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German Steel Guitar

Test: Wildwood Guitars LS-II & SNC-V

(Bild: Dieter Stork)

Country, Western Swing und loungiger Hawaii-Sound sind keine Stilrichtungen, die in Deutschland Tradition haben. Eine Tatsache, die Gitarrenbauer Frank Pampel nicht davon abhält, im Osten der Republik Lapsteels im Retro-Look für genau solche Anwendungen zu bauen.

Seine Instrumente entstehen in Lichtenstein nahe Zwickau. E-Gitarren und Lapsteels in diversen Ausführungen, bei denen Individualität groß geschrieben wird. Die E-Gitarren sind mit aufwendigen Schnitzereien und Inlays versehen, die Lapsteels gibt es mit ein- oder zwei Hälsen und den unterschiedlichsten Pickups in sechs- oder achtsaitiger Ausführung. Zwei Modellen wollen wir mal etwas genauer auf den Zahn fühlen.

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LS-II

 

Kunstvoll gearbeitetes Firmenlogo auf dem Kopf der LS-II (Bild: Dieter Stork)

Die LS-II ist Franks sechsaitiges Standard-Modell. Aus zwei Holzarten (Ahorn und Mahagoni) gebaut, ist sie eine äußerst kompakte Lapsteel, die über weite Teile nur so breit ist wie das Griffbrett (6,5 cm) und sich am Korpusende auf knapp 16,5 cm verbreitert.

Dort findet sich ein Mini-Humbucker und zwei Regler für Volume und Ton, die in einer Metallplatte angebracht sind, die gleichzeitig als Saitenaufhängung dient. Steg und Sattel sind ebenfalls aus Edelstahl, nicht einstellbar, aber auch unzerstörbar. Die Buchse findet sich am Korpusende, sodass das Kabel der rechten Hand nicht in den Weg gerät.

Gestimmt wird die Gitarre auf C6: CEGACE, sodass man sowohl einen Dur- als auch einen Moll-Dreiklang zur Verfügung hat und sich zusammengespielt ein Dur6-Akkord ergibt. Die Stimmung klingt nicht bluesig, sondern direkt nach Hawaii und Old School Western Swing. Mit der relativ kurzen Mensur von 58,5 cm ist die Lapsteel besonders für dieses hohe Tuning geeignet und von der Werksbesaitung her auch entsprechend ausgestattet.

Die Positionierung der Potis bei der LS-II (Bild: Dieter Stork)

SNC-V

Deutlich massiver kommt die 8-String daher, die aus einem Stück Esche gefertigt und an die Fender Deluxe angelehnt ist. Im Gegensatz zur LS-II hat sie ein Griffbrett aus Holz und zwei Stahlwalzen dienen als Sattel und Steg. Letzterer ist mithilfe zweier Schrauben justierbar, sodass man in einem gewissen Rahmen die Oktavreinheit einstellen kann.

Die Mechaniken der SNC-V zeigen senkrecht nach oben (Bild: Dieter Stork)

Als Pickup dient ein Singlecoil aus eigener Herstellung. Durch den größeren Korpus konnten Volume- und Tone-Poti klassisch unterhalb des Pickups angebracht werden. Die Buchse hingegen findet sich auf der Oberseite der Gitarre, da am Ende des Korpus die Saiten in eine Metallplatte eingehängt werden. Auch die Mechaniken sind nicht wie klassische Gitarrenmechaniken auf einer Kopfplatte angebracht, sondern sitzen senkrecht auf einer im Korpus versenkten Metallkonstruktion.

Generell wirkt die SNC-V etwas edler und solider von der Ausführung. Gestimmt ist sie auf die 8-saitige Variante von C6: ACEGACEG. Man hat also zweimal einen Moll- und Dur-Dreiklang im Abstand einer Oktave und durch die zwei Extra-Saiten sehr viele Möglichkeiten Akkorde zu spielen.

LET’S PLAY!

Beim ersten Spielkontakt überzeugt die LS-II mit einem warmem Grund-Sound mit angenehm weichen Attack, der nie hart oder spitz wirkt. Das Stringspacing ist breiter als bei einer regulären Gitarre und bietet viel Platz für die rechte Hand. In der Regel spielt man eine Lapsteel mit Daumen- und Fingerpicks, ein Countryartiges Hybridpicking aus Plektrum und Mittel- und Ringfinger funktioniert aber auch gut.

