Produkt: Jack Bruce 1943 – 2014
Jack Bruce 1943 – 2014
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Everything‘s Gone Red

Test: Yamaha BBPH Peter Hook Signature Bass

2017 war ich eingeladen, nach Mailand zu fliegen, um dort der Vorstellung der neuen Yamaha BB-Reihe beizuwohnen. Das Programm war ein großes Geheimnis, nach kurzen Präsentationen am Nachmittag, unter anderem von Claus Fischer, standen abends zu meiner Überraschung – und grenzenlosen Freude – Peter Hook & The Light auf der Bühne, um mit gleich zwei BB734A für Vater und Sohn ein knappes Joy-Division-Best-Of zum Besten zu geben.

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Schon bald darauf gab es Gerüchte über eine Signature-Version für ihn, im Sommer 2018 einen Prototypen – und nun tatsächlich das fertige Produktionsmodell, dem ich mich widmen darf.

HOOKLINE

Ab circa 1983 hatte sich Hooky voll und ganz dem Yamaha BB1200S verschrieben. Selbst der vom unlängst verstorbenen Chris Eccleshall in 335-Form gebaute und live viel gespielte Semiakustik-Bass bekam Pickup und Elektronik vom BB eingepflanzt. Wenig verwunderlich also, dass der Signature-Bass den Vintage-BB mit der aktuellen Modellreihe zusammenbringt. Die Holzkonstruktion folgt dem BB734A. Der Hals ist aus drei Streifen Ahorn, mit Mahagoni gesperrt und mit einem Palisandergriffbrett mit 21 Bünden versehen.

Die Einlagen kennt man ebenfalls vom 700er, mit etwas Fantasie sehen sie wie modernisierte Fassungen der geschwungeneren klassischen Inlays aus.

Die Verschraubung mit dem Korpus ist eine ganz eigene Yamaha-Idee: Vier Schrauben gehen wie üblich gerade nach oben, zwei ziehen den Hals im 45°-Winkel in die Halstasche, „Miter-Joint“ nennt sich das im Fachjargon. Auch der Korpus ist nicht gerade 08/15. Eine harte Mittellage aus Ahorn, auf der auch der Hals sitzt, liegt in Sandwich-Bauweise zwischen der Decke und dem Boden aus Erle, was für verbesserte Schwingungsübertragung, Resonanz, und Sustain sorgen soll.

Die „Vintage Plus“-Brücke kombiniert Messingreiter und eine Stahlgrundplatte in einem matten Nickel-Finish. Die Saiten können entweder konventionell durch das hochgebogene Ende der Brücke, oder im sanften Winkel durch den Body gezogen werden. Gestimmt wird mit offenen Schallerähnlichen Mechaniken, die ich schon als dauerhaft zuverlässig kenne.

(Bild: Dieter Stork)

In der elektrischen Ausstattung folgt der Bass dem Vintage-Vorbild: Als Tonabnehmer gibt es einen P-Pickup in Reverse-Anordnung, der ohne den Rahmen des Originals für mich etwas nackt aussieht. Neben dem Volume-Regler, der einen größeren Potiknopf abbekommen hat, gibt es noch einen Dreiband-EQ mit Bässen, Mitten und Höhen. Mit dem Minischalter kann der Bass rein passiv geschaltet werden, dann fungiert der Cut-Bereich des Höhenreglers als passive Höhenblende. Das war beim Vorbild noch ein extra Poti und auch beim Prototypen so vorgesehen, so ist es aber elegant gelöst.

Etwas unelegant ist der große Abstand zwischen Body und den Potiknöpfen, das wäre vermutlich mit einer Unterlegscheibe mehr schon gelöst. Ein nettes kleines Detail findet sich noch in der E-Fach-Abdeckung: Eine LED zeigt an, wenn die Batterie getauscht werden sollte. Das geht leicht vonstatten, der Deckel des Batteriefachs ist einfach abzunehmen. Man sollte nur achtgeben, wo man ihn lässt, sonst ist er futsch.

Die schöne, transparent rote Lackierung – wieder eine Verneigung vorm BB1200S – ist exzellent gelungen. Während die Halsrückseite matt gehalten ist, sind Korpus und Kopfplattenvorderseite tadellos hochglänzend. Apropos Kopfplatte: Auf deren Rückseite gibt‘s das Autogramm von Hooky und „Manchester, England!“ zu bestaunen. Hm, müsste das nicht „Salford“ heißen?

