Kombiniere, kombiniere!

Troyes Pedal: Wren and Cuff Elephant Skin im Test

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(Bild: Dieter Stork)

Troy Sanders dürfte als Bassist und Sänger von Mastodon den meisten bekannt sein. Vor ziemlich genau zwanzig Jahren kam das Debütalbum der Band auf den Markt. Ihren Spagat zwischen Thrash und proggigem Sludge haben sie seitdem verfeinert und genreüberschreitend ausgeweitet. Troy selbst hat als Endorser im Laufe der Jahre einige Signature-Geräte bekommen. Dazu gehört auch das Elephant-Skin-Pedal, das er zusammen mit Wren and Cuff entwickelt hat.

Ein Spezialgebiet von Wren-and-Cuff-Gründer Matthew Holl ist der Big Muff, den er eingehend studiert und sich sehr viele Gedanken darüber gemacht hat, was eine Version gegenüber der anderen auszeichnet, und was manche Pedale besser klingen lässt als andere. Mit diesem Wissen hat er schon einige Muffs in eigene Pedale verpackt.

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So auch den Tall Font Russian. Troy hat den Verzerrer schon 2010 für sich entdeckt und ihn zur Grundlage seines Signature-Pedals erkoren. Übersichtlich aufgebaut, kommt das Pedal in einem schicken, silbermetallic lackierten Metallgehäuse. Zwei Fußschalter, zwei LEDs, und vier Regler machen die Oberseite aus, während sich alle Anschlüsse – Input, Output, und Netzteil – an der Stirnseite befinden. Für die Stromversorgung muss man selbst sorgen, aus ökologischen Gründen spart sich Wren and Cuff auch die Batterie, die man nach dem Lösen von vier Gewindeschrauben einsetzen kann. Der Strombedarf entspricht den üblichen 9 Volt in der üblichen Polung.

(Bild: Dieter Stork)

Das eigentliche Zerrpedal nimmt die rechte Seite ein. Mit dem exakt gleichen Schaltkreis des Tall Font Russian gibt es hier die wenig rätselhaften Regler für Volume, Tone und Zerre. Der rechte Fußschalter aktiviert diese, die darüberliegende LED gibt Auskunft über den Status. Der linke Fußschalter nebst LED gehört zum zweiten Schaltkreis des Pedals. Intern sitzen beide natürlich vereint auf einer sauberen Platine, technisch liegt er vor dem Verzerrer. Es handelt sich um einen Booster, einstellbar über einen mit XT beschrifteten Regler. Beide Effekte sind auch unabhängig voneinander zu nutzen, außer Hardwire-Bypass gibt es also Booster, Zerrer, oder deren Kombination abzurufen.

KOMBINIERE, KOMBINIERE!

Fangen wir mal mit dem Booster an. Der hat einen breiten Regelweg: Bei Linksanschlag kommt gar kein Signal mehr durch, nach rechts gedreht wird es zunehmend lauter, womit nachfolgende Pedale oder Amps massiv angeschoben werden können. Dabei ist die Extraschippe weder neutral noch dramatisch klangverändernd, sondern macht den Sound mit leichtem Dreck auf sehr angenehme Art plastisch und griffig. Wäre es schon wert, als Einzelpedal auf den Markt zu kommen!

Der Regelweg ist gut dosierbar, wohl auch aufgrund Matthews persönlicher Erfahrungen, dass zu viel Boost einen Song ruinieren kann. Die Zerreinheit ruft den typisch wolligen Muff-Ton ab, der am Distortion-Regler wahrlich genug Gain zu bieten hat und per Tone-Poti vom extrem weichen Kissen zur kratzbürstigen Treble-Schleuder mutieren kann. Irgendwo knapp über 14 Uhr wird’s mir zu dünn, das wäre für mich nur als Effekt oder in einem parallelen Loop nutzbar, alles darunter macht den Bass mächtig.

Auch wenn es nicht seine erklärte Zielrichtung ist, kann das Pedal mit etwas Mühe sogar Low-Gain. Und dann ist da ja noch die Kombination mit dem Booster … Je nachdem, ob man ihn dazu nutzt, die Zerreinheit mit mehr Gain anzublasen, oder hohe Distortion-Einstellungen per Fußtritt zurückzunehmen – die Ergebnisse sind unterschiedlich, immer musikalisch und so sauber und rauscharm, wie das für ein Distortion-Pedal dieser Auslegung eben geht.

(Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

In Bauweise wie Klang ist dieser Treter definitiv erste Liga. Das Elephant Skin ist Troy Sanders auf den Leib geschneidert worden und bringt seinen knorrigen Ton, der den Mastodon-Sound wuchtig füllt und sich satt zwischen Drums und Gitarren legt. Durch die Kombination zweier unabhängiger Effekte ist das Pedal darüber hinaus aber auch flexibles Futter für Fuzz-Fans. Es kostet gerade mal rund fünfzig Euro Aufpreis gegenüber dem normalen Tall Font Russian – ein mehr als faires Angebot, wie ich finde.

PLUS

  • Sound-Möglichkeiten
  • Booster
  • Muff-Sound
  • stabile Bauweise
  • Nebengeräuschverhalten
  • Fußschalter
  • Anleitung


(erschienen in Gitarre & Bass 06/2022)

Produkt: Treble Booster im Test
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