Modeling Reloaded

Vox VT20X/ VT40X/ VT100X im Test

Wenn vom Fortschritt im Modeling die Rede ist, darf man Vox zweifellos als Pionier bezeichnen. So war die Valvetronic-Technik 2001 eine entscheidende Innovation. Die Einbindung einer Röhre ins digitale Geschehen ist bis heute ein bedeutsamer Wesenszug diverser Vox-Produkte. Auch die neue VTX-Serie baut darauf, in Kombination mit der neu entwickelten VET-Technologie.

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Das sagt der offizielle Infotext: „Mit den VTX-Amps stellen wir eine brandneue Modeling-Engine vor, die in Sachen Sound absolut auf dem neuesten Stand der Technik ist. Dank der VET-Technologie (Virtual Element Technology), die auf der Analyse der Bauteile und Amp-Schaltungen beruht…“. Aber hallo, krasse Ansage, die hohe Erwartungen schürt. Wie unter anderem mit dem Detail, dass ein neues Chassis-Design „für einen fetten Bass und ausgezeichnete Resonanz“ sorgt. In Ordnung, dem VT100X mit seiner 1×12″-Bestückung mag man in der Hinsicht ja etwas zutrauen. Aber dem 1×10″-Combo VT40X und dem 1×8″- Winzling VT20X mit ihren gedrungenen Abmessungen? Okay, wir werden ja sehen

Konstruktion

Neues Chassis-Design, damit sind die Gehäuse der Kofferverstärker gemeint. Und zwar nicht in dem Sinne, dass die Konstruktion selbst neuartig ist, sondern sie ist neu/anders als bisher bei den VT-Modellen. Es verbirgt sich dahinter eine Bassreflexkonstruktion, sprich die geschlossene Schallkammer hat an der Front einen Ventilationsschlitz. Die Combos unterscheiden sich in der Speaker-Bestückung, respektive den Abmessungen, das Amp-Chassis ist inklusive sämtlicher Funktionen bei allen dreien dasselbe, nur die Ausgangsleistung differiert (20/40/100 Watt). Das Konzept dürfte bekannt sein: Über den Drehschalter „Amp Models“ sind diverse Grund-Sounds anwählbar, die einen Rundumschlag über typische Verstärkermodelle abbilden, von Vintage bis in die Moderne. Natürlich ist auch der AC30 vertreten, gleich zweimal, mit seinem Normal Channel sowie dem Top-Boost-Channel.

Zusätzlich bieten die Taster Bias Shift-Class-A/Class-A-B und Bias Shift-Cold/Hot die Möglichkeit, die Sound-Formung weiter zu optimieren. Des Weiteren können drei Effekte gleichzeitig aktiviert werden, organisiert in drei Gruppen: Pedal 1: Compressor, Chorus, Overdrive Distortion Pedal 2: Phaser, Flanger, Tremolo, Delay Reverb: Room Spring, Hall, Plate Es gibt einen TAP-(Tempo-)Taster und die Effekte besitzen je nach Typ zwei oder drei einstellbare Parameter; dafür sind die sogenannten Value-Regler vorgesehen.

Dazu gesellen sich noch eine Noise Reduction (einzustellen je Preset u. zusätzlich global) und ein Tuner. Die Sounds sind speicherbar. Es stehen 33 fest eingestellte Presets bereit (bei Verwendung der kostenlosen Librarian-Software über den USB-Anschluss 60), und acht auf zwei Bänken zu je vier Presets, hier CH1 bis CH4 genannt. Die Anzahl der Amp-Modelle steigt bei Verwendung der Software von 11 auf 20. Außerdem hat man zusätzliche Parameter zur Verfügung. Schalter: Bright Cap-On/Off, Mid Boost-On/Off, Low Cut-On/Off. Regler: Resonance, NR Sens.

