Boutique unterm Fuß

Test: Tone King Imperial Tri-Tube Preamp 

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(Bild: Boutique Amps Distribution)

Nachdem Friedman mit den Röhren-Pedal-Preamps IR-X, IR-D und IR-J bereits vorgelegt hat, hat die Dachorganisation BAD (Boutique Amps Distribution) mit dem Tone King Imperial nachgelegt. Dieser basiert auf einem ähnlichen Konzept, ist tonal allerdings völlig anders gelagert. Der Imperial beinhaltet die identische Preamp-Sektion des Tone-King-Imperial-MKII-Amps inklusive Phasenumkehrschaltung, Reverb, Tremolo, MIDI-Steuerung, durchdachter Anschlussperipherie sowie integrierten Impulse-Responses. Damit lassen sich Blackface-, Tweed- und britisch angehauchte Vintage-Sounds erzielen.

Tone King wurde ursprünglich 1993 von Mark Bartel in Kingston, New York, gegründet und nach kurzer Zeit nach Baltimore verlegt. 2016, unter dem Besitz von Premier Builders Guild (PBG), gab Tone King die Geschäftstätigkeit auf und die Marke wurde an Boutique Amps Distribution (BAD) verkauft. BAD ließ die Marke wieder auferstehen und die Verstärker werden nun größtenteils in Huntington Park, Kalifornien, gefertigt. Interessanterweise war der gebürtige Deutsche Peter Arends (Ampete) für das Redesign der aktuellen Tone-King-Modelle verantwortlich, so auch für den hier vorgestellten Tone-King-Imperial-MKII-Vollröhrenverstärker. Auch wenn Peter nicht mehr für BAD tätig ist, kommt zumindest sein Preamp-Design hier im Pedalboard-Format daher. Die Features versprechen schon mal eine Menge.

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Der „Tri-Tube”-Preamp verdankt seinen Namen drei 12AX7-Vorstufenröhren. (Bild: Boutique Amps Distribution)

AUFBAU

Im Imperial Preamp werkeln drei 12AX7-Vorstufenröhren unter Hochspannung. Eine davon ist für den Phase-Inverter verantwortlich und versorgt die sogenannte „Null-Watt-Endstufe“. Das Ziel besteht darin, die Sättigungseigenschaften der Endstufe des Vorbilds zu emulieren. Daher heißt der vermeintliche Master-Volume-Regler in den Kanälen auch „Attenuation“, da dieser hinter dem Phase-Inverter die Sättigung der Poweramp-Simulation regelt.

Der hochwertig anmutende und robust verarbeitete Imperial ist zweikanalig aufgebaut. Der Rhythm Channel orientiert sich an klassischen Blackface-Sounds und verfügt über die Regler Bass, Treble, Volume und Attenuation. Der Lead Channel lehnt sich an crunchige Tweed-Sounds bis hin zu britisch angehauchten Vintage-Sounds an. Hier sind „Mid-Bite“, Tone, Volume und ebenfalls Attenuation regelbar. Zusätzlich gibt es die röhrenbetriebenen Effekte Reverb und Tremolo (in Stereo), auf die über die Regler Reverb, Swell, Depth und Speed Einfluss genommen werden kann. Wie bei den Schwesterprodukten von Friedman gibt es auch beim Imperial-Preamp pro Kanal drei Impulse Responses für den Direktbetrieb, die sich per Kippschalter auswählen lassen (weitere sind über den Editor verfügbar).

(Bild: Boutique Amps Distribution)

Die drei Fußschalter haben allesamt Doppelfunktionen, die je nach Haltedauer die Steuerung von Tremolo/Reverb, Kanal/Effektloop-Bypass und Bypass/IR-Bypass ermöglichen. Durch Drücken der Schalter Tremolo und Channel werden Effektloop On/Off, Cab-IR und der Bypass-Modus manuell gespeichert. Über den Editor können weitere Einstellungen abgespeichert und via MIDI in bis zu 128 Presets abgelegt und abgerufen werden. Dazu später mehr.