Der Ton der LS-II ist eher fett und rund als twangig und klingt nicht ganz so steif und old-schoolig wie bei meiner zum Vergleich herangezogenen Fender Champion aus den Fifties. Dadurch kann man am Amp ruhig etwas mehr Höhen reindrehen, ohne gleich in den hohen Lagen das Trommelfell gepierct zu bekommen. Ein eher schöner, angenehmer Klang, der sich auch gegenüber Verzerrung und Effekten aufgeschlossen zeigt.

Die LS-II hat ordentlich Sustain und reagiert auf Crunch und stärkere Zerrgrade äußerst gutmütig. Ein ausgeglichener, bluesiger Ton mit eigenem Charakter kommt so aus dem Instrument, der irgendwo zwischen klassischer Slidegitarre und Lapsteel liegt.

Der einzige Kritikpunkt an der Gitarre ist die Position des Volume-Potis. Einerseits muss man beim Spielen aufpassen, dass man nicht versehentlich die Lautstärke herunter regelt, andererseits lassen sich Volume-Swells mit dem Poti nur sehr schwer realisieren. Ein Blick auf die Website zeigt, dass andere Modelle beide Potis am Gitarenende haben, was vielleicht eine praktischere Lösung darstellt.

Die SNC-V hat einen dunkleren, dichteren Sound als ihre sechsaitige Kollegin. Da das Griffbrett kaum breiter ist als bei der sechssaitigen Variante, ergibt sich ein engeres Stringspacing, an das man sich kurz gewöhnen muss. Das Spielgefühl ist trotzdem sehr angenehm und diese Lapsteel klingt vielleicht etwas knackiger und klassischer als die LS-II, hat aber ebenfalls einen sehr ausgewogenen, niemals spitzen Klang, was sich besonders auf der hohen G-Saite in den hohen Lagen äußerst positiv bemerkbar macht.

Die klassische Position von Volume- und Tone Poti finde ich wesentlich praktischer und die zusätzliche Menge an Material/Holz lässt das Instrument ruhiger liegen – sowohl auf dem Schoß als auch auf einem Ständer oder dem Küchentisch.

Auch diese Lapsteel macht sowohl clean als auch im Zerrbetrieb eine äußerst überzeugende Figur und weist sogar etwas mehr tonale Tiefe auf. Das achtsaitige C6-Tuning bietet unheimlich viele Möglichkeiten und enthält auf den oberen drei Saiten sogar die Licks aus Open G, die aber durch die eine Quarte höhere Stimmung ganz anders klingen. Ein inspirierendes Instrument mit viel Ton!

ALTERNATIVEN

Ein sechssaitiges Einsteiger-Lapsteel-Modell ist die Harley Benton Slider, die gibt es schon für € 79, ist aber sicher nicht mit der Detailtreue und Individualität gefertigt wie die Wildwood Guitars. Preislich vergleichbar liegen die Gretsch G5700 oder Electromatic, etwas günstiger ist die Epiphone Electar. Wer auf eine abgefahrenere Form steht, liegt mit der Eastwood Airline richtig, die in Raketenoptik daherkommt. achtsaitige Lapsteels findet man in Deutschland so gut wie nicht, da bleibt nur der Vintagemarkt oder Import aus den USA.

RESÜMEE

Beide Lapsteel-Modelle aus dem Hause Wildwood Guitars sind mit Liebe gebaut, klingen hervorragend und sind preislich äußerst kompakt angesiedelt. Frank Pampel versteht sein Handwerk und man merkt, dass hinter dem Bau der Gitarren jahrelange Erfahrung, viel Liebe zum Detail und ausgiebige Beschäftigung mit der Geschichte und dem Look solcher Instrumente stehen.

Da alle Gitarren vom Firmenchef selbst in Kleinserie gebaut werden, sind Sonderwünsche was Farbe, Konzept und Ausstattung angeht, bestimmt auch kein Problem. Lapsteels bedienen sicherlich eine Nische. Für alle, die in dieser Nische agieren, gibt es jetzt aber eine tolle, gar nicht teure Alternative aus Deutschland!

PLUS

● liebevolle Retro-Optik
● ansprechender, ausgewogener Sound im Clean- und Zerrbetrieb
● umfangreiche Custom-Varianten
● kompakter Preis

MINUS

● Position des Volume Potis bei der LS-II


Interview mit Frank Pampel / Wildwood Guitars

Frank und Julia Pampel von Wildwood Guitars

Erzähl doch mal kurz, wie du dazu gekommen bist, Steelgitarren zu bauen. Bist du Musiker, Gitarrenbauer oder eine Kombi aus beidem?

