
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Bassist, Sänger, Produzent, Komponist

Dennis Ward & Gus G.

Dennis Ward
Dennis Ward mit seinem Sandberg California Bass (Bild: Mineur)

Der seit mehr als 30 Jahren in Deutschland lebende Kanadier Dennis Ward ist nicht nur einer der erfolgreichsten Rock- und Metal-Bassisten unseres Breitengrades, sondern seit vielen Jahren auch erfolgreicher Produzent und Songschreiber unter anderem für Tesla, Primal Fear, Angra, Krokus, Unisonic, Sinner, House Of Lords, Pink Cream 69, Voodoo Circle oder Place Vendome.

Neuerdings arbeitet Ward auch mit dem ehemaligen Ozzy-Osbourne-Gitarristen Gus G. zusammen, und zwar als dessen Tontechniker, Co-Songwriter und ebenso als Bassist und Leadsänger seiner Solo-Band.

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Im Frühjahr 2019 waren Gus G. und Ward erneut gemeinsam auf Tournee. Wir haben die beiden bei einem Konzert im Vorprogramm von Steel Panther in Oberhausen getroffen und die Gelegenheit genutzt, um uns mit Dennis Ward einmal etwas genauer zu unterhalten.

interview

Dennis, du bist aus familiären Gründen als Kind nach Deutschland gekommen, nicht wahr?

Mein Vater war als Zivilist der amerikanischen Armee in Deutschland stationiert, meine Mutter ist Deutsche. Ich habe meinen Highschool-Abschluss in Würzburg gemacht. Damals gab es in Deutschland eine Menge US-Militärclubs, in denen Coverbands spielten. In einer davon war ich Mitglied, habe fünf bis sechs Mal pro Woche jeweils vier bis fünf Sets à 45 Minuten für 72 Dollar am Abend Top-40-Rocksongs gespielt. Es war eine harte Schule! Irgendwann hatte ich die Schnauze voll und bin arbeiten gegangen, habe mich aber die ganze Zeit bei anderen Bands beworben.

Eines Tages hat mich Kosta Zafiriou zu einem Konzert seiner Band Pink Cream 69 eingeladen. Damals hatten Pink Cream noch einen anderen Bassisten. Ich war ziemlich beeindruckt und wurde drei, vier Monate später von der Band zu einer Probe eingeladen. Danach ging es sofort los: Studioarbeit, Demos produzieren, bei Plattenfirmen bewerben, Showcases spielen, und so weiter. Sechs Monate später hatten wir einen Deal und die ganze Sache ging steil nach oben.

Durch Pink Cream 69 bist du auch zum Produzenten geworden, oder?

Ja, allerdings eher zufällig. Mich hat der technische Aspekt am Musikmachen immer schon interessiert, deshalb habe ich mich von Anfang an um die Demos von Pink Cream gekümmert. Irgendwann hat mich ein Kumpel gefragt, ob ich das Album einer Band namens Headstone produzieren kann. Das hat mir unheimlich viel Spaß bereitet, und so bin ich dabei geblieben und habe das Produzieren quasi zu meinem Hauptberuf gemacht.

Etwa um 2011 merkte ich dann jedoch, dass ich unbedingt auch wieder mehr Bass spielen möchte. Deshalb habe ich zusammen mit Kosta die Band Unisonic gegründet, mit der es sofort durch die Decke ging. Also war ich wieder viel auf Tournee, habe Konzerte gespielt, ohne aber meine Produzententätigkeit aufzugeben.

Unisonic existieren aber nicht mehr, oder?

Nein, das ist aufgrund der Pumpkins-United-Sache (die Wiedervereinigung von Helloween mit allen noch lebenden Originalmitgliedern, unter anderem mit Musikern von Gamma Ray und Unisonic, Anm. d. Verf.) natürlich vorbei. Aber ich habe bei Unisonic gemerkt, wie gerne ich immer noch Bass spiele und auf der Bühne stehe. Dann kam der Kontakt zu Gus G. zustande, und nun schreibe, produziere und spiele ich mit ihm. Mit Gus habe ich im vergangenen Jahr mehr Konzerte gespielt als mit Pink Cream 69 in den letzten zehn Jahren.

Waren die beiden Unisonic-Scheiben deine wichtigsten Veröffentlichungen als Produzent und Songschreiber?

Ja, ohne Zweifel, vor allem das erste Unisonic-Album. Ich wollte nach Place Vendome unbedingt ein eigenes Ding mit Michael Kiske (Helloween-Sänger) machen, auch live, und habe sofort gespürt, dass dies auch musikalisch genau mein Ding ist. Ohne Pumpkins United wäre mit Unisonic sicherlich noch viel mehr drin gewesen, aber leider war es schnell wieder vorbei.

Bist du über die Pumpkins-United-Entwicklung eigentlich im Vorfeld informiert worden?

Ja, informiert schon, aber gefragt wurde ich natürlich nicht. Was hätte ich auch dazu sagen sollen? Es geht mich ja nichts an. Außerdem konnte ich die Entscheidung aus finanzieller Sicht natürlich voll verstehen. Ich hätte es an ihrer Stelle auch so gemacht.

Letztlich hat dich Unisonic mit Gus G. zusammengeführt, oder?