ANSCHLUSSPARADIES

Im Vergleich zu den Friedman-IR-Pedalen verfügt der Tone King Imperial über eine umfangreichere Anschlussperipherie und lässt sich in der Praxis in mehr Anwendungsbereiche integrieren. Zunächst einmal ist er stereo ausgelegt und bietet für den Direktbetrieb zwei XLR-Ausgänge. Ein echtes Highlight ist, dass er sich in vorhandene Verstärker über einen Effektloop einschleifen lässt. So kann bestehendes Equipment um die Sounds des Imperial Preamps erweitert werden.

Egal, ob Dreikabelmethode, Standalone-Setup, Belieferung des FOH oder Arbeit mit MIDI – alle wichtigen Anschlüsse stehen bereit. (Bild: Boutique Amps Distribution)

Das geht kinderleicht: Es stehen die Anschlüsse „To Amp In“, „To Amp Send“ und „To Amp Return“ als – nennen wir es „Dreikabelmethode“ – zur Verfügung. So verkabelt wird über den Bypass des Imperial Preamps ein bestehender Amp angefahren. Wird der Imperial Preamp in den Signalweg integriert, wird die vorhandene Amp-Vorstufe aus dem Signalweg genommen und der Imperial Preamp liefert sein Signal (ohne IR-Sektion natürlich) über den „To Amp Return“ an die Endstufe des vorhandenen Amps. Alternativ kann auch ein weiterer Preamp, wie beispielsweise ein Friedman IR-X oder ein beliebiger Modeler, integriert werden. Dieser wird dann über die XLR-Ausgänge inklusive Impulse Responses in ein Interface oder zum FOH gesendet und steuert über „To Amp Return“ parallel eine externe Endstufe an. Das ist sehr durchdacht und praxistauglich. Klasse!

Weitere Klinkenanschlüsse sind ein Stereo-Effektweg aus Mono-„Send“ und Return „Left“/„Right“, ein „Guitar-Input“ und ein Kopfhörerausgang. Für die MIDI-Steuerung ist eine 5-polige MIDI-In-Buchse vorhanden, per USB-C gelingt die Verbindung mit dem Computer zur Steuerung mit dem Editor. Sollten Brummschleifen auftreten, kann man diese mit dem Ground-Lift in den Griff bekommen.


DER EDITOR

Wie bei den Friedman- und Soldano-Produkten aus dem Hause BAD ist auch der Editor für den Tone King aus dem Baukasten von Synergy. Hierüber lassen sich 128 Presets speichern, Program-Change-Befehle verwalten, die Liste der Controller-Change-Parameter einsehen, Impulse Responses organisieren und eigene Impulse Responses hochladen. Außerdem können Reverb, Tremolo, Effekte, FX-Loop, Kanäle und Bypass per Preset geschaltet werden. Zudem hat jeder Kanal einen Low-Pass-Filter und einen „HF Comp“ zur Kompensation bei kräftig emulierter Endstufensättigung an Bord. Die Sättigungs-Dämpfung schluckt schon etwas Höhen. Hiermit kann man das kompensieren, sofern gewünscht. Die Poti-Stellungen sind hingegen nicht speicherbar.

(Bild: Boutique Amps Distribution)

Stichwort Impulse Responses: Der Imperial Preamp kommt mit drei Impulse Responses auf dem Gerät selbst und zwölf weiteren, die mit dem Download des Editors verfügbar werden. Alle Boxen-Captures wurden von OwnHammer erstellt. Die drei bereits vorinstallierten Varianten sind:

  • OH 112 IMPERIAL TK1660: Tone King 1660 Lautsprecher in einem Tone King Imperial 1×12 Combo mit Shure SM57, Neumann U87 und Royer 121 mikrofoniert.
  • OH 212 Class A Blue: Celestion Blues von 1963 in einem VOX AC30 Combo mit Shure SM57, Neumann U87 und Royer 121 mikrofoniert.
  • OH 412 Basketweave M25: Celestion G12M-25 Lautsprecher aus einer 1971 Marshall 1960B 4×12 mit Shure SM57, Telefunken MD421 und Royer 121 mikrofoniert.

