Produkt: Treble Booster im Test
Treble Booster im Test
Der Treble Booster war in den 60er und 70er Jahren das Effektgerät schlechthin. Hol dir jetzt 4 Gratis-Testberichte zum Sound-Wunder!
(H)alles kann, nichts muss

Test: Source Audio True Spring Reverb

Source Audio True Spring Reverb(Bild: Dieter Stork)

Darf es etwas mehr sein? Mit dem True Spring Reverb präsentiert Source Audio einen Digital-Hall, der mit seinen Sounds und Optionen sowohl Retro-Fans als auch Sound-Tüftlern gefallen dürfte. Unter seiner Haube schlummert ein wahrer Kosmos an Möglichkeiten.

Auf den ersten Blick wirkt das True Spring wie ein gewöhnliches Pedal – vier Regler, ein Mini-Schalter, das war’s auch schon. Nein, war es nicht. Ganz im Gegenteil. Schon die zweite LED oben auf der Bedienfront sollte einen stutzig machen. Um es vorweg zu nehmen: Der Source Audio Hall ist ein digitaler Emulator der legendären Hall-Effekte des Hauses Fender und bietet dabei umfassende Zugriffsmöglichkeiten, die den Rahmen dieses Tests bei Weitem sprengen. Allein die Tatsache, dass die Bedienungsanleitung 49 Seiten umfasst, dürfte klar machen, dass wir es hier ganz und gar nicht mit einem konventionellen Pedal zu tun haben. Das Gute dabei: Auch ohne den digitalen Hintergrund lässt sich mit dem True Spring analog sehr gut arbeiten. Der Reihe nach:

Anzeige

Ab Werk liefert das Pedal drei verschiedene Hall-Modi, die sich an den Klängen der frühen 1960er-Jahre orientieren: „Short“ empfindet die Spiralen von Amps wie dem Twin Reverb oder Deluxe Reverb nach und liefert einen kompakten Sound mit schnellem Verfall, „Long“ geht einen Schritt weiter und bietet intensivere und dem Namen entsprechend auch länger abklingende Hall-Effekte, „Tank“ emuliert legendäre Halleinheiten wie Fenders 6G15, die dem Surf seinen Sound gegeben haben.

Geregelt werden diese Vorlagen mit Potis für Mix (Effektanteil), Level (Ausgangslautstärke), Tone (Höhenanteil im Effektsignal) sowie Dwell, einem Regler, der auch auf den Ur-Modellen zu finden ist. Er bestimmt, wie viel vom Eingangssignal durch die Hallspirale läuft. Je weiter rechts er steht, desto satter und auch schmutziger klingt das Ergebnis.

Ein erster Check, standesgemäß mit einer Strat, bringt durch die Bank sehr authentische Retro-Ergebnisse, die absolut aufhorchen lassen – etwa bei ‚Misirlou‘, dem Referenz-Song des unlängst verstorbenen Surfgitarrenkönigs Dick Dale. Aber auch andere Songs und Sounds dieser Epoche lassen sich mit dem True Spring schnell und originalgetreu reproduzieren. Wer Bands wie den Shadows und Konsorten nacheifern will, dürfte an diesem Pedal große Freude finden. Doch das ist nur der Anfang.

Als Zusatz-Effekt wurde dem True Spring ein Tremolo spendiert, der über einen kleinen Control-Schalter an der Stirnseite aktiviert wird: Drückt man ihn, ändern die Regler „Dwell“ und „Tone“ ihre Funktion und steuern die Effekttiefe und -geschwindigkeit des Tremolos – oder besser der Tremolos, denn auch der Mini-Schalter ändert seine Bestimmung. Über ihn lassen sich drei Tremolo-Typen abrufen: „Short“ liefert dann die Emulation eines Tremolos auf Optokoppler-Basis – auch das kennt man von klassischen Amps aus Kalifornien –, aus „Long“ wird „Harmonic“, das Tremolo verarbeitet die hohen und die tiefen Frequenzen hier unterschiedlich und klingt ein wenig in Richtung Phaser. Das dritte im Bunde nennt sich „Bias“ und bietet ein entsprechendes Tremolo mit weniger harten Sound-Kanten auf.

Damit haben wir die absoluten Grundlagen des True Spring abgebildet, ab hier geht der Spaß erst so richtig los. Neben dem „Control“-Schalter sitzt eine passende Buchse, die diversen externen Controllern Zugriff gewährt. Wir beginnen mit Source Audios kompaktem Tap Tempo Switch, der das Tremolo entweder ein- und ausschalten kann oder dem Namen entsprechend das Tempo des Effekts bestimmt. Im ersten Fall kann man beide Effekte separat abrufen und spart sich dadurch unter anderem Platz auf dem Board.

Jetzt wird auch klar, wofür die zweite LED gut ist: Sie zeigt an, dass das Tremolo durch einen Zugriff von außen aktiviert ist. Für das Tremolo gilt Ähnliches wie für die Hall-Varianten: Sie klingen durchweg sehr gut und erweitern die Möglichkeiten des Pedals enorm – stimmungsvolle Americana-Sounds etwa sind damit ohne große Schraubarbeiten möglich.

