Hall-Pedal

Test: Vahlbruch Pipeline

Ausgerechnet bei einem Hallgerät mit Understatement zu trumpfen, ist mutig! Während viele andere Hersteller gerne viel Wind um ihr neues Pedal machen, war das Vahlbruch Pipeline plötzlich ohne großes TamTam einfach so da und ist nun dabei, die Szene von unten aufzurollen. Henning Vahlbruch hat lange an diesem Hall-Konzept getüftelt. Denn neben einer speziellen Klangqualität sollte es auch eine gewisse Vielseitigkeit bieten, aber gleichzeitig einfach zu bedienen und dann auch noch in einem handlichen Gehäuse (Hammond 1590B) untergebracht sein. Diese schwierige Operation ist gelungen, und der Patient erweist sich als äußerst lebendig – springlebendig, sozusagen.

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Ziel der Entwicklung war es, FederhallSounds zu erzeugen, wie man sie von klassischen Röhrenverstärkern her kennt, insbesondere von Fender-Amps. Dieses voll analoge Ziel wird größtenteils auch analog umgesetzt, denn nur die Hallsimulation erfolgt digital und wird dem analogen Signal hinzuaddiert. Somit durchläuft das Gitarrensignal keine Digitalisierung und bleibt frei von Latenzen und Verfärbungen. Auch die Signalbearbeitung vor und nach der Hallerzeugung bleibt komplett analog.

Zwei Potis und zwei Mini-Schalter stehen zur Verfügung – „Reverb“ regelt die Hallintensität und „Volume“ die Gesamtlautstärke des Pedals bis maximal +7 dB. Ein Volume-Regler auf einem Hall-Pedal? Diese Funktion ist tatsächlich ungewöhnlich, aber dennoch richtig praktisch. Denn allzu gerne versinken Signale mal im Klangumfeld, wenn sie mit viel Hall angereichert werden – und mit dem VolumeRegler kann eine effektivere Anpassung und damit eine bessere Durchsetzung erreicht werden. Oder diejenigen, die den Hall nur punktuell z. B. bei Soli einsetzen, freuen sich über den zusätzlichen Lautstärke-Boost, den sie per Volume-Regler einstellen können. Natürlich ist das Pipeline auch als reiner Booster einsetzbar, indem der Reverb-Regler komplett zurückgedreht wird – was aber sicherlich nur selten vorkommen dürfte …

Der Minischalter „Springs“ wählt in drei Stufen (S für Short, M für Medium, L für Long) die Anzahl und die Länge der virtuellen Federn einer imaginären Hallspirale, woraus sich verschiedene Nachhallzeiten, Reverb-Dichten und Frequenzverhalten ergeben. Intern erlaubt ein Trim-Poti, die Halldauer im Long-Betrieb dem persönlichen Nutzen anzupassen. Der Minischalter „Tone“ wirkt auf den Klang der virtuellen Hallspirale, ebenfalls in drei Stufen (N wie Neutral, B wie Bright und D wie Dark). Hier wird das Spektrum von analogen, warmen bis hin zu höhenreichen, schillernden HallSounds abgedeckt.

Das Pipeline ist extrem sorgfältig und robust gebaut, dazu mit den besten Materialien, die der Markt hergibt. Das lässt auf eine hohe Lebenserwartung schließen.

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Soviel schon vorab – das Pipeline bietet bestes Plug and Play. Einfach verkabeln und loshallen – jede Einstellung klingt, und keine Einstellung ist so extrem, dass sie nicht zu gebrauchen wäre. Das ist intuitive Verhallung, wie sie im Buche steht. Der Ton, den das Pipeline produziert, ist Spring Reverb pur. Das sage ich, und mein Fender Tube Reverb steht etwas traurig Pate, denn es klang tatsächlich auch nicht besser! Aber das Pipeline kann, abgesehen davon, dass es nicht rauscht, noch mehr als der Oldie – z. B. das leichte Schimmern der Hallfahnen in der Kombination von „Long“- und „Bright“-Einstellungen. Steht hingegen der Minischalter auf „Dark“, werden dem großen Hallraum diese schimmernden Höhen gekappt und es entsteht ein dunkler, großer Raum, der einen ganz speziellen Reiz entfalten kann, wenn man ihn mit entsprechender Musik füttert – z. B. mit einem verzerrten Lead-Ton. Überhaupt ist auffällig, dass das Signal auch bei extremen Hall-Settings stabil und tragfähig bleibt. Egal, ob nur ein dezenter Hall zur Unterfütterung oder ein prominenter großer Hall – das Pipeline liefert! In der extremsten Einstellung im „Long“- und „Bright“-Betrieb, bei dem das Trim-Poti auf Anschlag gedreht ist, wird ein Hall erzeugt, dessen Hallfahne deutlich hörbar zweimal „atmet“, um sich wieder neu aufzubauen – und auch dieser Hall ist musikalisch spielbar und führt kein selbstverliebtes Eigenleben. Dieses Ergebnis hat eben nichts zu tun mit dem digitalen Kaugummi- und Breitwand-Kino, das z. B. viele Ambient Reverbs anbieten, sondern zeigt natürliche, organische Federhall-Sounds, von denen man eigentlich nie genug bekommen kann.

alternativen

Es gibt richtig gute Alternativen zum Vahlbruch Pipeline, aber auch die müssen sich warm anziehen. Z. B. Rockett Boing (ca. € 220 UVP), Mad Professor Silver Spring (€ ca. 250 UVP), Keeley Hooke (ca. € 250 UVP) und Subdecay Super Spring Theory (ca. € 250 UVP) – neben einigen anderen. Im günstigeren Preisbereich ist mir kein hochwertiges Spring-ReverbPedal in der Qualität des Test-Probanden vor die Füße gekommen – aber auch wir können keinen vollständigen Überblick über diese verrückte Pedal-Szene garantieren.

Ja, das Vahlbruch Pipeline ist eine Überraschung, und zwar eine sehr positive! Es liefert auf kleinstem Raum natürlich klingende, organische Federhall-Sounds in einer top Klangqualität, und das praktisch ohne Nebengeräusche und mit einer großen Flexibilität, bei der ein richtiges Federhall-Gerät nicht mithalten kann. Unbedingt ausprobieren und gerne vergleichen!

www.vahlbruch-fx.com

UVP: € 199

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