Damit hat man bereits ein breites Spektrum an IRs von offenen 1×12″- und 2×12″-Boxen sowie einer geschlossenen 4×12″-Box für die britische Note. Hier auf alle zwölf weiteren verfügbaren IRs detailliert einzugehen, würde den Rahmen sprengen. Auf jeden Fall sind die Möglichkeiten, hier zu experimentieren und „seinen“ Sound zu finden, mannigfaltig. Den Editor selbst muss man auf der Webseite von Tone King herunterladen. Das funktioniert schnell und die Installation gelingt ohne Probleme.

Sounds, Praxis und Resümee auf Seite 2

SOUND UND PRAXIS

Los geht’s: Zunächst darf sich der Tone King Imperial in seiner originären Anwendung im Direktbetrieb an meinen Studiomonitoren austoben. Der Rhythm Channel liefert dann auch die wunderbaren Blackface-Sounds mit Wärme und Tiefe. Die Simplizität der Regelmöglichkeiten ist durchaus befreiend: Bass und Treble sind völlig ausreichend, um die eingehende Gitarre optimal anzupassen. Je nach verwendeten Pickups und deren Output reicht das Spektrum der Sounds von herrlichen Clean-Sounds bis zu leichtem Breakup mit schönem Attack und einer gewissen „Süße“ im Ton. Von den vorinstallierten IRs ist die OH 112 IMPERIAL TK1660 mein Favorit für diesen Kanal, denn damit klingt es wunderbar stimmig. Schaltet man noch ein wenig Reverb in den Signalweg, bleiben für diese tonalen Gefilde amerikanischer Sounds keine Wünsche offen. Wenn man etwas mehr in den Breakup gehen möchte, nimmt der Imperial auch Drive-Pedale wunderbar an und reagiert genau so, wie man es von einem Röhren-Amp erwarten würde. Jetzt noch das Tremolo aktiviert und man schwebt förmlich, gerade wenn man es in Stereo verwendet, denn das Tremolo bildet sich über das gesamte Links/Rechts-Spektrum ab (es funktioniert ebenso auch in Mono).

Ein echtes Highlight ist die Phase-Inverter-Schaltung, denn aufgedrehte Attenuation liefert diesen gesättigten Endstufensound, den man bei aufgerissener Endstufe eines Low-Watt-Röhren-Amps bekommt. Das ist erstaunlich authentisch und gibt dem Ton eine schöne Kompression. Es stimmt, dass dies tatsächlich etwas Höhen wegnimmt, dem kann auf Wunsch aber exzellent mit dem „HF Comp“ in aktiver Stellung über den Editor Einhalt geboten werden. Also, der Rhythm Channel überzeugt schon mal auf ganzer Linie und lädt zum Spielen und Verweilen ein.

Im Lead Channel geht es in die Tweed-Richtung: Von leichtem Crunch bis zu singenden Leads mit mittlerem Verzerrungsgrad geht hier einiges. Der Ton ist kultiviert, schmatzend und voller Dynamik. Dreht man den „Mid Bite“ und Tone beherzt auf und lässt auch Volume (quasi das Gain) von der Leine, schimmert schon der britische Crunch früherer Prägung durch. Das in Kombination mit der OH-412-Basketweave-M25-Impulsantwort – und schon kann die Zeitreise Richtung UK beginnen. Die wenigen Regelmöglichkeiten erlauben aufgrund ihrer Wirkungsgrade stets eine optimale Anpassung an das verwendete Instrument. Und so macht es einen Heidenspaß, über den Imperial zu spielen.