Source Audio True Spring Reverb(Bild: Dieter Stork)

Noch vielseitiger wird der Treter durch die Preset-Option: Insgesamt drei Sounds lassen sich voreinstellen und abrufen. Der Mini-Toggle entscheidet, welcher von ihnen aktiviert wird. Um den Modus zu verändern, hält man den Fußschalter gedrückt, bis die Farbe der großen LED von grün (Standard-Modus) zu rot (Preset) wechselt. Somit stehen zwei verschiedene Sounds zur Auswahl, ohne dass man die Finger von der Gitarre nehmen muss.

Schon mit diesen Möglichkeiten und vor allem diesen Sounds kann das True Spring überzeugen, doch ab hier schlägt nun die Stunde der digitalen Bauweise. Über den Computer oder das Smartphone lässt sich das Pedal bis ins Kleinste konfigurieren und den persönlichen Bedürfnissen anpassen. Die entsprechenden Editor-Softwares findet sich auf der Source-Audio-Homepage unter dem Reiter „Support“ sowie den jeweiligen App Stores. Für die Steuerung per Smartphone liegt ein Kabel von Klinke auf Mini-Klinke bei, Anschluss an den Rechner findet das Pedal über eine USB-Buchse an der Stirnseite.

Die Optionen via Smartphone umfassen unter anderem folgende Wahl-Möglichkeiten: True Bypass oder Buffered Bypass, Start im Preset- oder Standard-Modus, Hallfahnen bei Ausschalten des Geräts abschneiden oder ausklingen lassen, mit welcher Funktion ist die Control-Buchse belegt, wie schnell soll das True Spring vom Standard in den Preset-Modus wechseln und einiges mehr. Wer sich im Dickicht der Optionen verläuft, dürfte über den „Factory Reset“-Button auf der Seite der Hardware-Optionen dankbar sein. Daneben lassen sich im Preset Editor auch die Sounds und Regelmöglichkeiten der Effekte und Potis äußerst detailliert tunen.

Ähnliches gilt für die Zugriffsmöglichkeiten von extern. Zudem bietet Source Audio acht weitere Hall-Presets, die sich auf die Preset- oder Standard-Slots legen lassen. Außerdem findet sich dort eine große Bibliothek an Anwender-Sounds, die man der persönlichen Sammlung hinzufügen oder mit eigenen Kreationen bereichern kann. Bei so vielen Möglichkeiten braucht es einige Zeit sowie die entsprechende Beschäftigung, bis sich alle Optionen dieser digitalen Welt komplett erschließen.

Über den Software-Editor lässt sich dann noch weiter an den Details feilen, exemplarisch sei hier die Abklingzeit der Hall-Modi erwähnt – und die Möglichkeit, den Mini-Schalter sowohl im Standard- als auch im Preset-Modus mit Sounds nach Wunsch zu belegen. Diese Software hätte einen eigenen Test verdient – und bräuchte auch mindestens einen entsprechenden Platz. Ebenso nur am Rande erwähnen können wir in diesem Test, dass der „Control“-Input neben dem Tap Tempo Switch auch Expression-Pedale und diverse hauseigene Controller aufnehmen kann und das Pedal selbstredend MIDI-fähig ist.

Auf der Hardware-Seite sei noch bemerkt, dass über je zwei Ein- und Ausgänge verschiedene Routing-Optionen zur Verfügung stehen – unter anderem die Möglichkeit, externe Pedale einzuschleifen und dann über das True Spring ab- und zuzuschalten. Kurzum: Die Optionen sind absolut beeindruckend. Wer seinen Ton lediglich ein bisschen andicken will, unterfordert das Pedal massiv.

Um alle Möglichkeiten ausreizen zu können, sollte man das üppige Manual runterladen und durcharbeiten. Wer es zunächst bei den Grundlagen belassen mag, findet in der beiliegenden Quick Start Reference Card erste Erkenntnisse, für den Zwischenschritt gibt es die ebenfalls downloadbaren Quick Instructions. Wem bei allen Optionen die Sound-Welten etwas zu kurz gekommen sind: Stimmt. Aber die sind so umfangreich und vielfältig, dass jeder, der auf klassische Hall- und Tremolo-Effekte steht, etwas Passendes findet, das er sich dann für die persönliche Anwendung maßschneidern kann.

Neben den bereits erwähnten Spielarten bietet sich das Pedal natürlich auch für all diejenigen an, die einen klassischen Spiralhall in Pedalform suchen. Und gerne ein Tremolo als Bonus mitnehmen.

resümee

Das True Spring ist ein Pedal voller Möglichkeiten, dass sehr viel mehr bietet, als man auf den ersten Blick vermuten mag. Bei allen digitalen Optionen lässt es sich dennoch auch direkt aus der Box intuitiv nutzen. Vor allem anderen aber gilt: Die Sounds können absolut überzeugen. Der Rest ist quasi eine riesige Sahnehaube.

PLUS
• Hall-Sounds
• Tremolo als Bonus
• zusätzlicher Preset-Modus
• schier endlose Editier-Möglichkeiten
• Effekt-Bibliothek
MINUS
• höhere Einarbeitungszeit, um alle Optionen nutzen zu können

Source Audio True Spring Reverb

(erschienen in Gitarre & Bass 07/2019)

Produkt: Treble Booster Special
Treble Booster Special
Jeder Gitarrist hat wohl seinen Lieblings-Song mit einer Treble-Booster-Gitarre. Hier erfährst du auf mehr als 30 Seiten alles über den kleinen Sound Zauberer!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren