Produkt: Kemper Amp Special
Kemper Amp Special
Der große Kemper Amp Testbericht! Kemper Amp – High-Tech in neuer Evolutionsstufe
Die Zeit tickt

Test: Soundbrenner Core Steel

(Bild: Dieter Stork)

Das Metronom ist wahrlich keine neue Erfindung. Kann man da noch irgendeine Innovation schaffen? Na wie wäre es, wenn man den Takt spüren und nicht nur hören oder sehen könnte?

Diese Mission verfolgt die in Berlin und Hong Kong ansässige Firma Soundbrenner seit einigen Jahren. Neben dem günstigeren „Pulse“-Modell (ca. € 90) gibt es nun auch das „Core“-Modell mit mehr Funktionen und einem schickeren Äußeren. Die Uhr soll sowohl Metronom als auch Stimmgerät und ein Dezibel-Messgerät sein. Irgendwie also sogar eine Art Smartwatch.

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LIEFERUMFANG UND BEARBEITUNG

Die Uhr kommt in einer sehr schön gestalteten Box, welche magnetisch schließt – wie man das eben von coolen Technikprodukten, aber weniger aus der Musikbranche kennt. Uns liegt zum Test die Steel-Variante vor, bei der das Gehäuse der Uhr aus Stahl gefertigt ist. Neben dem Plastikarmband liegt zudem eines aus italienischem Leder bei. Die Grundversion gibt es für ca. € 100, für die vorliegende Ausstattung muss man gut € 300 auf den Tisch legen. Neben der Uhr selbst erhält man auch eine Tragetasche, ein Ladekabel, eine Halterung, um die Uhr als Stimmgerät nutzen zu können, einen Körpergurt und Ohrstöpsel. Letztere sind ein nettes Gimmick, der Rest ist tatsächlich sinnvoll für den Betrieb, darum schauen wir uns die Sachen mal etwas genauer an.

(Bild: Dieter Stork)

Das Ladekabel erstrahlt im leuchtenden Farbton des Soundbrenner-Corporate-Designs und setzt einen netten Kontrast zur ansonsten recht dezent auftretenden Uhr. Es dockt magnetisch an und liefert über USB Strom oder Daten. Ich bin zwar nie ein großer Freund von proprietären (Kabel-)Lösungen, aber der magnetische Kontakt ist hier schon elegant gelöst. Passt also. Das Lederarmband ist zwar deutlich schicker als das aus Plastik, aber auch zunächst noch etwas steif. Das wird sich sicher schnell geben.

Über den unteren der zwei Buttons geht man „tiefer“ ins Menü, über den oberen zurück. Das ist total logisch, aber zunächst ein wenig ungewohnt. Die Lünette lässt sich drehen, um so beispielsweise zwischen den verschiedenen Modi zu wechseln. Jede Änderung wird mit einer satten Vibration unterstützt. Das fühlt sich irgendwie cool an. Natürlich lässt sich die Lünette im ausgeschalteten Modus auch drehen, nur fühlt sie sich hier nicht sehr wertig an, schleift und wackelt etwas.

Man darf sich übrigens nicht der Illusion hingeben, hier viel Display zu bekommen. Das Logo in der Mitte kann nur farbig leuchten, die eigentlichen Displays befinden sich oben und unten. Sie sind für heutige Verhältnisse ziemlich klein, stellen aber die benötigten Informationen gut dar.

Einstellungen können wahlweise über die Uhr oder über die Soundbrenner-App getätigt werden. Diese verbindet sich per Bluetooth schnell und zuverlässig mit der Uhr und lässt auch das Erstellen von Songs und Setlisten zu.

Via App lassen sich viele Einstellungen auf die Uhr übertragen.
Via App lassen sich viele Einstellungen auf die Uhr übertragen.

FUNKTIONEN UND EINDRUCK

Hat man sich erst einmal mit dem Bedienungskonzept vertraut gemacht, kommt man super zurecht. Nun muss man sich entscheiden, wo und wie man die Uhr trägt. Als Rechtshänder trage ich Uhren immer links. Das klappt auch gut. Wenn ich sie nun noch (wie John Wick) nach innen drehe, kann ich beim Spielen sogar die optischen Hinweise der Uhr nutzen. Testweise kommt sie auch mal ans rechte Handgelenk. Das lässt sich aber leider nicht so recht mit meinen Humbuckern vereinbaren. Die Uhr erzeugt bei jeder Vibration deutliche Einstreuungen ins Gitarrensignal. Also wieder nach links. Man muss die Soundbrenner schon recht fest anlegen, um die Vibration voll mitzubekommen. Und selbst dann war für mich die leichteste der drei Vibrationsstufen oft nicht stark genug, sodass ich dazu übergegangen bin, die Stärken 3 und 2 zu nutzen und 1 außen vor zu lassen.

Man muss sich tatsächlich erst mal daran gewöhnen, dass nun immer das Handgelenk vibriert. Wer damit nicht klarkommt, hat die Möglichkeit den Körpergurt zu nutzen, um die Uhr an den Oberarm oder das Bein zu schnallen. Spontan fühle ich mich mit dem Metronom am Oberarm ganz wohl und spiele damit eine Weile. Hier ist für mich kein großer Gewöhnungseffekt notwendig. Ich komme schnell in den passenden Groove und kann ihn dank der Uhr auch leichter halten.

Es fällt auf, wie schnell der Akku geleert wird. Das ist nicht weiter verwunderlich, man sollte aber bedenken, dass hiermit vermutlich keine achtstündigen Proben gespielt werden können. Auch wenn ich gar nichts mit der Uhr gemacht habe, weil sie mal einen Tag nur ungenutzt auf dem Schreibtisch lag, war der Akku recht schnell erschöpft.

Das Dezibelmessgerät funktioniert, soweit ich das beurteilen kann, gut und stellt plausible Werte dar. Ein Druck auf einen der Buttons sorgt zwar für eine Anzeige von rund 90dB, aber das macht man ja auch nur, wenn man den Modus wieder verlassen will. Um die Uhr als Stimmgerät zu nutzen, muss man einen Klebepunkt an der Kopfplatte seiner Gitarre anbringen. Besitzt man mehrere Instrumente, muss man sich entsprechend mehr dieser Klebis besorgen. Stoppuhr und Timer funktionieren wie sie sollen und merken sich ihren Status auch, wenn man den Modus zwischenzeitlich verlässt.

RESÜMEE

Die Soundbrenner-Modelle haben eine sehr klare Zielgruppe: Musiker, die den Beat spüren wollen. Sehen kann man ihn zum Glück auch und dank guter App-Integration kann man gleich ganze Setlisten anlegen. Eine schöne analoge Uhr oder eine Smartwatch ersetzt die Soundbrenner bei weitem nicht. So gesehen kann man sich vielleicht auch den Mehrpreis des Steel-Modells sparen. Zumindest in meinen Augen ist die Soundbrenner keine vollwertige Alltagsuhr, sodass man auch gut mit dem günstigeren Plastikarmband leben kann.

Die Bedienung ist gut, und wenn man erst mal einen passenden Platz und eine entsprechende Einstellung für die Uhr gefunden hat, funktioniert alles so wie es soll und man wird merklich beim Takthalten unterstützt. Zu nah an den Pickups darf die Uhr dabei nicht sein, sonst gibt es Einstreuungen. Aber hey: Irgendwer plant genau das gerade bestimmt in seinen nächsten Song ein, wer weiß.

PLUS

  • Man fühlt den Beat
  • Zusatzfunktionen

MINUS

  • Akkulaufzeit

(erschienen in Gitarre & Bass 08/2020)

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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Hallo,

    also den Test kann ich so weitestgehend eins zu eins bestätigen. Anmerken sollte man jedoch dass das Soundbrenner Team ein super engagiertes, nettes und kundenorientiertes Unternehmen ist. Der Service ist super und als „Alltagsuhr“ ist die Soundbrenner Core eben mal was anderes als eine Normale Uhr oder Smartwatch. Die Akkulaufzeit geht für mich völlig in Ordnung, ohne groß Firlefanz hält die Uhr bei mir ca. eine Woche durch, mit Smartnotifications etwas weniger (ca. 5 Tage) und wenn das Metronom läuft ist bei mir nach ca. 6 Stunden Schluss. Kurzum, ich mag meine Core Steel, jetzt noch eine Alarmfunktion mit Vibration und ich bin noch glücklicher 😉

    Im Übrigen kommen immer mal wieder Updates für die Uhr. Ich finde die sollte jeder Musiker zumindest mal antesten.

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