Darf’s ein bisschen mehr sein?

Test: Wren and Cuff Two Five

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Mit dem Two Five hat die kalifornische Firma Wren and Cuff ein Zerr-Pedal im Programm, dessen Konzept sich von den meisten Mitbewerbern absetzt – und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Ein erstes Indiz ist der außergewöhnliche Name.

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Und der steht für die Versorgungsspannung, denn diese wird im Innern des Pedals von den eingespeisten 9 Volt auf 25 Volt hochgewandelt. Das Ergebnis ist ein stark erhöhter Ausgangspegel, im Test blieb der Volume-Regler meist im ersten Drittel und lieferte dabei, je nach Setting der anderen Potis, bereits Lautstärkesprünge im Vergleich zum Clean-Signal. Aufgrund dieses Konzepts lässt sich der Overdrive ausschließlich via Netzteil mit Strom versorgen.

Die zweite Besonderheit des gelb-schwarzen Treters ist seine EQ-Sektion, die eher der eines Amps denn der eines konventionellen Zerrpedals ähnelt. Die drei Bänder „Lows“, „Mids“ und „Highs“ beeinflussen sich gegenseitig und lassen so ein breites Spektrum an Klängen zu, auch ohne dass man die beiden anderen Potis bewegt.

Ein drittes Sonder-Feature ist der „Voice“-Schalter, der zwei verschiedene Clipping-Optionen – und damit unterschiedliche Grundsounds – zur Verfügung stellt. Das Pedal wird vom Team um den Firmengründer Matthew Holl in den USA mit „amerikanischen und importierten Parts“ von Hand gefertigt. Im ebenso informativen wie unterhaltsamen Manual finden sich neben dieser Angabe weitere detaillierte Fakten – u.a. acht „Example Settings“, die die ganze Bandbreite des Pedals abdecken.

Beginnen wir mit dem Voice-Schalter. In der oberen Stellung sorgen zwei LEDs für das Clipping und geben dem Pedal dabei einiges an Headroom mit, die Sounds klingen hier offener und dynamischer, aber auch schärfer als in der unteren Position, in der zwei Mosfet-Transistoren und eine Germanium-Diode für mehr Sättigung und Zerre sorgen. Vereinfacht gesagt: oben ist eher Leo Fender, unten mehr Jim Marshall.

Auf Basis dieses Konzepts lassen sich über die drei EQ-Regler mehr Sound-Optionen herausholen, als so mancher Verstärker bietet. Die Klangregelung reagiert deutlich anders als die eines konventionellen Drive-Pedals, das meist maximal Kuhschwanz-EQs für Bässe und Höhen zur Verfügung stellt – und sich damit einfach und schnell auf den persönlichen Geschmack abstimmen lässt. Das Two Five mit seinen Möglichkeiten erfordert da eine intensivere Beschäftigung.

So erreicht man hier eine flache EQ-Kurve, indem man das Mitten-Poti voll aufdreht und die Höhen und Bässe komplett zurücknimmt. Beim Erstkontakt sollte man sich auch nicht davon abschrecken lassen, dass schon bei dezenten Settings Nebengeräusche zu hören sind – das hat schlicht mit der puren Menge an Schub zu tun. Die ist wirklich beachtlich, und das nicht nur in Sachen Pegel sondern auch hinsichtlich der Zerrmenge.

Unter Zunahme der EQ-Sektion lassen sich auch aus Singlecoil-Gitarren Metal-Monster machen, speziell der äußerst effektive Mittenregler lässt dabei extreme Sounds zu. Außerdem liefert das Pedal jede Menge Höhen. Im Test klang damit zum einen das Referenzpedal, in diesem Fall ein Mad Professor Royal Blue, auf einmal ziemlich dumpf, zum anderen musste die bissigere Tele einer sanfteren Strat weichen, um die Hörgewohnheiten ein wenig auszugleichen. Hat man das Konzept des Pedals verinnerlicht, eröffnet sich ein kleines Universum an Drive-Sounds.

Niedrige Gain-Settings in Kombination mit dem Hals-Pickup der Strat liefern wunderbare Crunch-Sounds, die auch Hendrix-Fans schmecken dürften. Am anderen Ende des Spektrums stehen die erwähnten deftigen Klänge, die vom gescoopten Metal bis in fast fuzziges Territorium reichen und den Charakter der angeschlossenen Gitarre massiv verändern können.

Nach ein wenig Beschäftigung mit dem Two Five bedient Wren and Cuffs Hochspannungspedal aber auch bestens das breite Feld klassischer Rock-Sounds – und das dank der EQ-Sektion mit einer enormen Flexibilität. Die Beispiel-Settings bieten dabei eine hervorragende Grundlage, um die ganze Palette der Möglichkeiten zu erforschen. Der einzige Nachteil ist, dass man sich bei Live-Anwendungen für eine davon entscheiden muss.

(Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Mit dem Two Five hat Wren and Cuff ein Pedal im Programm, das sich konzeptionell von vielen seiner Zerr-Kollegen unterscheidet. Mit reichlich Headroom, einer extrem vielseitigen EQ-Sektion und zwei Grund-Sounds ist es abseits konventioneller Pfade unterwegs – wer eine Drive-Einheit sucht, die sich von der Masse abhebt und dabei vielfältig einsetzbar ist, sollte definitiv ein Ohr riskieren.

● Preis (Street): ca. € 239

www.wrenandcuff.com

PLUS

● breite Palette an Zerrsounds
● vielseitige EQ-Sektion
● Example-Settings gute Grundlage

(erschienen in Gitarre & Bass 04/2022)

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