(Bild: Dieter Stork)

TRUE BASS

Während manche Bassist*innen davon sprechen, dass bei ihnen oberhalb des 7. Bundes das staubige Ende des Griffbretts beginnt, könnte man fast meinen, bei Peter Hook wäre das umgekehrt. Aber keine Angst, der BBPH macht in allen Lagen eine gute Figur. Genauso wenig ist ein Gurt nötig, der den Bass in Bodennähe platziert …

Für den fröhlichen Testreigen habe ich nicht nur einen BBPH am Start, sondern auch einen BB735A, einen BB1200S, und einen zweiten BBPH. Letzterer bringt die Erkenntnis, dass beide bis auf die Maserung praktisch identisch sind – Gewicht, Einstellung, Bespielbarkeit, Klang: alles gleich! Bei flacher Saitenlage schnarrt nichts, die Medium-Bünde sind gut abgerichtet.

Verglichen mit dem 1200S liegt der Hals des BBPH schlanker in der Hand und entspricht mit seinem matten Finish durchaus modernen Geschmäckern. Der für Hookys oft weit oben gespielten Melodielinien wichtige Zugang zu den oberen Lagen ist beim Schraubhals-BBPH sogar besser als beim soliden, aber etwas klobigen Ahnen. Auch beim Gewicht und bei der Balance am Gurt gewinnt aktuell gegen Vintage.

Der nah an die Saiten geschraubte Alnico-Pickup hat ordentlich Saft und macht eine gute Figur, aber ohne die Saiten ungebührlich anzuziehen, der Ton bleibt sauber.

Im Vergleich zum BB735A klingt es wie erwartet anders, die Spulen so zu versetzen bedeutet immerhin eine Verschiebung um ca. 3 cm. So kommen E und A deutlich trockener, D und G dagegen fetter rüber. Den insgesamt hellen (aber nicht dünnen) Ton schattet die Höhenblende im Passivbetrieb schön ab, auch wenn es ganz zugedreht etwas zu viel des Guten wird. Aktiv zeigen sich sauber abgezirkelt einzustellende Tiefmitten und breitbandig nach unten bzw. oben offene Regler für Bass und Höhen, wobei in mittengerasteter Neutralstellung der Sound von passiv zu aktiv praktisch gleich bleibt.

Der BBPH klingt im Vergleich zum BB1200S etwas eleganter und weniger wuchtig, auch der EQ ist zahmer, aber auch deutlich rauschärmer. Das ist gut so, denn Hooky dreht an seinem Bass die Bässe und Höhen voll rein, die Mitten bleiben neutral. Zum Peter-Hook-Ton gehört eigentlich noch ein Vintage-Electro-Harmonix-Clone-Theory-Choruspedal, zu Urzeiten verstärkt über einen Hiwatt an einer Vox-2×15“-Box, mittlerweile über Ampegs. Das lässt sich am Helix-Stomp sehr gut nachstellen, mit dem Plektrum zwischen Pickup und Brücke gespielt, bekomme ich so den typischen Ton hin. Aber auch wer mit Peter Hook, Joy Division und New Order gar nichts am Hut hat, findet hier gute Sounds im Angebot.

RESÜMEE

Yamaha schafft den Dreisprung! Nicht nur haben sie mit dem BBPH ein würdiges Signature-Modell für das Bass-Original Peter Hook geschaffen, sondern auch eine schöne Hommage an den gesuchten BB1200S, und zu guter Letzt ein einfach gutes, interessantes Instrument, selbst wenn man jeglichen historischen Bezug außen vor lässt. Bässe mit Reverse-P, aktiv wie passiv gleichermaßen gut einsetzbar, gibt es nicht eben häufig auf dem Markt.

Gute Holzbasis, saubere Konstruktion, ein guter Tonabnehmer und ein ebenso guter EQ, und das zu einem fairen Preis, der auch noch ein wirklich ordentliches Gigbag mit einschließt – für Peter-Hook-Fans ein Muss und für solche, die auf der Suche nach dem etwas anderen P-Bass sind, eine definitive Antestempfehlung!

PLUS

● Sounds
● Bespielbarkeit
● Optik
● Verarbeitung

(erschienen in Gitarre & Bass 03/2021)

Produkt: Gitarre & Bass Digital 08/2018
Gitarre & Bass Digital 08/2018
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