Produkt: Fender Stratocaster
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Nussknacker

Test: Tausch Guitars 659 Blacknut

Tausch Guitars 659 Blacknut(Bild: Dieter Stork)

Klassischer Gitarrenbau ohne jeglichen Einsatz von Tropenholz? Walnuss, Pflaume, Birne, Ahorn und andere heimische Materialien hat Rainer Tausch schon oft in tolle Instrumente gewandelt. Der schwäbische Gitarrenbauer aus Illertissen zeigt uns wieder einmal, wie gut das geht. Sein auch optisch höchst reizvoll gestaltetes Single-Cut-Design 659 lässt ein Verlustgefühl gar nicht erst aufkommen!

Aufmerksamkeit über unsere Landesgrenzen hinaus konnte sich Rainer mit seinem charaktervollen 665-Modell erwerben, einer semi-akustischen Konstruktion mit Korpus aus Birnbaum, eingeleimtem Ahornhals und leicht verlängerter Mensur. Ein ausführliches Interview mit Rainer Tausch ist in der Ausgabe 11/2018 zu finden.

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5% mehr von allem

Wie zeitgemäß elegant das gute alte Single-Cutaway-Design sich mit konstruktiver Überformung auslegen lässt, zeigt uns Rainer Tausch mit seinem Modell 659 absolut schlüssig. 5% mehr im Vergleich zum üblichen Single Cut-Format ist dabei das Motto, bezogen nicht nur auf die Korpusgröße, sondern auch auf die Mensur.

Den mit Hohlkammern versehenen Korpus der 659 aus offenporig matt versiegeltem Black Walnut kombinierte Rainer mit einem in Tobacco Burst High Gloss lackierten Figured Maple Top – optisch schon einmal eine Wucht, mit Farbe und Finish kann er umgehen, wie er ein ums andere Mal beweist. Die bookmatched gefügte Decke zeigt elegante Konturen, der Boden bekam zwar keine Anlagebucht, dafür sind die Korpusränder weich verrundet. Ein sehr schönes Detail ist die Abdeckung der Elektro-Fächer mit an entsprechender Stelle aus dem Korpus geschnittenen Deckeln.

Der eingeleimte Hals besteht ebenfalls aus Walnussholz. Und wie schön sich das Pflaumenholz als Griffbrettmaterial macht! Natürlich verfügt es neben der eleganten Optik auch über die richtigen mechanisch-strukturellen Eigenschaften, um seinen Einsatz zu rechtfertigen. Die 22 akkurat verarbeiteten Bünde von Wagner (No. 9684) sind in Frässchlitze eingesetzt, was die Außenkanten undurchstochen belässt. Diamond Inlays aus Perlmutt kennzeichnen die Lagen. Den formal schlüssig gestalteten Kopf ziert eine farblich mit der Decke korrespondierende Auflage aus Riegelahorn; die verlässlichen 510 Tuner von Gotoh ergänzen den klassischen Look.

Die Saiten schwingen namensgemäß mit 659 mm-Mensur zwischen dem Sattel aus Knochen und der traditionellen ABR Bridge. Gekontert werden sie von einem Alu Stoptail.

Häussel Pickups sorgen für die kompetente elektrische Tonwandlung. Das 1959-Humbucker-Set mit Nickelkappen ist in Creme-Rähmchen aufgehängt und steht ganz konventionell in Verbindung mit einem Dreiwege-Toggle-Switch und individuellen Volume- und Tone-Reglern für jeden Pickup. Das Instrument ist minutiös und detailgenau, also genau so verarbeitet, wie man es sich im hochklassigen Custom-Bau nur wünschen kann. Es wird mit Zertifikat geliefert.

Tausch Guitars 659 Blacknut
Korpusbasis aus Walnussholz mit „Matching Covers“ (Bild: Dieter Stork)

hohl, handlich, hinreißend

Die 659 lastet dank ihrer Korpuskammern nicht zu schwer auf der Schulter (3,5 kg), fügt sich mit ihrem im Verhältnis zu einer Les Paul leicht vergrößerten Korpus – erstaunlich, was nur zwei Zentimeter in Korpusbreite und -länge ausmachen – bestens an ihren Spieler und richtet sich auch praxisgerecht aus. Der kraftvoll rundlich gestaltete Hals spielt sich mit seinen gut ausgebauten Schultern und perfekt gemachter Bundierung plus tief, aber schnarrfrei eingestellter Saitenlage einfach fabelhaft.

Die ersten Akkorde rufen mit angedeutetem Box-Sound tatsächlich die semi-akustische Konstruktion in Erinnerung. Das akustische Klangbild ist von ausgesprochen vitaler Natur und dabei auch recht laut. Die Saiten schwingen lang und ebenmäßig aus, zeigen beste Separation im stimmlich ausgeglichenen Akkord. Beste Bedingungen einer stimmigen Konstruktion also für die elektrische Tonwandlung.

Gehen wir in den Amp und lassen die 59er Häussel Pickups ihren Job machen, so zeigen die auch gleich was sie können. Sie verfügen mit maßvollem Output nämlich über genau jene Übertragungskompetenz die es braucht, um die profunde akustische Substanz der 659 elektrisch ins rechte Licht zu setzen.

Der Humbucker am Hals vermittelt ein saftig volltönendes, Vintage-orientiertes Klangbild von irgendwie umarmender Qualität. Genau so wünschen wir uns einen klassisch geprägten Sound ganz ohne Zicken oder Verzeichnungen. Stramm konturierte Bässe, warm bullernde, ofenwarme Mitten, zum idealtypisch aufgelösten Akkord vervollkommnet mit einer Krone von goldenem Höhenglanz. Den stabilen Grundton eskortieren dabei harmonisch einfliegende Obertöne, was zu einem charaktervollen Farbambiente von ganz eigenem Charme führt. Der Anschlag wird direkt und pointiert umgesetzt, der Ton reagiert schnell und wendig auf das Plektrum – de luxe!

