Rot, röter, Dakota Red

Test: Twangtone Dakota Red Overdrive

Twangtone Dakota Red
FOTO: Petia Chtarkova

Ein neues Overdrive aus dem Hause Twangtone ist ja grundsätzlich schon mal interessant. Wenn zudem Orion Effekte ihre Hände im Spiel haben und das Pedal auch noch unverschämt gut aussieht, ist ein Test quasi Pflicht.

Dieses Mal hat sich der (Ex-)Kollege Heinz Rebellius (Twangtone) mit Jan van Triest von Orion Effekte als Partner für die Erschaffung eines neuen Pedals zusammengetan – die beiden Klangspezialisten aus dem Osnabrücker Umland haben mit dem Dakota Red, soviel sei schonmal verraten, ein Low-Gain-Overdrive der Extraklasse entworfen.

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Echter Hingucker

Der Name verrät den Look des Pedals ja schon weitestgehend – Fenders legendärer Rot-Ton lässt dieses Pedal im hübschen Retro-Look erstrahlen. Diese Farbe ist einfach nach wie vor der Hammer und passt super zu der in schwarz gehaltenen Schreibmaschinen-Typographie der Orion-Pedale. Das Gehäuse des Dakota Red ist in liebevoller Handarbeit dezent geaged worden und hat daher einen leichten Used-Look. Auf der Overdrive-Seite des Pedals finden wir die drei typischen Regler für Pegel, Klang und Verzerrung, während der Booster nur mit einem Lautstärke-Regler auskommt.

Ein wichtiges Detail des Dakota-Red-Pedals ist der kleine Mini-Schalter, mit welchem sich die Anordnung der beiden Schaltkreise umdrehen lässt – ein überaus cleveres Detail wie sich später noch zeigen wird. Beide Seiten sind natürlich separat fussschaltbar und jeweils mit einer hellen LED versehen.

Im Inneren unseres Test-Pedals geht es – wie zu erwarten war – genau so liebevoll weiter. Hier finden wir hochwertigste Bauteile, die auf eine stabile Platine sauber und ordentlich verlötet wurden. Die schön sahnig laufenden Potis und die kräftig zupackenden Klinke-Buchsen, welche auf der Stirnseite montiert wurden, runden das Bild stimmig ab.

Für den Test habe ich meine HSS-Strat mal wieder hervorgeholt und starte wie immer mit allen Reglern in der Zwölf-Uhr-Position. Ich finde, dass genau dies einer der spannendsten Momente beim Testen eines neuen Pedals ist – das erste Einschalten und die hoffnungsvolle Erwartung auf die Klänge, die da kommen mögen. Also beherzt das Pedal aktiviert und siehe da: es passiert nichts. Na gut, das stimmt natürlich nicht. Aber das Dakota Red trägt die Bezeichnung Low-Gain-Overdrive nicht zu Unrecht – anstatt den Sound massiv aufzupumpen, bekommt der Ton in den Tiefmitten ein wenig mehr Fundament und in den Höhen etwas mehr Strahlkraft, ohne dass der Charakter des Instrumentes irgendwie verfälscht wird.

Schaltet man das Pedal nun aber wieder aus, wird deutlich, wie subtil aber unheimlich effizient das Dakota Red in das Klanggeschehen eingreift – jetzt fehlt auf einmal etwas! Dreht man den Gain-Regler nun ein wenig weiter auf, ertönt ein weicher aber irgendwie auch dezent dreckiger Overdrive-Sound, welchen ich am ehesten in der Tweed-Richtung verorten würde. Hat eigentlich jemand die Post-Adresse von Neil Young? Möglicherweise würde der sich über so ein Pedal freuen.

