Produkt: Treble Booster Special
Treble Booster Special
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Double Trouble

Test: Source Audio Collider

(Bild: Dieter Stork)

Reverb und Delay in einem Pedal? So spart man Platz und hat zwei grundlegende Effekte immer parat. Aber muss man nun auch Kompromisse eingehen?

Source Audio ist ja insbesondere durch die coolen Soundblox- und Hot-Hand-Pedale bekannt geworden. Für viele Gitarristen war das Konzept dann wohl doch etwas zu modern, und so ging man zu „normaleren“ Pedalen über. Spätestens mit dem Ventris Reverb und dem Nemesis Delay ist man auch in den Kreisen der konventionelleren Instrumentalisten angekommen – verzichtet aber nicht auf die Kreativ-DNA der Firma. Mit dem Collider hat Source Audio nun Effekte eben jener beiden Pedale in einem Gehäuse zusammengebracht.

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HARDWARE & ANSCHLÜSSE

Der Collider kommt ohne viel Schnickschnack daher. Im Karton finden sich noch ein Netzteil und eine kleine Karte, die die Bedienung erklärt. Tatsächlich reicht das auch fast schon, denn das Meiste ist selbsterklärend. Möchte man richtig tief in die Bedienung einsteigen, so empfiehlt es sich natürlich, die 51-seitige englischsprachige Bedienungsanleitung herunterzuladen. Anschlussseitig ist der Collider gut ausgestattet. Rechts finden sich zwei Klinke-Inputs und MIDI-In, links dementsprechend zwei Klinkenausgänge und MIDI-Thru. Schließt man an den zweiten Input ein Mono-Klinkenkabel an, so geht das Gerät davon aus, dass es Stereo befüttert wird und konfiguriert sich intern entsprechend. Man kann hier auch ein Stereo-Kabel nutzen, um das Pedal mittels Neuro App zu konfigurieren.

Definitiv ein Effektgerät,
das Anschluss sucht
(Bild: Dieter Stork)

Auf der Stirnseite finden wir eine Buchse für den Control-Input, den Anschluss für das Netzteil, eine Klinkenbuchse, welche für ein Expression-Pedal oder einen Switch genutzt werden kann und schließlich noch einen USB-Anschluss.

BEDIENUNG

Auch wenn die Oberfläche des Colliders zunächst relativ voll wirkt, so ist sie auf den zweiten Blick doch übersichtlich und aufgeräumt. Eine Schlüsselrolle übernimmt hierbei der Mini-Switch unten rechts. Mit ihm wählt man aus, ob gerade das Delay oder das Reverb eingestellt werden soll. Beginnt man mit den Einstellungen für das Delay, kann man zunächst nun am Poti in der Mitte den gewünschten Algorithmus auswählen, also beispielsweise ein Tape Delay. Nun ist das Poti oben links der Time-Regler und direkt darunter findet sich Feedback. Tone und Mix sind für Delay und Reverb gleich und regeln jeweils wie hell oder dumpf das Effektsignal klingen soll, beziehungsweise wie hoch der Effektanteil im ausgegebenen Signal ist.

Essenziell wichtig sind die beiden Control-Potis. Natürlich möchte man bei so vielen verschiedenen Algorithmen effektspezifische Parameter ändern können und eben nicht nur die Standards bedienen. Da wir mit dem Delay als Beispiel angefangen haben, ist es zum Glück einfach: Hier ist Control 1 immer die Modulationstiefe und Control 2 immer die Rate der Modulation.

Insgesamt stehen fünf Delay-Algorithmen und sieben Reverb-Algorithmen zur Auswahl. Schalten wir nun also zu den Reverbs um, wird es ein wenig komplizierter. Fangen wir mit dem „Room“-Effekt an: Hier kann man den Bass des Signals regeln und auf Wunsch eine Pitch-Modulation hinzufügen. Beim „Hall“-Preset regelt Control 1 immer noch den Bass, während Control 2 nun die Größe des Halls steuert. Hier stehen wiederum fünf distinkte Größen zur Auswahl (die nicht graduell übergeblendet werden). Auf den „True Spring“-Algorithmus ist Source Audio besonders stolz, soll dieser doch extrem nah an einen echten Spring Reverb kommen. Auch hier regelt man mit dem ersten Poti den Bass. Control 2 wählt zwischen drei verschiedenen Längen der virtuellen Hallfedern. Auch hier gibt es distinkte Punkte und keine Überblendung.

Widmen wir uns noch schnell den übrigen Bedienelementen: Per Tap-Beat-Division-Switch lässt sich zwischen normalen Viertelnoten, punktierten Achteln (Hallo, U2-Coverband) und Triolen umschalten. Wenn man sich der Neuro App oder des Desktop-Editors bedient, stehen sogar noch mehr Optionen zur Wahl.

Ganz unten finden sich wie gewohnt die Fußschalter. Hier ist die Zuordnung wieder ganz leicht: Der linke aktiviert das Delay und erlaubt es, das Tempo einzutappen. Der rechte schaltet den Reverb und bietet einen Hold-Effekt, wenn man ihn gedrückt hält. Da hier wirklich zwei DSP an Bord sind, kann man über das gehaltene Signal immer noch mit Delay spielen. Wenn Delay und Reverb nicht aktiviert sind, kann man mit diesen Schaltern die Presets hoch- oder runterschalten.

Dazwischen findet sich noch der Preset-Schalter. Mit ihm kann man ganz einfach zwischen vier der auf dem Gerät gespeicherten Presets wählen. Hält man ihn gedrückt, speichert man an der gewählten Stelle die aktuellen Settings als neues Preset ab. Wer sich für die Themen Hot Hand, Neuro-Editor und Neuro-Hub interessiert, kann im Test des Source Audio Ventris (gratis unter www.gitarrebass.de) weitere Details nachlesen. Der Collider kann insgesamt noch eine Menge mehr als hier besprochen, und er hat dann eben doch einige sekundäre Funktionen – aber damit wir den Rahmen nicht sprengen, befassen wir uns im Folgenden lieber mit dem Sound.

SOUNDS

Fangen wir doch mal mit dem True Spring Reverb an. Der hat seinen Namen nicht zu Unrecht, gefiel mir damals im Test des Ventris schon sehr gut und schneidet auch hier wieder super ab. Insbesondere die Anschlagsdynamik gefällt mir sehr gut. Die Möglichkeit, die Länge der Federn einzustellen, erweitert die Anwendungsmöglichkeiten und der charakteristische „Drip“-Sound eines Federhalls wird wirklich gut getroffen.

Mit Room und Hall macht man natürlich nie etwas verkehrt. Beide Algorithmen liefern solide ab und verstehen sich eher als hintergründige Anreicherung des Sounds, denn als Stars im Rampenlicht. Wählt man den Shimmer-Effekt, gestaltet sich dies schon etwas anders. Obwohl dieser Effekt nun auch schon einige Jahre bekannt ist, hört man ihn doch nicht alle Tage. Da er etwas rechenintensiver ist, hört er sich in günstigeren Geräten dann leider eben auch so an: günstig. Mit digitalen Artefakten angereichert und aufdringlich. All das ist bei Source Audio kein Thema – hier „shimmert“ es par excellence.

Möchte man ohne Shimmer dennoch in die Ambient-Welten abtauchen, empfiehlt sich der E-Dome („Enormo-Dome“). Er stellt den größten Hallraum des Colliders dar und versetzt einen mitten in eine riesige Arena. Besonders gefallen hat mir der Swell-Effekt. Für den originalen BOSS-Slow-Gear-Effekt (SG-1), mit dem man ein Fade-In erzielen kann, werden mittlerweile über € 300 aufgerufen. Hier wird natürlich nur der Hall eingefadet, was dazu führt, dass man ihn noch besser als Lückenfüller im Hintergrund verstecken kann – oder aber, um genau dies als tollen Effekt herauszustellen, der dann doch nicht alltäglich ist.

Auch die Delays spielen ganz oben mit. Klar: Mit dem „Digital“-Setting möchte man eigentlich glasklare Repeats erzeugen. Das ist hier auch kein Problem. Dreht man aber ein wenig an den Control-Potis, schleicht sich ein sehr angenehmes Vibrato ein. Perfekt, um die digitale Vollkommenheit doch wieder etwas aufzulockern. Oder man wählt gleich „Analog“ und freut sich über die Repeats, die mit jeder Wiederholung an Höhen einbüßen und so deutlich mehr vintage klingen. Darf es noch ein bisschen mehr sein? Dann erzeugt „Tape“ wunderbares Geeiere mit Anteilen an Preamp-Sättigung, Filtern und natürlich Wow und Flutter.

Psychedelic oder Kraut-Rock sind mehr dein Ding? Dafür gibt es das Reverse-Delay. Hier mischt das Tone-Poti ausnahmsweise auch weitere Taps in das Delay. Der Collider hat noch immer nicht deinen Geschmack getroffen? Wie wäre es dann mit dem Oil-Can-Delay? Dieses war schon im Nemesis zu finden, man musste jedoch in den „Extended“-Delays suchen. Hier ist es nun direkt im Zugriff und warbelt froh vor sich hin. Die leichten Verzerrungen, die sich hier ins Signal mogeln, passen wunderbar zu ohnehin leicht dreckig eingestellten Amps, egal ob man es vor oder hinter der Zerre nutzt.

ALTERNATIVEN?

Natürlich gibt es Alternativen, gehören doch Delay und Reverb zu den beliebtesten Effekten von uns Saiteninstrumentalisten. Hat man keine großen Ansprüche an die Funktionsvielfalt und möchte einfach nur seine Brot- und Butter-Sounds abgedeckt wissen, so kann man mit zwei günstigen Pedalen vermutlich einfacher glücklich werden. Oder man kauft beispielsweise das Keeley DDR (Drive Delay Reverb) für rund € 220.

Mit einfachen Doppelpedalen wird es dann aber fast schon eng. Und wenn man sich den Preis des Colliders anschaut, sind Pedale die gleich „alles“ können, wie ein Line6 HX Effects (ca. € 550), gar nicht mehr so weit weg. Allerdings muss man bei diesem dann natürlich Kompromisse in der Bedienung eingehen. Möchte man also ein spezialisiertes Pedal mit diversen Möglichkeiten, so bleiben immer noch das Keeley Caverns (ca. € 220), welches zwar gut ausgestattet ist, aber sowohl im Funktionsumfang, als auch – subjektiv – im Sound unterlegen ist.

In letzter Zeit sehr beliebt, aber auch nicht ganz so intuitiv zu bedienen, ist das GFI System Specular Tempus Reverb & Delay für knapp € 360. Eine weitere Möglichkeit wäre natürlich, das Nemesis Delay und das Ventris Reverb einzeln zu kaufen. Man hätte so einen noch größeren Funktionsumfang im direkten Zugriff. Allerdings kostet das Ventris alleine schon mehr als der Collider. So gesehen hat sich Source Audio hier geschickt am Markt platziert.

Praxistaugliches und klar strukturiertes Bedienfeld plus flexible Anschlussmöglichkeiten (Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

In manchen Fällen ergibt 1+1 eben doch 3. Durch die gekonnte Kombination von zwei Effekten, die eigentlich auf keinem Board fehlen dürfen, hebt sich Source Audio geschickt vom Markt ab und hilft all jenen aus der Patsche, die nur noch einen Spot auf dem Pedalboard frei haben. Dabei wird jedoch weder an der Qualität der Effekte, noch an der Bedienung gespart. Durch die zwei DSP steht dem Collider jede Menge Rechenleistung zur Verfügung, die es offensichtlich gut nutzt, um wunderbar klingende Sounds zu erzeugen. Die Algorithmen sind dabei über jeden Zweifel erhaben und insbesondere der True Spring Reverb dürfte ein Lächeln auf die Gesichter der Vintage-Fraktion zaubern. Für alle, die moderner unterwegs sind, bieten sich Shimmer, Swell und E-Dome an. Gepaart mit dem speziell klingenden Oil-Can-Delay, schafft man es auch aus dem Einheitsbrei der Konkurrenz auszubrechen.

Die Bedienung ist dank cleverem Mini-Switch sehr übersichtlich – man bedient quasi immer nur ein Delay oder ein Reverb. Durch die Möglichkeit, vier Presets abzuspeichern, ergeben sich jede Menge Einsatzmöglichkeiten.

Erstaunlicherweise ist auch die Konkurrenz überschaubar. Hier wird entweder weniger geboten und auf die absoluten Grundlagen gesetzt, oder es gibt gleich „alles“, dafür aber ohne die tolle Bedienung, die man hier vorfindet. Rechnet man den Preis entsprechender Einzelpedale zusammen, geht auch der Straßenpreis von rund € 430 in Ordnung. Hat man sich erst einmal überwunden und das Geld ausgegeben, wird man viel Spaß beim Tüfteln und Erkunden der Sounds haben – oder eben einfach mit den grundlegendsten Algorithmen in toller Qualität glücklich werden.

PLUS

  • intuitive Bedienung
  • Sounds
  • Vielseitigkeit

(erschienen in Gitarre & Bass 04/2020)

Produkt: Effekt Pedale ABC – Alles über Effektpedale
Effekt Pedale ABC – Alles über Effektpedale
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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Bei so einem relativ preisintensiven Pedal vermisse ich die Mehrfachecho-Funktion, wie sie im Analogzeitalter durch ein Bandecho mit mehreren Tonköpfen erzeugt und durch die Instrumentals von Hank Marvin und den Shadows bekannt wurde. Wäre diese Funktion implementiert, könnte man das Gerät durchaus als Universal-Reverb-Delay bezeichnen und würde auch den zahlreichen Vintage-Sound-Gitarristen Freude bereiten.

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