G&B Basics!

Vibrato-Systeme: Tremolo & Co.

Der Begriff “Tremolo” gehört zu den am häufigsten fehlinterpretierten unter Gitarristen – zumindest dann, wenn es um “Tremolo-Systeme” geht. Verursacher dieses sprachlichen Missverständnisses ist kein geringerer als Leo Fender. Doch dazu kommen wir später noch… Hier soll es erst einmal um die verschiedenen Vibrato-Systeme gehen. Na gut, auch um Tremolo-Systeme…

Bigsby Gitarre
Bigsby mit Andruckrolle

Das Vibratosystem gehört zur E-Gitarrengeschichte genauso dazu wie die elektromagnetischen Tonabnehmer. Solch ein System erweitert nicht nur die Platte der verschiedenen künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten, sondern konnte auch – zumindest in früheren Zeiten – für mehr Jobs sorgen. Denn mit einem Vibrato-System ließen sich schließlich die in den 1940ern und 50ern angesagten Lap- und Pedalsteel-Licks und -Sounds recht gut imitieren. So gut wie alle Vibrato-Systeme basieren auf einem der folgenden fünf Funktions-Designs:

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  1. Bigsby (ab den späten 1940er-Jahren)
  2. Fender Synchronized Tremolo (ab 1954)
  3. (Fender) Floating Tremolo (ab 1958)
  4. Wellen-Systeme, von Pedalsteel-Konzepten inspiriert (ab Ende der 1970er)
  5. Bending-System zur Beeinflussung einzelner Saiten

 


 

  1. Das Bigsby-Design

Der Ursprung der Vibrato-Systeme lässt sich bis in die 30er-Jahre zurückverfolgen, als um 1935 herum Clayton Orr „Doc“ Kauffman sein Vibrola erfand und patentieren ließ. Erst Epiphone und dann später Rickenbacker, die die Rechte an diesem System erwarben, setzten es auf ihren Lapsteels und Electric Spanish Guitars ein. Das Vib-Rola erlangte traurige Berühmtheit, weil John Lennons Rickenbacker 325 damit bestückt war, der es aber bei der erstbesten Gelegenheit gegen ein Bigsby-System auswechseln ließ, dass ihm deutlich besser gefiel.

Womit wir auch schon bei dem ersten erfolgreichen Vibratosystem wären, das Paul Bigsby sich 1953 patentieren ließ (gebaut hatte er dieses System etwa seit 1945) und das in unterschiedlichen Ausführungen bis heute erhältlich und beliebter denn je ist. Die Saiten werden hier von vorne durch und dann über eine Rolle geführt, die von einem Hebel bewegt wird. Die Feder, die den Hebel auf Spannung hält, stammte übrigens ursprünglich aus dem Vergaser einer Harley Davidson. Anschließend laufen die Saiten entweder direkt zum Steg oder vorher noch unter einer Andruckrolle hindurch, die einen erhöhten Druck der Saiten auf den Steg realisiert.

Bigsby ohne Andruckrolle
Bigsby ohne Andruckrolle

Die Bigsby-Systeme, die insbesondere auf Gretsch- und Gibson-Gitarren Geschichte geschrieben haben, brauchten lange keine Konkurrenz zu fürchten. Bis dann Dieter Gölsdorf, bekennender Vibrato-Maniac, seine eigene Version dieser Art Vibratosystem vorstellte. Die Duesenberg-Super-Tremola-Systeme machen sich die Funktion des Bigsby-Systems zunutze und transportieren es, was Fertigungs- und Materialqualität angeht, in die heutige Zeit.  Bessere, weil exakt gefräste Lager für die Rollen, ein individuell einstellbarer Arm, die Möglichkeit, die Saiten zur Befestigung einfach durch die entsprechenden Rollen zu fädeln (statt wie bei Bigsby umständlich die Saitenenden auf Pins zu stecken) und eine stilvolle Optik sorgen weltweit für Respekt und Anerkennung für die Duesenberg-Variante, die nicht nur auf den hauseigenen Gitarren perfekt funktioniert, sondern auch als Replacement-System separat erworben werden kann.

Ausgerechnet Gibson hatte ein nicht gerade glückliches Händchen mit ihren Vibrato-Systemen. Weder die Sidewaysnoch die Maestro-Vibrola- und Lyre-Systeme konnten in Handling und Stimmstabilität überzeugen, sodass man immer wieder auf Bigsby zurückgriff, wenn mit einer Gibson vibriert werden sollte.

Nicht alle Gitarristen, die eine Gibson Les Paul oder eine Fender Telecaster mit einem Vibrato-System spielen wollten, gaben sich mit der einzigen Alternative Bigsby zufrieden. So entstanden im Laufe der Zeit einige Systeme, die auf besagte Modelle und ähnliche montiert werden können, meist sogar ohne jegliche Holzarbeiten.  So ist z. B. das Duesenberg Les Trem eine einfache, aber wirkungsvolle Einheit, um einer Gitarre mit Tune-o-matic-Bridge/Stop-Tailpiece das schimmerige Vibrieren auf Bigsby-Art beizubringen. Und Vibramate bietet leicht zu installierende Metallplatten an, auf die dann Bigsby-Systeme passend montiert werden können, ohne dass ein Loch in den Korpus gebohrt werden muss. Ähnliches ist auch von Duesenberg für die hauseigenen Vibratosysteme erhältlich.

Ebenfalls ohne Arbeiten am Korpus kann das Schaller LP Tremolo montiert werden – anstelle einer Tune-o-matic-Brücke. Fünf kleine Federn halten das flache System in der Waage, das geschmackvolles Schimmern erlaubt, aber für intensive Vibrato-Attacken eher nicht geeignet ist.

  1. Fender Synchronized Trem Design

Das bekannteste Vibrato-System stammt aus dem Hause Fender – und bekam von dort einen falschen Beinamen mit auf den Weg. Leo Fender nannte die Einrichtung, die seine Stratocaster 1954 zu einer Sensation machte, offiziell „synchronized vibrato“, aber durchgesetzt hat sich – warum auch immer – der in der Sache eigentlich falsche Begriff „Tremolo-System“.

Tremolo bezeichnet einen Effekt, der in kurzen Abständen auf die Lautstärke des Signals einwirkt.  Während Vibrato eine in kurzen Abständen stattfindende Modulation der Tonhöhe ist. Fenders Tremolo-System ist also ein Vibrato-System. Ob Fender seinen Fauxpas damit ausgleichen wollte, dass er den Tremolo-Effekt seiner Verstärker ausgerechnet Vibrato nannte, ist allerdings nicht bekannt. Für damalige Verhältnisse war dieses Vibrato-System sogar richtig stimmstabil.

Und es war eine bravouröse Ingenieursleistung! Es wird mit sechs Schrauben auf der Korpusoberseite befestigt, während ein massiver Stahlblock durch eine entsprechende Korpus-Fräsung ragt und dort von maximal fünf parallel zum Korpus verlaufenden Federn auf Spannung gehalten wird. Die Saiten werden von hinten durch den Stahlblock geführt und laufen über die in Höhe und Oktavreinheit einstellbaren Saitenreiter. Dieses Fender-System wird bis heute mit nur geringfügigen Änderungen bei allen Fender-Vintage-Strat-Modellen und zahlreichen Kopien eingesetzt und dient meist als Vorlage für zahllose Modifikationen und Weiterentwicklungen.

 

 

In den frühen 1980er-Jahren stießen viele Musiker, allen voran Eddie van Halen, die ihr Vibrato-System exzessiver nutzten, an die Grenzen des Fender-Systems. Das verstimmte sich bei diesen Attacken mehr als allen lieb war. Dieter Gölsdorf, damals Mastermind von Rockinger und heute Duesenberg-Chef, entwickelte als Antwort auf die Klagen, die ihm zu Ohren kamen, 1979 das Rockinger True-Tune-Tremolo, bei dem die Saiten durch eine Lochbohrung hinter den Saitenreitern gezogen und an der anderen Seite, also oben an der Kopfplatte, hinter dem Sattel festgeklemmt wurden. Darüber hinaus benutzte er anstelle der bei Fender üblichen sechs nur zwei massive Lagerschrauben. Bei dem etwas früher von dem Amerikaner Floyd Rose entwickelten System wurde der komplette Sattel dagegen durch einen speziellen Metallsattel mit integrierter Klemmmöglichkeit ersetzt.