Allerdings wollte ich noch herausfinden, ob sich der Imperial eventuell sogar für aggressivere Sounds eignet. Dazu kam eine IR aus meinem Bestand (4×12″ mit G12-65 aus den Achtzigern) zum Einsatz: Der Upload in das Gerät geht schnell und einfach. Dazu wurde der Lead Channel mit diversen Overdrive-Pedalen weiter angeblasen. Siehe und höre da, das funktioniert ganz ausgezeichnet und man kann den Sound so noch rockiger und tighter gestalten. Damit empfiehlt sich der Imperial Preamp auch als Plattform für Pedale und ist nicht unbedingt auf die Vintage-Sounds beschränkt, die er von ganz alleine wunderbar abliefert.

Im Direktbetrieb kann das Gerät voll überzeugen. Die Detailadjustierung über den Editor mit der Höhenkompensation und dem Low-Pass-Filter erlauben dann die letzte Feinabstimmung.

Als Nächstes wird das Setup komplexer und der Tone King wird über die rückseitigen Anschlüsse per Dreikabelmethode mit einem meiner Röhrentopteile mit Effektweg verbunden. Das digitale Backend der Impulse Responses liegt dabei nur an den XLR-Ausgängen des Imperial an. Das hat zur Folge, dass auch die externe Vorstufe meines Amps alternativ zum Imperial hier abgegriffen werden kann. Parallel läuft der Preamp in die Endstufe meines Amps und ich kann dieses ganze Setup sowohl über eine Box als auch direkt über XLR inklusive der Impulse Responses hören. Dabei integriert sich der Imperial Preamp problemlos. In wenigen Minuten stehen dem originär verwendeten Röhrentopteil zwei zusätzliche Kanäle zur Verfügung, die auch in dieser Anwendung voll zu überzeugen wissen. Die klanglichen und dynamischen Eigenschaften des Imperial kommen auch hier voll zur Geltung. Dabei funktioniert das Umschalten über den Bypass-Schalter rechts geräuschlos. Aber man hat nicht nur die beiden Kanäle addiert, sondern zusätzlich noch die Reverb- und Tremolo-Effekte zur Verfügung. Der Effektweg des Imperial fungiert in diesem Setup nun als Einschleifpunkt für externe Effekte wie zum Beispiel Delays. Das klappt ebenfalls tadellos und lässt in Verbindung mit den exzellent klingenden Reverb- und Tremolo-Effekten herrliche Klangwelten zu. Im Signalweg liegt der Effektweg übrigens vor den internen Effekten des Imperial.


RESÜMEE

Da ist Boutique Amps Distribution ein großer Wurf gelungen: Der Tone King Imperial Preamp überzeugt auf ganzer Linie. Grandiose, amerikanische Röhrensounds, die im Lead Channel auch britisches Terrain betreten können, gepaart mit hochwertigen Effekten, einem ausgezeichneten IR-Loader, MIDI-Steuerung, Stereo-XLR-Ausgängen sowie einer Anschlussperipherie, die keine Wünsche offenlässt. Damit eignet sich der Imperial Preamp als Herzstück eines formidablen Pedalboards, das schnell und einfach auch externe Geräte wie Modeler oder Amps mit Effektweg integrieren kann. Gerade in der heutigen Zeit, in der immer mehr Anwendungen direkt in eine DAW oder zum FOH bei Live-Anwendungen gefragt sind, setzt der Imperial Preamp ein Ausrufezeichen. Im Kern tönt der Imperial Preamp amerikanisch, warm, schmatzend und voller Dynamik. Die Verarbeitung ist erstklassig und die Ausstattung äußerst durchdacht. Es ist daher kein Wunder, dass BAD mit diesem Produkt einen potenziellen Bestseller auf den Markt gebracht hat, der meiner Meinung nach jeden Cent wert ist. ●


Plus

  • Erstklassige Röhrensounds
  • Sehr gute Pedal-Plattform
  • Einbinden externer Amps möglich
  • Hervorragende Reverb- und Tremolo-Effekte in Stereo
  • inkl. Editor und 15 Impulse Responses
  • Cab-Loader erlaubt auch eigene IRs
  • Einfache Bedienung


(erschienen in Gitarre & Bass 01/2026)

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