Boutique unterm Fuß
Test: Tone King Imperial Tri-Tube Preamp
von Christian Tolle, Artikel aus dem Archiv
SOUND UND PRAXIS
Los geht’s: Zunächst darf sich der Tone King Imperial in seiner originären Anwendung im Direktbetrieb an meinen Studiomonitoren austoben. Der Rhythm Channel liefert dann auch die wunderbaren Blackface-Sounds mit Wärme und Tiefe. Die Simplizität der Regelmöglichkeiten ist durchaus befreiend: Bass und Treble sind völlig ausreichend, um die eingehende Gitarre optimal anzupassen. Je nach verwendeten Pickups und deren Output reicht das Spektrum der Sounds von herrlichen Clean-Sounds bis zu leichtem Breakup mit schönem Attack und einer gewissen „Süße“ im Ton. Von den vorinstallierten IRs ist die OH 112 IMPERIAL TK1660 mein Favorit für diesen Kanal, denn damit klingt es wunderbar stimmig. Schaltet man noch ein wenig Reverb in den Signalweg, bleiben für diese tonalen Gefilde amerikanischer Sounds keine Wünsche offen. Wenn man etwas mehr in den Breakup gehen möchte, nimmt der Imperial auch Drive-Pedale wunderbar an und reagiert genau so, wie man es von einem Röhren-Amp erwarten würde. Jetzt noch das Tremolo aktiviert und man schwebt förmlich, gerade wenn man es in Stereo verwendet, denn das Tremolo bildet sich über das gesamte Links/Rechts-Spektrum ab (es funktioniert ebenso auch in Mono).
Ein echtes Highlight ist die Phase-Inverter-Schaltung, denn aufgedrehte Attenuation liefert diesen gesättigten Endstufensound, den man bei aufgerissener Endstufe eines Low-Watt-Röhren-Amps bekommt. Das ist erstaunlich authentisch und gibt dem Ton eine schöne Kompression. Es stimmt, dass dies tatsächlich etwas Höhen wegnimmt, dem kann auf Wunsch aber exzellent mit dem „HF Comp“ in aktiver Stellung über den Editor Einhalt geboten werden. Also, der Rhythm Channel überzeugt schon mal auf ganzer Linie und lädt zum Spielen und Verweilen ein.
Im Lead Channel geht es in die Tweed-Richtung: Von leichtem Crunch bis zu singenden Leads mit mittlerem Verzerrungsgrad geht hier einiges. Der Ton ist kultiviert, schmatzend und voller Dynamik. Dreht man den „Mid Bite“ und Tone beherzt auf und lässt auch Volume (quasi das Gain) von der Leine, schimmert schon der britische Crunch früherer Prägung durch. Das in Kombination mit der OH-412-Basketweave-M25-Impulsantwort – und schon kann die Zeitreise Richtung UK beginnen. Die wenigen Regelmöglichkeiten erlauben aufgrund ihrer Wirkungsgrade stets eine optimale Anpassung an das verwendete Instrument. Und so macht es einen Heidenspaß, über den Imperial zu spielen.
Allerdings wollte ich noch herausfinden, ob sich der Imperial eventuell sogar für aggressivere Sounds eignet. Dazu kam eine IR aus meinem Bestand (4×12″ mit G12-65 aus den Achtzigern) zum Einsatz: Der Upload in das Gerät geht schnell und einfach. Dazu wurde der Lead Channel mit diversen Overdrive-Pedalen weiter angeblasen. Siehe und höre da, das funktioniert ganz ausgezeichnet und man kann den Sound so noch rockiger und tighter gestalten. Damit empfiehlt sich der Imperial Preamp auch als Plattform für Pedale und ist nicht unbedingt auf die Vintage-Sounds beschränkt, die er von ganz alleine wunderbar abliefert.
Im Direktbetrieb kann das Gerät voll überzeugen. Die Detailadjustierung über den Editor mit der Höhenkompensation und dem Low-Pass-Filter erlauben dann die letzte Feinabstimmung.
Als Nächstes wird das Setup komplexer und der Tone King wird über die rückseitigen Anschlüsse per Dreikabelmethode mit einem meiner Röhrentopteile mit Effektweg verbunden. Das digitale Backend der Impulse Responses liegt dabei nur an den XLR-Ausgängen des Imperial an. Das hat zur Folge, dass auch die externe Vorstufe meines Amps alternativ zum Imperial hier abgegriffen werden kann. Parallel läuft der Preamp in die Endstufe meines Amps und ich kann dieses ganze Setup sowohl über eine Box als auch direkt über XLR inklusive der Impulse Responses hören. Dabei integriert sich der Imperial Preamp problemlos. In wenigen Minuten stehen dem originär verwendeten Röhrentopteil zwei zusätzliche Kanäle zur Verfügung, die auch in dieser Anwendung voll zu überzeugen wissen. Die klanglichen und dynamischen Eigenschaften des Imperial kommen auch hier voll zur Geltung. Dabei funktioniert das Umschalten über den Bypass-Schalter rechts geräuschlos. Aber man hat nicht nur die beiden Kanäle addiert, sondern zusätzlich noch die Reverb- und Tremolo-Effekte zur Verfügung. Der Effektweg des Imperial fungiert in diesem Setup nun als Einschleifpunkt für externe Effekte wie zum Beispiel Delays. Das klappt ebenfalls tadellos und lässt in Verbindung mit den exzellent klingenden Reverb- und Tremolo-Effekten herrliche Klangwelten zu. Im Signalweg liegt der Effektweg übrigens vor den internen Effekten des Imperial.
RESÜMEE
Da ist Boutique Amps Distribution ein großer Wurf gelungen: Der Tone King Imperial Preamp überzeugt auf ganzer Linie. Grandiose, amerikanische Röhrensounds, die im Lead Channel auch britisches Terrain betreten können, gepaart mit hochwertigen Effekten, einem ausgezeichneten IR-Loader, MIDI-Steuerung, Stereo-XLR-Ausgängen sowie einer Anschlussperipherie, die keine Wünsche offenlässt. Damit eignet sich der Imperial Preamp als Herzstück eines formidablen Pedalboards, das schnell und einfach auch externe Geräte wie Modeler oder Amps mit Effektweg integrieren kann. Gerade in der heutigen Zeit, in der immer mehr Anwendungen direkt in eine DAW oder zum FOH bei Live-Anwendungen gefragt sind, setzt der Imperial Preamp ein Ausrufezeichen. Im Kern tönt der Imperial Preamp amerikanisch, warm, schmatzend und voller Dynamik. Die Verarbeitung ist erstklassig und die Ausstattung äußerst durchdacht. Es ist daher kein Wunder, dass BAD mit diesem Produkt einen potenziellen Bestseller auf den Markt gebracht hat, der meiner Meinung nach jeden Cent wert ist. ●
Plus
- Erstklassige Röhrensounds
- Sehr gute Pedal-Plattform
- Einbinden externer Amps möglich
- Hervorragende Reverb- und Tremolo-Effekte in Stereo
- inkl. Editor und 15 Impulse Responses
- Cab-Loader erlaubt auch eigene IRs
- Einfache Bedienung

(erschienen in Gitarre & Bass 01/2026)
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