Im Interview

Darryl Jones: Stones-Bassist mit eigener Instrumenten-Marke

(Bild: Greg Vorobiov)

Darryl Jones steht nicht nur seit Mitte der 90er-Jahre Abend für Abend neben Keith Richards, Ron Wood und Mick Jagger auf der Bühne, sondern hat auch eine eigene kleine Firma, mit der er Instrumente entwickelt. Ein paar Tage vor dem tragischen Tod von Rolling-Stones-Drummer Charlie Watts, stand uns Darryl für ein Interview in Hamburg zur Verfügung und berichtete von seinen Ambitionen, mit Jones Musical Instruments auch europäische Musiker glücklich machen zu wollen. Der Startschuss hierfür ertönt in Deutschland.

interview

Hallo Darryl, schön dass du dir die Zeit genommen hast und eure ersten zwei Bässe direkt selber nach Deutschland lieferst. Das ist ja bei den bestehenden bürokratischen Hürden aufgrund der Covid-19-Einreisebestimmungen nicht selbstverständlich.

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Tatsächlich war das Reisen in diesem Fall nicht ganz einfach. Aber ich liebe es nun mal in Deutschland zu sein und wollte es mir nicht nehmen lassen, vor der anstehenden Rolling-Stones-Tour die Chance zu ergreifen, die Instrumente selber bei euch vorbeizubringen. Außerdem bin ich einfach unglaublich glücklich, dass dieses langjährige Projekt nun langsam Formen annimmt, denn Jones Musical Instruments gibt es als kleine Firma schon seit Jahren. Wir waren sogar mit ein paar Bass-Prototypen auf der letzten oder vorletzten Frankfurter Musikmesse. Euer Autor Jogi Sweers, der die Instrumente testet, war damals auch schon neugierig. Ich freue mich riesig darüber, dass sich trotz Covid-19-Problemen, diese Kreise so langsam schließen. Und ich möchte gerne dabei sein, wenn die Produkte in Europa gezeigt und verkauft werden.

Ihr baut mit Jones Musical Instruments sowohl die von uns getesteten Gresham-Bässe, als auch den Chatham-Bass, eine Telham-T-Style- und eine Stratham-S-Style-Gitarre. Salopp gefragt – magst du Instrumente aus Fullerton ganz besonders gerne?

Zunächst möchte ich anmerken, dass ich in Chicago aufgewachsen bin und sich die Namen der Instrumente vom Stadtteil Chatham ableiten. Ein Arbeiterviertel – und da ein Precision Bass bei Liebhabern der Marke Fender im Vergleich zum Jazz Bass eher als der typische Arbeiter-Bass gilt, fanden wir das passend. Eigentlich wollten wir unseren anderen Bass nach einem Viertel der Reichen in Chicago benennen. Avalon Park wäre meine Idee gewesen, aber es gibt schon einen Trademark-Eintrag für einen Avalon-Bass. Daher haben wir uns dann entschieden, die Namen ähnlich wie bei Leo Fender zu wählen.

Broadcaster, Telecaster und Stratocaster enden alle gleich und so ist das bei unseren Instrumenten auch: Chatham, Gresham, Telham. Telham ist übrigens eine Stadt in Großbritannien, aber das ist Zufall. Der Chatham Bass war unser erstes Produkt, und wir haben danach den Gresham und die beiden Gitarren entwickelt. Natürlich erkennt man sofort an der Auswahl der Instrumente, dass ich ein großer Fan von Leo Fender bin und daraus möchte ich auch gar kein Geheimnis machen. Schau dir den Gresham mal genauer an! Da siehst du schon, welcher Fender Jazz Bass aus welchem Baujahr mein Lieblingsinstrument ist.

Ein 1966er-Jazz-Bass mit Binding um das Griffbrett stand Pate für den Gresham-Bass?

Genau! Ein paar Design-Merkmale haben wir auch beim Peavey-T-40-Bass abgeschaut, aber den kennt ja keiner mehr und sonderlich ikonisch war das Instrument damals auch nicht. Ich liebe die Lollipop-Farben der alten Fender-Mustang-Bässe und der 1966er-JazzBässe. Das Binding um das Griffbrett des 66er-Jazz-Bass musste ich beim Gresham natürlich genau so übernehmen. Auch bei der Mensur, der Pickup-Position relativ zur Brücke und bei vielen kleinen Merkmalen, die für einen klassischen Ton wirklich enorm wichtig sind, haben wir uns in der Entwicklung der Gresham-Bässe an den Fender-Originalen orientiert.