Interessanterweise ist der Klangcharakter trotz einer gewissen Portion Schmutz nicht matschig oder übermäßig komprimiert. Selbst wenn man den Lautstärke- und Verzerrungs-Regler voll aufreißt, bleibt das Dakota Red stets gesittet und höflich im Ton ohne aber an Kraft zu verlieren. Etwas, was mir an manchen Tweed-Style-Overdrives nicht so gut gefällt, ist die manchmal etwas blasse Mottencharakteristik – nicht so bei unserem Test-Pedal. Twangtone und Orion-Effekte haben es geschafft, hier eine wirklich geschmackvolle Abstimmung zu schaffen, die einerseits den typisch erdigen Tweed-Charakter möglich macht, andererseits aber nicht zu dünn in den Mitten wird. Hut ab, das gefällt mir sowohl mit Humbuckern als auch mit Singlecoils richtig gut.

Die auf dem Elektro Booster aus gleichem Hause basierende Boost-Sektion des Dakota Red macht für sich genommen erst mal genau das, was sie soll: der Ton wird verstärkt, ohne dass der Klang nennenswert beeinflusst wird. Aktiviert man aber nun beide Seiten unseres Test-Pedals, eröffnen sich aufgrund des Mini-Schalters diverse Klangmöglichkeiten.

Befindet sich der Booster vor dem Overdrive-Schaltkreis, wird der Sound – je nach Reglerstellung – ein ganzes Stück gesättigter und dichter, was gerade für Lead-Passagen durchaus seinen Reiz hat. Es macht übrigens Sinn, ruhig mal mit unterschiedlichen Stellungen des Gain- und des Level-Reglers im Zusammenhang mit der Boost-Sektion zu experimentieren; hier gelingt es mühelos, dem Pedal unterschiedlichste Schattierungen zu entlocken.

Die andere Möglichkeit, den Booster zu nutzen, ist als wirklicher Lautstärke-Schub hinter dem Overdrive. Möchte man also ein Solo oder eine Melodie-Passage ein wenig aus dem Band-Kontext hervorheben, hat man so ohne zusätzliches Pedal einen gewissen Lautstärke-Boost.

Ich muss sagen, dass ich ziemlich hin und weg bin, wie vielseitig das Dakota Red sich im Test präsentiert. Wer hier aufgrund der Bezeichnung als Low-Gain-Overdrive ein One-Trick-Pony vermutet, hat definitiv auf das falsche Pferd gesetzt. Von ganz dezentem Sound-Boost, über super-dynamische Overdrive-Sounds bis hin zu erstaunlich verzerrten, ja schon fast fuzzigen Klängen (alle Regler auf Vollgas, Boost vor dem Overdrive) ist hier eine Menge klanglicher Spielraum zu hören.

alternativen

Für diejenigen, die bereits einen guten Booster auf dem Board haben, hat Twangtone das Dakota Drive ins Programm genommen. Hierbei handelt es sich um die gleiche Schaltung wie beim Dakota Red nur ohne die Boost-Sektion – das Pedal ist mit € 159 sogar noch etwas preiswerter. Auch das Western Drive – auf dessen Grundlage unser Test-Pedal entstanden ist – könnte man in Betracht ziehen.

resümee

Keine Frage, der Overdrive-Markt ist um ein wirklich sinnvolles Pedal reicher. Die Kooperation von Twangtone und Orion-Effekte hat insofern Früchte getragen, als dass hier nicht nur ein weiteres, x-beliebiges Zerr-Pedal auf den ohnehin schon gesättigten Markt geworfen wurde. Nein, hier haben wir es mit einem Treter für ein ganz klar abgestecktes Anwendungsgebiet zu tun. Da das Teil auch noch sagenhaft sexy aussieht, bleibt mir nur noch zu sagen, dass ich Pedal-Freaks, die auf der Suche nach dem heiligen Overdrive-Gral sind, dringend zum Test des Dakota Red raten möchte.

Twangtone Dakota Red
Twangtone Dakota Red

infokasten

Zehn Prozent eines jeden verkauften Pedals gehen übrigens als Spende an die Organisation Standing Rock, welche sich in Dakota gegen den Bau einer Öl-Pipeline wehrt. Der Bau dieser Pipeline stellt nicht nur eine massive Gefahr für die Umwelt dar, sondern führt auch durch einige heilige Orte der dortigen Native Indians.


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(erschienen in Gitarre & Bass 11/2017)

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