Floyd Rose wurde dann bald der weltweite Standard, was diese Art „Locking“-Vibrato-Systeme angeht. Produziert wurden die originalen Floyd-Rose-Systeme übrigens von Schaller. Sie erfreuten sich besonders in den 1980er-Jahren übergroßer Beliebtheit, nicht nur, weil sie verstimmungsfrei arbeiteten, sondern auch, weil sie neue Spieltechniken erlaubten, die vorher einfach noch nicht möglich waren. So konnte man nun die Saiten bis zur völligen Entspannung lockern (dive bombs). Außerdem erlaubten spätere Versionen, mit unterfrästen Stellen am Korpus, das Vibrieren auch nach oben, was zu weiteren stilistisch bemerkenswerten Sound-Effekten führte. 2014 führte Floyd Rose sein FRX Trem ein.  Dieses System lässt sich ohne jegliche Fräsung auf Gitarren mit Tune-omatic-/Stop-Tailpiece-Konstruktion montieren, ein spezieller Klemmsattel lässt sich einfach auf das Trussrod-Cover setzen.

Nach Eddie van Halen waren Gitarristen wie Steve Vai und Joe Satriani die Vorreiter vieler anderer Griffbrett-Athleten, die erstaunliche Sounds mit diesen neuen Vibrato-Systemen realisierten. Sowohl Vai als auch Satriani etablierten Ibanez-Gitarren in diesem Genre, die mit dem hauseigenen „Edge“-Vibratosystem ausgestattet waren, einem Floyd-Rose-Lizenzprodukt, das bestens funktioniert und nach weiteren Entwicklungsstufen auch heute noch präzise und zuverlässig seinen Dienst tut.

Der deutsche Hersteller Schaller hat mit seiner neuesten Variante der Locking-Systeme, dem Lockmeister, einen großen Wurf gelandet. Es kann als Austausch-System für die meisten Locking-Systeme des Marktes verwendet werden. Die Präzision der Fertigung ist hervorragend, was sich natürlich positiv auf die Performance des Systems auswirkt. Schaller bietet eine lebenslange Garantie für das Lockmeister – d. h., hier herrscht ein gesundes Gundvertrauen in die eigene Qualität.  In den 90er-Jahren verloren die Locking-Systeme zunehmend an Bedeutung. Längst hatte der Retro-Trend wieder die alten, einfachen Systeme in den Vordergrund gespült – aber durchaus mit einigen Verbesserungen der Performance. Fender war hier wieder einmal der Vorreiter.

Das neue System, auf der American Standard Stratocaster 1986 vorgestellt, verfügt wie die Locking-Systeme anstelle von sechs Befestigungsschrauben nur über zwei Lagerschrauben, an denen das System mit zwei sogenannten Messerkanten anlag. Auch die nun massiven Saitenreiter trugen ihren Teil zur Stimmstabilität bei. Bei den teureren Modellen Strat Plus, De Luxe Strat und Strat Ultra kamen zudem ein spezieller Rollensattel aus Metall in Kombination mit sogenannten Lock-Mechaniken zum Einsatz, bei denen die Saiten in der Mechanikachse festgeklemmt werden. Locking-Mechaniken haben sich heute längst etabliert, während Rollensättel heute als echte Tone-Killer verschrien sind – und keine Rolle mehr spielen.

Pickguard-7

Eine der besten Varianten der alten Fender-Erfindung hat PRS entwickelt. Hier konstruiert man das PRS-Vibrato zwar wie das frühere Fender-System mit sechs Lagerschrauben, doch die PRS-Schrauben bekamen jeweils eine Rille eingefräst, die in den sechs Löchern der Grundplatte „messerkantenartig“ anliegt, sodass das ganze System sehr reibungsarm gelagert ist. Außerdem wurden die massiven Messing-Saitenreiter durch ganz konkrete Auflagepunkte so gestaltet, dass die Saite möglichst wenig Berührung erfährt.  Durch die spezielle Konstruktion der Vibrato-Grundplatte sitzen die Saitenreiter ohne Spiel fest im System.