Gresham-Bässe (Bild: Thomas Weilbier)

Gibt es diese Bässe auch als Fretless-Instrumente? Und falls ihr diese Variante anbietet, werdet ihr die Fretmarker auch klassisch in das Griffbrett einsetzen?

Selbstverständlich werden wir die Bässe auch als Fretless-Variante anbieten, sofern es Kunden gibt, die das Instrument so bestellen möchten. Das ist überhaupt kein Problem. Die bei den originalen Fender-Bässen aus diesen Jahren etwas merkwürdig platzierten Markierungen im Griffbrett, würden wir dann selbstverständlich nicht eins zu eins bei einem Gresham-Fretless-Bass übernehmen, sondern eine moderne Variante mit den „richtigen“ Positionen herstellen. Nicht alles was traditionell ist, ist auch immer richtig und gut, und selbst Leo Fender hat bei seinen Designs manchmal kleine Fehler gemacht, die wir mit Jones Musical Instruments selbstverständlich nicht machen wollen.

Erzähl uns etwas über die Pickups in deinen Bässen!

Meine Instrumente kommen je nach Kundenwunsch mit entweder Lindy-Fralin-Pickups oder – so wie dieser Gresham hier – mit Tonabnehmern von Howard Ulyate. Howard ist DER Mann in Chicago, wenn es um 60ies-Style-Jazz-Bass- oder Preci-Pickups geht. Er war daher ganz selbstverständlich meine erste Wahl für die Tonabnehmer im Gresham- und Chatham-Bass. Grundsätzlich ist aber bei uns fast alles möglich. Jones Musical Instruments versteht sich als Custom Shop.

Wie sind denn als Custom Shop eure Ambitionen, Instrumente aus exotischen Hölzern zu bauen?

Also ich persönlich stehe als Musiker ja sehr auf die eher klassischen Hölzer. Esche, Erle, Ahorn und ostindischer Palisander sind ja nun mal die traditionelle Wahl und für meine Ohren sind das auch die passenden Tonhölzer für elektrische Bässe, denn neben dem Klang ist ja auch das Gewicht des Instruments wichtig. Wir alle werden nicht jünger und ich kann mir nicht mehr vorstellen eine wirklich lange Show mit den Rolling Stones zu spielen und dabei einen unnötig schweren Bass spielen zu müssen. Früher dachten wir alle, dass schwere Bässe wegen des längeren Sustains wirklich klasse sind, aber diese Zeiten sind glücklicherweise lange vorbei.

Unsere Designs würden sicherlich auch mit exotischen Hölzern funktionieren, aber ich empfehle dringend Erle oder Esche für den Korpus zu wählen und dann mit einem Ahornhals mit Palisander-Griffbrett zu kombinieren. Diese Kombination klingt super, wiegt nicht zu viel und das Palisander-Griffbrett glättet die Dynamik ausreichend, um ein musikalisches Instrument in den Händen zu halten, das dennoch pragmatisch im Mix mit Gitarren und Schlagzeug funktioniert. Sollte nun wiederum ein Käufer eine völlig ungewöhnliche Holzkombination für einen Chatham oder Gresham bestellen wollen, würden wir ihm das nicht ausreden, sondern werden das selbstverständlich wie gewünscht realisieren.

Viel Erfolg mit deinen neuen Instrumenten!

(Bild: Thomas Weilbier)

(erschienen in Gitarre & Bass 11/2021)

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Die hier beschriebenen Besonderheiten kann ich nur voll und ganz unterstreichen. Ich hatte das große Glück, während und nach dem Dezember-Workshop von Darryl Jones bei No1 Guitar Center die Bässe kennenzulernen und konnte mich nach reiflicher Überlegung glücklich schätzen, den Gresham Bass no #020, den Darryl auch im Workshop spielte, mein eigen zu nennen.
    Ich werde es niemals bereuen, großartig im Sound und vor allem auch in der Bespielbarkeit!

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