1993 gründete ich meine erste Rock’n‘Roll-Band. Ich mag die Musik der 40er- und 50er-Jahre, besonders Western Swing und Hawaii-Musik und den damit verbundenen Sound der Steelgitarre, und so wollte ich natürlich auch gern so eine Gitarren spielen. Damals war das Angebot dieser Instrumente sehr überschaubar. Neu war so gut wie gar nichts zu bekommen und gebraucht meist in miserablem Zustand oder viel zu teuer.

Da ich gerade erst meine Lehre als Zimmermann begonnen hatte und unsere Band-Gage eher aus ein paar Freibier und einer warmen Mahlzeit bestand, kam ein Kauf nicht in Frage. So beschloss ich, selbst eine Steelgitarre zu bauen. Ich bin also kein gelernter Gitarrenbauer sondern Autodidakt.

Seit wann gibt es Wildwood Guitars?

Meine erste Gitarre habe ich im Jahr 2000 gebaut. Die ersten Modelle trugen nur meine Initialen. Das erste Modell unter dem Label Wildwood Guitars ist von 2005. Damals habe ich die Gitarren aber nur für den Eigenbedarf gebaut. Dann folgten immer mehr Anfragen und so beschloss ich 2012 ein Nebengewerbe anzumelden.

Arbeitest du allein oder hast du Angestellte/Mitarbeiter?

Mitarbeiter habe ich nicht. Alles was in der Werkstatt passiert, mache ich allein. Meine Frau Julia unterstützt mich bei allem, was mit Werbung und Organisation zu tun hat. Andreas Matthes, ein langjähriger Freund und Bandkollege, hilft mir bei der Planung neuer Hardwareteile, die ich, zumindest bei den Steelgitarren auch selber herstelle.

Hast du eine Art Firmenphilosophie?

Klasse statt Masse.

Wie viele Modelle bietest du an und gibt es auch eine Art Customshop?

Es gibt unter den Steelgitarren drei Serienmodelle, davon zwei Achtsaiter- und eine Sechssaiter-Variante. Alles andere sind Customgitarren, die nach Kundenwunsch angefertigt werden.

Was ist das Wichtigste beim Bau einer Steelgitarre? Holz, Pickups, Konstruktion?

Ich würde sagen, es ist eine gesunde Mischung aus allem. Mir ist ein langes Sustain wichtig. Also kommen eher Harthölzer in Frage. Am liebsten benutze ich Esche oder Ahorn. In der Regel verbaue ich bei meinen Steelgitarren Singlecoil-Pickups. Bei der Konstruktion kommt es zum Beispiel darauf an, ob man die Gitarre auf dem Schoß liegend spielen will. Dann sollte sie nicht zu schwer und sperrig sein. Bei einer Gitarre mit zwei oder mehr Hälsen, sollten dann schon höhenverstellbare Beine montiert sein. So kann man bei Bedarf auch im Stehen spielen.

Ist die Firma deine Haupttätigkeit oder hast du noch einen anderen Job?

Nein, ich mache das bis jetzt nur als Nebengewerbe. Ich gehe vier Tage die Woche einer ganz normalen Tätigkeit nach und freitags habe ich meinen Werkstatt-Tag.

Bist du auch als Musiker aktiv?

Nach etlichen Jahren in verschiedenen Rockabilly-Konstellationen bin ich seit 2016 mit meinem aktuellen Projekt The Waikiki Riders unterwegs. Unser Repertoire reicht von Rock’n’Roll über Country bis hin zu Hawaiimusik. Hauptsächlich Instrumentalstücke. 2018 gab es unser Debütalbum, natürlich auf Vinyl. Gelegentlich spiele ich auch Steelgitarre bei Studioaufnahmen und Live-Gigs anderer Bands, wie Kevin Cash And The Cattlemen.

Wie sehen die Zukunftspläne der Firma aus?

Es soll erstmal bei dem einen Tag pro Woche bleiben, aber wer weiß, vielleicht wird irgendwann mehr daraus. Das wäre schön. Zurzeit bin ich dabei, meine erste Pedalsteel zu bauen, also ein ganz neues Kapitel für mich.

Wo kann man die Gitarren kaufen, nur direkt oder auch im Laden?

Im Moment kann man die Gitarren nur über den Onlineshop auf meiner Website www.wildwood-guitars.de kaufen, oder man schreibt mir eine E-Mail oder greift ganz oldschool zum Telefon.

(erschienen in Gitarre & Bass 05/2020)

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