Für den Abruf der Sounds ist optional das Schaltpedal VFS-5 lieferbar (UVP ca. € 94). Die Regelmöglichkeiten zur Tonformung entsprechen denen eines „normalen“ Verstärkers. Das Poti „Power Level“ reduziert die Lautstärke, ohne die virtuellen Endstufenverzerrungen zu beeinträchtigen; eine Art Master-Volume, das nicht in die Speicherung einbezogen wird. Die Amp-Models User A, -B, -C bilden moderne High-Gain-Verstärker ab, deren Charakter/Einstellung der Anwender selbst bestimmen kann.

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Praxis

Tja, viel Holz vor der Hütte, von daher sollten die Bürschchen bitteschön auch dicke Muckis haben. Allerdings! Das Trio hat wirklich einiges zu bieten, nicht nur quantitativ, auch qualitativ. In drei wesentlichen Punkten wissen die VTX-Combos zu überzeugen. Erstens: die Ansprache ist direkt und entwickelt eine ordentliche Dynamik, d. h. sie setzt die Anschlagsstärke/-art befriedigend in Lautstärke- und Klangunterschiede um. Das ist umso wichtiger, als solche Produkte oft von Einsteigern gekauft werden. Und die sollten, wenn sie mit dem Instrument beginnen, ihr Spiel konkret, realistisch wahrnehmen können. Zum zweiten können die Combos mit ihrer Sound-Formung positiv punkten. Kritisch sind beim Modeling oft die Distortion-Sounds. Aber, die VTX-Technik macht ihre Sache gut.

Die Verzerrungen sind in ihrer Struktur recht harmonisch und klingen „Röhren-artig“. Allerdings haftet ihnen in den Höhen stets etwas Harsches an und das Klangbild wirkt eindimensional. Absolut gesehen. Relativiert in Bezug auf die Preis- und Leistungsklasse darf man mit den Ergebnissen jedoch sehr zufrieden sein. Drittens: Ab von der Klangqualität an sich trifft erfreulicherweise zu, was Vox in Hinsicht auf die Klangfülle der Combos verspricht. Ihr Volumen füllt den Raum, selbst der kleine VT20X bläst sich so auf, dass er sozusagen größer wirkt als er ist. Markant ist dabei, dass bei allen dreien die oberen Mitten hervorgehoben werden. Zum Reiz der VTX-Combos trägt im Weiteren die FX-Ausstattung bei. Die einzelnen Typen sind im Sound gelungen und liefern insgesamt gesehen dem Spieler eine luxuriöse Grundausstattung. Übrigens: Der Kopfhörerausgang eignet sich mit seinem frequenzangepassten Signal gleichzeitig als Recording-Out. Na, dann steht ja unterm Strich alles zum Guten?

Nun ja, im Prinzip schon. Es ist aber auch nicht so, dass man gar nichts Negatives sagen könnte. So brummte unser VT40X im Leerlauf recht laut (ob das alle machen?) und im Kopfhörersignal des VT20X hielt sich hintergründig stabil ein Pfeifton (was man im Zweifelsfalle als Defekt natürlich reklamieren würde/könnte). Dass die beiden kleineren Combos mit externen Netzteilen betrieben werden müssen, ist irgendwie unpraktisch, reicht aber nicht wirklich für einen Minuspunkt.

Resümee

Vox hat mit seiner neuen VTX-Serie zweifellos einen Fortschritt gemacht. In den wesentlichen Kriterien Ansprache, Dynamik, Sound-Formung, Sound-Vielfalt und Klangfülle erreichen die Combos beachtliche Ergebnisse. Typische Eigenheiten des Modeling, betonte Mitten und in den Höhen leicht unorganische Verzerrungen, sind vorhanden, aber angesichts der Preisklasse in ihrer Ausprägung eindeutig im grünen Bereich. Der kleine VT20X ist für preisbewusste Einsteiger unbedingt zu empfehlen, wer etwas mehr im Portemonnaie hat, sollte den VT40X nehmen, der auch mal einer Band-Session standhält und in dem Trio die Best-Buy-Empfehlung einheimst. Mit dem VT100X ist man schon für Größeres gewappnet. Sein Preis ist ebenfalls unkritisch.

