Why? Why Not?

Test: Squier Limited Edition Classic Vibe 60s Stratocaster

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(Bild: Dieter Stork)

Zum Ende des Jahres 2025 schlug Fender über seine Squier-Subdivision noch einmal ordentlich auf die Pauke und verkündete in allen Instrumentengruppen schick lackierte, neue, limitierte Serien. Nicht, dass das Gitarrenrad damit neu erfunden werden würde – das würde Fender/Squier niemals wollen, denn dann wären sie ja ihr Kerngeschäft los –, sondern eben nur, um einige schicke Farben unter das Strat-Volk zu streuen. Einige werden sicherlich fragen: Why? Ich sag’ mal: Why not?

Dabei war ich kurz versucht, all die Stratocaster-Linien aufzuzählen, die Squier uns derzeit vorsetzt … Bis mir einfiel, wie schnell solche Aufzählungen Schnee von gestern sein können. Vielleicht geistert schon in wenigen Wochen die nächste neue Serie durchs Stratocaster-Dorf? Also erfreuen wir uns lieber am Glanz dieser brandaktuellen Classic Vibe 60s Strat in der limitierten Farbgebung Aztec Gold.

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GOLDIG

Squier lässt diese neue, limitierte 60s-Strat-Serie in drei verschiedenen Farben antanzen – Olympic White, Ice Blue Metallic und eben Aztec Gold, eine tiefgoldene Farbe, die in Kombination mit dem Tortoise-Pickguard besonders elegant erscheint. Zu diesem prächtigen Arrangement passt aber die weiße Backplate, die die rückwärts gelegene Federkammer abdeckt, wie die Faust aufs Auge – hier wäre doch ein Deckel im schönen Tortoise-Ton die logische und bessere Wahl gewesen.

Der Begriff „60s Strat“ ist natürlich dehnbar wie Kaugummi, denn gerade in dieser Dekade passierte bei Fender so viel wie in kaum einem anderen Jahrzehnt, was Änderungen in der Produktion, Kalkulation und Firmenphilosophie angeht, sodass dieser Begriff eigentlich gar keinen konkreten Sinn ergibt. Aber gut, ein bisschen Freiheit im Anlehnen an die eigene Tradition macht nicht nur die Arbeit etwas leichter, sondern auch den Umgang mit Vintage-Puristen und ihrem erhobenen Zeigefinger.

Im Allgemeinen wird mit dem Attribut „60s“ ja die Kombination aus Erle-Body und Ahorn-Hals samt Palisander-Griffbrett assoziiert, aber schon bei dieser historischen Vorgabe kommt der gefürchtete Squiersche Rotstift ins Spiel und schreibt Pappel als Korpus- und Lorbeer als Griffbrettholz in die Auftragsbeschreibung der indonesischen Produktionsstätte. Ahorn für den Hals ist hingegen auch in den günstigeren Preisklassen immer noch eine Konstante geblieben.

Die kleine Kopfplatte im Stil einer Pre-CBS-Strat trägt historisch korrekt nur einen Saitenniederhalter und ein Logo im Transition-Stil, das Fender von 1965 bis ca. 1968/69 verwendete. Das passt also historisch nicht ganz zusammen, ist aber ganz im Sinne des vorgegebenen 60s-Stils, der einen immerhin periodisch korrekten Mischmasch von Features erlaubt.

Die kleine Kopfplattenform der Pre-CBS-Zeit, kombiniert mit dem sogenannten Transition-Logo (Bild: Dieter Stork)

Sechs Mechaniken im Kluson-Design verrichten während der Testdauer präzise ihren Job, da gibt’s nichts zu meckern.

 

Die Saiten überqueren nach dem Sattel, der laut offiziellen Specs aus Knochen, meiner Meinung nach aber ein Kunststoff-Produkt ist, das Lorbeer-Griffbrett, ein „Slab-Board“, das sich in einem Radius von 9,5″ über dem Ahornhals wölbt. Bünde im sogenannten Narrow-Tall-Format hat die Aztec-Goldene verschrieben bekommen – also schmale und hohe. Ein bisschen 60s, ein bisschen modern.

Bünde im Narrow-Tall-Format auf einem Lorbeer-Griffbrett (Bild: Dieter Stork)

Im Pickguard sitzen drei Fender-designed Alnico-Singlecoil-Pickups mit staggered polepieces. Das Regler-Layout beschreitet ebenfalls klassisches Terrain, mit zwei sinnvollen Ausnahmen: Neben dem Master-Volume regelt hier der erste Tone-Regler den Hals- und Mittel- und der zweite Tone-Regler den Steg-Pickup. Außerdem ist anstelle eines Dreiweg-, ein Fünfwegschalter verbaut, der die bekannten Positionen anwählt.