Ja, auf indirekte Weise. Ich habe bei Unisonic gemerkt, dass ich mich in dieser Musikrichtung sehr wohl fühle, also eher auf Metal stehe. Ich spiele gerne vor Metal-Publikum, das habe ich nach einigen eher uninspirierten Jahren wiederentdeckt. Eine Zeitlang war mir diese Musik zu primitiv, vor allem in der Grunge-Ära, in der ich die Lust am Musikmachen ziemlich verloren hatte. Ich stehe auf schöne Melodien, auf coole Gitarrenriffs, von Whitesnake bis Iron Maiden. Zum Glück ist diese Art melodiöser Metal seit 2000 wieder da, und da möchte ich gerne dabei sein.

Wie sieht die Arbeit mit Gus G. aus?

Diese Sologeschichte ist allein sein Ding, ich biete ihm nur Ideen und Songs an. Ich spiele Bass und Gitarre und kann als Studio-Engineer meine Ideen immer schnell aufnehmen, um sie Gus vorzustellen. Auf diese Weise werfen wir uns gegenseitig unsere Ideen zu und versuchen, das bestmögliche Resultat daraus entstehen zu lassen.

Und wie bist du bei dieser Gelegenheit zusätzlich auch Leadsänger seiner Solo-Band geworden?

Auch eher zufällig. Eigentlich war Gus auf der Suche nach einem richtigen Sänger, aber der ließ sich so kurzfristig nicht finden. Ich hatte die Demos eingesungen, um Gus die Songs vorzustellen, also meinte er: „Der Sänger muss mindestens so gut klingen wie du auf den Demos.“ Deshalb habe ich ihm angeboten, den Lead-Gesang zu übernehmen. Daraufhin haben wir es einfach mal auf einer kleinen Amerika-Tour getestet. Anschließend stand fest: Es ist easy, es macht Spaß, es ist einfacher.

Verändert sich deine Sichtweise auf die Musik und auf dein Songwriting dadurch, dass du jetzt neben dem Bass auch den Gesang übernimmst?

Oh ja, absolut. Man überlegt ganz genau, was man wo spielt oder eben nicht. Auf der Bühne lasse ich beispielsweise ein paar Bassläufe weg, die ich im Studio eingespielt habe. Aber auf der Scheibe gibt es auch mehr Gitarren als auf der Bühne, mit Dopplungen links und rechts, sowie Overdubs. Live ist es immer anders, da herrschen andere Regeln, vor allem in einem Trio. Außerdem muss ich als Bassist immer darauf achten, Gus nicht zu sehr in die Quere zu kommen, denn dies ist ja seine Sologeschichte.

Hast du dein Live-Equipment gezielt auf die Tour mit Gus ausgerichtet?

Ja. Der Bass ist zwar der gleiche wie bei Unisonic und Pink Cream, aber ich finde, dass er zu Gus noch besser passt als zu den beiden anderen Bands, weil er sehr aggressiv klingt. Der größte Unterschied ist jedoch, dass ich bei Pink Cream und Unisonic immer mit meinem großen Ampeg-Stack gespielt habe, das ich seit mehr als 20 Jahren besitze, wohingegen ich auf der kurzen Amerika-Tour mit Gus natürlich dieses voluminöse Equipment nicht mitnehmen konnte.

Also habe ich mir ein kleines Set zusammengestellt, das deutlich leichter zu transportieren ist. Und da ich als Tontechniker eh ein gutes Setup für zu Hause besitze, habe ich dieses auf meinen Laptop geladen. Ich spiele sowieso mit In-Ear, also funktioniert es auch mit meinem MacBook und Cubase Elements, diese Kleinversion, in die ich einfach mein Bass-Signal direkt hineinschicke. Hinzu kommt ein kleines EBS-Verzerrerpedal, plus drei PlugIn-Verstärker, die ich miteinander kombiniere. Ich bin sehr zufrieden damit, obwohl ich eigentlich auf echte Verstärker stehe, auf große Ampeg-Sounds. Aber das können wir auf einer solchen Tour einfach nicht leisten, weil wir immer in einem kleinen Van reisen oder sogar fliegen müssen.

Eine einfache D.I.-Box mit direktem Signal hätte dir nicht genügt?

Nein, absolut nicht. Ich stehe auf Verstärkersounds. Ich habe gemerkt, dass ich einen mega-coolen Sound bekomme, wenn ich die drei PlugIns kombiniere, und ich habe jeden Abend exakt den gleichen Klang auf meinen InEars, dadurch fühle ich mich pudelwohl.

Ist das System fehleranfällig?

Überhaupt nicht, es ist absolut stabil. Ich habe ein MacBook Pro, das notfalls auch ohne Strom funktioniert, plus ein kleines Nano-Cube Interface, das nur USB-Strom braucht, sodass ich sogar im Problemfall weiterspielen könnte. Letztendlich ist das System sogar sicherer als Röhrenamps, denn wenn dir eine Röhre platzt ist es vorbei. Außerdem: Im absoluten Notfall kann ich ja auch über D.I. spielen.

Gus spielt aber über die Wedges, oder?

Richtig. Joe, unser Schlagzeuger, und ich spielen über InEar, Gus über die Boxen. Dadurch dauert unser Aufbau nicht sehr lange, was auf einer solchen Tour immer von Vorteil ist.

Vielen Dank für das nette Gespräch!

(erschienen in Gitarre & Bass 05/2019)

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