Schalten wir hoch in den Gain-Bereich, so erreichen uns tieffrequente Schallwellen mit einem gewissen Growl, einem angenehmem Grollen in den Bässen und Tiefmitten. Passend dazu gibt es einen kompakt geschlossenen Respons der hohen Saiten beim Spiel mit wechselnden Betonungen. Im Solospiel sind über den HalsPickup nicht nur markante und satt schnappende Linien zu haben, auch dieses innige Verschmelzen von eigentlich scharfen Zweiklängen auf den hohen Saiten ist Wonne pur, ganz zu schweigen von der eleganten Farbentwicklung bei gehaltenen Noten.

Nicht ganz unerwartet geht dann der Steg-Pickup mit schlanker Zuspitzung in die Pole Position, eröffnet mit offenem, spritzigem Sound, der in den oberen Mitten über einen netten kleinen Quack verfügt und Akkorde kompakt und angriffslustig bissig überträgt. Bemerkenswert schon bei klar eingestelltem Verstärker ist die starke Formbarkeit des Tons, der sich mit Finger und Plektrum geradezu modellieren lässt.

Bei variablem Anschlag sind mit ihm von schlank sauberer Darstellung bis hin zu leicht rotziger Attitüde, dank deutlich stärkerer natürlicher Kompression, sehr schön strukturierte Linien differenziert zu erzielen. Akkorde tönen geschlossen und kompakt, dennoch sind die einzelnen Stimmen in Mehrklängen klar zu orten. Auch hier gilt: der Anschlag steuert die Intensität des Ausdrucks!

Tausch Guitars 659 Blacknut
Starke Häussel 1959 Humbucker (Bild: Dieter Stork)

Snap! Wir haben hochgeschaltet und im Zerrmodus geht die Schwarze Nuss steil. Klasse, diese straffen, intensiv abfedernden Powerchords, die sich mit dem Plektrum in weiter dynamischer Bandbreite steuern lassen. Das Plektrum wird zum Skalpell, setzt seine Schnitte mit Präzision, die sichere Hand des Chirurgen mal vorausgesetzt. Schon leichte Bewegungen werden genauestens umgesetzt, das Biest ist hellwach und wartet nur darauf, zubeißen zu dürfen.

Die vorspringende Aggression ist aber nicht einfach nur grell und kantig, sondern fasst dank sanft einbrechender Spitzen mit harmonischer Rundung zu. Das hat einfach große Klasse und wird unterstützt durch die federleichte Tonerzeugung, das perkussive Attack-Verhalten und die in allen Lagen zu erzielende Ausdrucksintensität – Halleluja!

Schalten wir beide Häussel-Humbucker zusammen, so haben wir noch einen weiteren hochklassigen Sound an der Hand. Leicht kehlig und mit perlender Finesse ist das dann oben drauf noch so ein transparent luftiger Champagner-Sound, der uns in allen Betriebsarten gut aussehen lässt.

Welchen Einfluss nimmt nun auf all das die längere Mensur und die Bauweise mit Hohlkammern? Nun, die enorme Straffheit in der Handhabung (Saitenzug) und in der allgemeinen Darstellung (Tondichte) sind wohl der verlängerten Mensur zu danken; für die leichte Federkraft, sowie eine gewisse dynamische Wendigkeit und perkussiv markante Anschlagsbetonung kann man eher die semiakustische Bauweise verantwortlich machen. Beides muss man wohl persönlich erfühlen, denn eins ist sicher: eine Les Paul greift sich anders, zumindest weicher und sie tönt auch nicht so stringent wie die 659.

Tausch Guitars 659 Blacknut
Griffbrett aus Pflaumenholz mit Diamond Inlays und Wagner-Bünden (Bild: Dieter Stork)

resümee

Das Modell 659 des Rainer Tausch kann als Meisterstück des individuellen Gitarrenbaus gelten, da es das traditionell gesetzte Single-Cutaway-Design mit alternativen Materialien und konstruktiven Veränderungen nicht nur formal, sondern auch klanglich in eine reizvolle neue Ausrichtung bringt. Tonhölzern wie Walnuss, Pflaume und Ahorn gewinnt Rainer, zusammen mit einer verlängerten Mensur und der semiakustischen Bauweise, eine selbstbewusste und schlicht achtunggebietende Klangsubstanz ab, die für sich steht.

Das charaktervolle Tonbild der stimmigen Konstruktion wird durch Harry Häussels 1959er Humbucker kongenial in Szene gesetzt, was nicht nur die klangfarbliche Delikatesse, sondern auch das pointierte Anschlagsverhalten und die tolle dynamische Beweglichkeit der Blacknut ins beste Licht rückt. Was hier geschieht, kann man auch Emanzipation nennen. Die Prägung durch die amerikanischen Ikonen wird bleiben, deren Dominanz indes lässt nach. Geht es um einen originären Ton im Rahmen des vertrauten Designs, so zeigt Rainer Tausch eine bemerkenswert kraftvolle Alternative auf. Tolle Arbeit – Bravo!

PLUS
• stimmiges Design
• semiakustische Konstruktion ohne Tropenholz
• Schwingintensität, Sustain
• perkussives Attack-Verhalten
• Häussel 1959 Humbucker
• farbstarke Sounds
• Hals, Bundierung
• Spieleigenschaften
• hochklassige Verarbeitung

Tausch Guitars 659 Blacknut

(erschienen in Gitarre & Bass 02/2019)

Produkt: Testbericht: Yamaha SG1801PX Phil X Signature
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