 

Plus

  • Sounds, Vielfalt, Klangfülle
  • Dynamik, Ansprache
  • opulente Ausstattung
  • günstig und praktisch für Einsteiger
  • Verarbeitung

Minus

  • Nebengeräusche

 

Hinweise zu den Soundfiles

Für die Aufnahmen kamen zwei Mikrofone zum Einsatz, ein AM11 mit Großflächenmembran von GT/Alesis (direkt) und ein C414 von AKG, das den Raumklang eingefangen hat. Da in den grundlegenden Sound-Eigenschaften die Combos doch recht ähnlich sind, ist hier exemplarisch ausschließlich der VT40X (40 Watt, 1×10“-Speaker)  zu hören.

Die Clips wurden pur, ohne Kompressor o. jegliche EQ-Bearbeitung über das Audio-Interface Pro-24DSP von Focusrite in Logic Pro eingespielt. Ab und an steuert das Plug-In „Platinum-Reverb“ Raumsimulationen bei (im Titel kenntlich gemacht durch den Zusatz „Room“ oder „RVB“).

Bedeutung der Buchstabenkürzel:

CL: Clean-Sound.

OD: Overdrive-Sound, leichte Anzerrungen.

CR: Crunch-Sound, etwas mehr Gain als bei Overdrive.

Clip 1 bis 6: Ein Querschnitt durch die Sound-Modes. Auffällig ist, dass die Verzerrungen kraftvoll röhrig klingen.

Die Clips #7 bis #10 präsentieren die FX-Einheit bzw. den klanglich gut abgestimmten D.I.-Ausgang des VTX-Combos.

Ich wünsche viel Vergnügen! Und, wenn möglich, bitte laut anhören, über Boxen, nicht mit Kopfhörer! 😉

Fragen, Anregungen und auch Kritik sind wie stets willkommen. Nachrichten bitte an frag.ebo@gitarrebass.de.  Es klappt nicht immer,  aber ich werde mich bemühen möglichst kurzfristig zu antworten.

Vox VT_profil

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Hi, Ich habe ein Budget von 350 Euro für den Verstärker und will mir eventuell den vt100x kaufen. Ich spiele am liebsten Metal Songs usw. Ist dieser Verstärker zu empfehlen oder sind andere Verstärker in diesem Preisniveau für den Metal besser?

    Auf diesen Kommentar antworten
    1. Ahoy Jan – das kommt ganz darauf an, was du mit der Combo machen möchtest. Wenn du den Verstärker für Übungszwecke einsetzt, spricht nichts gegen einen Kauf – so dir sein Sound denn gefällt. Im Kontext einer Probe wird das schon etwas schwieriger – das kommt ganz auf euren Bandsound (vor allem die Lautstärke des Schlagzeugers) an. Auf der Bühne wird dies noch problematischer. Da solltest du vor allem beim Metal eher noch etwas sparen und dir eine Head-Box-Kombination zulegen.

      Liebe Grüße aus der Redaktion!

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  2. Mahlzeit, bin gerade hier über diesen Testbericht gestolpert. Bin auch am Überlegen, mir den VOX VT 100 X zu zulegen, da er in Sachen Preis wirklich günstig ist. Jetzt mal eine Frage, auch wenn diese evtl. logisch für die Meisten ist. Wenn ich jetzt einen voreingestellten Typ nehm, ist der ja Clean — wenn ich jetzt ein “Zerr” Pedal zwischen meiner Gitarre und dem Eingang hänge, hab ich das Prinzip eines “normalen” Röhren Amps (der hier “vorgegaugelt” wird) mit Klmapfe und Fußschalter oder verstehe ich das falsch? bin noch nicht so lange am Spielen und nicht so tief in der Materie drin. Ziel des Kauf ist rauszufinden welcher Typ von Amp meinem Gehörvergnügen eben entspricht. Schon mal Danke im Vorraus für Infos, Tipps und Hilfe! Gruß Karl

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