Natürlich findet sich am Ende der Saitenstrecke ein sogenanntes Synchronized-Tremolo mit sechs gebogenen Saitenreitern, und die weiße (s.o.) Backplate verbirgt in der Federkammer drei Spiralfedern und einen Tremolo-Block aus Zinkguss. Die 1960er-Jahre-Strats hatten damals einen Block aus Stahl, aber den wollte der Rotstift wohl nicht genehmigen. Was mir wenig zusagt, ist die ungewöhnlich stark nach oben gebogene Form des Vibratoarms. Dadurch wird das intuitive Einbinden des Arms z.B. in Palm-Muting-Bewegungen, Arpeggios oder Hybrid-Picking ergonomisch nahezu blockiert. Statt als Spielhilfe stets zur Hand zu sein, erfordert diese Form eine isolierte, zusätzliche Greifbewegung, was den Spielfluss stört.

Der Vibratoarm steht sehr weit nach oben ab (Bild: Dieter Stork)

Hinzu kommt, dass die Höheneinstellschrauben der Saitenreiter deutlich über das Gewinde hinausstehen. In der Praxis birgt das ein Verletzungsrisiko für die Spielhand. An solchen Stellen zeigt sich dann, dass Squier sich im Großen zwar an der Fender-Tradition ausrichtet und vieles gut gemeint ist, aber – dank besagtem Rotstift – im Detail noch Optimierungspotenzial bleibt. Nicht umsonst sind die Squier-Instrumente, und da besonders die der Classic-Vibe-Serie, gerade in der Mod-Szene mehr als angesagt.

Die Schrauben zur Höheneinstellung ragen hervor und können verletzen (Bild: Dieter Stork)

Die gesamte restliche Verarbeitung ist makellos und auf einem richtig guten Stand. Bünde und Sattel sind einwandfrei abgerichtet, die Lackierung zeigt keine negativen Auffälligkeiten – diese Limited-Edition-Strat ist (bis auf diese Backplate …) einfach rundum eine schmucke Gitarre.

Spielgefühl, Sound und Resümee auf Seite 2

(Bild: Dieter Stork)

UND WIE SPIELT SIE?

Geht so … Erst einmal fällt auf, dass das Setup der Gitarre ab Werk holprig ist: Die Saitenlage ist zu hoch (siehe Übersicht), die Oktavreinheit – offenbar nur nach dem optischen Verlauf der Saitenreiter eingestellt – stimmt bei fünf der sechs Saiten nicht. Vielleicht denkt man bei Fender/Squier, der Händler könnte hier ja noch einmal selbst Hand anlegen? Doch in der Praxis machen viele Händler, insbesondere im Versandhandel, bei günstigen Instrumenten oft gar kein Setup mehr, denn die geringen Margen in diesem Preissegment rechtfertigen den zusätzlichen Zeitaufwand schlicht nicht. Kümmern muss sich in dem Fall der Kunde, der nun entweder selbst Hand anlegen oder einen Service-Techniker bemühen muss. Meine Meinung: Die Verantwortung liegt hier primär beim Hersteller.

Eine sorgfältigere Endkontrolle mit einem grundsätzlich spielbereiten Setup sollte bei einem Instrument, das an den Handel ausgeliefert wird, Standard sein – gerade, wenn es sich um ein Instrument für Einsteiger oder preisbewusste Käufer handelt.

Ein kleiner Tipp an den Kunden: Wer die Gitarre persönlich im Laden kauft, kann dort immer auf ein ordentliches Setup bestehen – die meisten Händler sind dazu gerne bereit.

Jetzt aber endlich mal richtig Krach machen! Und dazu ist die Squier 60s Strat allzu gerne bereit. Akustisch zeigt sie sich laut und ausgewogen, mit klaren Fender-Anleihen – was auch kaum jemanden überraschen dürfte. Verstärkt fällt jedoch auf, dass die neuen Alnico-Pickups, auf die Squier setzt, einen Klangcharakter liefern, den ich so bewusst noch nicht erlebt habe und der mit den Originalen der 60er Jahre nicht viel zu tun hat.

Zum – zugegeben unfairen – Vergleich habe ich deshalb eine originale 69er Fender Strat hinzugezogen. Das Ergebnis: Die aktuelle Squier-Interpretation der 60er kommt nicht nur deutlich lauter daher. Auffällig ist ein betonter Bass- und Höhenbereich bei allen drei Pickups, sodass ein einzelner Pickup dieser Squier fast schon wie die Mittelstellung der 69er Strat klingt. Was nicht negativ sein muss – dieser „scooped“ Sound hat durchaus seinen eigenen Reiz, auch wenn man nicht Knopfler mit Nachnamen heißt.