Im Zusammenwirken mit den Locking-Mechaniken und dem Graphitsattel gehört das PRS-System zu den stimmstabilsten und am besten klingenden Modellen, ohne dass es so groß ausfällt wie die Locking-Systeme. Mindestens genauso interessant ist das Chesapeake Trem von Knaggs Guitars. Dieses System ist aus massivem Stahl gefräst und besteht aus zwei Teilen: einmal einer Grundplatte, die auch als Pickup-Rahmen dient, und dann aus einer beweglichen Einheit, die nicht wie bei den Fender-Systemen und deren Derivaten an Schrauben anliegt, sondern über eine Art Scharnier mit der Grundplatte verbunden ist. So bewegt sich nur das, was sich bei Vibrato-Aktionen bewegen muss. Zudem stehen die Messing-Saitenreiter so eng zusammen, dass sie sich seitlich nicht bewegen können und wie eine Einheit wirken.

Bei Knaggs ist man der Meinung, dass ihr System mit der Scharnier-Verbindung stabiler als ein Messerkanten-System sei, weil sich insbesondere die Bolzen, an denen solche Systeme anliegen, mit der Zeit lockern können.

Heute bieten Hersteller wie Schaller, Gotoh, Wilkinson, Rockinger, Callaham, TonePro und andere vielfältige, gute Varianten für alle Entwicklungsstufen des Synchronized Tremolos an, mit denen sich nicht gut ausgestattete Seriengitarren effektiv aufwerten lassen.

  1. Fender Floating Trem Design

Warum Fender neben dem technisch so ausgefuchsten Vibratosystem der Stratocaster weitere Systeme in die Welt setzte, lässt sich nur damit erklären, dass die Strat Ende der 1950er-/ Anfang der 1960er-Jahre noch kein großer Erfolg war und man neue Wege suchte. 1958 erschienen die Jazzmaster, 1962 die Jaguar – und beide trugen das neue „top of the line“ Floating-Vibrato-System. Hier waren, wie bei einem Bigsby, der Steg und die Vibrato-Einheit getrennt. Letztere saß unter einer rundlichen Metallplatte in einer kleinen Ausfräsung im Korpus und wurde von einer recht kleinen Feder auf Spannung gehalten.

Dieses Floating-System bietet reichlich Ecken und Kanten: Da ist der lange Weg, den die Saiten zwischen Vibratoeinheit und Steg zurücklegen, verbunden mit dem geringen Druck, mit dem die Saiten über die Saitenreiter laufen. Beides begünstigt nicht nur einen offenen, transparenten Sound mit vielen Höhen, sondern leider auch das Abspringen der Saiten von den Brücken. Mittlerweile gibt es mehrere Methoden, die Jazzmaster und Jaguar in diesem für den Sound so wichtigen Segment zu verbessern: Mastery- oder Tune-o-matic-Brücken oder das BuzzStop, ein aufschraubbarer Saitenniederhalter zwischen Steg und Brücke – oder Modern-Player-Versionen von Fender, die ab Werk diese Unzulänglichkeiten nicht mehr aufweisen.

U. a. ist dort das Vibratosystem näher an den Steg gerückt, was den Winkel der Saiten verkleinert und damit den Druck auf den Steg erhöht. 1965 erschien die Fender Mustang mit ihrem Dynamic-Vibrato-System, das ähnlich wie das von Jazzmaster und Jaguar arbeitete, den Steg aber direkt auf die Grundplatte montiert hatte.

 

Ebenfalls „floating“ sind die Systeme des amerikanischen Herstellers Stetsbar, die ohne jegliche Holzarbeiten auf bekannte Gitarrenklassiker montiert werden können.  Zwei Federn sind mit der Brücke verbunden und halten das System in seiner Balance. Die Brücke selbst ist im Tune-o-matic-Stil ausgeführt, auf die Grundplatte des Systems montiert und bewegt sich simultan bei jeder Vibrato-Aktion mit, was bedeutet, dass die kritische Reibung der Saiten an ihren Auflagepunkten auf den Saitenreitern hier gar nicht stattfindet.

Ein Grund mit, warum das Stetsbar kaum aus der Stimmung zu bringen ist. Das Vibrieren kann in etwa über eine Oktave nach unten und eine Quarte nach oben erfolgen und ist im Vergleich zu Vintage-Systemen sehr weich und gleichmäßig. Der Einbau ist kinderleicht, wobei allerdings bei Fender-type-Gitarren aufgrund der hohen Bauweise des Stetsbar entweder die Halsauflage oder der Halswinkel angepasst werden müssen.

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Das amerikanische Trem-King-System, erhältlich in verschiedenen Versionen für alle klassischen E-Gitarren, verbindet die Eigenschaften einer festen mit denen einer beweglichen Brücke. Denn hier ist nur der Vibrato-Block beweglich, während der Rest, also Grundplatte und Saitenreiter, fixiert sind. Der Block, in den der Vibrato-Arm direkt eingesteckt wird, wird von zwei bis drei Metallfedern auf Spannung gehalten, von denen die mittlere eine Sonderfunktion hat. Ein sogenannter Tension Bar, eine bewegliche Metallleiste, definiert einen festen Anschlagpunkt des Blocks, den Nullpunkt, zu dem das System durch die Kraft der dritten Feder immer wieder zurückkehrt. Die Installation selbst ist nicht von schlechten Eltern, denn es muss ein spezielles Fach für die Federn rückwärtig in den Korpus gefräst werden.

Ist bereits eine solche Kammer vorhanden, wie z. B. bei einer Strat-type Gitarre, muss diese in aller Regel etwas vergrößert werden. Und, lohnt sich der Aufwand? Kommt drauf an. Das Trem King ist ein spezielles System, das sehr direkt, sehr konkret reagiert.  Wenn man will, lassen sich kleine Tonleitern weich und trotzdem gezielt nach oben wie nach unten „anvibrieren“. Auch Pedalsteel-typische Sounds, mit deutlich sichererer Intonation als mit anderen Vibratos, sind möglich. Aber Bigsby-typisches Schimmern lässt sich ebenso wenig umsetzen wie Dive-Bombs und andere extreme Moves. Für Ersteres ist die Reaktion des Systems zu direkt, für Letzteres reicht der Tonumfang (Quinte nach unten, Quarte nach oben) nicht aus.

Zu den wenigen Gitarrenherstellern, die mit guten, eigenen Vibratosystemen glänzen konnten, gehörte Mosrite mit dem Vibramute- und Burns mit dem Rez-o-Tube-System. Beides optisch tolle Varianten mit bekannten Arbeitsweisen, die in aktuellen Reissue-Ausgaben wiederbelebt werden.

Auch das innovative Steinberger-TransTrem-System gehört im Prinzip zu den Floating-Vibratosystemen, denn hier ist ein frei schwebender Teil mit speziellen Saitenhaltern über Lager mit den Seitenteilen der Grundplatte verbunden, während eine integrierte Spiralfeder das System in seiner Ausgangsstellung hält und die Saitenreiter sich nicht mitbewegen. Das eigentlich Neue war damals (1984) die Tatsache, dass das Transponieren aller Saiten in tune (!) auf eine andere Tonhöhe möglich war. Man konnte also ganze Akkorde tonal nach oben oder unten bewegen. Eine Locking-Funktion ermöglichte sogar das Festsetzen des Systems, sodass der Gitarrist in der Lage war, sein Instrument „mal eben“ in eine andere Tonarten zu transponieren – maximal bis zu einer Quarte abwärts bzw. einer kleinen Terz aufwärts.

  1. Wellen-Systeme

Kahler war der größte Konkurrent des Floyd-Rose-Lagers. Zwar waren die Systeme technisch völlig anders aufgebaut – das Vibrieren wurde über eine Welle erzeugt –, aber das Kahler Trem hatte typische FR-Eigenschaften wie Klemmsattel und Feinstimmer, was Floyd Rose dazu bewog, mitten im goldenen Zeitalter des Shred einen Patentstreit vom Zaun zu brechen, den Kahler nach langen Jahren schließlich verlor. Seit 2005 ist Kahler jedoch wieder zurück im Business und baut wieder Vibrato-Systeme, u. a. unter Floyd-Rose-Lizenz. Andere Wellen-Systeme wie z. B. das Shift 2000 spielen im Konzert der bekannten Systeme keine große Rolle mehr.

  1. B-Bender-Systeme

Eine Sonderform stellen die B-Bender-Systeme dar. Denn diese Vibratosysteme konzentrieren sich meist nur auf eine Saite, vor allem auf die H-Saite. Warum? Weil diese Systeme vor allem in Country-Musik eingesetzt werden, in der eben gerne mal eine Saite in einem bereits erklingenden Akkord an den harmonisch klingenden Platz gezogen werden möchte – wie Pedalsteeler das eben auch können. Meist ist es die Terz, und das passiert eben oft auf der H-Saite. Aber die Welt der Bender-User ist frei – so hat Tele-Gigant Brad Paisley in eine seiner Teles einen G-Bender einbauen lassen, der eben die G-Saite einen Ton nach oben bewegen kann. Geht auch! Manche nutzen, wenn es das System hergibt, Gund B-Bender, um komplexere Bending-Vorgänge bewerkstelligen zu können.

Gene Parsons und Clarence White entwickelten das erste System dieser Art, als beide bei The Byrds spielten. Über einen Hebel- und Federmechanismus, der am oberen Gurtknopf seinen Anfang nahm und kurz hinter der H-Saite endet, kann der Stringbender die H-Saite durch Druck auf den Hals (und damit auf den beweglichen oberen Gurtpin) tonal nach oben ziehen – einstellbar in einem Bereich von ca. drei Halbtönen. Parsons baut auch heute noch Stringbender-Systeme in Gitarren ein und hat lizensierte Versionen in Fender-Gitarren und im Programm des Hardware-Herstellers Hipshot am Start. Findige Gitarrenbauer wie z. B. Joe Glaser haben ähnliche Systeme entwickelt, die auf Parsons ursprünglichem Design basieren.

Pcikguard Beispiel

Apropos Hipshot: Der hat auch ein eigenes B-Bending-System entwickelt, das sich B-Bender nennt. Hier erfolgt die Vibrato-Bewegung über einen langen Hebel, der an der Hüfte des Musikers anliegt und von selbiger bedient wird. Der B-Bender wird meist noch kombiniert mit einem D-Tuner, einem manuell zu betätigenden Hebel, der die tiefe E-Saite in einem einstellbaren Bereich blitzschnell nach unten stimmt.

In die gleiche Kerbe haut der Duesenberg Multibender, entwickelt von dem Hannoveraner Pedal-/Lapsteeler Martin Huch und Duesenberg-Mastermind Dieter Gölsdorf. Er kann auf Tele- und Strat-artige Gitarren, aber auch auf Lapsteels und in einer Spezialversion auch auf Resonator-Gitarren, montiert werden und bietet eine Hebelmechanik, die über die Betätigung mit dem Handballen der Spielhand das Heben oder Absenken einzelner Saiten von bis zu zwei Halbtönen ermöglicht.

Die Hebel sind im Winkel verstellbar und können für normales Spiel auch komplett aus dem Weg gedreht werden. Der Multibender wird mit zwei Hebeln angeboten, kann aber durch zusätzliche Hebel erweitert werden. Wer dieses komplexe Aggregat beherrscht, kann damit äußerst realistische Pedalsteel-Sounds erzielen.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Ich verstehe nicht, was auf dem zweiten Foto (orangene Gretsch) der heraushängende Potiknopf bedeutet bzw. warum nur ein schwarzes Loch dahinter zu sehen ist?

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    1. Das ist kein heraushängendes Poti, sondern eine mechanicher Schalter, bzw. Hebel, der einen Dämpfer hinter der Bridge anhebt und absenkt. War damals eine Wunsch von Chet Atkins um diesen typischen abgedämften Ton zu bekommen.

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  2. “…Ganz aktuell plant Floyd Rose für 2014 die Einführung seines FRX Trem. …”

    Und? jetzt isses bald 2016.

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  3. “Modernes Fender-Vibrato-System, das an zwei Bolzen anliegt”
    Da steht ganz deutlich gibson auf dem trem 😉

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  4. ein paar aus heutiger Zeit sind sind nicht erwähnt, die es aber verdient hätten. Und wenn es nur der Name ist. (Leider fallen sie mir jetzt garade auch nicht ein…)

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  5. G&L’s Dual Fulcrum, Blade Falcon (Double Block System!)….?? 🙂

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