(Bild: Dieter Stork)

Der Hals-Pickup der Squier Limited zeigt auf den ersten Blick einen ansprechenden Klangkörper, der bei entsprechender Spielweise sogar ins Süßliche abdriften kann. Viele Bässe, viele Höhen – das ist sein Rezept. Im Vergleich dazu wirkt die 69er-Strat nicht nur leiser, sondern insgesamt runder, sanftmütiger und – wer es will – bluesiger. Bei angecrunchtem Sound treten die Höhen des Hals-Pickups der Squier noch deutlicher und glasiger hervor, während die Bässe hier in Gefahr laufen, etwas zu mulmen. Das lässt sich jedoch mit einer angepassten Spielweise gut steuern. In heftiger Verzerrung wird der scooped Grundcharakter des Pickups noch deutlicher: Die Höhen werden noch glasiger, die Bässe aber durch die Mittenbereiche der Verzerrung entlastet, sodass ein reizvoller Distortion-Sound mit kraftvoller Strat-Seele dabei herauskommt.

Der Mittel-Pickup kommt grundsätzlich definiert und offensiv rüber. Er ist vollwertig auch alleine einsetzbar, verbindet die besten Eigenschaften von Hals- und Steg-Pickup und gerade verzerrt zeigt er eine für einen Mittel-Pickup ungewöhnlich gute Durchsetzungskraft – er steht richtig erwachsen zwischen seinen beiden Kollegen.

Der Steg-Pickup der Squier ist laut, im Clean-Bereich eher hart und je nach Amp-Einstellung auch schrill. Zum Glück kann das zweite Ton-Poti hier Abhilfe schaffen, um die Höhen zu zähmen. Im Vergleich: Die 69er Fender-Strat ist am Steg nicht nur leiser, sondern sie hat auch weniger ausgeprägte Höhen und klingt insgesamt ausgewogener. Im Crunch-Betrieb fehlt den Höhen der Squier in dieser Position die Unterstützung durch Mitten und Bässe, wodurch sie dünn wirken, während die alte Fender-Strat hier mit vollen, satt glänzenden Höhen punktet. Bei voller Verzerrung dagegen liefert die Squier laute, bissige Höhen und guten, klanglich modern abgeschmeckten Druck mit einem fetten Anschlag – sehr reizvoll!

Apropos scoop: Die beiden Zwischenpositionen wirken dank der beschriebenen klanglichen Ausrichtung der Pickups wie eine Art „Scoop Deluxe“ – viele Bässe (die verzerrt leicht dröhnen können), wenige Mitten und glasige bis übertrieben-glasige Höhen. Ein spezieller Sound, insbesondere in der Position 2, den man mögen kann, aber nicht muss.

RESÜMEE

Mit der Limited Edition der Classic Vibe 60s Stratocaster bringt Squier eine weitere Version der legendären Stratocaster auf den Markt – gezielt für Einsteiger und Gelegenheitsspieler geschaffen. Alles scheint darauf ausgerichtet zu sein, den Einstieg in die besondere Welt der Stratocaster so einfach wie möglich zu machen. Dazu gehören eine ansprechende Optik – hier die Lackierung in Aztec Gold kombiniert mit dem Tortoise-Pickguard – sowie neue Alnico-Pickups, deren Klang so abgestimmt ist, dass auch ungeübte Hände leicht typische Strat-Sounds erzeugen können: laut, klar, schon von Haus aus mit leicht scooped ausgerichteten Einzel-Pickups – und in den Zwischenpositionen sogar noch ausgeprägter. Strat-Spielern mit etwas Erfahrung in diesem Metier kann diese Pickup-Abstimmung hingegen schnell aufdringlich oder gar nervig erscheinen.

Doch auch diese Squier bietet noch Potenzial für Verbesserungen. Ich denke da an die hervorstehenden Höhenverstellschrauben, den ergonomisch ungünstig geformten Vibratoarm und das Setup. Trotzdem: Für den Einsteiger bietet die Squier Limited Edition Classic Vibe Stratocaster alles, was er braucht, um klassische Strat-Sounds zu entwickeln. Und wer Wert auf eine solide Ausgangsbasis für sinnvolle, individuelle Modifikationen legt, findet hier ein durchaus attraktives, schickes Angebot. ●

Plus

  • Optik
  • Sounds
  • Spielgefühl
  • Verarbeitung

Minus

  • Werks-Setup
  • Höhenverstellschrauben am Steg ragen heraus
  • ungünstig geformter Vibratoarm


(erschienen in Gitarre & Bass 03/2026)

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